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Tegkwitz, Kirche Tegkwitz, Kanzelfiguren

Konservierung & Restaurierung von 6 der 9 erhaltenen Kanzelfiguren. Bei den Figuren handelt es sich um frühbarocke Arbeiten, sie weisen mehrere Fassungen auf. Ziel der Konservierung & Restaurierung war Präsentation der Figuren in der Zweitfassung (1866)

Dipl. Restauratorin Antje Döring (Möller)
 
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Allegorie der Stärke
Allegorie der Stärke
Fortitudo-Stärke
Fortitudo-Stärke

Konservierung und Restaurierung von sechs Kanzelaltarfiguren der Kirche Tegkwitz

Basierend auf der Entscheidung zur Konservierung und Restaurierung des Kanzelkorbes und der Kanzelfiguren der Kirche Tegkwitz, in der Fassung von 1866, wurde 2001 von uns ein Konzept Konservierung und Restaurierung der Figuren erarbeitet. Die zentrale Problematik der Konservierung und Restaurierung der Figuren lag in der Konsolidierung der Fassung von 1866. Die Festigung, Reinigung und Kittung der Fassung bildete bei allen Figuren den Hauptanteil der auszuführenden Arbeiten.
Die Figuren befanden sich im Allgemeinen in einem desolaten Zustand. Der hölzerne Fassungsträger wies jedoch, bis auf einige fehlende Teile (Attribute, Finger, Zehen, etc.), einen recht guten Erhaltungszustand auf. Zudem waren z.B. bei der Figur der Fortitudo, der Spes und der Caritas gelöste Holzverbindungen vorhanden. Zu den festgestellten Schädigungen zählten weiterhin, eine stark verschmutzte Oberfläche der Figuren, abplatzende und aufstehende Malschichtschollen, verschwärzte (korrodierte) Bronzen und Fassungsverluste. Da es sich bei der Fassung von 1667 um eine auf Leimbindung basierende (Kreidegrund) Fassung handelt, entstanden in Zusammenhang mit der darüber liegenden Fassung von 1866, die ein öliges Bindemittel aufweist und eine sehr kompakte, fest Schicht darstellt, Spannungen innerhalb der Malschichten. Diese Spannungen führten dazu dass die Fassung von 1866 sich in einigen Bereichen schollenartig vom Untergrund löste. Am häufigsten traten jedoch Abschalungen von Malschichtschollen auf, bei denen die Fassung von 1667 und 1866 als gesamtes Schichtenpaket abzufallen drohten.
Bereits im Rahmen der 2001 durch Möller und Rabich durchgeführten Fassungsuntersuchung wurden erste Sicherungsmaßnahmen an den Figuren durchgeführt. Hierbei handelte es sich um eine Notsicherung der gelösten Fassungsschichten.
Im Vorfeld der Reinigung und Abnahme der ästhetisch unansprechenden und schadhaften Überfassung von ?vor 1933? wurden weitere Malschicht-sicherungsmaßnahmen und eine Verklebung gelöster Malschichten auf dem Untergrund vorgenommen. Hierzu wurde Hausenblasenleim verwendet. Im Anschluss an die Malschichtsicherung erfolgte die Abnahme der starken Verschmutzungen und krustenartigen Auflagerungen. Im Rahmen des Konservierungs- und Restaurierungskonzepts wurde die Abnahme der Fassung von "vor 1933" beschlossen, da sie ästhetisch unansprechend und zudem stark beschädigt war. Es zeigte sich, dass die aufliegenden Lasuren der Übermalung mit einem Lösungsmittelgemisch von Ethanol und H2O in unterschiedlichen Konzentrationen zum besten Freilegungserfolg führte.
Nach der Gesamtabnahme der Übermalung (Fassung vor 1933) zeigten sich jeweils Fassungsfehlstellen im gesamten Figurenbereich. Die unterschiedlichen Größenordnungen und das Ausmaß an den jeweiligen Figuren wurden fotografisch und grafischen dokumentiert (Kartierung).
Die verkrusteten und verschwärzten Bronzierungen im Bereich der ursprünglichen /lvergoldung von 1866 konnten nur partiell mit einem Wasser - Ethanol - Ammoniak (max.2%ig) Gemisch entfernt werden. Alle verbleibenden Bronzierungen sind so fest mit der /lvergoldung verbunden, daß eine Abnahme zum Verlust der /lvergoldung geführt hätte. Im Weißbereich der Figur konnten die grün-schwarzen Verfärbungen, hervorgerufen durch die korrodierte Bronze, sehr gut entfernt werden.
Im Ergebnis der Reinigung und Abnahme der Überfassung zeigte sich bereits eine sehr viel klarere und ästhetisch ansprechendere Fassung.
Parallel zur Reinigung und Abnahme der Überfassung wurden gelockerte und vom Träger gelöste Malschichten sowie noch nicht ausreichend gefestigte Malschichten mittels Hausenblasenleim wiederholt gefestigt.
Die gelösten Holzverbindungen wurden mittels Klebung stabilisiert und wenn notwendig mit einem neuen Holzdübel versehen. Nachfolgend wurden die Risse gekittet. Bei dem angewandten Kitt handelt es sich um eine Mischung von Hausenblasenleim und Kreide (frz.). Für tiefliegende Fehlstellen wurden geringe Mengen von Marmormehl zugesetzt. Die Kittungen begrenzen sich auf die Fehlstellenbereiche und wurden bis auf das Malschichtniveau ausgeführt. In den Partien bei denen durch den Malschichtverlust tiefere Fehlstellen vorhanden waren erfolgte eine Nachmodellierung dieser Partien.
Abschließend wurden die Kittstellen und andere Fassungsfehlstellen mit einer Retusche farblich geschlossen. In Bereichen verlorener und beschädigter Vergoldungen wurden diese wieder erneuert und in kleineren Fehlpartien mit Goldpulver retuschiert.

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