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Berlin-Prenzlauer Berg, Aphrodite und Eros, SK 34 Antikensammlung

Die Dokumentation befasst sich mit der Schadensanalyse des brandgeschädigten Marmors, entsprechenden naturwissenschaftlichen Voruntersuchungen, notwendigen Konsolidierungsmassnahmen und der Restaurierung.

Diplom - Restauratorin Katrin Haug
 
 



Objektbeschreibung

Inventarnummer: SK 34
Herkunft: 1824 durch Schinkel von Camuccini in Rom erworben
Material: weißer grobkristalliner Marmor (evt. aus Griechenland )
H: 186 cm; B: 60cm; T: 40 cm
Ergänzungen: von Tenerani, Pietro um 1824, Carraramarmor
Aphrodite: beide Unterarme, der rechte jedoch ohne die Hand; die vorderen Hälften der Füße; ein Stück Gewandfalte hinter dem linken Arm; die Nase und das Kinn mit einem Teil der Unterlippe; der Kopf und Hals sind angesetzt, könnten aber zugehörig sein
Eros: beide Arme; das linke Bein; das Glied; ein Teil der Flügel sowie der Kopf sind angesetzt, aber wahrscheinlich antik; die Plinthe ist doubliert.

Die Figurengruppe Aphrodite und Eros erhebt sich über einer rechteckigen Plinthe. Aphrodite steht aufrecht in leichter Kontrapoststellung, wobei das rechte Bein das Standbein bildet. Mit ihrer rechten Hand hält sie das Ende eines fransenbesetzten Tuches, welches ihren Schoß bedeckt. Das andere Tuchende ist über ihren linken Arm geschlagen und fällt von dort diagonal über den Rücken hinab. Der linke Arm der Aphrodite ist hinter dem Eroskopf nach oben angewinkelt und die Handfläche zeigt nach vorn. Ihr Kopf ist etwas zur Seite gedreht, wodurch der Blick in Richtung des Eros weist. Die Haare trägt Aphrodite ungescheitelt nach hinten gebunden, zwei Locken fallen auf ihre Schultern herab.
Der geflügelt dargestellte Erosknabe erhebt sich links neben Aphrodite in stark gestreckter Haltung. Sein Gewicht lagert auf dem rechten Bein, das linke dient seinem Gleichgewicht. Der rechte Arm ist ebenfalls nach oben gestreckt, sein Kopf in dieselbe Richtung gewand. Der Linke Arm hängt herab. Eros steht auf dem Rücken eines schlangenartigen Seedrachens. Unterhalb des Meerungeheuers schwimmt ein kleiner Delphin.


Zielsetzung

Durch die Arbeit soll der Schadensgrad der Figur festgestellt werden, um herauszufinden, welche Konservierungsmaßnahmen für eine eventuelle Wiederaufstellung notwendig sind. Die Schadensanalyse erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung des Marmors. Weiterhin sollen die Verschmutzungen der Oberfläche und alte Klebstoffe naturwissenschaftlich analysiert werden, um anhand der Ergebnisse entsprechende Reinigungsmethoden zu entwickeln. Aus den Untersuchungsergebnissen sollte sich eine Restaurierungskonzeption entwickeln.


