Romoe Restauratoren Netzwerk

Hämmern und Spachteln für die Historie

Thüringen - das grüne Herz Deutschlands. Schon, es ist aber auch viel mehr. Selbst ein flüchtiger Kontakt vermittelt den Eindruck, daß hier mehr geschieht als in anderen Gegenden der neuen Länder. Einer, der ein positives Bild von diesen Veränderungen vermittelt, ist Peter Koch aus Albrechts bei Suhl.

Peter Koch ist selbständiger Restaurator - war das auch schon vor der Wende - und hat ein umfangreiches Tätigkeitsgebiet. So arbeitet er, über die Grenze des Bundeslandes hinaus, an Sakral- und Profanbauten, an Fassaden genauso wie an Wandmalereien, Skulpturen, Gemälden und historischen Raumausstattungen. Peter Koch hat das Talent, seine Arbeit auch dem Laien nahezubringen und ihn zu begeistern. Besuchern schildert er seinen Einstieg in einen neuen Auftrag. Er erklärt plastisch wie auch überzeugend die Voruntersuchungen der Bausubstanz, Farbpolychromie, bauarchäologische Prüfungen, die von einer Konzeption über die zu leistenden Arbeitsschritte in eine bindende restauratorische Zielstellung münden. Dabei erläutert er, wie kurzfristig und sehr rentabel Sandsteinfassaden gereinigt werden können und warum den Bauherren die preiswerten und oft weniger schädlichen Methoden empfohlen werden sollten. Es wird deutlich, daß in diesem Gewerbe nicht nur Idealisten arbeiten. Peter Koch wäre froh, wenn die Architekten das fachliche Wissen der Restauratoren nutzen würden. Vielleicht hat das damit zu tun, daß sich Planer und Konstrukteure früher mehr als heute auf die Erfahrungen der Handwerksmeister stützten. Irgendwann in dem Gespräch mit ihm zwischendurch die Frage: Wie wird man Restaurator? Da gibt es wie in allen handwerklich-künstlerischen Berufen verschiedene Wege.

 

Peter Koch (l.) und seine Frau überprüfen die Restaurierung eines Stillebens in /l aus dem letzten Jahrhundert, die von Renate Koch ausgeführt worden ist. Im Hintergrund ist ihr Haus sichtbar, welches das Ehepaar selbst gebaut hat. Dort befindet sich auch das Atelier von Renate Koch.

In Peter Kochs Fall einen, der sicher nicht zur Norm gehört. Er malte schon als Kind oft und gern, lernte dann jedoch den Beruf des Elektromaschinenschlossers, schulte um und wurde Malermeister. In dieser Zeit hatte er vielfältige Kontakte zu Kirchenmalern und Restauratoren. Und damit kam er der Verwirklichung seines eigentlichen Berufswunsches immer näher. Die Aufnahme in den Verband bildender Künstler setzte den Nachweis der Anfertigung von fünf selbständigen Objekten voraus. Das war mühsam, erforderte den Kampf gegen eingefahrene Wege und bestehende Strukturen. Doch schließlich hatte er Erfolg, seine Arbeit fand Anerkennung. Seine Frau und seine beiden Schwäger, die er bei der Arbeit an einem Projekt kennenlernte, bilden mit ihm zusammen eine Restauratoren-Gemeinschaft. Schon der Vater der drei Geschwister Renate Koch, Manfred und Rolf Möller war Restaurator und prägte seine Kinder derart, daß für sie kein anderer Beruf als der des Restaurators in Frage kam. Die Brüder studierten an der Fachhochschule in Potsdam angewandte Kunst, legten aber auch ihre Meisterprüfung im Malerhandwerk ab, um Lehrlinge ausbilden zu können. Als Ehefrau von Peter Koch hat sich Renate Koch darauf spezialisiert, im Atelier /lbilder, Skulpturen und andere transportable Kunst zu restaurieren. Gleichzeitig kümmert sie sich um das Geschäftliche und ist Ansprechpartnerin für die Kunden ihres Mannes. Wenngleich die beiden Brüder und das Ehepaar unterschiedliche Wege hinter sich haben und auch jeder auf eigene Rechnung arbeitet, sind sie sich bei der Beurteilung der Arbeit einig. Sie halten wenig von Demagogie: Natürlich beeinflußt die Umwelt ihrer Meinung nach vieles, und es gibt Umweltschäden. Aber bei der Einschätzung eines historischen Bauwerkes muß auch bedacht werden, welchen Einflüssen es in der Vergangenheit ausgesetzt war. Übermalungen, womöglich mehrfache, können zusammen mit Freilegungen und erneutem Verputzen zu Schäden geführt haben. Die oft zu hörende Ansicht, der saure Regen sei dafür die alleinige Ursache, erscheint Peter Koch und seinen Partnern zu simpel.

