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Erfurt, Predigerkirche St. Johannes

Die Erfurter Predigerkirche in der Meister-Eckart-Straße gehörte ursprünglich zu einem Dominikanerkloster.

Dipl. Restauratorin Antje Döring (Möller)
 
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Sediliennische
Sediliennische
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae

Baugeschichte des Objektes

Zur Baugeschichte der Predigerkirche sind zahlreiche Forschungsergebnisse in älteren und jüngeren Veröffentlichungen enthalten. Im Rahmen dieser Dokumentation kann jedoch nur ein kurzer Einblick in die umfangreiche Geschichte der Predigerkirche, mit dem Hauptaugenmerk auf den Daten die Sediliennische und ihr näheres Umfeld betreffend, dargestellt werden.

Im Mittelalter siedelten sich in Thüringen vermehrt Bettelorden an, unter ihnen waren auch die Dominikaner. Ihre erste Klostergründung erfolgte in Erfurt, weitere folgten in Eisenach, Jena, Nordhausen, Mühlhausen und Leutenberg.
Die Erfurter Fundation ,geht auf Graf Elger von Honstein zurück, der 1226 während seines Generalstudiums in Paris in den Orden der Dominikaner eingetreten war und von dort herkommend vmtl. 1229 zusammen mit den dominikanischen Mönchen Marcellus, Tangel und Albertus von Meißen in Erfurt ankam. Hier erwarben sie vom Vitztum von Rusteberg, Dietrich von Hanstein, eine in nächster Nähe der Paulskirche gelegene Curia und errichteten zunächst eine am 9. September 1230 geweihte Holzkapelle, die aus Platzmangel schon bald durch einen Steinbau ersetzt wurde, der am 30. August 1238 von Bischof Engelhard von Naumburg geweiht worden war.
In Bauarchäologischen Untersuchungen konnte 1961 ein Pfeilersockel des Vorgängerbaus im Mittelschiffsbereich festgestellt werden.

Der Bau der Predigerkirche, wie er heute zu sehen ist, begann den jüngsten Forschungen zufolge um 1265 mit dem im Osten gelegenen Chor. Bereits kurz nach 1273 weist die Kirche bis zum 5. östlichen Joch ein einheitliches Dachwerk auf. Im Anschluß daran zog man die Gewölbe dieses Bauabschnitts ein. Spätestens ab 1279 war der Chorbereich für eine sakrale Nutzung nutzbar. Dies ist anhand von Altarstiftungen im fünften Joch vor den Chorschranken, die im Stifterbuch der Predigerkirche verzeichnet sind, belegbar.

Die Architektur der Sediliennische im Hohen Chor kann bis auf kleine nachträgliche Veränderungen dieser ersten Bauphase zugeordnet werden und zählt somit zum ältesten Bauabschnitt der Predigerkirche.

Eißing gelang eine wichtige Befundinterpretation, in der er nachweisen konnte, dass der Dachraum nach Westen mit einer ,vergleichsweise aufwendigen verbretterten Fachwerkwand verschlossen worden ist, die durchaus nicht nur provisorischen Charakter hatte.-Ü So dass der fertiggestellte Bauabschnitt bis zur Fortsetzung des Kirchenbaus der von Nitz auf 1362 datiert wird nicht ungeschützt der Witterung ausgesetzt war.

Es ist anzunehmen, daß die farbliche Gestaltung und Ausschmückung des Chors, als einer der bedeutendsten Bereiche des Kirchenbaus, recht bald erfolgte. Kaiser bezeichnet die Malerei der Sediliennische als die früheste erhaltene Malerei Erfurts und datiert sie in die Zeit um 1320.


Sediliennische
Sediliennische
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae

Beschreibung der Sediliennische

Die in der südlichen Wand des Hohen Chors eingearbeitete Sediliennische wurde im Mauerverband der südlichen Chorwand errichtet. Architektonisch gliedert sich die Sediliennische in drei Teile, wobei der mittlere den größeren Hauptteil und die beiden äußeren schmalere Seitenteile darstellen, die unter einer profilierten Bogenkonstruktion zusammengefasst werden.

