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Mühlhausen, Ratsstube Rathaus

Salzminderung, Konservierung, Restaurierung der Wandmalerei Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Vorzustand
Vorzustand
Zwischenzustand
Zwischenzustand

Zusammenfassung der Arbeiten

2 Maßnahmen
2.1 Vorbereitende und flankierende Maßnahmen

Um eine ausreichend sichere Rekonstruktion von Malereibereichen zu ermöglichen, wurden vor Beginn der Salzminderungsmaßnahmen diverse Details fotografisch dokumentiert. Diese Maßnahme war notwendig, da die großflächige Naßentsalzung das Risiko des Malschichtverlustes birgt. Durch starke Durchfeuchtung des Trägermaterials und der Farbschichten ist es möglich und schon mehrfach vorgekommen, dass Malereibereiche zerstört wurden. Besonders die retuschierten Bildbereiche des Wandgemäldes waren hier gefährdet, da die verwendeten Acrylfarben bei längerer Durchfeuchtung zum Quellen und zu Haftschwächen neigen. Die Aufnahmedetails waren im Leistungsverzeichnis vorgeschrieben und sind durch eine Kartierung detailliert beschrieben. Diese Aufnahmen sind in der Fotodokumentation aufgeführt (Blatt 1 bis 46).
Vor Beginn der Restaurierungsmaßnahmen wurden die Bereiche der Lambris und Sitzbänke mit Folie verkleidet und der Parkettfußboden mit Teppichen ausgelegt. Die Fugen zwischen Lambris und Wand wurden mittels Papiertüchern verschlossen, um Reinigungsabfälle, Salzreste und herablaufendes Wasser oder Reinigungsmedien aufzufangen und schnell von der Wandfläche zu entfernen.

2.2 Konservierungsmaßnahmen
2.2.1 Konsolidierung von Malschichten

Vor Beginn der Reinigungs- und Salzminderungsmaßnahmen wurden alle Bereiche mit gelockerten Malschichten gefestigt. Hierzu wurden unterschiedlich konzentrierte Polyvinylalkohollösungen benutzt. Zum Einsatz kam das Produkt Mowiol 4 / 88, welches mit einem Acrylzusatz des Produktes Primal AC 33 vermischt wurde.
Die Konzentration der Wirkstoffe und Wirkstoffgemische wurden je nach Festigungserfolg modifiziert. Es war zum Beispiel nach mehrmaligen Salzminderungsmaßnahmen notwendig, den Acrylgehalt an besonders stark gelockerten Bereichen zu erhöhen.
Die Maßnahmen wurden an allen Bereichen durchgeführt, die in der Kartierung von Frau Metzner aufgeführt sind (Kartierung der Putz- und Malschichtschäden).
Im Wesentlichen können die verwendeten Wirkstoffgehalte und Mischungen der Wirkstoffe wie folgt beschrieben werden:

Vorfestigung: 1 RT Mowiol in 15 RT Wasser + 1 RT Primal in 15 RT Wasser

Zwischenfestigung: 2 RT Mowiol in 15 RT Wasser + 1 RT Primal in 15 RT Wasser

Festigung an stark
belasteten Bereichen: 2 RT Mowiol in 15 RT Wasser + 2 RT Primal in 15 RT Wasser

Produktbeschreibung des Herstellers (für Mowiol stehen keine Informationen seitens des Herstellers zur Verfügung):

Primal AC 33 ist eine 100%-Acrylat-Dispersion, die für hochwetterfeste Bautenschutzbeschichtungen entwickelt wurde. Die Polymerzusammensetzung bietet eine ausgezeichnete Beständigkeit gegen UV-Licht und Vergilbung, sowie eine hervorragende Kreidungs- und Farbtonbeständigkeit. Die Dispersion besitzt zudem exzellente Alkalibeständigkeit auf mineralischen Untergründen (Mauerwerk, Asbestzement, Beton).

