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Greiz, Sommerpalais

Untersuchung des Fassungs- und Tapetenbestandes Obergeschoß; Betreuung des Objektes

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Zusammenfassung der Untersuchung

Das Sommerpalais in Greiz diente den ortsansässigen Landesherren der Grafen und Fürsten des Hauses Reuß "ltere Linie als Sommersitz.
Als Bauherr des Sommerpalais kann zweifelsfrei Heinrich der XI. (1722-1800) angesehen werden. Als Architekt kommt W. Matthes in Frage, von dem eine signierte Ansichtszeichnung erhalten ist.
Einige Befunde im 2. Obergeschoss sprechen für eine Bauzeit um 1770. Begutachtungen der dort vorgefundenen Tapetenreste durch Frau Dr. Thümmler vom Deutschen Tapetenmuseum Kassel lassen den Schluss zu, dass die erste Tapezierung um 1770 stattgefunden haben kann.
Der ersten Bauphase um 1770 folgte relativ schnell eine zweite Bauphase. Diese Umgestaltungsphase ist mit größter Wahrscheinlichkeit, auf die Erhebung des Grafengeschlechtes Reuß "ltere Linie in den Reichsfürstenstand zu erklären. Dort sind auf der ersten Tapetenfassung Tapeten erhalten geblieben, die von Frau Dr. Thümmler in das Jahr 1780 datiert wurden.
Auch in folgenden Bauphasen wurden diverse Räume des Sommerpalais? mit Tapetenfassungen versehen. Im Raum 306 des 1. Obergeschosses ist eine Wandgestaltung mit einer velourierten Bordüre erhalten geblieben, die in das Jahr 1825 datiert werden konnte. Im Raum 418 des 2. Obergeschosses erhielten sich Tapeten aus den Jahren 1840 und 1865.
Zum Anlass der Hochzeit einer Prinzessin des Fürstenhauses wurden große Bereiche des Sommerpalais? 1911 einer grundlegenden Renovierung unterzogen. Hierbei wurde die Treppenanlage ausgebaut und durch die heutige ersetzt. Der Fußboden im Flur wurde mit einem neuen Terrazzobelag ausgestattet. Im Untersuchungsbereich, ist hier besonders eine neoklassizistische Wandfassung im Treppenhaus und eine aufwendig gestaltete Deckengestaltung im Raum 418 zu benennen.
Im Jahre 1954 wurde das Sommerpalais von einer Überschwemmung der weißen Elster stark beschädigt. Der Greizer Bildhauer und Maler Johannes Scheffel führte während dieser Zeit die meisten Restaurierungsarbeiten im Gebäude durch.
Für das 2. Obergeschoss sind keine Tätigkeiten bekannt, aber die neoklassizistische Wandfassung im Treppenhaus fiel den Renovierungsarbeiten zum Opfer.
Bei dem hier behandelten Teilbereich des Sommerpalais? handelt es sich um die ehemaligen Wohnräume des Erbauers Heinrich XI. und seiner Familie.
Die Räume zeigen einen in dieser Epoche gelebten Gestaltungswille, den es unserer und künftigen Generationen zu vermitteln gilt.
Dies ist nur möglich, wenn die bauzeitliche Raumfassung mit all ihren Details rekonstruiert wird. Der rudimentäre Bestand der ursprünglichen Fassungen bzw. deren starke Überarbeitung macht eine Restaurierung unmöglich.
Um eine Rekonstruktion der Raumfassung zu erreichen, ist es notwendig, die wichtigsten Gestaltungsbestandteile in ihre ursprüngliche Form zurückzuversetzen. Hierzu gehören neben dem Rückbau besonders die Rekonstruktion der Tapeten und die farbliche Rekonstruktion der Architekturelemente.

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