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Zusammenfassung der Untersuchung

Das villenartige Gebäude in der Straße des Friedens 120 wurde von 1913 bis 1914 nach den Entwürfen und unter der Leitung von Henry van de Velde als Wohnhaus für den Geraer Industriellen Schulenburg erbaut.
Schulenburgs Kontakt zu Henry van de Velde ergab sich durch den Kauf eines Speisezimmers, welches er auf der Dresdner Kunstgewerbeausstellung im Jahre 1906 erstand . Nach diesem ersten Zusammentreffen ließ sich Schulenburg von Henry van de Velde diverse Einzelgegenstände gestalten. Durch die Bekanntschaft mit Henry van de Velde, entstand der Wusch ein Wohnhaus von Selbigen konzipieren zu lassen. Dieser Wunsch wurde in den Jahren 1913 bis 14 umgesetzt. Das schon erwähnte Speisezimmer wurde in diesen Bau integriert.
Ausgehend vom üblichen Vorgehen des Künstlers, ist es sehr wahrscheinlich, daß Henry van de Velde nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Hauses und die Kubatur der Innenräume gestaltet hat, sondern auch für die dekorative Gestaltung der Räume verantwortlich zeichnet.
Der Literatur ist zu entnehmen, daß van de Velde im Jahre 1920 nochmals für Schulenburg tätig wurde . In dieser Zeit entwarf er Pläne für Gewächshäuser und höher gelegene Nebengebäude, die auf einem Grundstück, welches Schulenburg hinzu gekauft hatte, entstehen sollten.
Bei den Untersuchungen der Räume konnte festgestellt werden, daß in der ersten Renovierungsphase einige Gestaltungselemente der Dekorationen von Henry van de Velde wieder aufgenommen wurden. Der Zeitraum dieser ersten Renovierung ist nicht feststellbar aber es ist anzunehmen, daß Schulenburg noch im Hause lebte.
Nach der Scheidung der Schulenburgs wurden die ersten Umbauten und vielleicht auch die oben erwähnte erste Renovierung der Räume vorgenommen. Diese Umgestaltungsphase dürfte kurz nach der Scheidung also um 1927 stattgefunden haben. Mit ziemlicher Sicherheit ist in dieser Umgestaltungsphase der heute noch erhaltene Raum 1-06 entstanden.
Der als Wohnzimmer bezeichnete Raum wurde von einem Schüler Henry van de Veldes, dem Architekten und Designer Thilo Schoder mit einer Holzverkleidung versehen. Die ursprüngliche Einrichtung des Raumes, eine Riemerschmidt-möblierung mit Stoffbespannung, nahm Frau Schulenburg mit nach Kassel.
Die ersten größeren Umbauten im Haus fanden 1936 und 1937 statt. Diesen Umbauten fiel unter anderem der Treppenaufgang vom Erdgeschoß zum Obergeschoß zum Opfer.
Die zweite für das Gebäude entscheidende Umbauphase fand im Jahre 1951 statt. In dieser Zeit wurde das Haus zur medizinischen Fachschule umgebaut. Viele Räume verloren ihre ursprüngliche Gestalt. Sie wurden zu Hörsälen umgebaut.
Nach der Schließung der Schule wurde das Gebäude nicht mehr genutzt und verfiel zusehends.
1997 kaufte Herr Dr. Kielstein das Gebäude und begann mit ersten Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten am Torgebäude.

