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Münchenbuchsee Ref. Kirche, Glasmalerei Kirchenfenster, Schutz u. Unterhalt

Die historisch wertvollen Chorfenster der Johanniterkirche wurden bereits 1987 erfolgreich (wie heute 2006 bestätigt) mit einer isothermischen (hinterlüfteten) Aussenschutzverglasung (VSG) versehen

Martin Halter
 
 



1987 - Eine bisher erfolgreiche "Rettungsaktion" für die drei 700jährigen ganz farbenen Chorfenster

Die drei ganz farbenen Chorfenster /Spitzbogenform mit Masswerk-Ausschnitten ausgerichtet (bestückt mit Glasmalereien kurz nach 1300), bestehen je Fenster aus 6 Geschossen (a - b, 12 Rechteckeinheiten + Kopfscheiben mit Masswerkabschluss). Der heute sehr verminderte Bestand der Glasgemälde verteilt sich auf diese drei Chorfenster. Sie umfassen Fragmente der elf ehemaligen Chorfenster, der 5 zwei- und der 6 einlan-
zettigen (ehemals davon drei im Norden zugemauert). Die Fragmente lassen sich in drei Gruppen aufteilen:
1. Heiligenfiguren unter Tabernakeln /2. Szenen der Passio Christi /3. Feldereinheiten mit teils abstrakter, teils vegetabiler Ornamentik.
Damals - 1987 - als "Rettungsaktion" ausgeführt, die das Ziel hatte, den latent drohenden Zerfall aufzuhalten und die wertvollen Glasmalereien für spätere Generationen zu bewahren. Denn die Glasmalereien waren vor den Sanierungsmassnahmen lediglich mit Aussenschutzgittern bestückt. Jedoch besonders die Glassubstanzen auf den Oberflächen (wie innen- und aussenseitig), wurden durch Witterungs- und Umwelteinflüssen von aussen und durch die Kondenswasserablagerungen auf der Innenseite zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Das heisst: wenn der Feuerschmelz (die Haut der Glasoberfläche) verletzt oder durchbrochen wird, beginnt ohne Schutz-massnahmen der eigentliche Zerfall des Glases (bis hin zum Lochfrass).


Realisierung der Schutzmassnahmen von 1987

Die gute Erfahrung bei anderen Objekten (wie bei den Schutzmassnahmen der Chorfenster im Berner Münster von 1946), hat die Fachleute bisher überzeugen können. Das isothermische Schutzverglasungs-System eignet sich sehr gut als Langzeit-Schutz für historische Glasgemälde (Kirchenfenster), sofern die besonderen Bedingungen im Bau (bauphysikalischer Art) richtig erfasst werden und somit sich die optimale Distanz zur Hinterlüftung der Glasbilder erfolgsversprechend ermitteln lässt. Mit diesem System können gleichzeitig mehrere negativen Einflüsse auf die Originalsubstanz auf ein Minimum reduziert werden. Im Innenbereich wird insbesondere verhindert, dass sich die Kondenswasserbildungen auf dem Original-Glasgemälde über eine längere Zeit ablagern und die Substanz in Mitleidenschaft ziehen. Wenn sich Kondenswasser bildet, dann meistens nur noch auf der innenseitigen Schutzglas-Oberfläche (VSG-Float). Sobald dieses dann, aber unter zu starken Kalkablagerungen leidet, kann dieses Glas ohne weiteres durch ein Neues ersetzt werden.

Unter der Bauführung von Martin Halter wurde das erarbeitete Konzept für die Umsetzung der Schutzmass-nahmen vorbereitet - begleitet durch die Kant. Denkmalpflege Bern und in Verbindung mit der Abt. des SCHWEIZ. CORPUS VITREARUM (Frau Prof. Ellen Beer /der damaligen Präsidentin).
Im Submissionsverfahren hatte die Kirchgemeinde von Münchenbuchsee dem Atelier für Glasmalkunst von M. Halter Bern, den Auftrag übertragen.
Alle rechteckigen Feldeinheiten (36 /+ 2 im angrenzenden Schiff) wurden aus den Steinfälzen sorgsam aus-gebaut und zwischengelagert. Etappiert wurden die Fenster-Einheiten zur minimalen Überarbeitung in die Werkstatt nach Bern transportiert. Die an den Rändern haftenden Kittresten entfernt und gesäubert, erfolgte eine sorgfältige Entstaubung /Trockenreinigung. Die Sensibiltät zur Erstellung einer aktuellen Dokumentation, war zur selben Zeit nicht gegeben und wurde durch die Überwachungsgremien auch nie thematisiert (aus heutiger eine grobe Vernachlässigung).
In der Zwischenzeit wurden die Steinfälze geringfügig überarbeitet, die horizontal-geführten Sturmstangen-Eiseneinteilung entrostet und mit Rostumwandler grundiert. Hernach wurde die Schutzverglasung (Float VSG) eingebaut, örtlich bei den Eisenteilen die Verkittung vorgenommen und alle Steinfälze wurden mit einem Mörtelputz aufgezogen. Parallel dazu, wurde die filigrane Metallbau-Konstruktion erstellt und an Ort und Stelle innenseitig montiert. Ihre zukünftige Funktion wurde ausgerichtet, sodass die neu erstellten, mobilen Metallrahmen mit den jetzt integrierten, historischen Glasmalereien, an den seitl. vertikl-geführten Metallprofilen fixiert werden. Zudem wurde unter Wahrung der notwendigen Hinterlüftungs-Distanz, die Bedingung einer ausgewogenen Parallelität für die Montage, der jetzt im Verband nach innen versetzten, mobillen M-Rahmen erfüllt.
> Zu diesem Thema: "isothermische Schutzverglasung" unter www.glasmalkunst.ch,
- unter der Rubrik: Fenstersanierung > klicken Sie auf KGS Forum Schutzverglasung.pdf
Übrigens wurden die Fälze der mobilen M-Rahmen beidseitig mit Distanzbändern ausgelegt. Vor dem Einbau der Feldeinheiten (Glasmalerei) wurden die Haften (Verankerung der WE - Windeisen) überprüft, Mängel wur-
den behoben (z.T. Haften ersetzt /verlötet); die WE mussten an beiden Enden, zur Unterschiebung bei den Glasleisten (Falzbereich) abgeplattet werden. Die Feldeinheiten sind trocken (ohne Versiegelung) im Metall-rahmen mit den Glasleisten aus Metall (MS verschraubt), leicht klemmend gehalten, verankert. Die ganze Sanierung verlief ohne jegliche Zwischenfälle, Abnahme der Sanierung erfolgte am 29.11.1987


