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Scherndorf, Kanzelaltar der Salvatorkirche

Untersuchung, Konservierung, Restaurierung und Rekonstruktion des Kanzelaltares

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Kanzelaltar Vorzustand
Kanzelaltar Vorzustand
Kanzelaltar Endzustand
Kanzelaltar Endzustand

Zusammenfassung der Arbeiten

1.1 Vorwort

Der vorliegende Bericht enthält die Beschreibung der Rekonstruktions- und Restaurierungsarbeiten am Kanzelaltar in Scherndorf, sowie eine kurze Erläuterung des Vorzustandes. Die einzelnen Restaurierungsschritte sind anhand der Fotodokumentation aufgeführt. Der Restaurierung ging eine Fassungsuntersuchung voran, die allen im Verteiler genannten Institutionen bereits vorliegt. Auf Grundlage dieser Untersuchung, wurde die hier beschriebene Vorgehensweise bei der Restaurierung des Altars mit der Denkmalfachbehörde abgestimmt und bestätigt.

1.2 Baugeschichte

Über die Baugeschichte der Kirche sind bisher keine aussagekräftigen Quellen festgestellt worden. Bauakten der Gemeinde wurden im Jahre 2001 dem Archiv der Stadt Weißensee zugeführt, sind aber bisher nicht zugänglich. Die einschlägige Literatur (Dehio Thüringen und "Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen ", Bearbeiter Otte / Sommer, Heft VI) weist keine genauen Angaben zur Baugeschichte auf.
Der Literatur über die Baugeschichte der Ordenscomturei Griefstedt zufolge , soll die Kirche im Jahre 1713 unter dem Comtur Freiherr Marschall von Bieberstein erbaut worden sein. Stilistisch ist dieses Datum durchaus denkbar. Die Kirche und ihre Ausstattung ist in ihrer Gesamtheit dem Baustil des Spätbarock zuzuordnen.
Der Kanzelaltar paßt sich harmonisch in das Gesamtbild der barocken Innenausstattung ein und ist mit Sicherheit der ursprünglichen Bausubstanz zugehörig. Eine Ausnahme stellt das Tafelbild im Durchgang unter dem Kanzelkorb dar (Predellabereich bei einem Flügelaltar). Das Gemälde stellt das heilige Abendmahl dar und ist mit vier Stifterfiguren ausgeführt. Die im architektonischen Hintergrund stehenden Personen sind aufgrund zweier über ihnen befindlicher Wappen dem Deutschen Ritterorden zuzuordnen und stellen die ehemaligen Comture Ottomar von Galen (Comtur von 1610 / 13) und Hartmann von Liederbach (Comtur 1438 - 53) dar. Warum ein Comtur aus dem 15. Jahrhundert dargestellt wurde und wer die anderen zwei Personen sind, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Der Ort Scherndorf stand über mehrere Jahrhunderte unter dem Patronat des Deutschen Ritterordens in Griefstedt (1233 bis 1809). Es ist möglich, dass dieses Bild, welches in den Wappen auf 1611 datiert ist, aus dem Bestand der Comturei stammt und ursprünglich zu einem Altaraufsatz oder einem Epitaph gehörte. Eine Wiederverwendung eines Altars aus der Vorgängerkirche des Ortes Scherndorf ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. Vermutlich wurden bei der Säkularisierung der Comturei im Jahre 1809 einige Bestandteile an die umliegenden Kirchgemeinden verteilt, da diese noch erhebliche Forderungen gegen die Comtureiverwaltung vorweisen konnten . Einige Elemente, wie das Gemälde und der Rahmen des Tafelbildes, wurden am barocken Kanzelaltar integriert, einige Elemente, wie Rahmen und Postamente, lagern hinter dem Altar. Diese Ergänzung des Kanzelaltares könnte während einer Renovierungsphase der Kirche vorgenommen worden sein, die zwischen 1811 und 1821 stattgefunden hat.
An der Liedertafel ist die Jahreszahl 1811 mit Stifterinitialen dargestellt und die Wetterfahne weist die Jahreszahl 1821 auf, welche auf den Aufbau des Turmhelmes und Turmobergeschosses hinweist.
Einen weiteren Hinweis auf eine Renovierungsphase am Anfang des 19. Jh. befindet sich auf der Rückseite des Kanzelaltares zwischen der Südtür und dem Tafelbild. Eine nur teilweise erhaltene Inschrift beinhaltet eine Datierung des Kirchenbaus "die Kirche im Jahre 171(?) erbaut ", die Nennung einiger Namen "Otto Habe, Paul Hesens " und den Hinweis auf einen Einbau im September des Jahres 18 (30 ?), welcher durch die Beschreibung eines hohen C vermutlich auf einen Orgelein- oder umbau zurückzuführen ist.
Eine weitere Renovierungsphase erlebte das Kircheninnere im Jahre 1912. Die Malermeister Gerlach und Burghardt aus Erfurt (Inschrift auf der Rückseite des Giebels) mit Ihren Gesellen Arthur Siegmund, August Hölze und R. Kahlert (Inschrift an Rückseite des Tetragrammdreieckes der Kanzelbekrönung) nahmen eine vollständige Restaurierung des Kircheninneren vor, bei der auch der Kanzelaltar zu großen Teilen neu gefaßt wurde.
Nach dieser Restaurierung wurden keine weiteren Restaurierungen am Altar vorgenommen.
Am 17. November 1986 stürzte die Deckentonne der Kirche ein und beschädigte einige Elemente des Altares, hierbei wurde die Orgelempore vollständig zerstört. Die meisten Schäden am Altar wurden allerdings beim Neueinbau der Deckentonne verursacht. Viele gelockerte Bereiche wurden abgebaut und teilweise unsachgemäß gelagert, so dass sie weiteren Schaden nahmen.

1.3 Bestandserfassung

Der Altar folgt in seiner Grundgestaltung dem klassischen Vorbild eines protestantisch geprägten Kanzelaltares.
Der Altar wird von zwei sich nach oben verjüngenden quadratischen Postamenten mit stark profilierten Gesimsen, auf denen rechts Christus als Salvator mit Weltenkugel und links Moses mit Wunderstab, eherner Schlange und Gebotstafel stehen, dominiert.
Der Altarrahmen wird durch hinter die Figurpostamente gestellte Postamente mit Pilastern und korinthischen Kapitellen, sowie einem gesprengten Segmentbogengiebel gebildet. Das Kranzgesims ist in der Mitte der Kapitelle nach vorn verkröpft. Der Segmentbogengiebel ist in der Mitte nach hinten verkröpft. Der Giebelabschluß ist mit Fruchtgehängen, sowie Voluten und zwei flankierenden Vasen dekoriert und mit einem Tetragrammdreieick mit Strahlenkranz und Wolken bekrönt.
Die Altarmitte wird durch den Kanzelkorb mit einem mehrfach verkröpften Schalldeckel gebildet. Die Kanzel wird durch ein rundes mit Blattwerk eingerahmtes Andachtsbild, welches von zwei Putten gehalten wird bekrönt. Ein ähnlich geartetes Andachtsbild befindet sich unter dem Kanzelkorb. Im Schalldeckel ist eine Wolke abgehängt, an der die Taube als Symbol des Heiligen Geistes hing (Taube und Andachtsbild unter Kanzelkorb zur Zeit ausgelagert, bei Frau Mänz, Schillerstr. 16, Scherndorf). Der Türdurchgang zum Kanzelkorb ist mit einer Muschel bekrönt und mit Faltenwerk eingerahmt.
Die Pilaster und Postamente sind mit Fruchtgehängen und Puttenköpfen dekoriert. Der Altar wird flankiert von zwei Türen mit Rundbogensupraporten auf denen je eine Vase steht. Die Rundbögen werden von je zwei Pinienzapfen flankiert.
Über den Türen sind Andachtsbilder angebracht, die von Blatt- und Fruchtgehängen eingerahmt sind und von geflügelten Puttenköpfen bekrönt werden. Die Türrahmen werden von Voluten flankiert.
In der Mitte des Altares, unter dem Kanzelkorb, befindet sich ein Tafelgemälde, welches nicht zur originalen Ausstattung des Altares gehört.
Es wurde vermutlich im 19. Jh. angebracht und stammt vermutlich aus der Comturei Griefstedt. Es ist datiert auf 1611 und stellt das Abendmahl von Christus mit seinen Jüngern dar. Im Hintergrund sind vier Personen dargestellt bei denen es sich um den Comtur Ottomar von Galen (Person mit Deutschritterorden und Bart, linke Bildhälfte) und vermutlich um Mitstifter (oder Ordensnahe Gelehrte) handelt.
Galen ist durch sein Wappen identifizierbar. Das zweite Wappen gehört einem anderen Comtur, der aber nicht zur Entstehungszeit sondern im 15. Jh. gewirkt hat (siehe Baugeschichte).
Zu diesem Tafelgemälde aus dem 17. Jh. gehört der mit verbaute Rahmen und einige Einzelteile, die hinter dem Altar gelagert werden.

