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InnoKultur - Mit Hightech gegen Zerfall von Kulturgütern

BMBF-unterstütztes Netzwerk berät Strategien zur nachhaltigen Denkmalpflege

(Jena.) Nach mehrmonatiger Aufbauphase nimmt das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützte und von Jena aus gemanagte Netzwerk InnoKultur (www.innokultur.de) jetzt Kurs auf konkrete Forschungsprojekte zur Rettung von Kulturgütern vor Alterung und Zerfall. Am 14. und 15. Juli wollen rund 100 Technologieexperten, Denkmalpfleger, Museumsfachleute und Restauratoren auf einem Symposium in Erfurt gemeinsam Strategien und Maßnahmen zur nachhaltigen und schonenden Bewahrung von Kulturerbe-Objekten mit Hilfe innovativer Oberflächentechnologien beraten.


Ultrakurzpuls-Laser gegen Ruß und Pilzbefall

Zu den Referenten auf der kostenfreien Veranstaltung in der thüringischen Landeshauptstadt gehört Dr. Jörg Krüger von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Der Berliner ist Spezialist für berührungslose Oberflächenstrukturierung empfindlicher organischer Materialien wie Papier, Pergament oder Textilien mittels ultrakurz gepulster Laserstrahlung. Krüger nutzt dazu eine speziell auf restauratorische Bedürfnisse zugeschnittene Reinigungsanlage mit einem hoch präzisen Pulslaser. "Das oft äußerst fragile Material kann so gereinigt oder von Pilzen oder Ruß befreit werden, ohne dass es thermisch und damit schädigend beeinflusst wird", erläutert Krüger den Vorteil des Systems.
Besonders gute Ergebnisse ließen sich damit auch nach Bränden wie im Falle der Weimarer Herzogin Anna Amalia-Bibliothek erzielen: "Selbst dicke Rußschichten werden mit geringem Energieeinsatz abgetragen, weil Papier den Laserstrahl gut reflektiert", so der promovierte Physiker. Dabei werde stets gemeinsam mit den Historikern entschieden, ob ein Objekt so bearbeitet werden kann.

Aktuell arbeiten Krüger und Kollegen mit dem Museum für Asiatische Kunst in Berlin an der Reinigung mehr als 1000 Jahre alter Wandmalereien. Deren empfindliche Farbpigmente stellten die Wissenschaftler vor große Herausforderungen. Insgesamt sieht Jörg Krüger noch umfangreichen Forschungsbedarf für die stets als Ergänzung zu anderen Konservierungsmethoden gedachte Lasertechnologie und ihre Langzeitfolgen.

Konservierung braucht Gelassenheit


Mit Spannung erwartet wird auch der Vortrag von Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, seit 2012 Chef des Deutschen Bergbau-Museums Bochum. Der Chemiker beschäftigt sich mit der Konservierung von Maschinen und Objekten aus Metall – die ältesten aus dem 3. Jahrtausend vor der Zeitrechnung. Bei seiner Arbeit zum Kulturguterhalt sieht er sich einerseits ständig mit Korrosion an den Ausstellungsstücken und Depotbeständen konfrontiert und hat andererseits als Naturwissenschaftler selbst an schützenden Beschichtungen für technische und Industriedenkmäler geforscht.
Brüggerhoff plädiert für so wenig Eingriff wie möglich und so viel wie nötig, nennt die Einbeziehung neuer (Oberflächen-)Technologien einen langfristigen, kooperativen Prozess, der immer wieder neu angestoßen werden müsse. Sein Credo: Bei der Restaurierung sind Gelassenheit und Ausdauer die besten Partner (sh. Interview im Anschluss). Veranstaltungen wie dem Erfurter Symposium mit mehr als einem Dutzend Fachvorträgen sowie vielfältigen Diskussionsmöglichkeiten über Branchengrenzen hinaus käme dabei eine wichtige Funktion zu.

