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Starke Partner für Rheinsberg

Der von Carl Gotthard Langhans geschaffene Muschelsaal im Schloss kann restauriert werden

Dank der Unterstützung starker Partner kann die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) den Muschel- bzw. Marmorsaal im Schloss Rheinsberg wiederherstellen.

Ermöglicht wird dieses große Restaurierungsvorhaben im Schloss durch die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin.

Der Muschel- bzw. Marmorsaal entstand 1769 im Auftrag des Prinzen Heinrich von Preußen (1726-1802). Es handelt sich um den einzig erhaltenen Innenraum aus der frühen Schaffensperiode des Architekten Carl Gotthard Langhans d. Ä. (1732-1808), dessen bekanntestes Werk das von 1789 bis 1791 errichtete Brandenburger Tor in Berlin ist.

Geschichte des Muschelsaals
Der ältere Spiegelsaal und der Muschel- bzw. Marmorsaal sind die beiden großen Festsäle des Rheinsberger Schlosses. Beide Schlossräume haben für die Architektur- und Kunstgeschichte Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert herausragende Bedeutung. Steht der von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) entworfene Spiegelsaal am Anfang des friderizianischen Rokokos, wird der Muschel- bzw. Marmorsaal zu den frühen Zeugnissen des beginnenden Klassizismus unmittelbar im Umfeld des Berlin-Potsdamer Raumes gerechnet. Insofern steht auch dieser Schlossraum für den innovativen Charakter des Rheinsberger Schlosses, das mit seinen beiden Bauherren – Kronprinz Friedrich (1712-1786) und Prinz Heinrich (1726-1802) eine Plattform für junge Künstler bot, die wenig später ihre künstlerische Meisterschaft in den Metropolen zeigen konnten.

Auf Wunsch des Prinzen Heinrich wurde Carl Gotthard Langhans d. Ä. im Herbst 1766 von Breslau nach Rheinsberg beordert. 25 Jahre vor der Errichtung des Brandenburger Tores konnte hier der noch wenig bekannte Baumeister zahlreiche Entwürfe für Umbauarbeiten am Schloss, im Garten und auch in der Stadt fertigen. Nach dem leider heute nicht mehr erhaltenen Raumentwurf wurde der neue Festsaal anstelle der ursprünglichen vier Wohnkabinette der Kronprinzessin Elisabeth Christine in der südöstlichen Ecke des Klingenbergflügels und des Corps de Logis 1769 durch den Bauintendanten Carl Wilhelm Hennert (1739-1800) errichtet. Die Zeitgenossen schätzten den neuen Schlossraum wegen seines „neuen und sehr anmuthigen Geschmacks“. Ist die Deckengestaltung noch deutlich Rokokoformen verpflichtet, wird an den Wänden ein neuer Dekorationsstil manifest. Für Langhans selbst wurde dieser Raum zur Zäsur in seinem weiteren künstlerischen Schaffen.

Allerdings wurde die ursprüngliche Raumkomposition im Laufe der Zeit verändert. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entnahm man den zur Ausstattung gehörenden Fayence-Ofen für das Hohenzollernmuseum in Berlin. Wenig später wurde der heute noch existierende Neorokoko-Ofen aufgestellt. Vermutlich auch schon im 19. Jahrhundert gingen Randbereiche der bauzeitlichen Deckendekorationen durch eine Schwammsanierung verloren.

Vor allem aber wurde der Raum durch die nach 1945 einsetzende Nutzung des Schlosses als Sanatorium in Mitleidenschaft gezogen. Vier Konsoltische wurden bis auf wenige Fragmente zerstört. Die Spiegelrahmen über den Konsoltischen gingen verloren, die Spiegelglasflächen wurden zugeputzt und überstrichen. Das Originalparkett wurde in den 1960er Jahren durch ein modernes Tafelparkett ersetzt. Besonders die Nutzung des Muschelsaals als Speisesaal führte zwischen 1950 und 1990 zu erheblichen Schäden an den zweifarbig angelegten Stuckmarmorwänden durch Einstemmen eines Lautsprechers, die Verlegung von Heizungsrohren und mechanische Schäden in Höhe der Servierwagen.