1.4 Zustandserfassung

Der Gesamtzustand des Altares kann als stabil und nur bedingt gefährdet bezeichnet werden. Bedenklich ist der aktive Anobienbefall, vor allem im Giebel, dieser könnte auch innerhalb kürzester Zeit zu größeren Zerstörungen am Altar führen.
Der gestalterische Gesamteindruck des Altares wird durch große, abgebrochene Bereiche, wie das Tetragrammdreieck und die rechte, durch abblätternde Farbschichten, sowie durch die starke Verschmutzung des gesamten Altares beeinträchtigt.
Details des plastischen Dekors wie diverse Kordeln am Schalldeckel und einige Kleinteile sind nicht mehr auffindbar, vermutlich wurden sie nach dem Dacheinsturz mitgenommen oder bei den Aufräumungsarbeiten versehentlich weggeworfen.
An vielen Bereichen des plastischen Schmuckes und einiger Profile sind kleinere Abbrüche zu verzeichnen, die vermutlich beim Dacheinsturz oder während der Bauarbeiten zur Dachsanierung entstanden (frische Bruchstellen).
Einige lose Ausstattungsstücke, wie die Taube im Schalldeckel, ein Pinienzapfen und ein Andachtsbild am Kanzelkorb sind beim Gemeindemitglied Frau Mänz in der Schillerstr. 16 gelagert.
Die teilweise lose Befestigung des plastischen Dekors läßt an diversen Bereichen eine mühelose Abnahme von gestalterisch wichtigen Details bzw. ihr Herunterfallen zu.
Einige Bereiche des Strahlenkranzes um das Tetragrammdreieck und die Giebelvasen sind von Anobien sehr stark zermürbt worden, diese Bereiche können schon durch geringen Druck zerstört werden.
Bis auf die vergoldeten und die malerischen Bereiche (Tafelbild, Andachtsbilder und die Schrifttafel Moses) wurden alle Altarflächen während der Restaurierung 1912 überfaßt. Der Überfassung ging eine Entfernung der ersten Fassung voraus, somit sind Freilegungsmaßnahmen nicht möglich.
Eine Ausnahme bei der Überfassung bilden die Innenflächen des Schalldeckels, hier sind alle Bereiche der ersten Fassung erhalten. Diese Fassungsbereiche werden nur durch Wasserflecken, kleinere Fehlstellen und Verschmutzungen beeinträchtigt.
Starke Wasserschäden, welche die Fassungen größtenteils ganz zerstörten, finden sich an den Kontaktstellen zu den Wänden und an den oberen Bereichen der Giebelbekrönung. Vermutlich stand das Dach vor seinem Einsturz eine ganze Zeit offen.
Die Kontaktbereiche zur Wand hatten vermutlich schon während der ganzen Standzeit des Altares Feuchtigkeitsprobleme. Dies wird an den Materialaustauschbereichen deutlich, die sich am Wandanschluß finden lassen (1912 ausgetauscht).
Einige der Andachtsbilder wurden wegen ihrer losen Anbringung unfachmännisch mit Kreuzschlitzschrauben befestigt, welche teilweise den malerischen Bereich beeinträchtigen.
Große Bereiche der Überfassung sind durch mangelhaften Verbund mit dem Träger bereits abgeblättert oder sehr stark gelockert. An Griff- oder Durchgangsbereichen ist die Fassung teilweise bis zum Träger durchgeputzt.
Am Tafelgemälde, den Andachtsbildern und der Schrifttafel Moses (Erstfassung bzw. originale Malerei) sind diverse kleine Fehlstellen vorhanden, vor allem der unterste Bildbereich des Tafelgemäldes weist größere Verluste auf. Diese sind zwar durch die Abdeckung des Stipes und der Mensa verborgen, aber ein weiterer Verlust durch den etwas zu feuchten Standort ist denkbar. Einige dieser Fehlstellen (bis auf die untersten Bereiche des Tafelbildes) wurden bei der Restaurierung 1912 in ausreichendem Maße retuschiert.

2 Fassungsuntersuchung

Die Fassungsuntersuchung wurde an allen exemplarischen Bereichen der Architekturfassung durchgeführt, hierzu wurden Freilegungen an überfaßten Farbschichten und der Abbau von verdeckenden Bereichen vorgenommen.
Die malerischen Bereiche wurden augenscheinlich als nicht überfaßt eingeschätzt und keiner stratigrafischen Untersuchung unterzogen.
Farbtöne, die für die Rekonstruktion der ersten Fassung notwendig sind, wurden mittels NCS Farbskala abgenommen und sind im Anschluß dokumentiert. Auch die wichtigsten Farbtöne der Überfassung sind dokumentiert worden.
Die Wiedergabe aller Farbnuancen ist bei lasurhaften Marmorierungen, wie im vorliegenden Fall nur in einem sehr unübersichtlichen Maße möglich, aus diesem Grund wurden die Haupttöne bestimmt, zwischen denen sich die Marmorimitationen bewegen.
Alle Farbtöne der ersten Fassung wurden an Bereichen abgenommen, die seit dem Bau des Altares verdeckt waren, dass heißt die übliche Veränderung durch Lichteinwirkung kann ausgeschlossen werden. Verschmutzungen wurden vor Farbtonabnahme weitestgehend entfernt.

2.1 Fassungsträger

Der Altar besteht in seiner Rahmen- und Architekturkonstruktion aus Nadelholz. Augenscheinlich handelt es sich um Kiefer und Lärche. Die Elemente des plastischen Dekors und der Figuren bestehen aus Laubholz, vermutlich Pappel oder Linde.
Die konstruktiven Verbindungen werden durch Überplattungen und an den Türen durch Schlitz - Zapfeneckverbindungen gebildet. Die Eckverbindungen sind mit Holznägeln gesichert.
Der plastische Dekor und die Figuren sind durch Metallbänder und schmiedeeiserne Nägel befestigt. Die Türen sind mit einfachen eisernen Flachbändern angeschlagen und mit Heberiegeln verschlossen.


