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Liebenstein Röderschlößchen

Fassungsuntersuchung des Festsaales, der Fassade und 8 historischer Räume

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Zusammenfassung der Untersuchung

Das Röderschlößchen zu Liebenstein, stellt in seinem Erhaltungszustand einen bedeutenden Bestand der kunst- und kulturgeschichtlichen Substanz an Rokokobauten im Bundesland Thüringen dar.
Den bedeutendsten Raum des Schlosses bildet der Festsaal im Obergeschoß des Mittelbaus. Der Saal verfügt über besonders qualitätvoll ausgeführte Stuckdekorationen der Rokokoepoche, die sich nur mit Ausführungen in bedeutenden Thüringer Kunstdenkmälern, wie z.B. dem Residenzschloß in Eisenach, vergleichen lassen. Diese Stuckdekorationen wurde vermutlich von der Stuckatorenfamilie Güldner aus Weimar um 1750 hergestellt, die in Thüringen einen großen Anteil an der Schaffung heutiger Kunst- und Kulturdenkmäler hatte und als Hofhandwerker des Weimarischen Herzoghauses arbeiteten.
Die Decke des Festsaales wurde 1999 restauriert und befindet sich seit dem in einem sehr guten Zustand. Leider sind die Stuckdekorationen der Wände, welche ebenfalls sehr reich dekoriert waren, in einem fast vollständig zerstörten Zustand. Durch Baumaßnahmen in der zweiten Hälfte des 20 Jh. wurden fast alle Stuckdekorationen der Wandbereiche abgeschlagen. Anhand der noch erhalten gebliebenen Unterzeichnungen war es jedoch möglich, die Grundgestaltung einiger Stuckdekorationen zu rekonstruieren. Nach Abschluß der Untersuchungen kann man davon ausgehen, daß vermutlich die Hälfte der Stuckdekorationen durch die Vorzeichnungen rekonstruiert werden können. Hierzu ist allerdings eine vollständige Freilegung der westlichen Raumhälfte notwendig. In der östlichen Raumhälfte geben noch drei Fotoaufnahmen aus dem Jahre 1964 Aufschluß über die teilweise Gestalt der Stuckdekorationen. Anhand dieser Befundlage wird es schwierig sein, die Rekonstruktion der Stuckdekorationen vorzunehmen. Eine Rekonstruktion auf Grundlage der recht schwachen Befundlage würde kein authentisches Bild der ursprünglichen Stuckdekoration zeichnen, sondern nur die hypothetisch angenommenen Formen rekonstruieren. Da die Aufgabe dieser Untersuchung nur die Feststellung des Bestandes an Farbfassungen in einigen Räumen des Gebäudes beinhaltet, schlage ich vor, mit den Verantwortlichen der Eigentümer, den Denkmalschutzbehörden sowie eventuellen Fördermittelgebern ein gemeinsames Konzept zur Behandlung der Wandflächen des Festsaales zu erarbeiten.
Den Ausgangspunkt der Farbfassungsuntersuchung stellte der Festsaal dar. Die erste farbige Gestaltung der Decke und der Wände, stammt aus der Entstehungszeit der Schlosses, sie ist einfarbig und in einem hellen Ocker gehalten. Zu ihr stehen die Fensterfutter, die Türen und die Lampris in einer hellbraunen schlichten Holzimitation.
In den Nebenräumen finden sich ähnliche Gestaltungsprinzipien wieder. So sind alle Wände und Decken in dem gleichen oder einem ähnlichen Farbton gefaßt wie er im Festsaal vorkommt. Auch das Prinzip der Holzimitation auf den Ausstattungselementen Türen, Arkadenbögen und Fensterfutter wird in der Rokokofassung der Nebenräume immer wiederholt.
Bei der Befunduntersuchung konnte festgestellt werden, daß besonders das Treppenhaus von erheblichen Umbauten betroffen wurde. Ehemals erstreckte sich das Treppenhaus über die gesamte südliche Hälfte des Mittelbaus, heute nimmt es nur noch das östliche Viertel des Mittelbaus ein. Auch das Torhaus und einige Räume des Obergeschosses erfuhren Umbauten, die den ursprünglich sehr großzügig angelegten Grundriß des Schlosses einschränken. es sollten Überlegungen angestellt werden, ob nicht einige betroffene Bereich zurückgebaut werden können.

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