Anwendungen
Primal AC 33 eignet sich für alle Arten von Fassadenfarben (glatt oder strukturiert, Dick- oder Dünn-schichtsysteme). Farben, die mit Primal AC 33 formuliert sind, eignen sich für Anstrichstoffe zur "Carbonatisierungsverhütung". Die gebotene Kohlendioxidbarriere hemmt die Beton-Carbonati-sierung, die zum Rosten der Stahlbewehrung im Beton führt, wodurch dieser allmählich abbröckelt und reisst, wenn die Rosthaut sich physikalisch im Volumen ausdehnt.
Gleichzeitig haben diese Anstrichstoffe eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit, damit die Gebäude-Innenfeuchtigkeit austreten kann, ohne dabei Blasen auf dem Anstrich zu bilden. Die Polymer-zusammensetzung wurde sorgfältig gewählt, damit sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen genügend Härte (gute Beständigkeit gegen Schmutzaufnahme) und ausreichender Elastizität (bei Mikrorissen im Untergrund) ergibt.
Das Polymer eignet sich natürlich auch für Anwendungen im Innenbereich, z.B. strukturierte Überzüge und Deckenfarben.

Typische physikalische Eigenschaften
Die nachfolgenden Angaben sind lediglich physikalische Werte und stellen keine Spezifikation dar.

Aussehen milchig-weisse Flüssigkeit
Festkörper 46 / 47%
Brookfield-Viskosität, 25 °C (Spindel Nr. 2, 30 U/Min) 100 / 1.600 cps
pH-Wert 8,5 / 9,1
Spezifisches Gewicht 1,06
MFT 5 / 9 °C

2.2.2 Konsolidierung des Malereiträgers

Vor Beginn der Reinigungs- und Salzminderungsmaßnahmen wurden alle Bereiche mit gelockerten Trägermaterialien gefestigt.
Hierzu wurde ein Injektionsmörtel mit der Produktbezeichnung PLM A verwendet (Firma Kremer). Die Maßnahmen wurden an allen Bereichen durchgeführt, die in der Kartierung von Frau Metzner aufgeführt sind (Kartierung der Putz- und Malschichtschäden). Der Mörtel wurde in unterschiedlichen Konzentrationen zur Klebung von Abbruchbereichen und Anböschung von Abbruch- und Rissflanken benutzt.

Produktbeschreibung des Herstellers:

Beschreibung:
Der Injektionsmörtel PLM-A wird für allgemeine Festigungsarbeiten an Fresko- und Wandmalerei empfohlen. Der Injektionsmörtel PLM-A ist aus neutralem Kalk und ausgesuchten inerten Zusatzstoffen gemischt. Der Injektionsmörtel PLM-A ist frei von löslichen Salzen. Die hervorragende Mischung ergibt einen Injektionsmörtel mit erhöhter Eindringtiefe und erhöhter Stabilität gegen Sedimentation. Der Mörtel hat folgende Eigenschaften: lösliche Salze sind nicht anwesend, er hat keine wasserabweisenden oder durchlässigkeitsverringernde Eigenschaften, er ändert die Dampfdurchlässigkeit im Mauerwerk nicht, er hat ähnliche physikalische und mechanische Eigenschaften wie Kalkmörtel, einfache Injektionsmöglichkeit mit Spritzen, enthält keine agressiven oder korrosiven Bestandteile für Farben, einfache Abwischbarkeit von Ausblühungen.

Anwendungsempfehlung:
Der Injektionsmörtel PLM-A ist durch seine besonderen Eigenschaften geeignet, Freskos und Wandmalerei auf Maueruntergründen zu festigen.

