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Gefässe und Waffen in der Broncezeit

... Nicht minder wichtig als Zeugnisse des uralten künstlerischen Triebes der Menschheit sind die Gefässe und Geräthe, welche in den Gräbern des nördlichen, mittleren und westlichen Europa's gefunden werden.

Die ältesten derselben gehören einer über alle geschichtliche Kunde hinausliegenden Epoche an, welche noch nicht mit der Bereitung der Metalle bekannt war und deshalb ihre ärmlichen Gefasse aus rohem schwärzlichem Thon, ihre Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein mühsam herstellte. Die Kunst hat an den dürftigen Erzeugnissen dieser Steinperiode noch keinen Antheil; 1) dennoch ist es von Interesse, die ersten Versuche dieses künstlerich gestaltenden Triebes zu beobachten, weil sich schon auf diesen frühesten Stufen eine fortschreitende Entwicklung erkennen lässt. In Fig. 6 geben wir eine Zusammenstellung dieser frühesten Geräthe. Zuerst mochte man sich mit den von der Natur dargebotenen Splittern des Feuersteins begnügen, um sie zu Beilen, Aexten und Hämmern zu verwenden. Dann aber suchte man die Formen immer zweckmässiger und mannichfaltiger zu gestalten, indem man die grösseren Steine zerschlug und durch Reiben und Schleifen glättete. So entstanden die primitivsten Formen der Meissel und Beile, wie sie Fig. 6 unter a, b, c, zeigen. Diese befestigte man zuerst mit Bastseilen oder ähnlichen Bändern an den Holzstiel, wie bei a, c, e; dann aber bohrte man in mühsamer Weise Löcher in die Axt, um sie besser mit dem durchgesteckten Schaft zu verbinden (b, d, g, i). Immer mehr entwickelte und verfeinerte sich die Form, indem man namentlich zu Aexten mit doppelter Schneide Überging (f, h, k). Dass die meisten dieser Geräthe sowohl als Werkzeuge wie als Waffen dienen konnten, ist selbstverständlich. Rechnen wir dazu (s5) noch die Spitzhämmer d, i, l; die sichel- und sägeförmigen Geräthe p, q, endlich die Lanzen und Pfeilspitzen t, s, r, n, o, sowie die Schleuderkugeln m, so ist nicht zu verkennen; dass schon auf dieser Stufe die Mannichfaltigkeit der Formen überraschende Aufschlüsse über die menschliche Erfindungskraft gewährt.

1) Die Eintheilung in eine Stein-, Bronze. und Eisenzeit behält, was man auch dagegen vorgebracht hat, ihren Werth; doch ist hier wie überall zu bedenken, dass es Uebergänge giebt, nnd dass eine Periode von der andern nie durch einen scharfen Einschnitt gesondert wird.

Anders gestaltet sich aber das Gepräge der Geräthe und Gefässe mit dem Auftreten jener höheren Kultur, welche als die Bronzeperiode bezeichnet wird. Auch sie knüpft an keine geschichtliche Ueberlieferung an, doch spiegelt sich in ihren zahlreichen Ueberresten, wie sie in Skandinavien, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich und der Schweiz sowohl aus Gräbern als auch aus den merkwürdigen Ansiedlungen der Pfahlbauten, neuerdings sodann durch Schliemann's Bemühungen aus dem Boden des alten Troja und Mykenä an's Licht gezogen wurden, der Abglanz einer entwickelten Bildungsstufe, die man im Norden wohl mit Recht als die keltische bezeichnet. Neben den noch immer gebrauchten Steingeräthen kommen Waffen und Geräthe aus Bronze vor, durch elegante Form und Verzierungen ausgezeichnet.



Wir geben in Fig. 7 eine Uebersicht der wichtigsten Formen, wobei die Axt wieder die Hauptrolle spielt, in e, f; g noch aus Stein gefertigt, aber in der Schärfe und Feinheit der Zubereitung die Hülfe metallner Werkzeuge verrathend, während in i ein durch Schönheit der Form und zierlichen Schmuck ausgezeichnetes Bronzebeil dargestellt ist, in Ja dagegen die einfache Keilform der Steinwaffe nachgebildet ist, jedoch durch eingegrabene Zickzack-Ornamente bereichert. Auch die lange schmale Gestalt der Schwerter wird in a, b, c, die ähnliche, nur kürzere Form des Dolches in d veranschaulicht.



Neben dem Thongeschirr, das allmählich ebenfalls elegantere Umrisse und zierlichen Schmuck annimmt und in dessen Herstellung man von der rohen Handarbeit zur Anwendung der Töpferscheibe übergeht, findet man sodann metallne Gefässe von ausdrucksvollem Umriss und mit eingravirten oder getriebenen Ornamenten geschmückt (Fig. 8), theils offenbar Kochtiegel oder Speisegeschirre wie bei a, c, f, theils wie bei b und e reich verzierte, namentlich goldene Geräthe, für feierliche Anlässe bestimmt.
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Quelle:
Grundriss der Kunstgeschichte von Wilhelm Lübke
Jubiläums-Ausgabe / Zehnte durchgesehene Auflage
Erster Band / Mit 392 Holzschnitt-Illustrationen
Stuttgart / Verlag von Ebner & Seubert (Paul Neff) 1887

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