Romoe Restauratoren Netzwerk
Home > Regionen > Deutschland > Thüringen > Erfurt > Peterskirche ehemals Kloster Peter und Paul

Erfurt, Peterskirche ehemals Kloster Peter und Paul

Untersuchung der romanischen Malereien und aller anderen Fassungssysteme, Kartierung der Bestände, Betreuung des Objektes als Fachberater für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Zusammenfassung der Untersuchung

Die 1147 erbaute, ehemalige Pfeilerbasilika wurde nach dem Vorbild der aus Hirsau hervorgehenden moneastischen Reform erbaut und stellt neben dem Kloster Paulinzella sowie der Klosterkirche Thalbürgel, das bedeutendste Benediktinerkloster des 12. Jh. in Thüringen dar. Vom ehemaligen Kloster St. Peter und Paul blieb nach dem Umbau des Petersberges nur die Klosterkirche als Heeresmagazin der preußischen Armee übrig. Zu diesem Zweck wurde die
Basilika bis auf Höhe der Seitenschiffe abgetragen und im Inneren mit Zwischenböden versehen.
Die Fassungssondierung ergab, dass in Bereichen der Vorhalle, der Pfeiler des Presbyteriums, des südlichen Querhauses und des nördlichen Nebenchores zum Teil sehr gut erhaltene Sinopiamalereien (Rötelvorzeichnung) vorhanden sind.
Zumeist handelt es sich um figürliche Darstellungen, die entweder als separate Heiligendarstellungen einzelner Figuren oder als szenische Heiligendarstellung in Verbindung mit einem ehemaligen Altarstandort ausgeführt wurden. Da diese Sinopien alle direkt auf dem Werkstein der Wände und Pfeiler liegen und die künstlerische Ausführung durchaus als romanisch zu bezeichnen ist, kann man davon ausgehen, dass diese Malereien aus der Bauzeit der Kirche stammen.
Neben dem verwendeten Pigment Hämatit, das für die Sinopien benutzt wurde, lässt besonders das Pigment Lapislazuli auf eine Datierung in das 12. Jh. schließen. Daneben findet sich eine besondere farbliche Varietät eines Grünpigmentes (Fe-ll-?), das bisher noch nicht näher bezeichnet werden kann, aber nach Aussage durch Herrn Prof. Dr. Schramm schon an anderen
Sakralbauten Verwendung fand und noch untersucht wird.
Als gesicherte Erkenntnis kann diese These aber erst gelten, wenn z. B. die szenische Darstellung im nördlichen Nebenchor so weit freigelegt wird, dass eine ikonographische Erklärung des Bildinhaltes möglich ist und diese mit dem dort 1143 geweihten Margaretenaltar in Verbindung zu bringen ist.
Für die Epoche des 13. Jh. ließen sich keine bedeutenden Fassungsbefunde nachweisen (außer Altarinschrift 1366 aber ohne Farbreste).
Im 14. Jh. erfolgte nach einem Brand eine zweifarbige Ausmalung des Kircheninneren. Auf weißem Fond wurden schwarze, flächig ausgelegte Krabben und rankenartige Motive gemalt, die um bestimmte Architekturglieder (Fenster, Pfeiler etc.) als Rahmen gelegt wurden.Für den Anfang des 15. Jh. sind eine farbig hinterlegte und mit goldenen Buchstaben versehene Altarinschrift und ein Wappen an einem Pfeiler des Mittelschiffes (Heilig Geist Altar von 1406) sowie eine mit einer Marmorimitation versehenen Halbsäule (Westflanke Pfeiler 17) erwähnenswert. Bei den verwendeten Pigmenten handelt es sich um Zinnober und Mennige sowie um Blattgoldauflagen.
Am Ende des 15. Jh. (1481) wurde an der Nordwand des nördlichen Querhausarmes eine Tür zur dahinter liegenden Sakristei eingefügt. Das erhaltene Gewände ist in zwei Rottönen gefasst. Das dunklere Rot wurde auch an der Pfeilerflanke des ursprünglich dort stehenden Heilig-Geist-Altares nachgewiesen
(Hämatit). Der hellere Rotton besteht aus Zinnober. Ende des 16. Jh. oder Anfang des 17. Jhs. ist wiederum in der gesamten Kirche eine Neufassung erfolgt. Sie besteht aus einem weißen Fondanstrich mit blauen Ornamenten (Smalte), deren Form sowohl floral als auch architektonisch sein könnte. Die Fassungsreste reichen bisher für eine Deutung der Formen nicht aus. Diese Fassung verfügt zusätzlich über eine differenzierte Sockelgestaltung, welche aus einer Fugenimi+ation, einem Fries mit blauen Ornamenten und einem rotem Sockelabschlussband besteht.
Der Heilig-Geist-Altar wurde in diesem Zusammenhang in einem Grünton (Malachit) gefasst. Ebenso das Sakristeitürgewände, das zusätzlich mit dem oben erwähnten Blau (Smalte) farbig behandelt wurde.
Vermutlich in das 17. Jh. sind die Reste einer Sockelimitation zu datieren, die aus einem roten Band mit weißen Blattranken besteht.
Im 18. Jh. wurde mit der Stukkierung der Gewölbe (1765) oder schon bei der "gründlichen Instandsetzung" (1727) eine Neuausmalung des Kircheninneren vorgenommen. Bisher konnten nur an den Pfeilern des Chores und des Presbyteriums Reste dieser Fassung nachgewiesen werden. Es ist aber anzunehmen, dass die gesamte Kirche eine Neufassung erhielt. Die Fassung besteht aus einem graugelblichen Fond mit braunen Rahmenbändern, welche an den Ecken und in der Mitte mit floralen Ranken dekoriert sind. Der Rahmen und die Ornamente werden durch schwarze Schattierungen und weiße Höhungen strukturiert.

Fußnote:Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen / Die Stadt Erfurt, K. Becker, M. Brückner, E. Haetge, L.
Schürnberger, Burg, 1929, Seite 546

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen Schließen