Zustandsbeschreibung

Aufgrund eines Kriegsschadens ist die Figurengruppe stark beschädigt. Sie wurde während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert und kehrte 1958 aus Russland im zerbrochenem Zustand an die Staatlichen Museen zurück. Während ihrer Auslagerungszeit erlitt die Skulpturengruppe einen Brandschaden. Derzeit besteht die Gruppe aus 17 Fragmenten. Zu den größeren Bruchstücken zählen der Torso der Aphrodite, ihr Unterleib ungefähr bis zu den Knien samt Erostorso, die Unterschenkel der Aphrodite bis zu den Knöcheln mit einem Teil des schlangenförmigen Körpers des Seeungeheuers und dem rechten Knabenfuß. Die anschließende Plinthe ist ebenfalls in zwei Teilstücke gebrochen, wobei die Originalteile mit Gips und jeweils einem Eisendübel auf der Doublierungsplatte befestigt sind. Die kleineren Fragmente sind der Frauenkopf, der rechte Oberarm mit Gewandfalten, der Rumpf des Seeungeheuers, ein Stück der Originalplinthe und die rechte Wade des Eros. Ebenfalls sind noch ein Teil der Ergänzungen erhalten. Dazu gehören der rechte Unterarm der Frauengestalt, ihr linker Fuß, der linke Arm des Knaben und ein Stück Gewandfalte.
Bei der Recherche nach weiteren Fragmenten konnten in verschiedenen Depots noch zugehörige Originalteile und Ergänzungen gefunden werden. Dazu gehört das Originalhalszwischenstück der Aphrodite , das sehr stark geschädigt ist und in zwei Bruchstücken vorliegt sowie die rechte Hand der Frauendarstellung, die nach der Kristallinität des Marmors ebenfalls zugehörig sein kann. Weiterhin wurden zwei Fragmente des Schlangenkörpers entdeckt , bei denen es sich nach der Art des Marmors um angesetzte Originalteile handeln könnte. Außerdem konnten die Ergänzungen des linken Knies und Unterschenkels des Eros zugeordnet werden sowie ein Stück des ergänzten rechten Unterarmes der Aphrodite. Im Keller befand sich zusätzlich noch ein weiteres Fragment der Doublierungsplinthe, durch welches sich jetzt die ursprüngliche Breite der Plinthe ablesen lässt.


Naturwissenschaftliche Untersuchungen

Es wurden drei Proben naturwissenschaftlich vom Rathgen-Forschungslabor untersucht. Dabei handelte es sich um die Verschwärzung auf der Oberfläche, um den verbrannten Klebstoff und um eine feste glasige Schicht vom Kopf der Aphrodite.
Die Verschwärzung wurde durch die Röntgendiffraktometrie untersucht. Hier konnte eindeutig Gips nachgewiesen werden.
Der verbrannte Klebstoff wurde mit Hilfe der Infrarotspektroskopie als Kolophonium identifiziert. Hier war jedoch auffällig, dass das Ergebnis von den normalen Analyseergebnissen für Kolophonium abweicht. Im Normalfall haben untersuchte Kolophoniumproben eine Übereinstimmung von ca. 90% mit dem entsprechenden Vergleichsmaterial. Bei der verbrannten Probe lag die Übereinstimmung bei nur 67%. Zu 65% stimmt die Probe mit Holzteer überein. Es ist also anzunehmen, dass sich das Kolophonium durch extreme Hitze chemisch verändert hat.
Die dritte Probe wurde ebenfalls durch Röntgendiffraktometrie als Gips identifiziert. Dieses Ergebnis ist etwas unvermutet, da das Erscheinungsbild der Ablagerung nicht an eine Gipskruste erinnert.