Technische Daten:
• Weisses Pulver
• Abbindezeit: 24 - 48 Stunden
• Dichte: 1,1 kg/dm3
• Festigkeit: Rg 12,7 kg/cm2

Gebrauchshinweise:
Bis ca. 80% in Gewicht wird Wasser zugesetzt um die gewünschte Fliessfähigkeit zu erhalten. Man mischt sorgfältig bei niedriger Geschwindigkeit für ungefähr 5 Minuten um einen homogenen flüssigen Zustand zu erzeugen. Mit Metallsieb 1 mm sieben. Mit Spritzen von Hand einspritzen. Für eine optimale Anwendung kontinuierliches Einspritzen, um Luftblasen zu verhindern. Nach Arbeitspausen den Mörtel frisch anrühren.

Bereiche, die eine starke Lockerung aufwiesen und eine tiefgründige Zerstörung des Putzgefüges darstellten, wurden entfernt. Diese Maßnahme diente auch zur Verringerung von Salzkonzentrationen, da diese Bereiche besonders hohe Salzgehalte aufwiesen. Hierzu wurde die Malschicht mit Japanpapier kaschiert und anschließend an den meist vorhandenen Abrissflanken strappiert, so dass der Putz frei lag. Anschließend wurde die Lockerungszone so weit ausgeräumt, dass eine gute Haftung des Ergänzungsmörtels ermöglicht werden konnte. Als Ergänzungsmörtel wurde ein Sumpfkalkmörtel eingesetzt, der ein Mischungsverhältniss von 1 : 4 (Kalk : Sand) aufwies, Körnung und Farbigkeit wurden der Ergänzungsumgebung angepaßt.
Die Maßnahmen wurden an allen Bereichen durchgeführt, die in der Kartierung von Frau Metzner aufgeführt sind (Kartierung der Putz- und Malschichtschäden).

2.3 Salzminderungsmaßnahmen

Vor Beginn der Kompressensalzminderung wurden alle Bereiche der Wandmalerei, welche lockere Salzkristallisationen an der Oberfläche aufwiesen, mittels weichem Pinsel und Feinstaubsauger behandelt. So konnten bereits auf der Oberfläche befindliche Salze wirkungsvoll entfernt werden. Diese Maßnahme wurde nach den ersten vier Kompressenbehandlungen notwendig, obwohl von Salzminderung zu Salzminderung der oberflächliche Entnahmebedarf immer geringer wurde. Zu den am häufigsten wiederkehrenden Salzausblühungen wurden Kartierungen angefertigt, diese sind im Anhang aufgeführt.
Die Salzminderungsmaßnahmen beinhalteten die Auflage von feuchten Kompressen auf in der Kartierung von Frau Metzner vorgeschriebenen salzbelasteten Flächen.
Als Kompressenmaterial wurde eine Mischung aus Cellulosefasern benutzt, die in industriell konfektionierter Form so nicht erhältlich ist. Die lieferbaren Fabrikate Arbocel 1000 und Arbocel 200 wurden im Verhältnis 1:1 gemischt. Dies war nötig, um die Eigenschaften vom sehr gut wasserrückhaltenden Arbocel 200 mit dem besser haftenden Arbocel 1000 zu vermischen um somit ein optimales Kompressenmaterial zu erhalten.

Produktbeschreibung des Herstellers:

Arbocel BC 200 :

Diese reinen mittellangen Cellulosefasern mit 0,3 mm Faserlänge haben sich besonders als Hilfsfüllstoff in Entsalzungskompressen bewährt. Aus Mischungen von Arbocel BC 200 mit quellfähigen Steinmehlen wie Bentonit oder Attapulgit können Pasten zur Steinentsalzung hergestellt werden. Man benötigt ca. 250-300 g Arbocel BC 200 auf 1 kg Steinmehl.

