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Rückkehr eines verloren geglaubten Kunstwerkes

Zechliner Pokal kehrt nach Restaurierung ins Schloss auf der Pfaueninsel zurück: Das Schloss auf der Berliner Pfaueninsel ist ab heute um eine Kostbarkeit reicher: Der Zechliner Pokal, ein erlesener Glaspokal aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist nach seiner Restaurierung erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder an seinen angestammten Platz im großen Saal des Schlosses zu besichtigen.

Der 200. Todestag der Königin Luise in diesem Jahr war für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) Anlass, dieses äußerst bedeutende Objekt zu restaurieren. Auf der Pfaueninsel zeigt die SPSG noch bis zum 31. Oktober die Ausstellung "Luise. Die Inselwelt der Königin."

Vermutlich anlässlich eines Besuchs der königlichen Glashütte Zechlinerhütte, die von der böhmischen Konkurrenz stark bedroht war, wurde dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. dort im Jahre 1817 ein außergewöhnlicher Glaspokal übergeben, an dem die Glashütten mit allen Facetten ihres Könnens aufwartete - nicht zuletzt, um das Überleben der Manufaktur zu sichern.

Der Pokal, der häufig in der Literatur beschrieben worden ist, wurde im Saal des Pfaueninselschlosses auf einem Konsoltisch platziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte er als Kriegsbeute in die ehemalige Sowjetunion und kam 1958 - nicht ganz vollständig und teilweise zerbrochen - in das Depot der Schlösserverwaltung, wo man um die Bedeutung dieses Objektes wusste.

Mittelpunkt des mit Brillant- und Facettenschliffs versehenen, ca. 50 cm hohen Pokals sind die ehemals neun Porträtmedaillons der königlichen Familie, von der 1810 verstorbenen Königin Luise über König Friedrich Wilhelm III. bis zu deren sieben Kindern. Diese Medaillons, deren Vorbilder der Wiener Medailleur Leonhard Posch 1815 schuf, sind so genannte "eingeglaste Pasten" und bestehen aus gebrannter weißer Porzellanmasse, die mit Glas umhüllt wurde. Das besondere daran ist, dass auf den Reliefs beim Vorgang des Einschließens in das glühendheiße flüssige Glas eine hauchdünne Luftschicht verbleibt, die als Silberglanz wahrgenommen wird. Diese Technik wurde um 1800 in Paris erfunden; die Zechliner Hütte versuchte später, dafür in Berlin ein Patent zu erhalten.

Die Wiederherstellung und Ergänzung des Zechliner Pokals bedeutete eine große Herausforderung, denn es mussten nicht nur der gläserne, aufwändig geschliffene Deckel, sondern auch die beiden fehlenden Porträtmedaillons ergänzt werden. Mittels verschiedener Experimente gelang das hoch komplizierte Einglasen der Porzellanreliefs. Hierbei, sowie beim Anfertigen einer Kopie des Deckels, konnte die SPSG auf die Expertise tschechischer Glasmacher zurückgreifen; eine Zusammenarbeit, die sich bereits in früheren Restaurierungsprojekten mehrfach bewährt hat.

An der Restaurierung waren beteiligt:
Uta Scholz, SPSG, Restauratorin Porzellan und Glas
Dr. Käthe Klappenbach, SPSG, Kustodin
Dr. Susanne Evers, SPSG, Kustodin
Petra Sindelar, Skl¡rsk½ Atelier s.r.o, Novy Bor
Weitere Unterstützung durch: Staatliche Museen zu Berlin, Münzsammlung und Gipsformerei;
KPM Berlin; Werkstätten der SPSG

Bildmaterial: Copyright Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
SPSG; Foto: berlin acts/ Ruth Hundsdoerfer


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