Die Verschmutzung

Durch die Einwirkung des Feuers ist die gesamte Oberfläche des Marmors stark verschwärzt.
Diese Verschwärzung entstand vermutlich durch rußige Ablagerungen. Zusätzlich sind Laufspuren erkennbar, die einerseits durch geschmolzenes bzw. verbranntes Kolophonium, andererseits durch Wasser hervorgerufen wurden. Die durch Wasser verursachten Laufspuren erinnern an solche auf Objekten im Außenraum, bei denen der Regen Verschwärzungen von der Oberfläche gewaschen hat.
Es ist demnach nicht auszuschließen, dass die Figur zwischenzeitlich der freien Bewitterung ausgesetzt war. Diese Vermutung wird durch das Ergebnis der röntgendiffraktometrischen Untersuchung der Verschwärzung unterstützt. Sie ergab, dass es sich bei den Verschwärzungen eindeutig um eine Gipskruste handelt und nicht, wie vermutet nur um Ruß. Gipskrusten auf Marmorobjekten sind von Objekten im Außenraum bekannt. Dort entstehen sie durch die Einwirkung von saurem Regen. Da bei der Skulpturengruppe SK 34 nicht nachvollziehbar ist, wohin sie ausgelagert wurde und unter welchen Bedingungen sie in Russland gelagert wurde, ist nicht auszuschließen, dass sie über einen längeren Zeitraum einer natürlichen Bewitterung ausgesetzt war.
Weiterhin sind die Figuren auch durch das geschmolzene bzw. verbrannte Kolophonium verschmutzt. Die verursachten Laufspuren besitzen eine Farbigkeit von honiggelb bis tiefbraun.
Durch die Infrarotspektroskopie konnte Kolophonium eindeutig nachgewiesen werden. Leider ließ sich nicht feststellen, in wieweit sich das Kolophonium durch die Verbrennung chemisch verändert hat. Dies wäre sehr wichtig, um bei der Reinigung das Harz durch entsprechende Lösungsmittel wieder aus dem Steingefüge zu ziehen. Ein Test ergab, dass sich das Kolophonium in Ethanol nur noch teilweise lösen lässt. In Isooctan dagegen löst es sich gar nicht. Isooctan eignet sich beim Lösen von teerartigen Produkten, jedoch scheint verbranntes Kolophonium keine teerhaltigen Rückstände zu hinterlassen.
Eine dritte Verschmutzungsart auf der Gesteinsoberfläche ist durch geschmolzenes Blei hervorgerufen. Dieses spritzte unterschiedlich stark verteilt auf die Figur und erstarrte dort. Besonders stark betroffen ist der Aphroditenkopf.


Die Beschaffenheit und Veränderung des Marmorgefüges durch den Brand

Der Marmor der Skulpturengruppe ist grobkristallin. Schon bei der Betrachtung mit dem bloßen Auge lassen sich die einzelnen Kristalle gut erkennen. Durch natürliche Bewitterung in der Antike und durch anschließende Bodenlagerung bis zur Bergung des Objektes hat der Marmor von seiner ursprünglichen Festigkeit eingebüßt. Durch den Brand ist das Gefüge weitergehend gelockert worden. Die Bruchflächen der Fragmente erinnern z.T. an einen zerbrochenen Zuckerwürfel. Die einzelnen Kristalle halten nur noch durch ihre Verzahnung untereinander zusammen und tendieren partiell zum abzuckern.
Durch Temperaturwechsel werden Marmore stark belastet. Es entstehen Mikrorisse an den Korngrenzen und somit eine Gefügeauflockerung. Weiterhin besitzen Marmore eine starke thermische Anisotropie, die unter Umständen auch zu extremer Verformung des Marmorobjektes führen kann. Anisotropie bedeutet, dass die thermische Ausdehnung sowie die Schall- und Lichtausbreitungsgeschwindigkeit richtungsabhängig sind. Bei Erwärmung dehnt sich ein Calcitkristall in der einen Richtung aus, und in einer dazu um 90 ° gedrehten Richtung zieht es sich zusammen. Marmore bestehen aus vielen solchen Kristallen, die zu einem polykristallinen Gefüge zusammengesetzt sind. Bei einer Temperaturerhöhung kommt es aufgrund der unterschiedlichen Orientierung der Kristalle zueinander und der anisotropen thermischen Ausdehnung zum Aufbau von Zug- bzw. Druck- und Scherspannungen ( thermisch induzierter "Misfit " an den Korngrenzen). Diese führen zur Schädigung und zum Aufreißen der Korngrenzen. Diese Schädigung ist irreversibel, d.h. nach einer Abkühlung des Objektes auf die Ausgangstemperatur können die Spannungen sich nicht zurückbilden und eine Restdehnung bleibt erhalten. Die einzelnen Kristallite halten dann nur noch durch ihre Verzahnung untereinander im Gefüge zusammen.
Wie weit eine Schädigung des Gefüges fortgeschritten ist lässt sich anhand einer Ultraschallmessung feststellen. Die Ultraschallmessung ist eine zerstörungsfreie Untersuchungsmethode.