2.2 Fassung 1713

Die erste Fassung des Kanzelaltares stammt mit Sicherheit aus der Erbauungszeit der Kirche und ist somit auf 1713 zu datieren.
Die Fassung baut auf einem Kreidegrund auf, der augenscheinlich (Löslichkeitsprobe) den klassischem Muster eines proteingebundenen (Haut / oder Knochenleim) Fassungssystems folgt. Eine Bindemitteluntersuchung ergab, dass neben den Proteinen (tierischer Leim, vermutlich Glutinleim) als Hauptbestandteil des Bindemittels auch Kohlenhydrate (vermutlich Getreidestärke) nachweisbar sind (siehe Anhang Bindemitteluntersuchung).
Der Kreidegrund ist mehrschichtig aufgebaut, weist aber keine sehr große Schichtdicke auf. Auf den Bereichen der weiß belassenen Profilleisten, wurden oberflächenverdichtende Bearbeitungsspuren festgestellt, die vermutlich auf ein Abreiben mit Stoffen, einer Art Politur, zurückzuführen sind. Es konnte bei der Freilegung nachgewiesen werden, dass einige Bereiche des plastischen Dekors (Gesichter der Putten), die als weißer Kreidegrund verblieben, ebenfalls diese Politur erhielten. Dies würde den Bindemittelbestandteil der Kohlehydrate erklären, der vermutlich als Überzug auf die zu polierenden Bereiche aufgestrichen wurde.
Ein weiterer Beleg, für eine teilweise gewollt glänzend ausgeführte Fassung, läßt sich an verdeckten Bereichen des Rahmens finden. Dort wurde, bevor die plastische Dekoration angebracht wurde, der Hintergrund fast vollständig durchgestrichen und gestalterisch bearbeitet. An einer Profilleiste ist deutlich ein glänzender Überzug erkennbar, der mittels einer farblosen Stärkelasur erreicht wurde.
Der gleiche Überzug befindet sich auch auf den Flächen, die mit einer grauen sehr aufwendig strukturierten Marmorierung ausgeführt sind (Supraporten der Türen , Füllungen der Postamente Fond des Giebels, Pilaster). Diese Marmorierung wirkt dadurch noch steinillusionistischer. Die einfassende, blaue, nur leicht strukturierte Marmorierung (alle Rahmenteile) ist allerdings nicht mit diesem Überzug versehen, sie wirkt hierdurch matt.
Der Großteil des plastischen Dekors am Altar ist mit einer Polimentvergoldung versehen, die auf einem rotorangen Bolus liegt. Diese Vergoldung konnte nach deren Untersuchung als eiweißgebundene Blattvergoldung identifiziert werden (siehe Anhang Bindemitteluntersuchung).
Der Schalldeckel verfügt an der Außen- und an der Innenseite über ockerfarbene Rankenwerkmalereien, die sich auch an den Seitenbrüstungen des Kanzelkorbes und dem Kranzgesims des Altarrahmens wiederfinden lassen. Die Decke des Schalldeckels ist monochrom blau gehalten, von ihr abgehangen ist eine weiße Wolke mit gelbem Fond in deren Mitte sich eine weiße Taube befindet. Der untere Abschluß des Schalldeckels ist Innen mit blau hinterlegten Palmzweigen und Muschelwerk dekoriert, auf der Außenseite sind vergoldete Blüten mit gesandeltem Fond dargestellt. Der grobkörnig gesandelte Fond ist mit einer grünen Lasur gelüstert.
Der figürliche Dekor ist an diversen Bereichen (Flügelspitzen, Saumkanten, Nimbus) vergoldet. Akzentuierungen im Gesichtsbereich wurden nur an den Pupillen der Augen (alle Figuren schwarze Pupillen) und an den Lippen (rot) der Putten vorgenommen.
Die emblematischen Bilder der Kartuschen über den Türen, am Giebel und unter der Kanzel, sind polychrome bildnerische Darstellungen aus dem alten Testament, die augenscheinlich in einer öligen Temperatechnik hergestellt wurden.

Im folgenden sind die Farbtöne der ersten Fassung mittels NCS (Natural Color System) dargestellt. Es wurden nur die wichtigsten Farbtöne abgenommen, die zur Rekonstruktion notwendig sind. Nuancen, die bei den teilweise stark variierenden Lasuren der Marmorierungen auftreten, wurden nicht berücksichtigt. Bei der Rekonstruktion der Erstfassung wurden alle Farben am betreffenden Befundbereich nachgemischt. Die folgende Auflistung soll nur aus archivalischen Gründen nochmals die Hauptfarbtöne nennen (Farbkartons sind nur im Fassungsuntersuchungsbericht eingeklebt).

Farbton des Fonds des plastischen Dekors,
des Fonds der Postamente und Rahmenrücklagen NCS S 0502 Y


Farbton aller Profile und Gesimse NCS S 1002 Y 50 R

Farbton des Rankenwerkes am Schalldeckel
und den Kanzelkorbbrüstungen NCS S 2040 Y 20 R


Farbton der Schatten des Rankenwerkes NCS S 5040 R 70 R


Farbton der Lichter des Rankenwerkes NCS S 1502 Y


Farbton der Türblätter und Türrahmen NCS S 2502 Y

Farbton der dunkelblauen Adern der blauen
Marmorierung NCS S 2030 B
bis NCS S 2030 B 10 G

Farbton der hellblauen Adern der blauen
Marmorierung NCS S 0530 B
bis NCS S 0530 B 10 G


Farbton der dunklen Adern der grauen Marmorierung NCS S 6020 B 10 G


Farbton der hellen breiten Bänder der grauen
Marmorierung NCS S 1000 N

Farbton der dunklen breiten Bänder der grauen
Marmorierung NCS S 5502 B


Farbton der hellen Adern der grauen Marmorierung NCS S 4502 Y

2.2 Fassung 1912

Die zweite Fassung des Altares (und vermutlich der gesamten Ausstattung des Kircheninneren) wurde laut einer Inschrift an der Rückseite des Giebels und des Tetragrammdreieckes 1912 durchgeführt.
Diese Fassung folgt im Wesentlichen der Gestaltung der ersten Fassung. Die figürlichen Bereiche, die Profile und der plastische Dekor werden wie bei der Erstfassung mit einem weißen Leimfarbenanstrich ausgeführt, bei dem die Bereiche der Vergoldung ausgespart bleiben. Es konnten keine Ausbesserungen oder überdeckenden Vergoldungen festgestellt werden, dass heißt, die heute ersichtliche Vergoldung ist der Erstfassung zuzurechnen.
Die ehemals grau marmorierten Füllungen der Postamente, der Supraporten, die Pilaster und die vordere Füllung des Kanzelkorbes werden statt mit einer grauen Marmorierung (Erstfassung) mit einer grünen, weiß geaderten Marmorierung ausgeführt. Die ehemals blau marmorierten Flächen der Rahmen werden monochrom in Grau gestrichen.
Das Rankenwerk am Schalldeckel und an den Seitenbrüstungen des Kanzelkorbes wird dem der Erstfassung nachempfunden. Die Türen werden statt Grau in Weiß ausgeführt und an den Füllungen mit einem Rankenwerk ausgestattet, dass dem des Patronatsgestühls nachempfunden ist. Die Profilleisten der Türblätter werden ocker gestrichen.
Bereiche der Erstfassung, die zum damaligen Zeitpunkt noch gut erhalten waren, wie die Schalldeckeluntersicht oder die Gebotstafel Moses werden nur retuschiert. Die malerischen Bereiche werden nur sparsam retuschiert und in ihrem originalen Zustand erhalten.

Im folgenden sind die Farbtöne der zweiten Fassung mittels NCS (Natural Color System) dargestellt.

Farbton des Fonds des plastischen Dekors,
des Fonds der Postamente und Rahmenrücklagen NCS S 3502 Y


Farbton aller Profile, Gesimse und der Türblätter NCS S 1502 Y

Farbton des Rankenwerkes am Schalldeckel,
der Türen und den Kanzelkorbbrüstungen,
der Türprofile NCS S 2040 Y 20 R


Farbton der Bänder der Marmorierung NCS S 5020 G 10 Y
bis NCS S 6010 G 10 Y


Farbton der Adern der Marmorierung NCS S 2005 G 20 Y

3 Restaurierungsbericht

Der folgende Restaurierungsbericht, ist aufgrund der eingeschränkten finanziellen Mittel eher als Arbeitsbericht zu verstehen. Eine umfassende restauratorische Voruntersuchung wäre zwar wünschenswert gewesen aber die Finanzierungsumstände der Restaurierung ließen dies nicht zu.
Die Restaurierung des Altars ist der privaten Spende eines gebürtigen Scherndorfers Herrn Dr. Karl Mänz zu verdanken, er nahm während der Untersuchung des Altars dessen schlechten Zustand war und bot spontan die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten an. Um diese seltene Gelegenheit zur Gesamtrestaurierung des Altars nicht mit der "Androhung " eines hohen Kostenaufwands verstreichen zu lassen, entschlossen sich die ausführenden Restauratoren eine reduzierte schriftliche Erfassung der Maßnahmen vorzunehmen.