Bis zur Ausstellung anlässlich des 200. Todestages des Prinzen Heinrich im Jahre 2002 konnten die auffälligsten Eingriffe kaschiert werden. Wichtig war die Restaurierung und Rekonstruktion der vier Konsoltische dank Spendenmitteln 1994. Die Tische zählen zu den ganz wenigen authentischen Zeugnissen der ursprünglichen reichen Ausstattung an Möbeln. Ergänzend dazu wurden die Putzflächen über den Konsoltischen wieder geöffnet und provisorisch verspiegelt. Im Zuge des Austauschs des Heizungssystems 1994/1995 erfolgte der Rückbau der großen Heizkörper an den Stuckmarmorwänden. Alle Fehlstellen im Bereich des Stuckmarmors wurden jedoch nur provisorisch mit Kalkputz und einer Farbfassung geschlossen.

Die Restaurierungsmaßnahmen
Ziel des aktuellen Restaurierungsprojekts ist die weitgehende Wiederherstellung der ursprünglichen Raumgestaltung. Die bauzeitliche Farbigkeit an Decke und Türen wird freigelegt und restauriert, der heutige Bronzeanstrich wird entfernt, die darunter liegende, ursprüngliche Polimentvergoldung restauriert bzw. ergänzt. Zudem erfolgen die Konservierung und Ergänzung des äußerst fragilen Deckenstucks sowie die Reinigung und Ergänzung der Muscheln, Schnecken und Korallen. Wesentlich für den harmonischen Gesamteindruck wird die Ergänzung und Restaurierung der Stuckmarmorwände sein.

In Fortsetzung der Restaurierung der Konsoltische ist die Rekonstruktion der Spiegelrahmen beabsichtigt. An den damals neuartigen Dekorationselementen mit den rechteckigen und ovalen Füllungen auf den Wandflächen mit ihren Puttenreliefs und mit Girlandenumrahmungen müssen umfangreiche Konservierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Wie in den anderen Paraderäumen des Prinzen Heinrich soll auch hier das bauzeitliche Tafelparkett rekonstruiert werden.

In einem ersten Schritt wurden umfangreiche statische Ertüchtigungen der Decke zum Erdgeschoss durchgeführt, da hier während des Umbaus 1769 Eingriffe in die Deckenkonstruktion erfolgt waren. Die statische Sicherung der Raumdecke im Dachgeschoss ist bereits im Zuge der Dachinstandsetzung 2006 erfolgt. Die Restaurierungsarbeiten werden inklusive Fußboden voraussichtlich zum Saisonbeginn 2017 abgeschlossen sein.

Die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V.
Seit mehr als 30 Jahren engagieren sich die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. für den Erhalt und die Restaurierung der ehemals Königlichen Schlösser und Gärten. Die anfänglich kleine Gruppe von 33 Mitgliedern ist inzwischen zu einem engagierten Förderverein mit 1.500 Mitgliedern angewachsen. Die zahlreichen Förderprojekte, die die Freunde mit vielen kleinen und großen Spenden verwirklichen konnten, reichen von Ankäufen einzelner Kunstgegenstände bis zur Restaurierung ganzer Räume.

Schloss Rheinsberg war für die Freunde stets ein ganz besonderer Ort. An der Rückgewinnung des Rheinsberger Ensembles beteiligten sich die Freunde und die von den Freunden initiierte Museumsshop GmbH unter anderem mit Finanzhilfen zur Restaurierung von Prinz Heinrichs Paradeschlafkammer und den Fresken der Gewölbten Kammern sowie im Garten zur Restaurierung der Egeria-Grotte oder der dem Schloss gegenüberliegenden Perspektivwege an den Terrassen zum Obelisken.

Zuletzt förderte die Kulturstiftung der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten – 2010 als Gesellschafterin der Museumsshop GmbH gegründet – im Zuge der aufwändigen Arbeiten im Spiegelsaal die vollständige Restaurierung des Fußbodens, die Freunde das anschließende Bacchus-Kabinett – beides noch erhaltene Beispiele friderizianischer Raumkunstwerke.

Die Freunde und die Kulturstiftung der Freunde freuen sich, gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin die Restaurierung des Muschel- bzw. Marmorsaals für das Schlossmuseum Rheinsberg zu ermöglichen.