Arbocel BC 1000:

Reine Cellulosefasern, Faserlänge ca. 0,7 mm, strukturbildend, diese eher längeren Fasern verringern Rissbildung in Farben und Putzen, geben Wandfarben einen matten Oberflächeneindruck, verringern die Fliessneigung von Spachtelmassen und erleichtern die Verarbeitung von Füllspachteln, verbessern die Wasserretention

Da zurecht eine starke Aufweichung der Malerei durch die wasserhaltigen Kompressen befürchtet wurde, sind besonders gefährdete Bereiche mit dünnem Japanpapier kaschiert worden. In den ersten Salzminderungsmaßnahmen wurde eine schwach wirkstoffhaltige Tyloselösung (1,5 % ige MH 300) verwendet, welche aber ab der dritten Salzminderung durch destilliertes Wasser ersetzt wurde. Ein einfaches Ansprühen genügt, um das sehr dünne Papier auf der Malerei formschlüssig zu arretieren bis man die Kompresse aufbringt.
Das Papier verblieb auf der Malerei und das Kompressenmaterial wurde vorsichtig ohne das Japanpapier zu zerstören abgenommen (nach der Salzminderung). Malereibereiche, die sich während der Naßentsalzung vom Träger lösten, konnten somit durch das Papier hindurch wieder konsolidiert werden. Anschließend konnte das Papier im nassen Zustand problemlos entfernt werden.

Diese Vorgehensweise hatte einen weiteren Vorteil. An Bereichen an den diese Vorsichtsmaßnahme nicht notwendig war, hatten die Kompressenmaterialien direkten Kontakt mit der Malerei und hinterließen nach der Abnahme feine Faserreste, die nur sehr schwer zu entfernen waren und nach ihrer Trocknung einen leichten Schleier hinterließen. Dort wo das Japanpapier aufgebracht war, blieben natürlich keine Faserreste zurück und der Reinigungsaufwand war wesentlich geringer.
Da die Kompressenflächen relativ groß waren, mußte eine Arretierungshilfe eingesetzt werden. Die relativ glatte, senkrecht verlaufende Malereioberfläche bot dem Kompressen nicht genügend Haftung. Es drohte das unkontrollierte Ablösen den Kompressen, welches das Risiko des gleichzeitigen Abreißens der Malschicht barg. Um dies zu verhindern, wurde ein Stützgerüst aus Plexiglasstreifen in Form eines Setzkastens auf der Oberfläche befestigt. In diese Rahmenkonstruktion konnte das Kompressenmaterial nun abschnittweise aufgetragen werden, ohne dass es abfallen oder herunterrutschen konnte (siehe Fotodok. Blatt 51 und 56).
Das Cellulosegemisch wurde mit auf 40 C ° erwärmtem, destilliertem Wasser vermischt und so zügig wie möglich auf der Wandoberfläche appliziert. Temperaturmessungen an der Oberfläche ergaben, dass das Kompressenmaterial bei Kontakt mit der Wand auf 25 C ° bis 30 C ° abkühlte und seine Temperatur ca. 30 bis 40 Minuten beibehielt. Diese Maßnahme wurde vorgenommen, um die Löslichkeitseigenschaften des in das Materialgefüge der Wandmalerei eingebrachten Wassers so hoch wie möglich zu gestalten . Die Kompressen wurden nach ihrem Auftrag mittels Rotlichtlampen warm gehalten, um den Lösungseffekt so lang wie möglich aufrecht zu erhalten. Um die aufsteigende Wärme der Lampen abzuleiten und die Deckenmalerei zu schützen, wurde eine Styroporplatte an der Decke befestigt (siehe Fotodok. Blatt 56). Diese Maßnahme wurde mit Pausen, um die Kompressen nicht zu schnell austrocknen zu lassen, ca. 3 bis 4 Stunden vorgenommen.
Bei den ersten Salzminderungsmaßnahmen wurden die Kompressen 24 Stunden auf der Oberfläche belassen. Zur Kontrolle der Salzminderungseffektivität wurden Proben der Kompressen entnommen und im Labor analysiert (siehe Anhang Probeergebnisse). In Auswertung der Ergebnisse konnten einige Vorgehensweisen der Salzminderungsmaßnahmen abgeändert werden. So konnte festgestellt werden, dass kurz hintereinander durchgeführte Kompressenaufträge weniger Salz extrahieren als Kompressenaufträge, die in größeren Zeitabständen erfolgten (Analyse vom 07.05.01: zwei kurz hintereinander durchgeführte Maßnahmen ergaben, dass an der gleichen Stelle bei der zweiten nur 0,20 Masse % extrahiert wurden statt der 2,00 Masse % der ersten Maßnahme aber später bei einer dritten Maßnahme an der gleichen Stelle wieder mehr Salz extrahiert wurde). Also wurden die Salzminderungsmaßnahmen mit Pausen von bis zu drei Monaten unternommen. Es konnte auch festgestellt werden, dass der Verbleib der Kompressen über 24 hinaus eine Erhöhung der Extraktionswerte ergab. Dem wurde entsprechend Rechnung getragen und die folgenden Kompressenaufträge bis zu 96 Stunden auf den betreffenden Flächen belassen. Um eine zu schnelle Austrocknung der Kompressen zu verhindern, wurden sie je nach oberflächlich spürbarem Bedarf, leicht nachgefeuchtet.
Mit dem Leiter der Abteilung Restaurierung, des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege Herrn Diplomrestaurator Reinhardt, wurde bei einer Beratung vor Ort die Möglichkeit erörtert, mit einer Modifikation des Kompressenmaterials höhere Extraktionswerte zu erreichen. Hierzu sollten Versuche mit Bentonit einem Blähton unternommen werden, von dem nachweislich bekannt ist, dass Kompressen mit diesem Material höhere Extraktionswerte aufweisen als einfache Cellulosekompressen. Die Vorversuche verliefen unproblematisch aber beim Einsatz auf den großen Flächen der Wandmalerei zeigte sich ein gravierendes Gefährdungspotential der Bentonitkompressen. Die starken Adhäsionskräfte des Bentonits und die an einigen Bereichen schon stark geschwächten Acrylretuschen lösten großflächige Partien der Retuschen aus dem Wandgemälde. Diese blieben allerdings dank der Japanpapierkaschierung auf der Rückseite der Kompressen erhalten und konnten nach der Ablösung des Bentonits wieder in das Wandgemälde integriert werden (siehe Fotodok. Blätter 61 bis 67).

