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Hemmor Fünf Gürtelfragmente aus Leder

Die Gürtelfragmente bestehen aus Leder mit Applikationen aus Buntmetall und Bleiauflagen

M.A. Imke Berg
 
 



Vorzustand

Die Gürtelfragmente kamen als Nassfaserfunde in gefrorenem Zusand in das Restauerierungslabor wo sie langsam aufgetaut wurden. Nach dem Abtauen des Eises zeigte es sich, dass das Leder durch fortgeschrittenen Materialabbau sehr weich und brüchig war. Stellenweise manifestierten sich tiefe Risse. Die Oberfläche der Metallapplikationen war zwar durch Schlickablagerungen und eine dünne Oxidschicht mattiert, zeigte aber keine nennenswerten Korrosionsprodukte.
Bei den Metallverzierungen handelte es sich um einzelne Segmente aus dünnem Metallblech in achteckiger Ausführung. Auf der Oberseite waren bereits in unrestauriertem Zustand kreuzförmige Vertiefungen als Zierelemente erkennbar. Die Methode der Befestigung dieser Zierbleche war in diesem Zustand noch nicht feststellbar.


Gesamtansicht
Gesamtansicht

Fundumstände

Bei Vertiefungsarbeiten des verschlickten Hafenbeckens in Stade wurden 1989 fünf lederne Gürtelfragmente mit Metallapplikationen im Hafenschlick gefunden. Sie waren mit Wasser abgespült und eingefroren worden.


Behandlung

Ziel war es, die unzweifelhaft zusammengehörigen Gürtelfragmente so zu konservieren, dass sie anlässlich einer geplanten Sonderausstellung zum Thema Schätze im Schlick im Museum Schwedenspeicher in Stade problemlos ausgestellt werden konnten.
Um noch vorhandene feine Verschmutzungen aus dem Leder spülen zu können, wurden alle Fragmente in mehreren Durchgängen durch Bäder mit entionisiertem Wasser gespült. Danach konnten sie in ein Spezialbad aus Polyethylenglycol (PEG) mit der Molekulargröße von 400 eingelegt werden. Um einen gleichmäßgen und beschleungigten Austausch des Bodenwassers im Leder mit der zellstabilisierenden PEG-Lösung zu erzielen, wurden die Fragmente im Konservierungsbad immer wieder leicht bewegt. Der Austausch war nach 14 Tagen abgeschlossen. Danach erfolgte die schonende Trocknung in der Vakuumkammer einer Gefriertrocknungsanlage. Der Sblimationsprozess war nach 24 Stunden beendet und die Objektfragmente konnten vollkommen getrocknet entnommen werden. Feine, noch immer festsitzende Verschmutungen auf der Unterseite des Leders wurden mit Hilfe eines Ultraschallfeinmeißels entfernt. Hierbei löste sich das Rätzel um die Befestigungsmethode der einzelnen Metallapplikationen. Von oben durch die Metallscheiben waren pro Scheibe je drei feine Nägel mit flachem Kopf durch das Leder getrieben. Auf der Unterseite wurden nach der Freilegung durchlochte, viereckige Metallplättchen sichtbar, welche die Nägel vor dem Herausrutschen hindern sollten. Die Freilegung der Metalloberflächen wurde durch vorsichtige Politur mit einem rotierenden Silikongummi erzielt. Die kreuzförmigen Vertiefungen wurden mit einer feinen Ultraschallarbeitsspitze gereinigt. Nach der Freilegung wurde erkennbar, dass zwei verschiedene Metalle vorlagen. Die achteckige Grundplatte mit den reliefartigen Kreuzen war aus goldfarbenem Metall gegossen. Stellenweise waren die erhabenen Kreuze mit silbrigem Metall umgossen. Nach einer Untersuchung mit dem Erford-Test wurde deutlich, dass es sich bei dem goldfarbenen Metall nicht um Gold, sondern um ein Buntmetall handelte. Das silbrig glänzene Metall erwies sich als Bleiguss. Alle Metalloberflächen erhielten zum Abschluss Schützüberzüge aus Paraloid und Cosmolid.

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