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Bern Jugendstil-Bleivergl. /Zieglerstrasse, Veranda Bern

Sanierung Jugendstil-Bleiverglasungen integriert in Fensterfronten /inkl. Füllungen in Doppel-Türe. Ost-, Süd- und Westfront

Martin Halter
 
 



Ausschnitt, Aussenseite
Ausschnitt, Aussenseite
Ausschnitt, Aussenseite
Ausschnitt, Aussenseite

Ausgangslage

Neben den offensichtlich festgestellten Glasbruchschäden und Verformungen, innerhalb der Verglasungs-flächen, sind weitere Mängel zu analysieren: die verwitterten Kittfälze (aussenseitig) können ihrer ursprüng-lichen Funktion nicht mehr gerecht werden. Sie sind bis zu 4/5 völlig ausgetrocknet, versprödet und über weite Strecken bereits nicht mehr vorhanden (ausgebrochen). Die einstmals neu aufgezogenen Kittfälze waren punkto Auftrag des Materialverbrauchs zu knapp bemessen, weil die damals vorgesehenen Fälze für dieses Unterfangen zu gering in der Grösse ausgebildet waren.
Die von aussen horizontal-angebrachten WE-Windeisen hatten ihren zwingenden Auftrag der Stabilisierung, bereits seit längerer Zeit nicht mehr erfüllen können. Diese WE waren (ehemals) in der Länge zu gering auf die genauen Falzmasse dimensioniert und ausgerichtet. An beiden Enden wurden sie nur teilweise genügend abgeplattet, um sie jeweils im Falzbereich mit einer Schraube mechan. zu sichern. In der Zwischenzeit hatten sie sich verselbstän-digt und hingen ungleich an den dünnen, an den Bleibunden angelöteten Drahthaften. Durch diese Tatsache be-schleunigte sich die Instabilität der ganzen Feldeinheit und führte so zu zusätzlichen Glas- und Bleiprofilbrüchen, neben der allgemeinen altersbedingten Materialermüdung und den üblichen witterungsbedingten Einflüssen. Aus welchen Gründen auch immer, war es zur selbigen Zeit üblich, sich auf eine schmale Blei-Profilbreite zu konzen-trieren. Unabhängig der Gegebenheiten beschränkte man sich oft nur auf die visuelle Wahrnehmung der Aesthetik.
Über den stabilisierenden Faktor einer optimalen Verbleiungstechnik (z.B. sich für etwas breitere Blei-Profile zu entscheiden, um das entsprechend notwendige Fassungsvermögen der Einzel-Glasteile besser garantieren zu können) war man zu dieser Zeit oftmals noch zu wenig sensibilisiert oder man wollte ganz einfach Material einsparen.


Ausschnitt, Innenseite
Ausschnitt, Innenseite
Ausschnitt
Ausschnitt

Erfolgte Fenster-Sanierungsmassnahmen

Auf die technisch-bedingten Gegebenheiten wollte man für die Realisierung dieser Sanierung besser Rücksicht nehmen. Demnach mussten alle Fenster-Einheiten ausgebaut werden: Ostfront: 2 verglaste Füllungen der Doppel-Türe und 1 darüber befindliches verglastes Oberlicht; Südfront: 2 Doppel-Flügelfenster mit je 1 verglasten Ober-licht, 1 x 1 dreiflügliges Fenster mit 1 verglasten Oberlicht; Westfront: 1 x 1 vierflügliges Fenster mit 3 verglasten Oberlichtern. Die jeweiligen Feldeinheiten (Glas-Blei) wurden individuell überarbeitet, je nach Schäden und deren Befindlichkeit, mussten sie bis zu zwei Dritteln zerlegt werden. Einerseits mussten zerbrochene Einzel-Glasteile durch farbton- /strukturgleiche Gläser (mehrheitl. Kathedralgläser) ersetzt werden oder andererseits weil es die Notwendigkeit erforderte, dass hochwertige, neue Bleiprofile integriert oder weil bereits fehlende ergänzt wurden.
Die neu eingesetzten Bleiprofile wurden möglichst unmerklich (homogen) auf das belassene Bleiprofil-Netz aus-gerichtet und verbindend verlötet (beidseitig verzinnt). Mit diesem Arbeitseingriff wurden gleichzeitig alle Vergla-sungs-Einheiten auf ihre ursprüngliche Dimensionierung im rechtwinkligen Anschlag zusammengetrieben. Das je-weilige Abschluss-Randblei wurde zur Verbesserung der Massgenauigkeit (betr. Falz-Masse), bei allen Feldein-heiten komplett erneuert. Durch diese Massnahme wurde eine in sich geschlossene Stabilität aktualisiert.
Ergänzend wurden alle Verglasungseinheiten mit dickflüssiger Kittmasse eingekittet (die minimalen Distanzen zwischen Glas und Bleiwand wurde mit Kittmasse aufgefüllt), die Glasoberflächen ausgebürstet und hernach gereinigt /poliert. Die Bleiverglasungen "scherbeln" heute nicht mehr und das Eindringen von Regenwasser ist weitestgehend gebannt (vorbehältlich nicht zu 100 % wasserdicht).