Produktbeschreibung des Herstellers:

Bentonit:
Sehr stark quellende Tone (wasserhaltige Aluminiumsilikate, Hauptbestandteil ist Montmorillonit), die
das 5- bis 6fache ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen können und dabei ihren Rauminhalt verzehnfachen.
Die starke Quellbarkeit und Absorbtionsfähigkeit der Bentonite ist auf einen hohen Gehalt an sehr kleinen, ultramikroskopischen Teilchen (Oberflächenvergrösserung) zurückzuführen.
Stellmittel für /lfarben, Textur wird sämiger, Wirksamkeit ist höher als bei chemisch modifizierten Bentoniten : Lapolite und Tixogel Bentonite wurde 1916 in Kalifornien entdeckt. Der Name stammt von dem ersten Fundort Fort Benton im Staate Montana. "hnlich wie der amerikanische Bentonite wirkt auch der deutsche Quellton in Geisenheim (Deutscher Aktiv Bentonit).

Verwendung:
• zur Entfärbung von mineralischen, tierischen und pflanzlichen /len, Fetten und Wachsen
• zur Erhöhung der Beständigkeit von Emulsionen, zum Strecken von Seifen (bentonhaltige Seifen besonders bei öligem Schmutz geeignet)
• als Füllmittel und Wärmeisolator, zum Plastifizieren von Kernsänden in Giessereien, zur Spüllösung für Erdölbohrungen
• zur Reinigung von Altöl (Bentonite absorbiert teerige Verunreinigungen)
• zur Herstellung von Zahnpasten und Trockenbatterien,
• zur Verdickung von Wasserfarben
• als Füllmittel für Kunststoffe, in Mischung mit CaO und NaNO2-Lösung als Rostschutzmittel für Stahl (s.CAEN 1955,S.3400)
• zur Herstellung keramischer Erzeugnisse usw.

