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Molsdorf Schloßkirche

Epitaphe der Familie Schulze und Apsisausmalung in der Schloßkirche, Untersuchung, Konservierung, Restaurierung, Rekonstruktion und Wiederanbringung der Holzepitaphe, Rekonstruktion der Apsisausmalung und der Schiffdeckenfassung

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Zusammenfassung Objekt

I.2 Einordnung
I.2.1 Lokalisierung

Die Epitaphe waren ursprünglich an der Ostwand der Apsis der Kirche jeweils links und rechts neben dem mittleren Aspisfenster oberhalb der zentralen Galeriekanzel angebracht. (Siehe Anlage 3, Lageplan) Auf der rechten Seite befand sich das Epitaph des Otto Christoph Schultze, auf der linken Seite das seiner Frau Dorothea Margaretha Schultze geb. Fischerin.
Zu Beginn der Restaurierungsarbeiten waren die Epitaphe bereits demontiert und in eine der Kirchenlogen eingelagert.

I.2.2 Kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung

Familie Schultze
Der Braunschweigisch-lüneburgische Landdrost Otto Christoph Schultze erwarb 1713 von Baron Bachoff von Echt das Rittergut zu Molsdorf. 1717 ließ er die stark beschädigte Kirche St.Alban niederreißen und an deren Stellen die heutige Dreifaltigkeitskirche erbauen. 1720 übergab er den Bau der Gemeinde.
Drost Schultze, dessen Ehe mit Dorothea Margaretha geb. Fischerin kinderlos geblieben war, stürzte auf dem Weg zu seinem "Haus zum Breiten Herd " auf dem Erfurter Fischmarkt und verstarb am den 03.November 1728. Seine Beisetzung erfolgte in Molsdorf in einer Gruft unter dem Turm. Am 19.Januar 1733 folgte ihm seine Frau, welche neben ihm beigesetzt wurde.
Die lateinischen Inschriften auf dem Epitaph des Herrn Schultze lauten übersetzt:
"Des weiland wohlgeborenen Herrn Otto Christoph Schultze, königlich Großbrittanischen und Kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischen Legationsrates, auch Erb- und Gerichtsherren zu Moldorf, entseelter Leichnam, erwartet hier die seelige Auferstehung. Von seiner Gottseeligkeit legen Zeugnis ab die zwei restaurierten Kirchen zu Friedrichswerth und Metebach, wie auch die von Grund auf neu erbaute Kirche zu Molsdorf. Von seiner Liebe gegen die Nächsten predigen zwei Waisenhäuser, und zwar zu Clausthal und zu Friedrichswerth. Von seiner praktischen Einsicht, von seinen praktischen Geschick, von seiner Aufrichtigkeit und anderen Tugenden gibt Zeugnis die Gnade und Gewogenheit hoher Fürstlichkeiten. Nachdem er anderen zu Dienst lange genug gelebt, erwählte er, um auf sein Seelenheil desto besser bedacht sein zu können, die Einsamkeit und so stets zur himmlische Reise fertig, fand er endlich in Christo seine Ruhe, den 03.November 1728, in einem Alter von 70 Jahren. Zu dessen seligen Andenken hat seine Gattin Dorothea Margaretha geb. Fischerin in ihrer Trauer dieses Denkmal errichten lassen. Dein ehrenvoller Name und dein Verdienst wird in aller Zeit in Segen bleiben.
"Ein echter Israelit ziehet ein zur Ruhe, welchem der Herr von Ferne erschien mit der Versicherung: Ich habe dich je und je geliebt. Darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. " Jerem, 31.3.