Visuell nimmt die architektonische Rahmung das Dreipasselement auf, welches sich in der detaillierten Gliederung weiter fortsetzt. Die seitlich angeordneten Nischen weisen einen Dreipassbogen auf, die Hauptnische schließt mit einem breiten Spitzbogen ab, vor dem sich, ähnlich einem Schleierwerk, girlandenartig Dreipassbögen aneinanderreihen.
Seitlich schließen die Nebennischen jeweils an einen, der Wand vorgelagerten, Dreivierteldienst, dessen Dienstbasen sich in ihrer Profilierung unterscheiden. Unterhalb der Überschneidung bzw. des Übergangs des Dreipassbogens der Seitennischen zum Bogen der Hauptnische befindet sich jeweils ein Konsolstein. Die steinmetzmäßige Gestaltung nimmt zwar bei beiden als Hauptgestaltungselement die Lilie auf, welche dreifach nebeneinander angeordnet aus dem Stein gearbeitet wurde, variiert aber in deren Größe und den darüberliegenden Profilierungen.
Auf der Höhe der Dienstbasen, 0,56 m vom Fußboden, befindet sich in den Mauerverband eingelassen eine 3,43 m lange, aus Sandsstein gearbeitete, nach vorn abgerundete Platte. Diese fungiert in der Hauptnische als Sitzfläche der Zelebranten.
Die Tiefe der Hauptnische von der Vorderkante dieser Platte aus beträgt 0,38 m, die der Seitennischen jeweils ca. 0,1 m. Die Höhe der Hauptnische von der Sitzfläche bis zum Scheitel beträgt 2,89 m, die Breite der östlichen Nische bis zum angrenzenden Dienst beträgt 0,75 m, die der westlichen 0,7 m.
Die Rückwand der Hauptnische wird von schmalen Profilierungen gerahmt, die sich im Bogenfeld zu einem Dreipass zusammenfügen. Auf den Zwickelflächen des Dreipasses zeichnen sich plastisch aus dem Sandstein gearbeitete Blätter und Früchte ab. Das linke Blattmotiv stellt ein Akanthusblatt dar, das rechte soll vermutlich das Blatt und die Trauben einer Weinrebe darstellen. In der vom Dreipass eingefassten Wandfläche der Hauptnische befindet sich die szenische Darstellung des Marientodes . Flankiert wurde diese in den Seitennischen von zwei Heiligen.


Predigerkirche, Marientod
Predigerkirche, Marientod
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Christus in der Mandorla
Christus in der Mandorla
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae

Beschreibung der Wandmalerei Dormitio Mariae

Die Malerei im Bogenfeld der Hauptnische zeigt Christus in einer gezackten Mandorla mit Eidolon, dem Sinnbild, der dem Körper entstiegenen Seele Mariens, in Gestalt eines kleinen Kindes auf seinem linken Arm sitzend.

Christus blickt auf seine verstorbene Mutter herab. Die Mimik seines Gesichts drückt große Zuneigung, diese wird zusätzlich durch die geneigte Haltung seines Kopfes betont, und Trauer aus.

Maria liegt auf einem Stroh?- Lager, das mit einem feinen, durchscheinendem Tuch bedeckt ist, zu Füßen ihres Sohnes. Ihre linke Hand liegt gespreizt auf ihrer Brust, so dass es scheint, sie wolle den Schmerz ihres Herzens greifen.
Um ihren Kopf ordnen sich kniend und sitzend sechs männliche Personen mit Heiligenschein, es ist anzunehmen, daß es sich bei den Dargestellten um Apostel handelt. Ihre Gesichter drücken ebenfalls Trauer um den Tod Mariens aus. Einer von ihnen schwenkt ein goldenes Weihrauchgefäß, welches sich oberhalb der Lagerstatt Mariens abzeichnet.
Im rechten Teilbereich der Malerei ordnen sich zu Füßen Mariens sieben weitere männliche Personen in kniender und sitzender Positur, vermutlich handelt es sich bei diesen ebenfalls um Apostel, sowie einen Engel der ein Weihrauchgefäß schwenkt, welches oberhalb der Füße Mariens nur noch schwer zu erkennen ist.
Durch die vor das Gesicht gehaltenen Hände einzelner dieser Personen wird die Gestik der Trauer sehr aussagekräftig verbildlicht.

