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Murnau (Ramsach) Filialkirche St. Georg, Altargemälde

2 Altargemälde aus der Barockisierungsphase; Eine kleine Passion mit 5 ovalen Kreuzwegstationen des Spätbarock auf Leinwand

Diplomrestaurator Wolfgang Schütz
 
 



Antependium, Vorzustand
Antependium, Vorzustand

Hl. Katharina, Gemälde im Antependium

Gemälde Antependium
Hl. Katharina
2. H. 17. Jahrhundert
/l auf Leinwand
Maße
H 46 cm x B 120 cm




Technologische Beschreibung

Grobe, in Leinenbindung dicht gewebte Leinwand, 1970 mit Glutinleim und Zusätzen doubliert.
Originaler Spannrahmen nicht erhalten, Überspann jedoch weitgehend belassen, d.h.: keine
Formatänderung.
Grundierung rotbraun pigmentiert.
Typisch Frühbarocke /lmalerei mit breitem Pinselstrich, etwas grob und bäuerlich, jedoch
routiniert und in den Proportionen stimmig, mit maltechnischen Parallelen zum St. Georg.

Erhaltungszustand

Leinwand: Triangelförmiger Riß am Bauch des Soldaten
Grundierung und Malschicht spannungsreich mit sehr starker Schüsselbildung und zahlreichen
Ausbrüchen.
Zwei Restaurierungsphasen ablesbar:
1.eine frühere Maßnahme, die sich durch einige sehr harte, unlösliche Kittungen kennzeichnet,
und 2. eine umfassende Restaurierung von 1970 (Bleistiftnotiz auf Gemälde V.), die sehr
unsachgemäß und nachlässig ausgeführt ist.

Das Gemälde wurde zur Doublierung regelrecht im Leimbindemittel ,eingebettet-Ü und dadurch sehr lange in Feuchtigkeit gehalten. Diese Prozedur führte zur Verstärkung der Schüsselbildung, zu gummi-artiger Konsistenz der Malschicht, und zu Krepierungen. Die während der Doublierung verflüssigte Grundierung wurde durch das Kraquelé gequetscht; Fasermaterial aus den Zulagen verklebte am Bild, und wurde nicht entfernt.
( Abbildung 3)

Die kräftigen Blautöne ( hauptsächlich der Königsmantel, aber auch blaues Bliaud der Katharina,sowie der in Blautönen abschattierte Berg Sinai ) erlitten Veränderungen. Es konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht geklärt werden, ob diese chemischer Natur sind, etwa durch saure Reinigungsmittel verursachte Bräunungen am säure-empfindlichen Ultramarin, oder durch
Verputzungen auf eine dunkelblau/schwarze Untermalung der Blaubereiche entstanden sind.
(Bild 4)
Die milchigen Trübungen der Mal-und Firnisschichten, der ,Mischzustand" aus Krepierungen, Bereichen mit älterem gebräunten Firnis, reduzierter Malschicht und Übermalungen, macht weite
Bereiche des Gemäldes unlesbar.

Die in der 2. Phase verwendeten, aus unbekanntem Grund mehrfarbig pigmentierten Kreide - Kittungen sind weder strukturiert, noch der muldenförmigen Struktur der Farbschollen angepasst.
Sie sind sowohl mechanisch, als auch wässrig einigermaßen abnehmbar.

Unzählige kleine Fehlstellen sind auch ohne Kittung entweder übermalt, oder offen gelassen worden.

Die Retuschen machen durch ihre grobkörnigen Anteile und nachträgliche Ausbleichung den
Eindruck von auf der Palette, mit Harz - oder Gouache - Bindemitteln vermengten Trockenpigmenten.

Durchgeführte Maßnahmen
Absaugen, leicht feuchte Oberflächenreinigung der Rückseite.

Festigung gelockerter Grundierung durch Reaktivierung der während der Doublierung ins
Bildgefüge gedrungenen leimhaltigen Bindemittel (partielle Behandlung durch Einsprühen einer dünnen Leimlösung ins Kraquelé mit Mini-Zerstäuber, und anschließender Erwärmung mit Mini-Wärmestrahler, Druckbelastung unter Hollytex - Vlies)
partienweise auch direkt mit Hausenblasenleim, ca. 4%

Reduzierung der obersten vergilbten Firnislagen: Ethanol, teilweise mit wechselnden Anteilen
Azeton, stellenweise mechanisch.
Die Abnahme einer milchigen, partiell aufliegenden Überzugsschicht - man könnte dem Aussehen nach auf einen dispersionsartigen Auftrag schließen - war mit Lösungsmitteln (Ethylacetat) nur
teilweise möglich, es mußte daher überwiegend mechanisch gearbeitet werden.

"ltere, im Niveau nicht stimmige Kittungen wurden reduziert und eingetönt, bzw. bis zur Angleichung der Struktur weiter aufgekittet.

Kittung der Fehlstellen: Leim-Kreide-Kitt, rotbraun pigmentiert

Firnisausgleich zunächst flächig mit Balsamterpentinöl, später bis zur Angleichung des Glanzgrades mit Dammar in Shellsol
Retusche mit gemagerten Tubenölfarben, Lukas Sorte 1
Rückseitenschutz aus ,Guttex-Ü-Platte
= Im Naßverfahren hergestellte, säurefreie, ligningeleimte, wachsimprägnierte Holzfaserplatte.

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