3.1 Kurzübersicht der Maßnahmen

Um den Altar, wieder in sein ursprüngliches Erscheinungsbild zu versetzen, wurden folgende Maßnahmen als notwendig und durchführbar erachtet:

- Wiederanbringung und statische Sicherung der bei Bauarbeiten abgebrochenen oder von Kirchenmitgliedern geborgenen Altarbestandteile

- Festigung der durch Anobien geschädigten Holzbereiche

- Festigung der losen Malschichten an den Gemäldebereichen (auch am Tafelbild im Altarzentrum) und den Fassungsbereichen die nicht rekonstruiert werden

- Rekonstruktion der fehlenden Bestandteile des Fassungsträgers

- Entfernung der stark geschädigten Überfassung aus dem Jahr 1912

- Reinigung der Vergoldungsbereiche, der Malereien und der Rankenwerkfassung in den Kanzelkorbfüllungen, im Kranzgesims und an allen Fassungen des Schalldeckels

- Rekonstruktion der Fassung von 1713 an den Bereichen, die durch Überfassung und starke Beschädigung nicht mehr restauriert werden können

- Retusche der Vergoldungsbereiche, der Malereien und der Rankenwerkfassung in den Kanzelkorbfüllungen, im Kranzgesims und an allen Fassungen des Schalldeckels, sowie an der Gebotstafel Moses

- Neufassung der Bereiche die durch Überfassung nicht mehr retuschiert werden können

4 Maßnahmekonzept
4.1. Notwendigkeitserfassung

Um ein weiteres Fortschreiten der aufgeführten Schadprozesse zu unterbinden, ist es notwendig, die jeweiligen Ursachen der Schäden zu beheben. Weiterhin ist eine Verhinderung bzw. eine Eindämmung später wieder auftretender Schadeinwirkungen notwendig.
Um die einstmalige künstlerische Aussage wieder besser verstehbar zu machen, ist es erforderlich an verlorengegangenen Bestandteilen oder nur noch schwer erkennbaren Details teilweise Ergänzungen durchzuführen.

Aus konservatorischen Gründen sind folgende Maßnahmen notwendig :

Demontage: Die Demontage der gelockerten und abgebrochenen Altarteile ist notwendig, um beschädigte Konstruktionsanbindungen wieder ihrer ursprünglichen Funktion zuzuführen.

Sicherung: Als Voraussetzung für Reingungsmaßnahmen muß eine Vorfestigung der gelockerten Materialgefüge erfolgen, damit keine losen Teile bei der Reinigung zerstört werden oder verloren gehen.
An Bereichen die so stark gelockert sind, daß eine Vorfestigung keinen Erfolg zeigt, müssen Klebungen der betreffenden Partien vorgenommen werden. Diese sollten nicht den Charakter einer vorläufigen Klebung haben, sondern als endgültige Klebung durchgeführt werden.

Reinigung: Diese Maßnahme soll Oberflächenauflagerungen und beschädigte Überfassungen entfernen, die das Material schädigen oder die künstlerische Aussage wesentlich beeinträchtigen und eine Festigung der gelockerten Bereiche unter ihnen erschweren.
Hierzu muß gesagt werden, daß eine Reinigung nicht die vollständige Entfernung der Altfassungen erfordert. Sie soll nur soweit ausgeführt werden, daß die Neufassung technologisch unproblematisch durchgeführt werden kann und eine schädigende Wirkung der Auflagen und Überfassungen nach der Behandlung ausgeschlossen werden kann. Somit wird vermieden, daß ursprüngliche Oberflächenstrukturen der Reinigung zum Opfer fallen.

Festigung: Nach der Reinigung muß eine weitere genaue Sichtung der Oberfläche vorgenommen werden, um eine Beurteilung der vorher eventuell verdeckten Lockerungszonen vorzunehmen.
Die Festigung lockerer und loser Materialgefüge ist die Grundlage weiterführender Maßnahmen, wie restauratorische Formergänzungen. Sie muß eine Verfestigung der betreffenden Bereiche herbeiführen, die der Festigkeit des originalen Materials nahe kommt und eine Eindringtiefe vorweisen, die bis zum nicht geschädigten Material reicht.

Klebung: Wie schon in den Ausführungen über die Sicherung erwähnt wurde, müssen Klebungen an den Bereichen stattfinden, die durch eine Festigung nicht mehr mit der ursprüngliche Substanz verbunden werden können. Diese Maßnahme ist für die weiteren Arbeitsschritte (Formergänzungen etc.) notwendig, um die gelockerten Bereiche wieder mit dem Fassungsträger kraftschlüssig zu verbinden.
Weiterhin sind teilweise Klebungen zwischen Abbruchstücken und den Bereichen, an denen sie sich ursprünglich befanden notwendig.

Aus restauratorischen Gründen sind folgende Maßnahmen notwendig:

Formergänzungen: Diese Maßnahme kann nur an Bereichen durchgeführt werden, bei denen eine absolute Sicherheit über die ursprüngliche Form des plastischen Bereichs und der Gestaltung der Oberfläche besteht. Diese bildkünstlerische Formergänzung muß sich an der Gestaltung der ursprünglichen, angrenzenden Bereiche orientieren. Sie soll eine bessere Wiedererlebbarkeit der bildkünstlerischen Aussage ermöglichen.
Eine technisch, konstruktive Formergänzung ist an den entstandenen Fugen zwischen angeklebten Abbruchstücken und an Abbruchflächen durchzuführen. Diese Maßnahme zielt auf die Wiederherstellung von konstruktiv wichtigen Elementen (z.B. Giebelgesims), um ihre Funktion wieder herzustellen. Formergänzungen an kleineren Abbrüchen oder anderen Bereichen mit geringem Materialverlust sollten nur durchgeführt werden, wenn wie schon erwähnt ihre Form nachvollziehbar ist und die künstlerische Gestaltung oder der Inhalt der dokumentarischen Aussage nur durch diese Maßnahme wieder ablesbar werden.
Es sollte hier auch erwähnt werden, daß überkommene Zustände nicht immer einer Überarbeitung hinsichtlich dieser Maßnahme unterzogen werden müssen, um die Authentizität der historisch gewachsenen Zustände und die durch sie dokumentierte Geschichte des Objektes zu erhalten.

Rekonstruktionsmaßnahmen/Kopie: Diese Maßnahmen können nur durchgeführt werden, wenn eine genaue Vorlage der zu rekonstruierenden oder zu kopierenden Bereiche oder Elemente existiert. Die mehrfach existenten Bereiche z.B. der Puttenflügel oder der Hängezapfen am Schalldeckel lassen eine genaue Kopie dieser teilweise fehlenden Bauteile zu.

Oberflächenformulierung: Die Oberflächenformulierung ist notwendig, um die durch Formergänzung neu geschaffenen Oberflächen an das Umfeld anzupassen. Sie soll den Charakter der ursprünglichen Oberflächenbearbeitung (Werkzeugstrukturen, überkommener Zustand etc.) nachempfunden werden.
Sie soll aber nicht die Ursprünglichkeit der ergänzten Flächen imitieren, um nicht den Eindruck eines originalen Bestandteils des plastischen Bildwerks vorzutäuschen.

Retusche: Die Retusche schließt die Maßnahmen der Formergänzung und Oberflächenformulierung ab. Sie hat die Aufgabe Farbwertunterschiede zwischen den ergänzten Flächen und der originalen Oberfläche zu dämpfen. Sie soll aber nicht eine Ursprünglichkeit der retuschierten Flächen vortäuschen, sondern nur den ästhetisch störenden Charakter der unterschiedlich gefärbten Flächen ausgleichen.


Weiterhin soll die Retusche eine Abdämpfung starker Kontraste, die eventuell bildaussagestörenden Charakter tragen, zwischen den gereinigten Flächen und dunkleren Oberflächenauflagerungen (die nicht bei der Reinigung entfernt werden konnten) schaffen.