Maria trägt ein schwarzgraues Kleid, einen roten Umhang mit braunem Futter und ein weißes, durchscheinendes Tuch als Kopfbedeckung. Umgeben wird ihr Kopf von einem goldenen Nimbus.
Christus ist mit einem braunem Gewand und einem grünen Umhang mit rotem Futterstoff bekleidet.

Durch die Farbsymbolik wird eine enge Beziehung zwischen diesen zwei Personen zum Ausdruck gebracht: das Rot des Umhangs von Maria findet sich als Futterstoff des Umhangs ihres Sohnes wieder.
Die Nimben der Seele Mariens und des Christus sind im Gegensatz zu den anderen Nimben der Malerei, da sie innerhalb der goldenen Zackenmandorla liegen, in weiß und rot angelegt, ihre ursprüngliche Gestalt ist nicht eindeutig ablesbar.
Weiße Konturierungen der Gewandsäume sind bei allen Dargestellten zu verzeichnen, sie betonen den weichen wellenartigen Faltenwurf der Gewänder.

In den Seitennischen ist je ein Heiliger unter einem Dreipassbogen stehend dargestellt, ihre Attribute können nicht mehr identifiziert werden. Denkbar wäre, dass es sich bei den Dargestellten um bedeutende Heilige der Dominikaner handelt.
Bekräftigt wird dies durch ihre Gewandung, die wie es scheint eine Mönchstracht zeigte. So dass einer von ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit der Hl. Dominikus de Calerruega (1170 - 1221) ist, er gründete 1215 in Toulouse den Dominikaner- bzw. Predigerorden.
Bei dem zweiten dargestellten Heiligen ist zum derzeitigen Kenntnisstand ebenfalls keine eindeutige Identifizierung möglich. Kamel vermutet, daß es sich um Thomas von Aquin mit den Attributen Buch und Feder handelt. Allerdings kann diese Vermutung nicht einstimmig übernommen werden: Thomas von Aquin (1225 -" 1274) gilt als berühmter Scholastiker, 1243 tritt er dem Dominikanerorden bei und wurde 1323 heilig gesprochen.
Zwar befindet sich über den Köpfen der Heiligen der Seitennischen je ein Stern auf dem roten Rücklagenton, der unter anderen Attributen auch für Th. v. A. verwendet wird, doch setzen Darstellungen von ihm als Heiligen mit Nimbus erst nach seiner Heiligsprechung ein, so dass es sich hier um eine äußerst frühe Darstellung handeln würde.


Sediliennische
Sediliennische
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Christus in der Mandorla
Christus in der Mandorla

Untersuchungen zum Fassungsträger

In der südlichen Wand des Hohen Chors befindet sich die Sediliennische der Predigerkirche. Staemmler gibt für das aufgehende Werksteinmauerwerk der Predigerkirche Buntsandstein und Rhätsandstein (Seeberg Sandstein) als Baumaterialien an. Wobei er den Buntsandstein als das ursprüngliche Baumaterial ansieht und der Rhätsandstein für jüngere Ergänzungen verwendet worden sei.
Da die Sediliennische im Mauerverband der südlichen Chorwand errichtet wurde, kann man davon ausgehen, dass auch sie in Buntsandstein errichtet ist. Nach visueller Einschätzung ordnet Staemmler den Buntsandstein der Sollingfolge (Chirotheriensandstein) zu. Er weist eine hellgraue bis gelblichgraue Farbe auf, die stellenweise von ockrigen Streifen durchzogen ist. Weiterhin besitzt er eine feine bis mittlere Körnung.
Die als Werkstein gearbeiteten Sandsteinquader weisen ein recht großes Format und eine sehr fein behauene Oberfläche auf. Die Fugen sind sehr schmal und wurden mit einem Fugenmörtel auf das Niveau des Sandsteins ausgefugt. Nach rein visueller Einschätzung konnten insgesamt drei verschiedene Mörtel und ein Feinspachtel festgestellt werden. ...