Die lateinischen Inschriften auf dem Epitaph der Frau Schultze lauten übersetzt:

"Das ist das edle Bildnis der weiland wohl geborenen Schultzischen Witwe, auch Herrin zu Molsdorf, Ollendorf und Dornheim etc. Dorothea Margaretha geb. Fischerin, welche dem sowohl innerhalb wie außerhalb Deutschlands berühmten Fischerschen Geschlecht entsprossen ist. Ihr Vater, Christoph Fischer, war Generalsuperintendant in dem damaligen Fürstentum Göttingen. Ihre Mutter, Anna Margaretha geb. Bärwald, stammte aus einem gleichfalls angesehenen Geschlecht zu Clausthal. Sie selbst, geb. am 18.November 1669, war durch die treffliche Erziehung sowohl des Vaters als auch ihrer Großmutter mütterlicherseits, mit gar herrlichen Tugenden ausgestattet. Mit ungeheuchelter Gottesfurcht, von Liebe und Freundlichkeit gegen ihren Ehegefährten beseelt, mit Aufrichtigkeit und Leutseeligkeit gegen den Nächsten und mit mildtätiger Freigiebigkeit gegen Witwen, Waisen und Verlassene erfüllt, in gleicher Weise darin, wo sie ihres Mannes milde Stiftung erfüllen half. Herzliche Liebe hegte sie gegen ihre Anverwandten, dazu waren ihrer eigen wohlanständigen Sitten und holdes Wesen. Dem Herrn nun hat es gefallen, dieselbe aus dieser Zeitlichkeit zu der gewissen und im Gebet ersehnte Unsterblichkeit abzufordern, am 19.Januar 1733, in einem Alter von 63 Jahren und sieben Wochen. Ihre sterblichen Reste, die in diesem stattlichen, neuerbauten Gotteshause beigesetzt sind, mögen ruhen in Frieden zur fröhlichen Auferstehung.

Der Seeligen zum bleibenden Andenken, haben dies Denkmal aus pflichtschuldiger Dankbarkeit errichten lassen ihre Schwestern und Anverwandten. "

I.2.3 Historische Untersuchung und kunstgeschichtlicher Abriß

Die, von P.A. Graff hergestellten, Epitaphe sind in ihrer Gestaltung Ensemble aus einzelnen plastischen Bildwerken welche dem Barock zu zuordnen sind. Die Stilelemente, erkennbar in Ornamenten und Gesamtgestaltung weisen die Merkmale dieser Zeit auf. Des weiteren deuten die Sterbedaten, welche vermutlich nicht stark vom Herstellungsdatum abweichen, auf diese Zeit.

I.2.4 Beschreibung

Epitaph Herr Schultze:

Das Epitaph ist aus Holz gefertigt, an seinen Sichtseiten vergoldet und besteht aus mehreren Teilen.
Dem zentralen tropfenförmig, geschwungenen Korpus sind zu den Seiten je ein Schleierbrett als seitlicher Hintergrund gestellt. Der Corpus ist durch ein profiliertes Sims in Aufsatz und Untersatz unterteilt. Beide tragen ein Schriftfeld mit römischen Kapitalen. Am Sims enden zwei seitlich herablaufende Voluten. Auf gleicher Höhe sind beiderseits je ein Putto angebracht. Das Attribut des linken Putto fehlt. Der Rechte hält ein Herz als Sinnbild der Gottesliebe .
Unterhalb des Korpus hängt sich eine plastische Darstellung des Heiligen Geistes, bestehend aus dem geflügelten Kopf eines bärtigen Mannes, an.

Das Epitaph wird von einem Gemälde des verstorbenen Kirchenstifters bekrönt. Das Dreiviertelportrait Christoph Schultzes wird von zwei geflügelten Puttenköpfen durch plastische Wolken in das Jenseits getragen. Heraustretende Strahlen weisen auf das göttliche Licht hin. Das Bildnis selbst befindet sich in einem schlichten, durch einen Halbrundstab, profilierten Rahmen.

