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New York schickt Mannheim einen König

Hauptmotiv der Staufer-Schau ist eingetroffen: Mannheim - Eines der am weitesten gereisten und mit Spannung erwarteten Exponate der großen Staufer-Ausstellung ist am Freitag in Mannheim angekommen. Die Kuratoren und Restauratoren der Reiss-Engelhorn-Museen konnten am Vormittag den berühmten "Thronenden König" aus dem New Yorker Metropolitan Museum in Empfang nehmen.

Gemeinsam mit Bernd Hoffmann-Schimpf, Ausstellungsrestaurator der Reiss-Engelhorn-Museen, nimmt Charles T. Little, Metropolitan Museum New York, den thronenden Herrscher in Empfang
Gemeinsam mit Bernd Hoffmann-Schimpf, Ausstellungsrestaurator der Reiss-Engelhorn-Museen, nimmt Charles T. Little, Metropolitan Museum New York, den thronenden Herrscher in Empfang. © rem, Foto: Ines Mütsch

Das Bild der fast lebensgroßen, steinernen Sitzfigur aus der Stauferzeit ziert als Hauptmotiv das Ausstellungsplakat und den Katalog.
In Begleitung des zuständigen Sammlungsleiters des Metropolitan Museums, Charles T. Little, hatte die Monumentalskulptur die weite Reise von New York nach Mannheim angetreten, um erstmals überhaupt in einer Ausstellung in Europa gezeigt zu werden. Das in Norditalien zwischen 1230 und 1235 entstandene Kunstwerk war Anfang des 20. Jahrhunderts über den Kunsthandel in die USA gekommen, wo es seither zu den Schätzen des Metropolitan Museums zählt.
Monumentale dreidimensionale Steindarstellungen thronender Könige waren im hohen Mittelalter äußerst selten. Die aus einem einzigen Steinblock gehauene, kunstvoll gearbeitete Herrscherfigur hält als Zeichen des hohen Ranges die Reste eines Zepters in der linken Hand. Die inzwischen beschädigte rechte Hand war vermutlich in mahnender Geste erhoben.
Kein konkreter Herrscher, wie etwa Kaiser Friedrich Barbarossa, Kaiser Heinrich VI. oder Kaiser Friedrich II. sollte mit der Skulptur abgebildet werden. Vielmehr ging es dem Künstler um eine Darstellung der Idee von Königtum und Gerechtigkeit, um ein Idealbild von Herrschaft. Für die Wissenschaftler stellt sich deshalb bis heute die spannende Frage, wer die Skulptur aufgestellt hat, die vermutlich an einem öffentlichen Gebäude, etwa einem Stadttor oder einem Gerichtshof angebracht war.
In Frage kämen die Bürger einer oberitalienischen Stadt, die den ungeliebten Staufern die Darstellung eines vollkommenen Königs entgegen stellen wollten, ebenso aber auch stauferfreundliche Kreise, die der kaiserlichen Herrschaft und richterlichen Autorität mit dem Idealbildnis demonstrativ Ausdruck verleihen wollten. Besucher der Ausstellung "Die Staufer und Italien" können ab 19. September den "Thronenden König" im Original bestaunen und sind aufgerufen, selbst zu interpretieren, ob dieser eher als Kritik an den Staufern oder als Denkmal ihrer gerechten Herrschaft zu verstehen ist.

www.staufer2010.de



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