Etwa auf der Höhe des Oberschenkels des Christus ´, im Bereich des grünen Umhangs befindet sich eine Bleiplombe, welche einer abgetrennten Metallverankerung (Vierkanteisen) Halt gibt.
Über die genaue Funktion und das Aussehen der ursprünglich vorhandenen Metallkonstruktion können nur Vermutungen angestellt werden. Denkbar wäre eine Aufhängung bzw. eine /se zur Befestigung eines Wandbehangs, welcher die Kühle der Steine, für die in der Nische sitzenden Zelebranten milderte.


Predigerkirche, Marientod
Predigerkirche, Marientod
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Christus in der Mandorla
Christus in der Mandorla
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae

Untersuchungen zur Maltechnik

Hinsichtlich der Maltechnik können folgende Erkenntnisse geäußert werden:

Als Grundierung wurde vermutlich ein /l bzw. Firnis aufgebracht, welches/r die Funktion eines Einlassgrundes übernahm.
Die Vermutung, dass die Malerei als ölhaltige Temperatechnik ausgeführt wurde, konnte anhand der Untersuchungsergebnisse bestätigt werden, möglich wäre die Verwendung von Leinöl als Bindemittel. Die goldenen Partien wurden als /lvergoldung auf einer mennigefarbenen Grundierung aufgebracht.

Nachfolgend werden die einzelnen Farbverwendungen geordnet aufgelistet. Eine Analyse der verwendeten Pigmente erfolgte im Rahmen dieser Untersuchung für zwei Malschichtproben, alle weiteren wurden visuell beurteilt, um die Entnahme von Proben der kunsthistorisch äußerst wertvollen Malerei möglichst gering zu halten:

Rote Malereipartien:
Bei den roten Malereiflächen konnte meist ein zweischichtiger Farbauftrag festgestellt werden. Es ist anzunehmen, dass eine Untermalung in Bleimennige vorhanden ist, die darüberliegende Malschicht enthält mit großer Wahrscheinlichkeit Zinnober.

- Umhang (Außenseite) der Maria,
- Umhang (Innenseite bzw. Futterstoff) des Christus,
- Gewand der beiden äußeren Apostel in der unteren Reihe links,
- Gewand der beiden äußeren Apostel in der unteren Reihe rechts,
- Gewand des Weihrauchfass schwenkenden Apostels/Engels in der rechten Malereihälfte,
- Konturierungen im Bereich der Inkarnate (Gesichter),
- Nimbus des Christus und der Seele Mariens,
- Abfasungen des Dreipass-Schleierwerks,
- in lilienartigen Einschnitten der Konsolsteinen,
- Fondton/Rücklagenton der Seitennischen im oberen Teil,
- Kehle des Dreipasses der Seitennischen


Orangerote Malereipartien:
Für die orangeroten Partien ist die Verwendung von Bleimennige als Pigment anzunehmen. Bleimennige ist in den roten aber auch grünen Partien als Untermalung vorhanden. Ebenso kann man davon ausgehen, dass es als Untermalung und auch in Ausmischung bei den Marmorimitationen zur Anwendung kam.

- Rücklagen der Zwickelfläche mit plastischem Blattwerk oberhalb des
auf der Wand aufliegenden Dreipasses.

Für die Marmorimitation auf der Nischenlaibung, dem Rundprofil des auf der Wand aufliegenden Dreipasses, sowie den Profilen und Hohlkehlen der Bogenkonstruktion (Architekturrahmung) ist eine Ausmischung von Bleimennige und Oxidrot mit Weiß möglich.