Fassungsrekonstruktion: Der Fassungszustandes von 1713 (Erstfassung) ist an den Bereichen wieder herzustellen, die 1912 überfaßt wurden und dadurch so stark geschädigt wurden, dass sie nicht mehr durch eine Retusche in einen ursprungsnahen Zustand versetzt werden können.

Maßnahmen an der Konstruktion: Der Kanzelaltar muß nach Abschluß der konservatorischen Maßnahmen wieder zusammengebaut werden. Alle abgebrochenen Bauteile sind ihrem ursprüngliche Ort zuzuordnen. Die bauzeitlichen Verbindungshilfsmittel (Nägel aus Holz und Eisen) zwischen den Bauteilen sind wieder zu verwenden.

4.2. Maßnahmen
4.2.1 Konservatorische Maßnahmen
4.2.1.1 Demontage

Die Demontage der abbruchgefährdeten Bauteile erfolgte mit Hilfe von Gurtspannern manuell. Die einzelnen Elemente wurden mit einem stoffummantelten Schlupf von ihrer Position entfernt und im Kirchenraum gelagert.

4.2.1.2 Sicherung

Alle Fassungsbereiche, die nicht mit einer Neufassung (nur an der Vergoldung) versehen werden, wurden mit einem Festigungsmittel gesichert. Diese Vorfestigung ist notwendig, da auch die Bereiche der Vergoldung mittels Strahlverfahren behandelt werden. Als Festigungsmittel kam Paraloid B 72 zur Anwendung.
Das Produkt ist ein Methacrylat-Polymer mit dem Handelsnahmen Paraloid B 72 der Firma Kremer. Penetrationsverhalten, Verweilzeit, Eindringtiefe und Lösung des Harzes, wurde durch das Verhältnis der Lösungsmittel speziell auf die zu behandelnden Flächen am Objekt eingestellt.
Als Lösungsmittel wird ein Gemisch aus Benzol (Toluol) und Keton (Aceton) verwendet, das ein Verhältnis 4 (Toluol) : 1 (Aceton) aufweisen soll und am Objekt gegebenenfalls noch modifiziert werden kann. Der Anteil des Festigungsmittels in der Lösung soll sich im Bereich von 2,5 - 5 % bewegen.

4.2.1.3 Reinigung

Die Reinigung erfolgte trocken, um feuchtebedingte Schadprozesse nicht in Bewegung zu setzten.
Die Materialauflagerungen (Schmutz auf Vergoldung) und Überfassungen von 1912 auf den zu reinigenden Bereichen, wurden teilweise mit einem Skalpell vorgedünnt, um eine leichtere Entfernung dieser zu erreichen und das Einbringen von Festigungs- und Konservierungsmitteln (Holzfestigung) zu erleichtern. Die so vorgedünnten Verschmutzungs- und Auflagerungsflächen werden anschließend mit einem Trockenstrahlverfahren gereinigt.
Zur Beurteilung der Reinigungsergebnisse wurden Probeflächen angelegt, und die den Reinigungsprozeß steuernden Größen dementsprechend variiert.
Der Druck ist je nach Erfordernissen zwischen 0,5 - 2 bar zu regeln. Zusätzlich wird der Abtrag der Verschmutzungen durch variieren des Abstandes zwischen Reinigungsdüse und Oberfläche gesteuert.
Sofern erkennbar wurde, dass die originale Oberfläche geschädigt wird, wurde das Reinigungsverfahren abgebrochen, um eine reinigungsverfahrenssteuernde Komponente in ihrer Intensität zu mindern.
Alle Bereiche, die nicht mit einer Neufassung versehen wurden (Vergoldung und Malereien), wurden nach der Wirbelstrahlreinigung mittels Glasfaserradierer (partiell an fest aufliegenden Verschmutzungen) und mittels WISHAB Schwämmen nachgereinigt.

Technologie:
Reinigungsverfahren: Microwirbelstrahlverfahren
Strahlmedium: Edelkorund (bei Fassungsentfernung)
Calcit (bei Reinigung der Vergoldung)
Körnung: 100 - 180 µm
Arbeitsdruck : 0,5 - 2 bar

4.2.1.4 Festigung
4.2.1.4.1 Festigung Fassung

Das Festigungsmittel für Fassungen muß neben seiner Hauptwirkung, der athäsiven Bindung der losen Materialbestandteile, folgenden Ansprüchen genügen:
- hohe UV-Beständigkeit
- keine Schwinderscheinungen
- keine Vergilbung
- keine Versprödung
- Aufrechterhaltung der Diffusionfähigkeit des Materialgefüges

Als Festigungsmittel ist diesen Ansprüchen zufolge ein organisches Acrylharz am besten geeignet, es kann in Lösung gebracht, je nach Einstellung der Lösemittel, ausreichend tief in das gelockerte Materialgefüge eindringen und eine athäsive Bindung der einzelnen Körner wieder herstellen.
Ein Einsatz von Alkohol als Lösungsmittel des Festigungsmittels ist aus technologischen Gründen nicht vorgesehen (zu starke Lösung der Vergoldungsbereiche).
Durch die relativ hohe Flüchtigkeit von Alkoholen, ist nach dem Eindringen des Festigungsmittels ein Wirkstoffrücktransport in oberflächennahe Zonen des zu festigenden Materials möglich. Dadurch entstehen Festigungszonen mit sehr hoher Dichte, die Schäden verursachen können.
Diese im Vorlauf erwähnten Eigenschaften erfüllt das Methacrylat-Polymer mit dem Handelsnahmen Paraloid B 72 ausreichend.
Penetrationsverhalten, Verweilzeit, Eindringtiefe und Lösung des Harzes, wird durch das Verhältnis der Lösungsmittel speziell auf die zu behandelnden Flächen am Objekt eingestellt.
Als Lösungsmittel wird ein Gemisch aus Benzol (Toluol) und Keton (Aceton) verwendet, das ein Verhältnis 4 (Toluol) : 1 (Aceton) aufweisen soll und am Objekt gegebenenfalls noch modifiziert werden kann. Der Anteil des Festigungsmittels in der Lösung soll sich im Bereich von 2,5 - 5 % bewegen.
Bei der Aufbringung des Festigungsmittels mit dem Pinsel ist darauf zu achten, daß kein Materialverlust durch Abrieb entsteht. Die Festigungsmaßnahmen dürfen keine Farbwertveränderung oder Glanzwirkungen auf der originalen Oberfläche hervorrufen.
Die Bereiche des Tafelbildes wurden statt mit Paraloid mit Hausenblasenleim in 10 % iger wässriger Lösung gefestigt.

4.2.1.4.2 Festigung Fassungsträger

Die Bereiche des Fassungsträgers, die durch Anobienbefall geschädigt wurden, müssen eine ausreichende Verfestigung erhalten. Gleichzeitig ist ein Wiederbefall der Bereiche einzudämmen. Eine vollflächige Behandlung des gesamten Altars ist hierbei aber nicht vorgesehen, sondern lediglich die Behandlung der befallenen Bereiche. Eine dokumentarische Kenntlichmachung der behandelten Flächen, läßt sich nur mit Hilfe einer umfassenden Kartierung erzielen, diese konnte aus Kostengründen nicht vorgenommen werden, daher können hier nur schriftlich die behandelten Bereich aufgeführt werden.

behandelte Bereiche:

- Kanzelkorb vollflächig von Innen
- alle Profilleisten Kanzelkorb
- beide Giebelvasen vollflächig am Vasenkörper
- oberes Balkengerüst hinter dem Kanzelrahmen
- Rahmenblende des Giebelaufsatzes
- vollständiges Tetragrammdreieck
- Profilleisten am Schalldeckel
- vollflächig Altarrückseite
- Altarseitenrahmen um die Türen
- Putten auf Schalldeckel

Die Behandlung erfolgte in zwei Arbeitsschritten. Alle Fraßgänge wurden mittels Injektion bis zur Sättigung geflutet, dieser Arbeitsgang erfolgte mehrmals, um die Materialeinbringung so hoch wie möglich zu gewährleisten. Alle Bereich die eine Überfassung erhielten oder holzsichtig belassen wurden (Altarrückseite) wurden anschließend vollflächig mit dem Holzschutzmittel eingestrichen.
Zum Einsatz kam das Holzschutz- und Festigungsmittel Hasil der Firma Hasit. In der folgenden Ausführungen beschreibt ein Autor das Mittel sehr umfassend. Aus diesem Grund sind unsererseits keine weiter Ausführungen hinzugefügt.