Rolf Möller schlägt in der alten Dorfkirche aus dem 16. Jhd. in Dillstädt Zementausbesserungen sowie losen und morbiden Putz bis zur Steinsichtigkeit ab. Dabei weist er seine Tochter Antje, die Lehrling bei ihm ist, in die komplizierte Technik des Restaurierens ein und zeigt ihr die Feinheiten des Handwerks, die er, wie seine Schwester und sein Bruder, von seinem Vater erlernte, der ebenfalls Restaurator war.

Einfache Erklärungen sind eh’nicht ihre Sache. Die vier Restauratoren betonen die Notwendigkeit historischer Wahrhaftigkeit. Chemisch reine Rekonstruktionen wie Disneyland sind für sie keine überzeugende Lösung, denn die Städte waren früher wie heute permanente Baustellen. Gebäude unterschiedlichster Baustile und Erhaltungszustände vermischten sich zu einem lebendigen Bild. Diese Tatsache muß man sich vergegenwärtigen – gerade beim Aufbau Ost, wo es um die Sanierung der vom Verfall bedrohten Stadtkerne geht. In einer Zeit des Wandels ist gesellschaftliches und politisches Engagement gefordert. Während viele Bürger eine nicht immer zu akzeptierende Ohne-mich-Haltung einnehmen, beteiligen sich diese Vier an der Basisarbeit. Jeder für eine andere Partei oder Wählergemeinschaft, im Gemeindeparlament ihres Dorfes und anderswo. Sie halten das für selbstverständlich. Peter Koch sagt, „jeder sollte versuchen, an seinem Platz und für seinen Bereich etwas zu tun, um so dazu beizutragen, mit den Lasten der Vergangenheit fertigzuwerden.” Er weiß um die Sorgen und Nöte seiner Mitbürger, um die Planungen der Gemeinde. Zurückhaltend, aber mit berechtigtem Stolz erzählt er, an welchen Projekten er mitgewirkt, wo er etwas angeschoben hat und wo er seinen Mitmenschen „Hilfe zur Selbsthilfe” geben konnte. Zurück zum Metier: Peter Koch ist Restaurator mit Leib und Seele. Er ist sich natürlich auch dessen bewußt, daß die Erhaltung und Pflege alter Substanzen nur ein kleiner Teil der gesamten Bauaktivitäten ist. Er bringt Verständnis für die Menschen auf, die die Massenarchitektur und Plattenbauweise der vergangenen Jahre nicht mehr mögen und nun nach individuellen Wohnformen streben. Angesichts seines Engagements im Beruf und in der Politik gehört er zu den Menschen, die als vorbildlich bezeichnet werden können; dies in einer Zeit, in der viele Bürger einzig ihre Partikularinteressen vertreten und verfolgen. Wo ich Peter Koch kennenlernte? Ganz einfach: Der Restaurator ist Kunde der Filiale in Suhl.   



Zeitschrift FORUM - Mitarbeiter-Zeitschrift der Deutschen Bank Nr2. / 1993 S. 38-40
Autor Gunter Knorr
Herausgeber Deutsche Bank AG
 


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen Schließen