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Bad Langensalza Klopstockhaus, barocke Fassade und Deckengemälde

Untersuchung, Konservierung, Restaurierung und Rekonstruktion der barocken Fassade und Abnahme, Konservierung und Wiederbefestigung eines barocken Deckengemäldes

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Historische Ansicht
Historische Ansicht
Endzustand Fassade
Endzustand Fassade

Baugeschichte Klopstockhaus (Dokumentation zur Restaurierung wird derzeit noch erstellt)

• Vermutlich im Jahre 1578 (dendrochronologischer Befunde im Dachstuhl) - baute der damals vielleicht frisch vermählte Kämmerer Leonhardt Rausch für sich und seine Angetraute, Katharina Rausch, eine geborene Breithaupt aus Creutzburg an der Werra, bei Eisenach - ein Haus, knappe acht Meter breit, im Erdgeschoß massiv, mit Kreuzgratgewölbe, das Obergeschoß ebenfalls massiv und mit einem Fachwerkaufsatz als 2. OG.
• dieses Gebäude existiert heute noch, sozusagen als Haus im Haus, vom Erdgeschoß bis zum Dachstuhl in dem uns heute als Klopstockhaus bekannten Gebäude
• 1591 starb Leonhard Rausch, vermutlich war die Ehe kinderlos geblieben denn schon ein Jahr später heiratete die reiche Witwe den Bürgermeister Ludwig Aurbach. Dieser seit 1576 auch schon einmal verheiratet gewesen, nun verwitwet und brachte eine zwölfjährige Tochter namens Ursula mit in die Ehe.
• Karharina Aurbach, geborene Breithaupt, verwitwete Rausch hatte einen Bruder oder einen Vetter (so genau ließ sich das noch nicht klären) Dieser, ein gewisser Dr. Tobias Breithaupt lebte in Arnstadt und wirkte dort als Arzt.
• 1598 wurde die Tochter Ludwig Aurbachs aus erster Ehe, Ursula / inzwischen achtzehn Jahre alt / mit dem 37 jährigen Bruder bzw. Verwandten ihrer Stiefmutter verheiratet. Die beiden Familien Aurbach und Breithaupt waren somit eine doppelte Allianz eingegangen. (Wo das junge Ehepaar Breithaupt zunächst wohnte, wissen wir nicht.) Sie dokumentierten sie diese in dem Allianzwappen, das an exponierter Stelle über dem Tor des späteren Hauses angebracht wurde.
• Inzwischen (1600) war ein Neffe Ludwig Aurbachs, der Kaufmann Stefan Ludwig Aurbach in die unmittelbare Nachbarschaft gezogen. Nachbar zur rechten Seite war Valentin Kühnemundt, auch Valten Kunnemundt genannt. Er hatte vermutlich nur ein ganz kleines Häuschen, denn er bezahlte nur einige Groschen Geschoss-Steuer.

• Ab 1605 zahlte Dr. Tobias Breithaupt die Geschossteuer für das Haus. Wenn wir auf das Schema zur Geschosssteuerzahlung aus dem Jahre 1607 schauen, stellen wir fest, dass sowohl Stefan Ludwig Aurbach als auch Tobias Breithaupts Namen in der Liste fehlen. Grund: ein Artikel in der sogenannten Stadtordnung, einer Gesetztessammlung der Stadt Salza (Quellenangaben: siehe Schema zur Geschosszahlung!)
• Der Artikel 23 enthält eine Regelung mit der Überschrift "Von neuwen Gebeuden "

Articulus 23.
Von neuen Gebäuden.
Ob auch jemand in der Stadt oder in Vorstädten eine wüste oder verbrandte Hoffstädte, oder sonst auf einen Garthen von neues bauen wollte, der soll der Marck des Geschoßes biß es verkaufft wird gefreyet sein, vom Rathe, doch dergestalt, daß Er demselben Gebau, zuvor mit Wißen des Raths anfahr. (anfange)

Stadtordnung G IV, Nr. 2, Band I, 1556

Daraus kann man schließen:

• Das Haus war im Jahr 1607 eine Baustelle. Dies bestätigen auch die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung, die als Fällungszeit des verwendeten Bauholzes die Jahre 1603 bis1607 ermittelten.
• 1608 scheint das Haus teilweise fertig gestellt zu sein. 1609 erscheinen beide Besitzer, Ludwig Aurbach und Tobias Breithaupt als Geschosszahler. Die Zahlung ist nun mit insgesamt mehr als 11 Gulden (ein Gulden = 63 Groschen) wesentlich höher, was auf eine wesentlich Erweiterung des Baus hindeutet. Woraus sich so Geschosszahlung berechnete konnte noch nicht ermittelt werden. Der Schlüssel für die Berechnung wurde noch nicht gefunden.
• Stefan Ludwig Aurbach verschwindet ganz als Besitzer des Hauses auf der linken Seite. Sein neues Haus in der Herrenstraße 10 konnte er im Jahr 1608 fertig stellen, wie eine Inschrift am Bogenscheitel verrät.
• Die zwei Bierzeichenöffnungen in den Bogenzwickeln der rundbogigen Toreinfahrt sind gestaltet in Form von Kleeblattrosetten, ähnlich der Lutherrose, eine der Bierzeichenöffnungen am Klopstockhaus gleicht der am Haus Herrenstraße 10.

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