Rotbraune bzw. Oxidrote Malereipartien:
Für die rotbraunen Partien kam mit großer Wahrscheinlichkeit ein rotes Erdpigment (Eisenoxidrot) zur Anwendung. Dieses ist vermutlich auch in Ausmischungen mit Weiß bei den Marmorimitationen verwendet worden.

- Gewand des ersten äußeren Apostels in der zweiten Reihe links,
- Grundton der Haare Christi, Marias, des Apostels der zu Marias Füßen
am nächsten kniet,
- als Konturierung der Haare und Bärte der Apostel und des Engels,
- als Kontur bzw. Lineament von Inkarnatpartien (Hände, Beine und Füße,
Körperkontur der Seele Mariens

Als eine weitere Ausmischung des Oxidrots ist das Erzielen eines Violetttones durch Zusetzen eines Schwarzpigments zu nennen. Auf diese Art gemalte Partien sind bei dem Gewand des Apostels der zu Marias Füßen am nächsten kniet und dem Gewand, der Weihrauchfass schwenkenden Gestalt in der linken Malereihälfte anzutreffen.


Grüne Malereipartien:
Bei den grünen Malereiflächen kam mit großer Wahrscheinlichkeit Malachit oder Grünspan als Pigment zur Anwendung, wobei die Verwendung von Malachit nahe liegender erscheint. Im Bereich des Christusumhangs konnte ein zweischichtiger Farbauftrag durch naturwissenschaftliche Analysen festgestellt werden. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse kann man davon ausgehen, dass eine Untermalung mit Bleimennige erfolgte. Es ist vorstellbar, dass diese Untermalung unteranderem für die gelblichgrüne Erscheinung der Faltenwurfmodulation verantwortlich ist. Als eine weitere Ursache für die partiell gelbliche Erscheinung des Grüns könnte eine Vergilbung des /ls des Bindemittels herangezogen werden. Um dies genauer klären zu können, wären weitere naturwissenschaftliche Analysen notwendig.

- Umhang (Außenseite) des Christus,
- Umhang (Innenseite bzw. Futterstoff) des zweiten Apostels von rechts in der unteren Reihe


Hellbraune bis Ockerfarbene Malereipartien:
Für die hellbraunen bis ockerfarbenen Malereipartien kamen mit großer Wahrscheinlichkeit gelbe Erden (Gelbocker, Goldocker, Lichtocker) zum Einsatz.

- Gewand des Christus,
- Umhang (Außenseite) des zweiten Apostels von rechts in der unteren Reihe der rechten
Malereihälfte,
- Akzentuierung (Locken) der Haare der Apostel und des Christus
- Lagerstatt Mariens


Schwarze bis Graue Malereipartien:
Schwarze Malereipartien sind im Rücklagenbereich der Mandorla, bei den Weihrauchgefäßen und bei der Lagerstatt Mariens mit einem reinen Schwarzpigment angelegt. Im Bereich der Gewänder erfolgte dagegen eine Ausmischung und Modulation, die z.T. durch einen lasierenden Farbauftrag bzw. Ausmischungen mit einem Weißpigment erzielt werden.

- Gewand der Maria,
- Umhang (Außenseite) des Apostels der zu Marias Füßen kniet,
- einzelne Untergewänder bzw. Kleider und Umhänge der Apostel,
- Rücklage der Zackenmandorla,
- Konturierung der Weihrauchgefäße,
- Lineament zur Darstellung der Stroh ?-Struktur der Lagerstatt Mariens


Blaue Malereipartien:
Blaue Fassungsbereiche beschränken sich auf die Sterne der Nischenlaibung. Zur Anwendung kam mit großer Wahrscheinlichkeit das Pigment Azurit. Die leicht grünliche Erscheinung des Azurits kann vermutlich auf das anteilige Vorhandensein von Malachit zurückgeführt werden, da diese beiden Minerale in der Natur vergesellschaftet vorliegen. Allerdings wäre auch eine Vergrünung durch das Vergilben des /lbindemittels möglich. Auf den Sternen aufliegend wurde eine schwarze, dicke, spröde Schicht festgestellt, bei der es sich vermutlich um eine Abisolierung mit Steinkohlenteer handelt. siehe Foto -" Nr.: 1.1.16.