Durchschnittsermittlungen des untersuchenden Labors haben ergeben, dass die Maßnahmen pro Kompressenauftrag Extraktionswerte von bis zu 15 % aufwiesen. Im Vergleich zu den im Wandbild verblieben Salzkonzentrationen, ist dieser Wert jedoch sehr gering. Hier muß allerdings gesagt werden, dass die analysierten Putzproben Bereichen entnommen wurden, die starke Salzkonzentrationen aufwiesen.
Durchschnittlich wurden 1 g bis 2 g Gesamtsalzgehalt (hauptsächlich Nitrat) pro 400 cm " Kompressenmaterial gemessen. Die höchsten Extraktionswerte erreichten die Bentonitkompressen mit 3,9 g bis 7,4 g Gesamtsalzgehalt (hauptsächlich Nitrat) pro 400 cm " (siehe Anhang Probenanalysen).
Beobachtungen der bearbeiteten Flächen haben ergeben, dass nach einem längeren Zeitraum (zwischen der vierten Salzminderung und der letzten Salzminderung vergingen fast 10 Monate) betrachtet die Kristallisationen auf der Malereioberfläche immer kleinflächiger wurden.
Nach der letzten Salzminderung haben sich nur noch geringe Ausblühungen gezeigt, die nur mit starkem Streiflicht und aus nächster Distanz erkennbar sind. Diese wurden trocken abgenommen. Seitdem zeigten sich nur noch bei einem klimabedingten (38 % relative Luftfeuchte im Außenbereich am 28 Juni 2002) starken Abfall der Raumfeuchte unter 50 % eine augenscheinlich wahrnehmbare Kristallisation an einem 100 cm " großen Bereich am Kopf des Bischof von Köln. Nach diesem Datum fiel die Raumfeuchte noch mehrmals unter 50 % aber die Ausblühungen traten nicht mehr auf.
Die bisher erzielten Ergebnisse haben erreicht, dass die Malereien optisch von den Salzausblühungen nicht mehr beeinflußt werden, aber es ist auch klar, dass lediglich eine Verringerung der Salzkonzentration erbracht wurde. Im günstigsten Fall wurden die Bereiche mit hohen Salzkonzentrationen durch den Eintrag des Wassers und der anschließenden Migration in ihrer Konzentration so weit gemindert, dass bei einer erneuten Kristallisation der Porenraum des Putzes ausreicht um die Salzkristalle aufzunehmen.

3 Restaurierungsmaßnahmen
3.1 Reinigung der Wandmalerei

Die Oberfläche der Wandmalerei wurde mittels destilliertem und auf 30 C ° erwärmten Wassers vorgenommen. Dem Wasser wurde gemäß der vorgeschriebenen Technologie ein Zusatz von nichtionischem Tensid beigemischt. Hierzu wurde das Produkt Maripal 1618/25 benutzt. Als Reinigungswerkzeug dienten engporige Schwämme, die keine Rückstände auf der Oberfläche zurückließen. Die Reinigung mit Wattebäuschen hinterließ zu viele Watterückstände, die sich schlecht entfernen ließen.
Die gesamte Oberfläche, wurde nach deren Abtrocknen mit destilliertem Wasser nachgereinigt, um Reste des Tensides zu entfernen.