Saniertes Fenster, Süd
Saniertes Fenster, Süd
Saniertes Fenster
Saniertes Fenster

Einbau der Bleiverglasungen in die bauseits, renovierten Fenster- und Türrahmen

Im Voraus wurden noch die neuen WE-Windeisen auf die entsprechenden Massbedürfnisse hergestellt (rostfreier Stahl /6 mm d). An beiden Enden wurden sie regelkonform abgeplattet. Die Stückzahl der WE wurde zur Verbes-serung der Situation (betr. Sicherung und Stablität) pro F-Flügel von zwei auf drei WE erhöht. Neu wurden die Bleihaften, zur Umringung (inkl. punktverlötet) der WE, auf der Innenseite auf die jeweiligen Blei-Bunden aufgelötet (was der ortsüblichen Praxis entspricht).
Die bauseits überarbeiteten Fenster-Rahmen (mit Farbe 1 x grundiert), wurden neu mit verschraubbaren Glas-leisten aus Holz ausgerüstet (an Stelle des früher aufgezogenen Kittfalzes), um für die Zukunft, den Ansprüchen einer praktischen Bediener-Freundlichkeit besser entsprechen zu können (betr. Unterhalt oder Reparatur). Die Fälze wurden vorerst beidseitig mit Distanzbändern ausgelegt, danach wurden die einzelnen Feldeinheiten einge-baut (geklotzt /zentriert), die Glasleisten montiert (verschraubt). Aussenseitig erfolgte eine Versiegelung im Licht-mass (seitl. Vertikalen und untere Horizontale /Wetterschenkel / mittels Hybrid, Silikonbasis überstreichbar). Am Schluss wurde das gesamte Holzwerk der Fenster, bauseits frisch mit Farbe gestrichen und später an Ort und Stelle montiert.

Ausf. /Dok. Atelier für Glasmalkunst M. Halter CH-3013 Bern /gesamte Dok. 12/12 Seiten, Ende Nov. 2006
Begleitung: Städt. Denkmalpflege Bern




Jugendstil Bleiverglasung
Jugendstil Bleiverglasung
Durchsicht
Durchsicht

Chronologischer Ablauf der Fenster-Sanierung

1.1 kompletter Ausbau aller Bleiverglasungs-Einheiten aus dem Fenster-Holzrahmenfalz. Kittresten entfernen an den Randblei-Abschlüssen. Kittfalzreinigung (Fenster-Holzrahmen).
1.2 Entnahme der WE-Windeisen, Drahthaften ablöten, Lötstellenbereinigung

2.1 Begradigung der Feldeinheiten, örtliche Aufnahme der effektiven Schäden
2.2 Massnahmen (AVOR) zur Überarbeitung: Teil-Zerlegung der schadhaften Feldeinheiten, mehrfach gebrochene oder fehlende Glasteile farbton- und strukturgleich ersetzen
2.3 einfache Glasbruchstellen sichern (Silikon, Transparent)
2.4 Schadhafte, stark oxydierte oder untaugliche H-Bleiprofile entfernen, verbesserte Anschlüsse und zur ausgleichenden Verstärkung mittels neu integrierter H-Bleiprofile (inkl. Lötprozess mit Zinnlegierung 70/30), generelles Zusammentreiben der Bleinetzstruktur zur Erlangung einer kompakten Einheit, neuer Randblei-abschluss in rechtwinkliger Dimension (Ausrichtung auf die bestehenden Falzmass-Verhältnisse)

3.1 Erstellen von neuen, horizontal-geführten WE-Windeisen (Ausrichtung auf die genauen Massverhältnisse: Falz zu Falz), an beiden Enden abgeplattet zur optimalen Positionierung (unter Berücksichtigung der Falzauf-lage im Zusammenhang mit der bauseitigen Aktivierung von aufschraubbaren Glasleisten aus Holz (Klemm-
vorrichtung)
3.2 zur Festigung der Bleiverglasungen, werden diese mit dickflüssigem Kitt eingekittet (zw. Glas /Bleiprofil), die verbleibende, überschüssige Kittsubstanz auf den Glas-Oberflächen, wird ausgebürstet, hernach findet eine
Schlussreinigung statt (Politur beidseitig)
3.3 das Auflöten der Bleihaften an den 'Bunden' zur Umringung der WE (als Verankerung) in gefestigter Posi-
tion (Schnittstelle punktverlötet)
3.4 Einbau der fertig überarbeiteten Feldeinheiten in die bauseits renovierten Holz-Fensterrahmen, im Voraus beidseitige Auslegung der Fälze mit Dichtungsbänder, integrale Verklotzung der jeweiligen Feldeinheiten, die neu erstellten Glasleisten aus Holz in ihre zugedachte Position bringen und anschrauben
3.5 aussenseitig: Fensterlicht mit überstreichbarem Hybrid versiegelt, letzte Kontrolle, partielle Nachreinigung
3.6 Arbeitsdokumentation fertig erstellen

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