1989 - komplette Kirchturm-Sanierung (Bleiverglasungen neu verbleit)

Der Turm musste ganz saniert werden. Dazu gehörten auch die vorhandenen Fenster im Turm. Die drei Spitz-bogenfenster im oberen Bereich des Turmbau's, waren schon seit längerer Zeit mit je einem Bretterverschlag verschlossen. Sie waren schon lange nicht mehr wetterfest. Durch die Entnahme der jeweiligen Abdeckungen, konnten die noch vorhandenen, restlichen Bleiverglasungsbestände analysiert und aufgenommen werden.
Bald war klar, dass die Rauten-Bleiverglasung komplett zu erneuern war.
Die Steinfälze mussten auch saniert werden. Damit war es möglich die Rautenaufteilung über die ganze Fenster-Einteilung (im unversetzten Verband) auszurichten, im Einklang mit der Reaktivierung von Restbeständen (orna-mentierter Spezialgläsern) im Masswerkbereich (Spitzbogen). Die Stabilität der neu zu erstellenden Rauten-Bleiverglasung musste sich in dieser Höhe, ganz auf die oftmals extrem herrschenden, witterungsbedingten Einflüsse ausrichten (starke Windböen /bisweiliger Aufprall horizontaler Regengüsse). Deshalb wurde die Bleiprofil-Breite entsprechend ausgewählt und die Verkittung der Einheiten erfolgte mit einem Mennige-Gemisch (LH 16). Die Wasserfestigkeit und die Stabilität der Feldeinheiten ist inzwischen mehrmals erfolgreich unter Beweis gestellt worden. Der Turmbau ist mit drei Spitzbogenfenster ausgestattet im Lm je 440 /170 cm, im Treppenauf- /abgang befinden sich zwei Rundfenster (im d = je 110 cm). Die beiden Rundfenster wurden mit der bestehenden Glassubstanz komplett neu verbleit, was-serfest verkittet, gereinigt und wieder an Ort und Stelle eingebaut.
Projekt /Bauführung /Umsetzung Renovation Turmbau
> Architekturbüro Arn & Partner CH-3053 Münchenbuchsee


2006 - Kirchenschiff > Dach-, Aussenseite Chor- u. Schiffsanierung /Kirchenfenster > Kontrolle

Anlässlich der Sanierung (- Aussenhülle - ), mit der Aussen-Gerüst-Stellung drängte sich in diesem Zusammen-hang eine Aussenkontrolle der Kirchenfenster auf. Dadurch konnten kleinere Sanierungsarbeiten (Verbesserungen zum Erhalt und Schutz der Substanz) ausgeführt werden. Auf der Aussenseite der drei Haupt-Chorfenster (ganz farbene Glasfenster von 1300) musste lediglich die VSG-Schutzverglasung gereinigt (nass /trocken) werden.
Seit 1987 sind keine Mängel in Erscheinung getreten. Gleichzeitig konnte generell die Oberflächenstruktur (zur Aufsicht) auf Veränderung überprüft werden. Es wurden keine offensichtlichen Veränderungen an der Substanz festgestellt.
Die übrigen Chorfenster 1 Nord- /1 Südfenster; 6 Schiff-Fenster (Süd) alle bestückt mit integrierten Rechteck-Blei-verglasungen und mit einzelnen Farbfenster-Einlagen, ergänzt mit aussenseitig angebrachten, hinterlüfteten Schutzgläsern (Securit od. Polycarbonat) wurden komplett gereinigt (nass /trocken), die im Steinlicht (in der Vertikale) angrenzenden Bleiverglasungen od. Farbfenster-Einlagen wurden in diesem Bereich (an schadhaften Unzulänglichkeiten) neu mit weiss-beigem Hybrid (steinverträglichem Silikon) ergänzend versiegelt (74 Vertikal-Horizontalabschluss-Fälze). Bei den horizontal-geführten Sturmstangen (Eisenprofile) wurden die Kittaufzugs-Ab-dichtungen nachgebessert oder ganz erneuert. Für die Aussenreinigung der Glas-Oberflächen mussten die Schutzgläser aus ihrer Verankerung ausgebaut und gleichfalls beidseitig gereinigt und wieder in ihre Halterungen eingebaut werden. Zusätzlich wurde an den Halterungen eine Verkittung vorge-nommen, um ein Scheppern der Schutzgläsern verhindern zu helfen. An einem der südl. Schiff-Fenstern musste ein Glasbruch-Schadenfall behoben werden (Wurfgegenstand). Vier farbtongleiche "Echt"-Antikgläser wurden ersetzt und wieder in die Bleiprofil-Netzstruktur integriert.
Projekt /Umsetzung /Bauführung > Architekturbüro Arn + Partner AG Architekten ETH HTL SIA
CH-3053 Münchenbuchsee /Lichtdurchlässige Baustoffe > Ausf. At. Martin Halter CH-3013 Bern

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