Auszug aus dem einem Bericht über das Holzschutzmittel Hasil von Dipl. Ing. Konrad Fischer.

Die Eigenschaften in Kürze:
Geprüfte Wirksamkeit gem. EN 46 (Insekten-), EN 113 (Pilzbefall), gift- u. emissionsfreies Holzschutz- u. Holzverfestigungsmittel für Alt- und Neuholz im nicht bewitterten Bereich, zur Vorbeugung und bei Befall, in umweltfreundlicher Zusammensetzung mit einmaligem Wirkprinzip, vorbeugend und bekämpfend gegen tierische und pflanzliche Holzschädlinge, wohnraumgeeignet, da ohne chemische Schadstoffe, nicht kennzeichnungspflichtig gem. §4 der Gefahrstoffverordnung,
festigt geschädigte Holzstrukur, Einfache Anwendung (Vorsicht: ist alkalisch und ätzt Anstriche), keine Eigenemissionen, reduziert vorhandene Schadstoffemissionen.
Schädlingsbekämpfung, Vorbeugung und Holzfestigung ohne Vergiftung, langfristig wirksam, diffusionsoffen, geruchsneutral.
Nur natürliche Inhaltsstoffe nach patentiertem Verfahren:
Abietinsäure, Holzzucker, Kieselsäure, Naturharze, Pflanzenfarbstoffe, Silikate, Soda, pflanzliche /le, Zellulose.

DAS PRODUKT UND SEINE BESTANDTEILE

Volldeklaration und Wirkungsweise

HASIL-HOLZSCHUTZ ist ein Holzschutzmittel aus folgenden organischen und mineralischen Bestandteilen:

Lösungsmittel: Leitungswasser

Eigenschaftssichernde Inhaltsstoffe:

Enthalten sind folgende natürliche, ungiftige und sich gegenseitig unterstützende, teils aus patentiertem Verfahren gewonnene Inhaltsstoffe (Reihenfolge alphabetisch):
Abietinsäure (Sylvinsäure = Baumsäure; in Bäumen natürlich vorkommend) begünstigt die Affinität (hier: Stoffverträglichkeit) des Holzschutzmittels zu Holz und damit sein Bindungsvermögen an die Holzstruktur;
Holzzucker (Kohlenhydrat) verbessert das Abbindeverhalten und begünstigt die Affinität zu Holz;
Kieselsäure (in kieselsauren Salzen) begünstigt das Eindringverhalten in das Holz und den Verkieselungsprozeß;
Lignin (deutsch: Holzstoff, läßt im lebenden Holz die Zellwände verholzen) unterstützt den Verkieselungsprozeß;
Naturharze (unbehandelte, aus Pflanzen gewonnene Harze in geringem, nicht filmbildendem Anteil) verbessern die Bindung im Holz;
Pflanzenfarbstoffe (lasierende naturreine Farbstoffe) erhalten das natürliche Aussehen der behandelten Holzoberfläche, begünstigen die Affinität zu Holz, fördern die Verkieselung und die Bindung;
Silikate fördern die Verkieselung und Strukturfestigung;
Soda (Natriumcarbonat) verbessert das Eindringverhalten in das Holz;
Pflanzliche /le (in geringem, nicht filmbildendem Anteil) begünstigen die Affinität zu Holz;
Zellulose (Zellstoff) verbessert die Bindung an das Holz;

DIE WIRKUNGSWEISE

Zusammenfassung

HASIL-HOLZSCHUTZ ist umweltfreundlich nach patentiertem Verfahren hergestellt. Die giftfrei wirkende Komposition entstand aus der Auswertung von vergleichenden Holzschutztreihen.
Dabei werden die biologischen Eigenschaften und Verhaltensweisen der verschiedenen pflanzlichen und tierischen Holzschädlinge vom echten Hausschwamm bis zu Anobien, Hausbock und Termiten in ihrem natürlichen Vorkommen berücksichtigt.
HASIL-HOLZSCHUTZ wird flüssig aufgestrichen bzw. in das Holz eingebracht (Injektion, Fluten, Tränken, Kesseldruckimprägnierung). Ohne zusätzliche Bindemittel entwickelt es im Kontaktbereich eine Affinität* zum Holz. Beim Trocknen beginnt ein Verkieselungsprozeß, der die getränkten Holzzellen versteinert. Die Verkieselung erfolgt als einmaliger und unumkehrbarer Prozess (nicht reversibel).
Das Holz ist dann bis zur Eindringtiefe von tierischen und pflanzlichen Schädlingen nicht mehr verwertbar. Das schützt das Holz von außen, bei Einbringung ins Holzinnere auch von innen her. HASIL-HOLZSCHUTZ überdeckt einige von Schadinsekten wahrnehmbare Geruchstoffe des Holzes und erschwert ihnen so Suche und Angriff.
Die Kombination der natürlichen Inhaltstoffe bewirkt außerdem das Eindringen von HASIL-HOLZSCHUTZ in holzschädigende Pilze. Seine Alkalität verursacht eine Sofortwirkung im pilztypisch sauren Organismus. Die verkieselnde Kristallisation im Trocknungsprozeß zerstört dann physikalisch die Zellstruktur der Pilze. Die im unbewitterten Bereich dauerstabile hohe Oberflächenalkalität schützt dauerhaft gegen Pilzbefall.
Bei aktivem Insektenbefall verklebt HASIL-HOLZSCHUTZ als Sofortwirkung die in den Fraßgängen durch z.B. Bohr-, Fraß- und Schlupflochtränkung vom Mittel erfaßten Insekten, bis sie im Trocknungsprozeß erstarren. Dabei werden weder die Pilze noch die Insekten vergiftet. Nur äußerlich aufgetragen verhindert HASIL-HOLZSCHUTZ den bei befallenem Holz üblichen Neubefall durch geschlüpfte Insekten.
Somit bietet HASIL-HOLZSCHUTZ gegen alle Holzschädlinge eine völlig neue Wirkungsweise ohne giftige Zusätze. Seine einfache Anwendung wirkt im Unterschied zu gängigen Verfahren unabhängig von der Art des Befalls, ohne Anwender und spätere Nutzer, ggf. auch übliche und erwünschte tierische Bewohner behandelter Objekte (Vögel, Fledermäuse, Bienen, Stalltiere) durch giftige Wirkstoffe zu gefährden.
Die sichere Wirkung wurde an den maßgeblichen Holzschädlingen von international renommierten Prüfinstituten überprüft und bestätigt. Die Prüfberichte stehen auf Nachfrage zur Verfügung.
(- Bestimmung der fungiziden Wirkung des Holzschutzmittels gegen holzzerstörende Basidiomyceten/EMPA,StGallen) (- Bestimmung der vorbeugenden Wirkung gegen Eilarven des Hausbockes / EMPA St. Gallen) (- Bestimmung der Eigenemission / Uni Hamburg-Harburg) (- Praxisbericht Freilandmuseum Tittling). Die bei Gifteinsatz bekannte Immunisierung und Resistenzbildung der Holzschädlinge ist bei HASIL-HOLZSCHUTZ durch seine besondere Wirkungsweise ausgeschlossen.
HASIL-HOLZSCHUTZ verbindet sich durch das Wachstumsverhalten seiner Kristallstrukturen mit dem behandelten Holz. Dafür benötigt HASIL-HOLZSCHUTZ keine leicht entflammbaren und harzlösenden Lösungsmittel. Brandbegünstigende Veränderungen der Holzoberfläche sind dadurch ebenso wie Personen- und Objektgefährdung während und nach der Mittelanwendung ausgeschlossen.
Auch auf anquellbegünstigende Weichmacher/Tenside zur Wasserentspannung kann das Wirkprinzip von HASIL-HOLZSCHUTZ verzichten. Dies beugt einer wasserbedingten nachhaltigen Holzanquellung mit schädlichen Folgen weitestgehend vor.