3.2 Reduzierung von Glanzstellen und Weißschleiern

Die Reduzierung der stark glänzenden Überzüge wurde gemäß der Technologievorgabe mittels Aceton vorgenommen. Hierbei wurden Wattepats als Hilfsmittel benutzt. Eine vollständige Entfernung der Glanzstellen war nicht möglich, da die meisten stark glänzenden Bereiche der Wandmalerei bzw. der Retuschen bei zu intensiver Behandlung mit Aceton Gefahr liefen, beschädigt zu werden. Die Flächen der Behandlung entsprechen denen der in der Kartierung von Frau Metzner aufgeführten Bereiche.
Die Bereiche an den sich Weißschleier befanden (Oberwand der Süd- und Nordwand, siehe Kartierung Metzner), welche durch Salzminderungsmaßnahmen nicht entfernt werden konnten, wurden mittels Gummiarabicumüberzügen ihrem Umgebungsfeld wieder so weit es ging angepaßt.
Der 20 %ige in Wasser gelöste Überzug verändert die Lichtbrechungsindizes der Weißschleier und läßt die Farbwirkung der ursprünglichen Malerei wieder hervortreten.
Bevor diese Maßnahme erfolgte wurden Versuche unternommen, die nicht wasserlöslichen Schleier mittels Amoniumcarbonat zu entfernen. Dies zeigte allerdings keinen Erfolg, die Weißschleier liesen sich weder anlösen, noch abschwächen. Auch eine Behandlung mit Bariumhydroxid zeigte keine Wirkung.

3.3 Verschluß der Mauerwerksöffnung

Die Mauerwerksöffnung an der Nordwand wurde mittels einer Holzwolleleichtbauplatte verschlossen und mit einem zweilagigen Sumpfkalkmörtel verputzt. Die Anschlußbereiche zur Wandmalerei wurden mit Cyclododekan (flüchtiges Bindemittel) behandelt, um eine Sollbruchstelle für spätere Entfernungsarbeiten anzulegen und den geforderten Haftkontakt zu vermeiden.

3.4 Retusche und Ergänzungen

Fehlstellen im Trägermaterial der Wandmalerei wurden entsprechend der Oberflächenstruktur ihrer Umgebung mittels Ergänzungsmörtel verschlossen. Hierbei wurde ein Sumpfkalkmörtel eingesetzt, der in seiner Körnung und Farbigkeit dem Umgebungsputz angepaßt wurde. Das Mischungsverhältnis Bindemittel und Zuschlagstoffe wurde auf 1 : 4 eingestellt. Als Zuschlagstoffe wurden Quarzsande mit einer Körnung von 0,05 bis 1,5 mm verwendet.
Die Retuschen der vorhandenen und während der Salzminderung entstandenen Fehlstellen an der Wandmalerei, wurden mit Temperafarben vorgenommen. Diese von der vorgeschriebenen Technologie (vorgesehen waren Acrylretuschen) abweichende Vorgehensweise, wurde mit dem Leiter der Abteilung Restaurierung, des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege Herrn Diplomrestaurator Reinhardt, bei einer Beratung vor Ort festgelegt. Die dünnschichtigere und offenporigere Temperafarbe ermöglicht eventuell kristallisierenden Salzen, eine leichtere Ausblühung auf der Oberfläche. Hierdurch können Ablösungen von Retuscheflächen, wie sie an den Acrylretuschen aufgetreten sind, eventuell vermieden oder abgemildert werden. Das matte Erscheinungsbild der Temperafarben, wurde mit einem niedrig konzentrierten 10 % igem Gummiarabicumüberzug dem Erscheinungsbild der umliegenden Wandmalerei angepaßt. Verwendet wurden die Temperafarben der Firma Lascaux.
Die Retuschen wurden so ausgeführt, dass sie sich denen der Maßnahmen aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts unterordnen. Die damals ausgeführte Strichretusche wurde in ihrem Duktus übernommen.
Weißschleier auf den Oberwandbereichen der Süd-, Ost- und Nordwand, die nicht durch den Auftrag von Gummiarabicumüberzügen reduziert werden konnten, wurden mittels Aquarelllasuren behandelt.