Die Ultraschallmessung

Die Ultraschallmessung durch das Labor K/HLER konnte den Brandschaden eindeutig nachweisen. Der Schaden ist nicht gleichmäßig über die Figur verteilt. Die Plinthe ist schwächer, der Bereich der Unterschenkel und des Eros sehr stark geschädigt. Der Schaden reicht bis in eine Tiefe von ungefähr 10 cm.


Reinigung

Verschwärzungen:
1. Lassen sich mit Heißdampf gut reduzieren. Allerdings ist eine lange Einwirkzeit und hoher Druck notwendig, um ein befriedigendes Reinigungsergebnis zu erzielen. Ein weiterer Nachteil besteht bei der Reduzierung festerer Krusten. Diese lassen sich nur mit erhöhter Wasserzufuhr, erhöhtem Druck und langer Einwirkzeit etwas aufhellen.
2. Das aufgebrachte Gel ermöglicht ein Erweichen der Krusten, jedoch ist der Kapillarsog beim Trocknungsprozeß nicht ausreichend, um die gelöste Substanz ins Gel zu transportieren. Die Nachreinigung mit dem Heißdampfverfahren mit viel Wasserzufuhr ist dringend notwendig, um Gelreste und die Kruste restlos von der Oberfläche zu entfernen.
3. Die Paste aus Sepiolith und dem. Wasser löst die Verkrustung gut. Durch den beim Auftrocknen der Paste entstehenden Kapillarsog wird ein Teil der Verschwärzung in die Paste gezogen. Bei einer Nachreinigung mit der Zahnbürste und dem. Wasser lässt sich die Verschwärzung sehr leicht entfernen. Noch einfacher ist die Nachreinigung mit dem Heißdampfstrahl. Hier ist es möglich, die gelöste Verkrustung mit sehr wenig Wasser von der Oberfläche zu reduzieren.
4. Die aufgebrachte Paste aus Attapulgit und dem. Wasser eignet sich am besten. Beim Auftrocknen der Paste konnte die größte Menge der Verschmutzung in die Paste gezogen werden. Beim Abnehmen der getrockneten Paste war eindeutig eine Verschwärzung in der Paste sichtbar. Aber auch bei dieser Reinigungsmethode empfiehlt sich die Nachreinigung mit Heißdampf und einer Zahnbürste, um jeden Rest von der Oberfläche zu entfernen.
Die vollständige Reinigung der Fragmente erfolgte schließlich mit der Attapulgitpaste und der Nachreinigung mit dem Heißdampfverfahren. So wurde nur eine geringe Menge an Feuchtigkeit in das stark geschädigte Gestein eingebracht und mit wenig Druck auf die Oberfläche eingewirkt. Ein Substanzverlust ließ sich durch dieses Verfahren vermeiden.

Kolophonium:
1. Die Paste aus Sepiolith und Aceton/Ethanol ermöglicht durch den entstehenden Kapillarsog beim Trocknungsprozeß ein Lösen und Herausziehen des diffundierten Kolophoniums aus dem Gestein. Ein einmaliges Aufbringen zeigt schon eine zufriedenstellende Aufhellung. Eine mehrmalige Anwendung ist jedoch erforderlich.
2. Auch Attapulgit mit Aceton/Ethanol transportiert gelöstes Kolophonium durch Kapillarwirkung in die Paste. Jedoch lässt sich Attapulgit schlechter in dem Lösungsmittelgemisch quellen und die Trocknung erfolgt schneller. Dies ist beim Lösen von Kolophonium jedoch von Nachteil, da weniger Harz gelöst und entfernt werden kann.
Die Entfernung des Kolophoniums erfolgte daher mit einer Paste aus Sepiolith und Aceton/ Ethanol. Leider konnte das Kolophonium nicht vollständig reduziert werden. Durch den Brand ist das Harz nicht nur geschmolzen, sondern teilweise auch verbrannt. Diese Partien besitzen eine tiefbraune bis schwarze Färbung, die an Holzteer erinnert. Durch die röntgendiffraktometrische Untersuchung ließ sich leider nicht feststellen um welches Produkt es sich handelt und inwieweit sich das Harz chemisch verändert hat. Ein geeignetes Lösungsmittel konnte daher nicht gefunden werden. Leider müssen die Laufspuren des geschmolzenen Kolophoniums als ein Teil der Geschichte des Objektes akzeptiert werden, bis sich eine weitere Lösungsmethode gefunden hat.