Holzfestigung

HASIL-HOLZSCHUTZ kann das behandelte Holz in den freien Poren und Kapillaren mineralisieren und damit selbst stark angegriffenes Holz wieder bis zur Schnittfestigkeit mechanisch stärken (-> "Versteinertes Holz "). Der Masseeintrag ist durch meßbare Gewichtszunahme nachvollziehbar.

Anwendung

Wirkt vorbeugend und bekämpfend. Auf allen neuen und alten Hölzern, mit oder ohne Befall, innen u. außen im nicht bewitterten Bereich.
Auf stark geschädigtem Altholz und bei sägerauher sowie gerissener Holzstruktur kann aufgrund der vergrößerten Oberfläche im Vergleich zu glatten und intakten Hölzern erhöhter Materialverbrauch und mehrfacher Materialauftrag erforderlich werden.
Mürbe Althölzer, vor allem bei Schnitzwerken und historischem Mobiliar, können durch die verkieselnde Wirkung gefestigt werden (Bemusterung bei Altfassungen erforderlich).
Verringert die Brennbarkeit des Holzes und die Rauchentwicklung im Brandfall.

Einsatzgrenzen und Unverträglichkeiten

HASIL-HOLZSCHUTZ ist - wie alle Holzschutzmittel - kein Oberflächenschutz gegen Feuchteeinwirkung (siehe Oberflächenwirkung und Außenbereich) und kann grundlegende Fehler im baulich- konstruktiven Holzschutz nicht beseitigen.
Nur äußerlich behandeltes Holz ist für Bodenkontakt nicht geeignet.
Auf Endbeschichtungen (z. B. Lacke, /lanstriche, Lasuren) wirkt HASIL- HOLZSCHUTZ stark ätzend. Späteres Eindringen von Feuchtigkeit in das behandelte Holz kann zur Verseifung/Anätzung von Oberflächenbeschichtungen führen.
Mit Altanstrichen, Schmutz, Staub, und sonstigen Verunreinigungen belastete Untergründe sollten vorgereinigt werden, um HASIL-HOLZSCHUTZ möglichst vollständig ins Holz eindringen zu lassen und unerwünschte verfärbende Reaktionen zu vermeiden.
Möglichen kristallisationsbedingten bzw. durch Reaktion mit Harzen u.a. Holzinhaltsstoffen entstehenden weißlichen Verfärbungen an behandelten Oberflächen (Pottascheausblühung, kann bei Wasseraufnahme alkalisch und auf Anstriche ätzend wirken) kann durch Abbürsten (siehe Oberflächenwirkung) begegnet werden. Aufgrund der Reaktion des Mittels mit Harzen kann ggf. auf das bei anderen Holzschutzmitteln bei sachgemäßem Vorgehen unvermeidliche und zeitaufwendige vorherige Entharzen der Hölzer verzichtet werden.
Anwendungsfälle, bei denen auch die ästhetische Wirkungsweise des Baustoffes Holz bewertet wird, z.B. Mobiliar, Holzverkleidung usw., sind vor Ausführung zu beproben. Ein mögliches Auffrischen bzw. Anflammen des ursprünglichen Holztones, die ätzende Wirkung auf öl- und harzhaltige Anstriche sowie die Abstimmung mit weiteren Holzschutzkomponenten, z.B. Witterungsschutz im Außenbereich, ist dabei zu bewerten.
HASIL-HOLZSCHUTZ ist in flüssiger Form und nach Trocknung und Wiederbenetzung mit Wasser alkalisch und beizt öl- und harzhaltige Anstriche an.

Wasserdampfdurchlässigkeit

Die behandelte Holzoberfläche bleibt wasserdampfdurchlässig und sperrt nicht ab. Eine unzulässige Feuchtigkeitserhöhung im Holz durch innere Kondensation wird so vermieden.
HASIL-HOLZSCHUTZ enthält keine filmbildenden Materialien. Das in geringen Mengen enthaltene Naturharz und -öl hat keine absperrende Wirkung. Auch die für HASIL-HOLZSCHUTZ typische Kristallisation und Verkieselung verursacht keine Dampfdiffusionssperre.


Trocknungsverhalten

Grundsätzlich trocknet die behandelte Oberfläche in Abhängigkeit von Temperatur- und anderen Umgebungsbedingungen ab.
Die vollständige Verkieselung und Trocknung über die ganze Eindringtiefe ist untergrund- und umgebungsabhängig erst einige Zeit nach der Oberflächentrocknung (mehrere Wochen) erreicht.

Oberflächenwirkung

Sägerauhe Hölzer nehmen mehr Material auf als geschliffene Oberflächen. Der dabei zu erwartende Materialüberschuß kann wie bei sonstigen Holzschutzmitteln auf Salzbasis an der Oberfläche kristallisieren, erkennbar an leicht weißlicher Verfärbung. Die Oberflächenkristallisation ist mit der kapillaren Abtrocknung verbunden. Sie kann durch Aufnahme von evtl. Materialüberschuß mit trockenem, sauberem Schwamm verhindert werden.
Diese auf Kristallisation von Pottasche (Kaliumkarbonat) und nicht auf Pigmentierung beruhende Farbwirkung kann nachträglich durch Abbürsten bzw. Abschleifen beseitigt werden.
Auch auf geschliffenen Holzoberflächen kann holzart- bzw. untergrundabhängig oder durch Wassereinwirkung der Materialüberschuß kristallisieren. Abhilfe: Nach dem Abtrocknen und Kristallisieren der letzten Behandlung eine Oberflächenbehandlung wie oben beschrieben.
Bei der Erstanwendung auf sichtbaren und gestalterisch wesentlichen Holzoberflächen ist die Oberflächenwirkung zu bemustern.

Untergrundfeuchte

Der für Bauholz und Tischlerarbeiten zulässige Feuchtegehalt des Holzes beeinflußt die Wirkung von HASIL-HOLZSCHUTZ nicht.

Vorgeschriebener Materialverbrauch

1 l HASIL-HOLZSCHUTZ reicht aus für die Holzschutzbehandlung von 5 m " Holzoberfläche.

Vorgeschriebene Auftragsmenge

200 g/m ". Für den Einsatzbereich als Holzschutzmittel ist HASIL-HOLZSCHUTZ im Gebinde anwendungsfertig verdünnt (1:3). Zur Festigung morscher Holzbereiche ist das HASIL-HOLZSCHUTZ-Konzentrat mit Wasser 1:1 zu verdünnen.

Aufbringen von HASIL-HOLZSCHUTZ

Der Auftrag soll zur Sicherung des Behandlungserfolgs grundsätzlich zweifach erfolgen. Der erste Auftrag muß vor dem Schlußauftrag erst trocknen. Der Anstrich darf sich dann nicht mehr feucht bzw. klebrig anfühlen.

4.2.1.5 Klebung

Alle notwendigen Klebungen an konstruktiven und plastischen Bereichen wurden mit Fischleim durchgeführt. Dieser proteinhaltige Leim weist im Gegensatz zu den an den Originalteilen verwendeten Glutinleim diverse Vorteile auf. Fischleim ist ein Kaltleim, der ohne die Erwärmung der Bauteile verwendet werden kann. Er weist eine hohe Flexibilität und ein großes Rissüberbrückungsvermögen auf, er ist mit dem Zuschlagstoff Kreide problemlos bis zu 20 % füllbar, was die Fugenüberbrückung erhöht.