Epitaph Frau Schultze:

Das Epitaph ist aus Holz gefertigt, an seinen Sichtseiten bis auf die Schriftfelder vergoldet und besteht aus mehreren Teilen.
Dem zentralen tropfenförmig, geschwungenen Korpus sind zu den Seiten je ein Schleierbrett als seitlicher Hintergrund gestellt. Der Corpus ist durch ein profiliertes Sims in Aufsatz und Untersatz unterteilt. Beide tragen ein Schriftfeld mit plastischen, römischen Kapitalen. Wobei das Schriftfeld des Untersatzes in einem zurückliegenden Font, eingerahmt wird. Auf Höhe des Simses enden ebenfalls zwei seitlich herablaufende Voluten. Des weiteren ist beiderseits je ein Putto angebracht. Der Anker als Attribut des linken Putto gilt als Zeichen der Hoffnung. Der Rechte hält eine Säule als Sinnbild für Kraft und Beständigkeit sowie der Kirche .
Unterhalb des Korpus hängt sich eine plastische Darstellung des Todes als Allegorie der Vergänglichkeit, bestehend aus einem geflügelten Totenkopf , an.

Das Epitaph wird von einem Gemälde der Verstorbenen bekrönt. Das Dreiviertelportrait Dorothea Margaretha Schultzes wird von drei geflügelten Puttenköpfen durch plastische Wolken in das Jenseits getragen. Heraustretende Strahlen weisen auf das göttliche Licht hin. Das Bildnis selbst befindet sich in einem schlichten, durch einen Halbrundstab, profilierten Rahmen.

I.3 Naturwissenschaftliche Untersuchung
I.3.1. Untersuchungen zum plastischen Bildwerk
I.3.1.1. Ergänzungen und Veränderungen

Der originale Standort der Epitaphe ist nicht nachweisbar. Vermutlich sind sie jedoch für die jetzige Position gefertigt wurden. Die Befestigungsanker zwischen den Fenstern der Apsis weisen die gleichen Korrosions- sowie Bearbeitungsspuren wie die Anker am Epitaph auf. Weiterhin lässt die Ausführung der Putti mit leichter Untersicht auf eine hohe Befestigung schließen.
Veränderungen am plastischen Bildwerk sind nur durch dessen partielle Überfassung feststellbar. (Siehe Anlage 2, Kartierung). Dies geschah im Schriftfeld am Korpus des Epitaphs der Frau Schultze nahezu vollflächig.

I.3.1.2. Material/ Ver- und Bearbeitung

Materialbeschreibung (nach visuell - makroskopischer Einschätzung):
Für die figürlichen Darstellungen der Epitaphe wurde vermutlich Lindenholz verwendet. Die Trägerkonstruktion besteht aus einem Nadelholz (vermutlich Kiefer).
Der Träger der Gemälde ist Kupferblech.
Die plastischen Buchstaben im Schriftfeld des Korpus der Frau Schultz bestehen aus Pappmachè.

Verarbeitung: Längs des Markverlaufes

Bearbeitung: geschnitzt, geschliffen

Putti, figürliche Darstellungen: Vorder- und Seitenflächen bildkünstlerisch
bearbeitet sowie gefasst; die Rückseiten verblieben grob geschnitzt und ungefaßt

Korpus: Vorder- und Seitenflächen geschliffen und
überfasst; die Rückseite geschliffen und ungefasst,

Schleierbretter: Vorder- und Seitenflächen bildkünstlerisch
bearbeitet sowie gefasst; die Rückseiten verblieben grob geschnitzt und ungefasst

plastische Buchstaben: die Vorder- und Seitenflächen sind
vermutlich durch eine gießtechnische Herstellung geglättet,

I.3.2 Untersuchung zur Fassung
I.3.2.1. Beschreibung

Die Epitaphe sind an ihren Ansichtsseiten vergoldet. Eine weitere farbliche Differenzierung entstand vermutlich erst durch die späteren Teilüberfassungen. Die Corpi sind mit einer sehr feinen, gleichmäßigen, waagerechten Krakelur überzogen.