Andere Verkrustungen:
Auf einigen Ergänzungen befand sich eine harte dichte graue Schicht, die sich mechanisch nicht von der Oberfläche entfernen ließ. Diese Schicht erinnerte optisch z.T. an eine dichte Sinterschicht, z.T. an eine dünne Zementschlämme, die über die Fragmente gelaufen war. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses der Verschwärzung ( Gips ) wurde auf die betroffenen Stellen eine Kompresse aus Klucel, Arbocel BWW 40 und einer fünfprozentigen Ammoniumhydrogencarbonatlösung aufgebracht. Die Einwirkzeit betrug ca. 20 Stunden. Danach ließen sich die erweichten Krusten mit Spateln, einer Zahnbürste und dem. Wasser von der Oberfläche entfernen. Dem Reinigungsergebnis nach handelte es sich wahrscheinlich auch hier um Vergipsungen.
Durch die partielle Befeuchtung der Fragmente erfolgte ein Transport einer gelblichen Substanz aus dem Inneren der Stücke an deren Oberfläche. Durch eine Geruchsprobe konnte Wachs, wahrscheinlich sogar Bienenwachs, festgestellt werden.

Reduzierung des Wachses von der Oberfläche:
Es ist durch andere Restaurierungen bekannt, dass Tenerani Objekte, die in seiner Werkstatt ergänzt wurden, oft gewachst hat, um eine Politur der Oberfläche vorzutäuschen. Durch den Brandschaden ist das Wachs geschmolzen und in das Gesteinsgefüge penetriert und war nicht mehr auf der Oberfläche sichtbar. Durch die verschiedenen Reinigungsmethoden wurde das Wachs teilweise wieder an die Oberfläche transportiert und verursachte dort unterschiedliche gelbe bis braune Flecken.
Durch erneutes Aufbringen von Kompressen ( Arbocel BWW 40 ) in Petrolether 60 /95 ließen sich diese Verfärbungen reduzieren. Jedoch lässt sich das Wachs stellenweise nicht vollständig mit Kompressen aus dem Gestein ziehen. Dazu müssten die betroffenen Stücke in ein Bad gelegt werden. Das würde eine vollständige Durchfeuchtung der Fragmente bedeuten. Der derzeitige Zustand der Teilstücke erlaubt jedoch keine längere Durchfeuchtung, da sie zerfallen könnten.