Wirkstoffgehalt : je nach Arbeitsschritt 50 - 100 %
Farbe : ocker bräunlich
Lösemittel : Wasser
Hersteller: Kremer

4.2.2. Restauratorische Maßnahmen
4.2.2.1. Formergänzungen

Die Formergänzungen sind mit Materialien durchzuführen, die dem Erscheinungsbild der ursprünglichen Substanz und ihrer technischen Parameter entsprechen.
Je nach Größe der zu ergänzenden Fehlstellen müssen unterschiedlich gebundene Ergänzungsmassen eingesetzt werden. Die Ergänzungen müssen auf Null auslaufen, das heißt ein Zurückarbeiten der geschädigten Bereiche ist nicht erforderlich. Falls eine spätere Überarbeitung hinsichtlich der Oberflächenformulierung des ergänzten Bereichs notwendig wird, muß die Ergänzung 3 - 5 mm über dem Oberflächenniveau der Originaloberfläche angetragen werden. Die Maßnahmen zur Oberflächenformulierung können erst nach vollkommener Erhärtung der Ergänzungsmassen durchgeführt werden.
An statisch belasteten Bereichen (z.B. Gesims des Giebels) und größer dimensionierten Ergänzungen, ist ein Unterbau notwendig. Dieser Unterbau ist gegebenenfalls mittels einer Unterkonstruktion (Antraghilfen aus Glasfaserverbundwerkstoffen) am Holzträger zu armieren. Die Oberfläche der Unterbauergänzung muß mindestens 5 mm unter der originalen Oberfläche liegen, um einen ausreichend dicken Auftrag des Ergänzungsmörtels zu gewährleisten.
Formergänzungen im Sinne einer Kopie, wie sie an einem Puttenflügel, an einem Vasensegment oder den Hängezapfen des Schalldeckels notwendig wurden, sind mit Hilfe einer Silikonform und mittels Gießharz nachgebildet worden.

Ergänzungsmasse

Die Ergänzungsmasse besteht aus einem gefüllten Epoxidharz der Firma Sika Chemie GmbH und ist ein modifiziertes Polyamin. Das für Gußverfahren eingesetzte Gießharz stammt von der gleichen Firma und besteht aus einem modifiziertem Polyol (siehe Datenblatt im Anhang)
Es ist nur so viel Ergänzungsmasse anzurühren, der in ca. 1 h verarbeitet werden kann (Topfzeit). Der Auftrag darf pro Arbeitsgang nicht dicker als 20 mm sein.

4.2.2.2. Oberflächenformulierung

Oberflächenformulierungen wurden manuell mit Schnitzwerkzeugen und Schleifkörpern durchgeführt. Dabei wurden an den Ergänzungsflächen mindestens 3 mm der Ergänzungsmasse abgetragen, was zuvor beim Antrag berücksichtigt wurde.
Beim Einsatz von Werkzeugen ist darauf zu achten, daß die Kanten der Randzonenbereiche an den Ergänzungen nicht ausbrechen.
Nach Abschluß dieses Arbeitsgangs werden die Oberflächen der Ergänzungen mit Kreidegrundierung für die Neufassung vorbehandelt.

4.2.2.3. Retusche

Retuschen am Altar wurden an den Vergoldungsbereichen und an den Malereien durchgeführt. Nur diese Bereich befanden sich nach der Reinigung und Festigung in einem restaurierbaren Zustand.
Die Retuschen im malerischen Bereich wurden, nach der Kittung tieferer Fehlstellen mittels glutinleimgebundenen Kreidekitt, in Lasurtechnik durchgeführt. Retuschen am Tafelbild wurden unterlassen, da dies im Auftrag nicht vorgesehen waren, nur einige kleiner sehr störende Bereiche wurden retuschiert.
Als Retuschefarben wurden konfektionierte Temperafarben der Firma Color & Co (Italien) eingesetzt. Der Einsatz von Tempera war erforderlich, um den matten Erscheinungsbild der Malereien Rechnung zu tragen.
Für die Vergoldungsretusche wurde aus Kostengründen kein Muschelgold, sondern ein wachsgebundene Goldbronze der Firma Connoisseur Studio (England) eingesetzt. Laut Herstellerangaben handelt es sich zwar um eine nicht oxidierende Bronze aber um sie trotzdem vor aktiven Atmosphärilien zu schützen, wurden die Retuschestellen abschließend mit einem dünnen, hellen Schellack (nicht gebleicht) der Firma Kremer (Deutschland) überzogen.
Die farbig gefaßten Rücklagen und Fondbereiche der Vergoldungen, wurden mittels Glutinleimfabe in den entsprechenden Farbtönen deckend und vollflächig retuschiert. Die gleiche Technik kam auch an den Fassungsfehlstellen der Rankenwerkmalerei am Gesims, am Schalldeckel und an den Brüstungsfeldern des Kanzelkorbes, sowie an den Innenflächen des Schalldeckels zur Anwendung. Um die Farben für eine mehrtägige Verwendung haltbar zu machen, wurde ein Biozid mit kurzer Halbwertzeit in geringen Mengen beigemischt. Zum Einsatz kam das Produkt Preventol D 2 (Bezylalkoholmonohemiformal) der Firma Kremer.

4.2.2.4. Neufassung

Alle Bereiche die nach der Reinigung und Entfernung der Überfassung in einem nicht mehr restaurierbaren Zustand waren, wurden mittels Neufassung der Fassung von 1713 rekonstruiert.
Der schon beschriebene Zustand der Erstfassung an diesen Bereichen, war so rudimentär, dass keine andere Möglichkeit gegeben war, meist war nur noch die Grundierung der Erstfassung erhalten.
Als Vorlage für die Rekonstruktion wurden die teilweise großflächigen und sehr aussagekräftigen Befunde an diversen Altarbereichen genutzt.

Es konnten durch verdeckte Fassungsbereiche der Erstfassung alle Bereiche originalgetreu rekonstruiert werden, da die abdeckenden plastischen Dekorationen die Befundstellen vor Veränderungen, die üblicherweise auf Farbschichten einwirken, geschützt wurden. So konnte z.B. eine selten nachgewiesener glänzender Überzug auf den grauen Marmorierungen der Postamente und auf einigen anderen grau marmorierten Füllungsfeldern, nachgewiesen werden (siehe Fassungsuntersuchung).
Die einzelnen Bereiche dieser Befundstellen hier aufzuführen, ist nur mittels einer im Kostenrahmen nicht vorgesehenen Kartierung möglich. Einige dieser Befunde sind aber in der Fotodokumentation aufgezeigt (Blatt 19-21).
Die Rekonstruktion wurde mit Glutinleimfarben durchgeführt. Um die Farben für eine mehrtägige Verwendung haltbar zu machen, wurde ein Biozid mit kurzer Halbwertzeit in geringen Mengen beigemischt. Zum Einsatz kam das Produkt Preventol D 2 (Bezylalkoholmonohemiformal) der Firma Kremer. Die Farben wurden entsprechend der Technologie in warmen Zustand aufgetragen.
Die Fassungsbereiche, bei denen ein Glanzüberzug nachgewiesen wurde, sind nach ihrer Neufassung mit einem transparenten Hartwachs der Firma Kressner (Deutschland) überzogen worden. Dieser Überzug wurde mittels Frottierung per Hand aufpoliert, bis eine ausreichende Glanzwirkung erreicht war. Vorgenommen wurde diese Maßnahme an den Gesichtern der Putten und allen grau marmorierten Füllungen, den Rücklagen der Tür- und Giebelrundbögen, sowie an den Profilleisten, welche die grauen Marmorierungen umgeben.
Bereiche des Altars die neu vergoldete werden mußten (Tetragrammdreieck, ein Puttenflügel, alle rekonstruierten Hängezapfen des Schalldeckels), erhielten eine Polimentvergoldung auf rotem Boulus, die sich an der originalen Technologie orientiert, allerdings wurde als Anlegemittel nicht Eiweiß sondern eine Acrylmixtion der Firma Lefrance & Bourgeois (Frankreich) verwendet. Als Bolus kam der konfektionierte rote Bolus der Firma Kremer zum Einsatz. Er wurde mittels Glutinleim gebunden. Als Blattgold wurde ein 23 karätiges Doppeldukatengold verwendet.

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