4 Klimamessungen

Die für die Restaurierung ausgeschriebene maßnahmebegleitende Klimamessung konnte nicht beauftragt werden. Aus Gründen der Qualitätssicherung wurden allerdings von den ausführenden Restauratoren Klimamessungen vorgenommen und Schlußfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen in die klimatische Behandlung des Raumes einbezogen.
Da schon eine ausführliche Beschreibung der klimatischen Bedingungen des Raumes vom Büro für Bauten- und Kunstgutforschung Erfurt vorliegt, soll an dieser Stelle auch nicht weiter auf bekannte Sachverhalte eingegangen werden, sondern lediglich die gewonnenen Erkenntnisse und Daten dokumentiert werden.
Während der Restaurierungsmaßnahmen vom April bis August 2001, wurden die klimatischen Verhältnisse im Raum und im direkt anschließenden Außenbereich (am Giebelfenster der Nordwand des Gebäudes) gemessen. Hierzu wurden mechanische Thermohygrographen an der Süd- und Nordecke der Westwand, sowie an der Ostwand der Ratsstube aufgestellt. Die Klimadaten wurden auf Papierdiagrammen dokumentiert und sind im Hochbauamt der Stadt Mühlhausen archiviert.
Eine zusammenfassende Auswertung kann an dieser Stelle nicht aufgeführt werden, da der Leistungsumfang nicht Bestandteil dieses Arbeitsberichtes ist. Auch die Auswertung durch einen vom Hochbauamt beauftragten Techniker für Raumklimatisierung, erbrachte keine hier aufzeigbare Zusammenfassung der gemessenen Werte.
Somit können an dieser Stelle nur die Erfahrungen aus diesem Zeitraum in grob zusammenfassender Beschreibung wiedergegeben werden. Das Raumklima zeigte zu Beginn der Restaurierungsmaßnahmen keine besonderen Auffälligkeiten im Vergleich zu den bereits ermittelten Daten vom Büro für Bauten und Kunstgutforschung. Die durchschnittliche relative Luftfeuchte lag bei 65 %, die Temperaturen stiegen mit den Temperaturen des Außenklimas langsam an. Die starken Schwankungen der relativen Luftfeuchte des Außenklimas wurden im Raum nicht nachvollzogen aber der stetigen Erhöhungen der Außenfeuchte (in Regenperioden) folgte der Raum relativ konstant. Erheblichen Einfluß auf die Erhöhung der Temperatur nahmen die bis Dato unverblendeten Südfenster. Bei starker Sonneneinstrahlung erhöhte sich die Raumtemperatur relativ schnell.
Während der Salzminderungsmaßnahmen wurden größere Wassermengen in die Wandputze eingebracht, dies führte zu einer erhöhten relativen Luftfeuchte. Um die hölzernen Bauteile (Bohlenwand, Decke etc.) des Raumes vor zu starker Wasseraufnahme und den damit verbundenen Quellerscheinungen zu schützen, wurden Luftentfeuchter eingesetzt. Diese wurden so eingestellt, dass eine Reduzierung der relativen Luftfeuchte auf 70 % stattfand. Ein Gerät verblieb auch nach Abschluß der Maßnahmen im Raum und reguliert seitdem Feuchteerhöhungen über 75 %. Dies geschieht, um die hygroskopischen Anteile der noch in der Wandmalerei befindlichen Salze an weiteren Migrationen zu hindern.
Seit dem 11. August 2001 wird die Ratstube mit einem digitalen Klimameßgerät überwacht. Die zwar wiederum im Auftragsvolumen nicht vorgesehene Leistung wurde notwendig, da weiter Daten zum Klima für die Planung einer Klimatisierungsanlage notwendig waren, aber aus personellen Gründen die aufwendige Kontrolle der mechanischen Thermohygrographen nicht mehr durchführbar war. Die seit diesem Zeitpunkt ermittelten Daten wurden dem vom Hochbauamt beauftragten Techniker zur Erarbeitung eines Raumklimakonzeptes zur Verfügung gestellt und sind in Form von Datensätzen einschließlich des Ausleseprogrammes im Hochbauamt archiviert.


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