Konsolidierung und Verklebung

Der geschädigte Marmor sollte aufgrund seiner Porosität unbedingt gefestigt werden, um einen Wiederaufbau der Figur zu ermöglichen. Nach dem heutigen Wissensstand eignen sich Acrylharze recht gut zur Festigung von Marmor. Bei der Konsolidierung geht es darum, die Hohlräume zwischen den Kristallen zu verfüllen und die Kristalle miteinander zu verkleben.
Es sollte eine gute Eindringtiefe erreicht werden und gleichzeitig die Porenräume ausreichend mit dem gelösten Feststoff aufgefüllt werden. Die Schadenszone reicht bei der Figur SK 34 ca. bis in eine Tiefe von zehn Zentimetern . Soweit sollte auch das Festigungsmittel eindringen. Als Konsolidierungsmittel soll Paraloid B 72 angewendet werden. Um eine hohe Eindringtiefe zu erzielen eignen sich niedrigprozentige Lösungen besser. Allerdings kann sich bei solchen Lösungen nicht genügend Feststoff in die Porenräume einlagern. Für die Festigung werden Konzentrationen von min. 7% bis max. 20% vorgeschlagen.
Einige der kleineren Fragmente wie beispielsweise der Hals/Aphrodite, das rechte Bein/Eros, der Ketoskopf wurden in ein 15%iges Bad aus Paraloid B 72 und Ethanol / Aceton (2:1) gelegt, so dass sie sich mit der Lösung voll saugen konnten. Nach einer Einwirkzeit von ca. 20 bis 40 Stunden konnte ein guter Vorfestigungseffekt erzielt werden. Um die Aufnahme des Festigungsmittels festzustellen, wurden die Fragmente vor und nach der Tränkung gewogen. Eine Gewichtszunahme ist nur geringfügig zu erkennen. Die kleineren Fragmente hatten eine Gewichtszunahme von ein bis vier Gramm.
Kleinere Fragmente wurden nach der Vorfestigung zusammengesetzt. Dazu gehören die drei Fragmente im Fußbereich, der ergänzte rechte Arm der Aphrodite, der Hals, das linke ergänzte Bein des Eros, der Ketoskopf und die Doublierungsplinthe. Die Klebungen wurden mit Methylmethacrylat unter Zusatz von Marmormehl ausgeführt. Die Fragmente wurden teilweise erst nach dem Verkleben vernadelt, teilweise auch vorab gedübelt, soweit noch alte Bohrlöcher wiedergenutzt werden konnten. Als Armierungsmaterial kam V4A-Stahl zum Einsatz.
Nach der Reinigung wurden die Fragmente der Figur in einem 7 %iges Lösungsmittelbad von Paraloid B 72 in Aceton und Ethanol (1:1) konsolidiert. Die Teilstücke wurden je nach Größe vier bis 14 Tage im Bad getränkt. Bei den größeren Fragmenten wurde die Konzentration im Laufe der Behandlung auf 15 % erhöht. Nach Abschluss der Tränkung wurden die Objekte mit Aceton nachgewaschen, um überschüssiges Paraloid von der Oberfläche zu entfernen.
Die Hohlstelle in den Gewandfalten wurde mit 20 %igem Paraloid und Marmormehl verfüllt.


Montage der Fragmente

Die Montage der Fragmente erfolgte von den Füßen an aufwärts. Alle Einzelteile wurden miteinander Verdübelt bzw. vernadelt. Eine Ausnahme bilden die Füße, die in die neu angefertigte Plinthe eingelassen wurden. Sie wurden an drei Punkten mit Methylmethacrylat fixiert und anschließend der verbleibende Hohlraum mit Gips aufgefüllt.
Als Dübelmaterial wurde V4A / Stahl eingesetzt. Geklebt wurde bei statisch stark beanspruchten Stellen mit Epoxidharz (Reckli), bei kleineren Fragmenten mit Methylmethacrylat (Kalloplast). Die Klebungen mit Epoxidharz erfolgten nur in den Dübellöchern und bei großen Fragmenten auch punktuell auf der Fläche. Vorab wurden die Löcher mit 20 %igem Paraloid B 72 abgesperrt, um die Irreversibilität zu verringern. Die Positionen der Dübel sowie die Epoxidharzklebungen sind der folgenden Kartierung (S.5) zu entnehmen. Die in der Kartierung nicht umrandeten Dübel wurden mit Methylmethacrylat eingeklebt.
Bei der Montage des Kopfes konnte beobachtet werden, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zugehörig ist. Der Frauenkopf besitzt keine "nsätze von Zöpfen, die am Hals der Figur links und rechts auf die Schultern fallen. Zusätzlich stimmt die Passstelle von Hals und Kopf besonders im Nackenbereich nicht überein. Der originale Hals überschneidet den Haaransatz im Nacken bis zu fünf Millimetern. Aufgrund dieser Merkmale kann davon ausgegangen werden, dass der Kopf eine Ergänzung, aber dennoch antik ist.