I.3.2.2. Ergänzungen und Veränderungen

Am Epitaph der Frau Schultze wurden zahlreiche Veränderungen festgestellt. So ist das gesamte obere Schriftfeld des Korpus mit einer braunen Lasur überzogen. Die aufgesetzten Buchstaben wurden schwarz überfasst. Der Font der unteren Schriftfläche weist ebenfalls diesen Überzug auf, sowie weitere im Anhang aufgeführte Stellen (siehe Anlage 2, Kartierung). Des weiteren sind Veränderungen in Form von Übermalungen mittels Goldbronze erkennbar. Diese zeigen sich hauptsächlich an den unteren Wangenteilen der Corpi.

I.3.2.3. Material und Technologie

Die Ansichtsflächen der Epitaphe sind vergoldet. Bei allen untersuchten Stellen konnte als erste Schicht auf dem Trägermaterial (Holz) eine weiße, 1-2mm dicke Farbschicht festgestellt werden. Anhand der Struktur sowie Farbigkeit kann von einer Kreideschicht ausgegangen werden. Diese ist wasserlöslich, welches für eine leimartige Bindung spricht.
Auf diese Schicht folgt eine dünnere, rotbraune Schicht, der Bolus, auf diese wiederum das ca. 6 x 6 cm große Blattgold.
In Bereichen der Übermalungen, folgt beim Epitaph der Frau Schultze, ein durchscheinender, brauner Überzug. Dessen Löslichkeit durch Ethanol, sowie seine spröde Erscheinung sprechen für einen Schellack.
Ehemals hervortretende Fehlstellen sind bei einer vorrausgegangenen Restaurierung mit einer gestupften Goldbronze retuschiert worden. Diese überdeckt sowohl die Fehlstelle als auch große Teile des intakten Goldes im Umfeld. Der Goldton der Bronze erscheint wesentlich grüner als der des originalen Goldes. Partiell weist er starke Schwarzfärbungen auf. Der nach einer Probenentnahme zur Bindemittelbestimmung durchgeführte Test mit Wasser, dem Alkohol Propanol, dem Ester Ethylacetat, erzielte ähnlich wie die Ketone Aceton und Methylethylketon keine Reaktion. Ebenfalls der Einsatz von Diethylether ließ durch seinen hohe Dampfdruck von 439mmHg bei 20 Grad Celsius kein Anlösen zu. Erst die Verwendung der Base Dimethylformamid ließ ein erweichen erkennen. Man kann daher von einem trocknendem /l als Bindemittel der Bronze ausgehen. Die Zeit der Renovierung der Kirche (1897) spricht ebenfalls für dieses Technik.
Im Bereich des Schriftfeldes am Korpus des Epitaphs der Frau Schultze sind die plastisch erhabenen Buchstaben, wie bereits beschrieben, schwarz überfasst.
Eine Probe dieser Schicht wurde zum Zwecke der Bindemittelanalyse entnommen.
Ein Test mit dem Alkohol Propanol erbrachte kein Anlösen. Das Ester Ethylacetat, erzielte ähnlich wie die Ketone Aceton und Methylethylketon keine Reaktion. Wobei die kurze Verweildauer des Acetons mit dem niedrigeren Dampfdruck des Methylethylketon ausgeglichen werden sollte. Ebenfalls der Einsatz von Diethylether ließ kein Anlösen zu. Erst die Verwendung der Base Dimethylformamid ließ ein erweichen erkennen. Die Schicht konnte nun entfernt werden. Es kann daher von einem trocknendem /l als Bindemittel ausgegangen werden.
Die Schrift des Epitaphs des Herrn Schultze ließ keine Überarbeitung erkennen. Sie vollzieht die Krakelur des Untergrundes. Im Rahmen der Bindemittelanalysen wurde hier, um Verluste nicht zu vergrößern, keine Probe entnommen. Der Zeitpunkt der Herstellung sowie die Erscheinung der Fassung sprechen jedoch für eine ölige Tempera.

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