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Die im Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) zusammengeschlossenen Sparkassen errichteten im November 1995 die Ostdeutsche Sparkassenstiftung für die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt als ihr Gemeinschaftswerk. Als zentrale Aufgaben gaben die Sparkassen ihrer Kulturstiftung mit auf den Weg, die regionle Identität zu erhalten, durch Förderung ausgewählter Vorhaben das kulturelle Erbe zu bewahren und die Gegenwartskunst weiterzuentwickeln.

Der SPSG ist die Sparkassenstiftung durch viele Projekte in den vergangenen Jahren verbunden. Dazu gehörten etwa die Förderung der Einrichtung der Silberkammer im Schloss Oranienburg 2006, die Restaurierung des Unteren Fürstenquartiers im Neuen Palais in Potsdam (zusammen mit dem World Monuments Fund und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse) von 2007 bis 2012, die Unterstützung der Ausstellung „Friederisiko“ 2012 oder seit 2005 das Schülerprogramm „Ein Tag in Potsdam“ (zusammen mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte). Das gemeinsame Engagement der Ostdeutschen Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin für die Wiederherstellung des Muschelsaals im Schloss Rheinsberg fügt sich hier folgerichtig ein.

Der Sparkassenstiftung und der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin ist es eine große Freude, dass sie zusammen mit den Freunden der Preußischen Schlösser und Gärten und der Kulturstiftung der Freunde eine der schönsten Raumschöpfungen der brandenburg-preußischen Kunstgeschichte wieder für das Publikum erlebbar machen können.

Geschichte des Schlosses Rheinsberg
Das malerisch am Ufer des Grienericksees gelegene Schloss Rheinsberg war die Residenz des Kronprinzen Friedrich. 1734 erwarb der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. den alten märkischen Adelssitz für seinen Sohn und beauftragte den kurmärkischen Baudirektor Johann Gottfried Kemmeter (Ende des 17. Jahrhunderts-1748) mit der Umgestaltung der Renaissanceanlage. Der Schlossflügel wurde zur Beherbergung der Kronprinzenwohnung aufgestockt und das Corps de Logis erbaut. Nach der Vermählung Friedrichs mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern (1715-1797) im Jahr 1736 siedelte das Kronprinzenpaar nach Rheinsberg über. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff verwirklichte ab 1737 mit der Errichtung des Nordflügels und des Nordturmes sowie einer verbindenden Kolonnade den Gesamtplan einer Dreiflügelanlage. Der Baumeister lieferte auch die Entwürfe für die Gestaltung der Innenräume.

Friedrich trat im Jahr 1740 als König Friedrich II. die Nachfolge seines Vaters an und übereignete Schloss Rheinsberg 1744 seinem Bruder Heinrich, der es 1753 nach seiner Vermählung mit Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel (1726-1808) bezog und es fast 50 Jahre bis zu seinem Tod bewohnte. Prinz Heinrich nahm während seiner Lebenszeit in Rheinsberg weitreichende Umgestaltungen der Innen- und Außenräume vor.

Mit dem Tod Prinz Heinrichs im Jahr 1802 endete die glanzvolle Epoche von Rheinsberg. Bis zum Jahr 1945 blieb das Schloss, das bis dahin fast ein Jahrhundert lang für Besucher geöffnet war, im Besitz der Hohenzollern. Ab 1950 wurde es mitsamt der Nebengebäude als Sanatorium zweckentfremdet. Seit dem Jahr 1991 ist das Schloss Rheinsberg wieder für die Öffenlichkeit zugänglich.

Informationen:
Schloss Rheinsberg
Mühlenstraße 1
16831 Rheinsberg

Öffnungszeiten:
April bis Oktober
Montag: geschlossen
Dienstag-Sonntag: 10:00-18:00 Uhr

November bis März
Montag: geschlossen
Dienstag- Sonntag: 10:00-17:00 Uhr

Eintritt:
8 Euro / ermäßigt: 6 Euro

Weitere Informationen unter http://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-rheinsberg/

Pressekontakt
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Frank Kallensee
Tel. 0331.96 94-318 / Fax  0331.96 94-102
Postfach 60 14 62, 14414 Potsdam
www.spsg.de





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