Die Ergänzungen

Nach der Montage der Figur wurden Fugen und Fehlstellen geschlossen. Als Ergänzungsmörtel kam Marmormehl mit Acrylharz als Bindemittel zum Einsatz. Größere Ergänzungen wurden mit Acrylharzdispersion (Primal AC 33) und Marmormehl gekittet, die kleineren mit 20 %igem Paraloid B 72 in Aceton/Ethanol und Marmormehl.
Aufgrund des Verlustes mehrerer historischer Marmorergänzungen durch den Brand, wurden insgesamt fünf kompliziertere Ergänzungen aus ästethischen Gründen ausgeführt. Dazu zählen die Nase und das Kinn, zwei größere Fehlstellen am rechten Arm sowie der rechte Fuß der Aphrodite. Nase, Kinn und Fuß wurden in Ton an das Original modelliert und anschließend abgeformt. Als Orientierungshilfe diente eine historische Fotografie der Skulptur aus dem Museumsbestand (vgl. Dokumentation Teil I, S. 2). Nach der Abformung mit Silicon wurde in die jeweilige Form eine Schicht aus Primal AC 33, unverdünnt, und Marmormehl aufgebracht. Nach dem Aushärten der Schicht wurde der verbleibende Hohlraum mit Gips aufgefüllt. Anschließend wurden die Ergänzungen als Vierung eingepasst und mit Methylmethacrylat eingeklebt.
Die beiden Fehlstellen am rechten Arm wurden dagegen im Antrageverfahren aufgebaut. Als Armierung wurden am Oberarm zwei V4A-Dübel mit Kalloplast punktuell mit den Bruchflächen verklebt. Am Handgelenk dagegen wurde eine V4A-Armierung nur in die beiden Bohrlöcher ohne Klebstoff gesteckt. Die Grundform wurde in Gips modelliert, auf die eine anschließend eine Schicht aus Primal und Marmormehl aufgetragen wurde. Die endgültige Form wurde durch Feilen und Schleifen erzielt.
Auf die Ergänzung am rechten unteren Faltenwurf, sowie unterhalb des Ketos wurde verzichtet, da sie weder optisch noch statisch erforderlich sind. Der originale Formenverlauf ist ohne Ergänzung nachvollziehbar und die Statik ist gewährleistet. Im Fehlstellenbereich unterhalb des Ketos würde sich eine neutrale Ergänzung zu stark vom Original abgrenzen und somit die ursprüngliche "sthetik negativ beeinflussen. Zusätzlich wäre eine Kombination unterschiedlicher Materialien (Marmor, Gips) notwendig, was das Erscheinungsbild vermehrt stören würde. Um die "sthetik der Skulptur weitestgehend authentisch erscheinen zu lassen, wurde der Hohlraum nicht aufgefüllt und das Gewicht des Marmors über einen V2A Dübel, der als Stützkonstruktion in die Plinthe eingelassen wurde, abgefangen.


Retusche

Es war trotz der Einfärbung des Kittes notwendig, die Ergänzungen farblich dem Original anzupassen und somit das Gesamtbild zu schließen. Die Retusche erfolgte in der Punkttechnik mit Acrylfarben.
Die Punkttechnik wurde gewählt, um die Ergänzung zwar im Grundfarbton anzugleichen, aber dennoch deutlich vom Original abzugrenzen. Die Acrylfarben wurden gewählt, da sie im Gegensatz zu Aquarellfarben abriebfest und gegen Feuchtigkeit stabil sind und eine abschließende Fixierung nicht mehr notwendig ist. Die Farbe wurde in mehreren Schichten lasierend aufgebracht.


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