Bestandserfassung der Raumgestaltungen

Da die Gestaltung der Räume des Hauses Schulenburg sehr unterschiedlich ausgeführt wurde, ist eine einzelne und übersichtliche Darstellung in Form einer Zusammenfassung nicht möglich. Hierzu wurden Raumfarbgebungstafeln angefertigt, welche die ursprüngliche Gestaltung der Raumfassungen darstellen. Sie sind so angelegt, daß die Raumfassung der ersten Gestaltungsphase, welche mit größter Wahrscheinlichkeit von van de Velde stammt, aufgezeigt wird. Dekorationselemente, die Übereinstimmungen mit anderen Objekten von van de Velde aufweisen, sind ebenfalls in diesen Tafeln aufgeführt. So ist ein direkter Vergleich dieser Objekte möglich.
Der Bestand der ursprünglichen Bausubstanz und wichtige "nderungen an ihr, sind in den Befundprotokollen der Fassungsuntersuchung dargestellt (siehe Anhang Befundprotokolle). Hier wurden aber nur Bereiche aufgeführt, die auf die Raumgestaltung entscheidenden Einfluß haben. Der Gesamtbestand der Räume wurde schon 1996 in einem Raumbuch erfaßt .
Die Untersuchung der Räume ergab, daß anhand der Befundergebnisse eine Rekonstruktion der ersten Raumgestaltungen in den meisten Fällen möglich ist. In fast allen Räumen konnten genügend Reste der ersten Fassungen vorgefunden werden. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um einfarbige Anstriche, strukturierte Anstriche, schablonierte Ornamente, Tapeten und Holzverkleidungen.
Originale Tapetenreste, die meist nur noch in kleinflächiger Form vorhanden waren, wurden vom Trägermaterial gelöst und sind im Anhang des Berichtsexemplares des Auftraggebers archiviert. Diese Reste können bei der Rekonstruktion der Tapeten oder bei der Recherche nach vergleichbaren Tapeten als Vorlage verwendet werden.
Eine erste Information zu den vorgefundenen Tapeten bietet das Tapetenmuseum in Kassel. In einem Schreiben, (siehe Anhang, letzte Seite) der zuständigen Wissenschaftlerin Frau Dr. Thümmler, heißt es "nach näherer Betrachtung ist es sehr gut möglich, daß die von Ihnen gefundenen Tapetenreste von van de Velde entworfen sind, sie sprechen eine sehr eigene Handschrift und zeigen eine Verwandtschaft".
Zur eindeutigen Identifizierung sind aber noch Recherchen notwendig, diese sollten nach Meinung von Frau Dr. Thümmler im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld und im Kunstgewerbemuseum in Chemnitz vorgenommen werden.

Zustandserfassung der Raumgestaltungen

Der Zustand der Raumdekorationen kann allgemein als stark beschädigt oder total zerstört beschrieben werden. Eine detaillierte Aufführung der Schäden und ihrer Ursachen würde aber den Rahmen dieser Untersuchung überschreiten. Aus diesem Grund können hier nur einige Hauptschadensbilder erwähnt werden.
Viele Bestandteile der ursprünglichen Raumgestaltungen wurden bei Umbauten vollständig zerstört. Diese Umbauten waren teilweise so massiv, daß ursprüngliche Raumstrukturen heute kaum noch nachvollziehbar sind.
Zum Beispiel wurde das sogenannte Blumenzimmer (Raum 2-06) im Obergeschoß so umgebaut, daß man heute nur noch anhand einer Fotografie aus den Jahren vor 1920 und einer Baunaht in der Decke des Raumes 1-14 belegen werden kann, daß der Raum ehemals eine andere Gestalt hatte. Der ursprünglich existente Treppenaufgang vom Erdgeschoß in das Blumenzimmer wurde vermauert, die Säulen mit ihren Aquarien ausgebaut, die Rundbogennischen und die Wandfliesen entfernt. So entstand aus ehemals zwei Räumen ein einziger durchgehender Raum, der später durch die Schließung der Lichtschachtöffnungen in den Räumen 2-13 und 1-14 zum Hörsaal umgenutzt wurde. Bei diesen Umbauten gingen fast alle Bestandteil der ursprünglichen Raumgestaltung verloren.
Eine weitere in fast allen Räumen vorkommende Beschädigung der ursprünglichen Dekorationssubstanz, stellt die teilweise großflächige Ablösung von Farbschichten dar.
Durch die mehrfache Übermalung der ersten Farbgestaltung erhöhte sich die Oberflächenspannung der Farbschichtpakete so stark, daß sie sich vom Trägermaterial, einem dünnschichtigen Glättputz aus Gips, lösen. Dieser Schadensverlauf wurde an den Außenwänden noch verstärkt.
An ihnen kam und kommt es zu starken Salzkristallisationen, die das Absprengen großer Putzflächen nach sich ziehen. Des Weiteren kommt es zur Zermürbung der Putze, da der Kristallisationsdruck im Putzgefüge so stark wird, daß sich dessen Strukturbindung vollständig löst.
Diese Schadensabläufe führten zu großflächigen Verlusten an der originalen Farbgestaltung der Räume. Sie sind so stark ausgeprägt, daß eine Restaurierung der ursprünglichen Farbgestaltung unmöglich ist.


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