Weiße Malereipartien:
Weiß wurde vor allem für die Inkarnate (Gesichter, Hände, Beine, Füße und der Körper der Seele Mariens), das durchscheinende Tuch auf der Lagerstatt Mariens, als auch das ihr Haar bedeckende Tuch und das Gewand der, als Kind dargestellten, Seele Mariens sowie die Konturierung der Gewandsäume verwendet. Nachfolgend werden die Erkenntnisse zur Maltechnik für die Inkarnate zusammenfassend dargestellt:
Die Inkarnate enthalten mit großer Wahrscheinlichkeit einen hohen Anteil an Bleiweiß, die Modulationen erfolgten in Ausmischungen des Bleiweiß mit Oxidrot und Zinnober. Für das Lineament des Inkarnats kamen ebenfalls Oxidrot und Zinnober zur Anwendung. Oberhalb der Augenlider Mariens und unter ihrem Brauenbogen erfolgte die Modulation des Inkarnats mit einer hellen Ockerlasur.
Für die oben genannten Gewandkonturierungen als auch für die durchscheinenden Tücher und das Gewand der, als Kind dargestellten, Seele Mariens kam vermutlich ebenfalls Bleiweiß zur Anwendung.


Goldene Malereipartien:
Vergoldete Partien, wie die Nimben, die Weihrauchgefäße und die Zackenmandorla wurden als /lvergoldung auf einer mennigeroten Grundierung ausgeführt. Einzig die Sterne auf dem durchscheinenden Gewand der Seele Mariens, sind im Bereich des Körpers auf einem weißen Grund als /lvergoldung angelegt. Der mit weißen Linien als durchscheinender Stoff dargestellte Gewandzipfel, der auf den Futterstoff des Umhangs von Christus fällt, ist ein Bereich, wo man die vergoldeten Sterne direkt auf dem Mennige des Futterstoffes ausführte.

Im Folgenden werden die Erkenntnisse zu einzelnen Teilbereichen der Sediliennische gesondert beschrieben:

Nischenrückwand unterhalb der Malerei des Dormitio Mariae:
Im Übergangsbereich zwischen der Szene des Dormitio Mariae und dem unteren Teil der Hauptnische zeichnen sich mennigerote Laufspuren direkt auf dem Sandstein ab. Sie geben einen Hinweis darauf, daß die Malerei an dieser Stelle einen gewissen Abschluß gefunden hat. Wie der Übergang zur unteren Zone der Nische im Detail ausgesehen hat, ist nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Allerdings kann man aufgrund der nicht entfernten Laufspuren davon ausgehen, daß der untere Teil eine untergeordnete Funktion bzw. Bedeutung besaß.
Da es sich bei der Sediliennische um eine Zelebrantennische handelt und der Stein, aus dem sie errichtet wurde, meist sehr geringe Temperaturen aufweist, ist es vorstellbar, daß sich hier ein Wandbehang befand, welcher die Kälte, für die in der Nische sitzenden Zelebranten, etwas milderte. Im 19. und 20. Jh. wies dieser Nischenbereich einen gemalten Wandbehang auf (vermutl. Fassung von 1894-1898). ...


Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae
Dormitio Mariae

Untersuchung mit UV - Licht

In den Aufnahmen mit UV-Licht zeichnen sich innerhalb der Malerei die Bereiche mit bleihaltigen Farbpigmenten durch Fluoreszenz ab. Besonders deutlich wird dies bei den bleiweißhaltigen Inkarnatpartien sowie den weißen Konturlinien der Malerei. Weiterhin treten Fluoreszenzerscheinungen in Bereichen bei denen Bleimennige zur Anwendung kam auf, wie z.B. der Marmorimitation.




Erfurt Nikolaiturm, Elisabethkapelle Kalvarienberg um 1350
Erfurt
Kalvarienberg um 1350




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