Kompetenzzentrum für Restaurierung und Konservierung

Der Vernetzungsgedanke steht auch für die Spezialisten des beim "Innovationsforum Oberflächentechnik und Kulturgüter" federführenden Forschungsinstituts Innovent e. V. aus Jena im Vordergrund. Geschäftsführer Dr. Bernd Grünler erwartet "Impulse für die strategische Weiterentwicklung des Netzwerks sowie für konkrete interdisziplinäre Kooperationsprojekte". Langfristig strebe sein Institut die Herausbildung eines bundesweiten Kompetenzzentrums zur Restaurierung und Konservierung historischer Kulturgüter in Thüringen an.

Kontakt: Constanze Roth, Kunsthistorikerin M.A.,
INNOVENT e.V. Technologieentwicklung,
Prüssingstraße 27b, 07745 Jena, Tel.: 03641 2825-10, 03641 282530,
www.innovent-jena.de

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"Gelassenheit und Ausdauer gefragt"
Stefan Brüggerhoff zu Hochtechnologien beim Schutz von Kulturgütern

Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, seit 30 Jahren am Deutschen Bergbau-Museum Bochum und seit 2012 dessen Direktor, kennt das Spannungsverhältnis zwischen Technologieforschung und Sammlungsalltag, zwischen drohendem Verfall und dem Risiko unbeabsichtigter Substanzschäden. Fragen an den Chemiker, Museumsdirektor und Hochschullehrer:

Menschliche (Ab-)Nutzung wirkt auf historische Bausubstanz ebenso wie Umwelteinflüsse auf alte Maschinen unter freiem Himmel oder Sammlungsobjekte in Schauvitrinen und Depotregalen. Ist das durch innovative Methoden der Oberflächenbehandlung zu stoppen?

Brüggerhoff: Dauerhaft wird das kaum gelingen. Vielmehr geht es um den Einklang zwischen Erhalt größtmöglicher Originalität und Schutz der Objekte. Dazu können neue Technologien ihren Beitrag leisten.

Ein Beispiel dafür wäre?

Brüggerhoff: Museen sind ständig mit Korrosionsprozessen konfrontiert. Zur Konservierung verwenden Technikrestauratoren traditionell transparente Beschichtungsstoffe wie Öle, Wachse oder Lacke. Neu hinzugekommen sind eigens entwickelte Stoffkombinationen. Auch mit Plasma haben wir in unserem Labor schon gearbeitet.

Drohen bei neuen Verfahren nicht irreversible Materialveränderungen?

Brüggerhoff: Volle Reversibilität ist für mich als Naturwissenschaftler ein unerreichbarer Idealzustand. Ziel sollte vielmehr sein, die spätere Wiederbehandelbarkeit der uns anvertrauten Kulturgüter zu gewährleisten. Das Verhältnis von Dauerhaftigkeit der Schutzwirkung und Beeinflussung des Objektes bei der Entfernung des Schutzmittels ist wichtig; idealerweise stehen beide in einer umgekehrten Beziehung. Bei deutlich vermindertem Aufwand für die Wiederbehandlung kann auch eine geringere Schutzdauer vorzuziehen sein.

Können technologische Fortschritte hier Quantensprünge ermöglichen?

Brüggerhoff: 30 Jahre Forschungserfahrung haben mich gelehrt, dass es eine einfache Einmalbehandlung mit optimaler Wirkung für alles wohl nie geben wird.

Das klingt skeptisch?

Brüggerhoff: Keinesfalls. Fortschritt heißt hier kontinuierliche Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden unter stetiger Überprüfung – ohne das Rad permanent neu zu erfinden. Manchmal liefert das vorhandene Rad bei neuen Rahmenbedingungen die Chance für substanziell Neues. Das ist ein stetiger Prozess, vollzogen in kleinen Schritten.

Was erwarten Sie vom Erfurter Oberflächen-Symposium?

Brüggerhoff: Der Veranstaltung sehe ich mit Interesse entgegen. Der vorgenannte Prozess muss immer wieder neu angeregt werden, dazu kann Erfurt einen Beitrag leisten. Das von mir mitinitiierte InnoKultur-Gesamtprojekt ist ein weiterer Entwicklungsschritt eines stetig nach Verbesserung strebenden Systems zur Erhaltung unserer Kulturobjekte - und damit unserer kulturellen Identität. Deshalb ist es wichtig.

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