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Sondershausen, Residenzschloss, Riesensaal, Deckengemälde

Konservierung der Deckenmalerei, Reinigung, Festigung, u. Retusche der Malerei, Kittung von Rissen, Dokumentation.

Dipl. Restauratorin Antje Döring (Möller)
 
GEO



Ansicht Riesensaal
Ansicht Riesensaal

Einleitung

Das historische Ensemble ,Schloss Sondershausen-Ü gilt als die größte Schlossanlage Nordthüringens und als eines der bedeutendsten Baudenkmäler Thüringens. Der Südflügel des Schlosses wurde 1532 errichtet und 1692 -" 1702 umfangreich umgebaut.

Der Riesensaal des Schlosses erstreckt sich über das gesamte 2. Obergeschoss des Südflügels und stellt einen langgestreckten Festsaal (Länge: 27 m, Breite: 13 m, Höhe: 4,8 m - 5,3 m) mit prunkvoller Ausstattung dar.

Die Decke wird durch reiche Stuckierungen und Deckengemälde gegliedert. Der zentrale Bereich der Decke zeigt ein zwölfteiliges Kassettenfeld, welches eine größere Tiefe als die übrige Deckenfläche aufweist. Innerhalb der Kassettenfelder zeichnen sich zwölf ovale Deckengemälde ab. An das mittig angeordnete Kassettenfeld schließen sich jeweils im nördlichen und südlichen Deckenbereich drei mittelgroße Deckengemälde an. Die östliche und westliche Deckenzone wird durch je ein großes Deckengemälde geschmückt. Desweiteren befindet sich jeweils im Scheitel der korbbogig gewölbten Fensternischen ein bemaltes Medaillon. (siehe Zeichnung der Deckenuntersicht)

Das Bildprogramm der Gemälde zeigt Jagd-, Kampf- und Liebesszenen aus den ,Metamorphosen-Ü des Ovid. Stilistisch und kompositorisch ist die Malerei an die Kupferstiche von Antonio Tempesta und Jean Le Pautre angelehnt. An die Arbeiten von Tempesta angelehnt sind ebenfalls die zwei kleineren Reiterkampfdarstellungen, die sich jeweils zwischen den großformatigen Gemälden der West- und Osthälfte der Decke und der Schmalseite des Kassettenfeldes befinden. In den Medaillons der Fensternischen sind typisierte Idealbildnisse in Gestalt von Portraits römischer Kaiser dargestellt.

Eine datierbare Überarbeitungsphase (historische Restaurierung) ist für das Jahr 1859 belegt. (Signierung in Bild Nr.15: ,restauriert v. J. Maier 1859-Ü).


Ansicht Riesensaal
Ansicht Riesensaal

Auftragsumfang - Aufgabenstellung

Ziel der Maßnahme war die Konservierung und Restaurierung der Deckengemälde und der Malerei in den Medaillons der Fensternischen im überarbeiteten Zustand von 1859.

Die Konservierungsmaßnahmen beinhalteten die Reinigung und Festigung der Malereioberfläche sowie die Kittung von Rissen und Löchern des Malschichtträgers (Putz). Im Rahmen der restauratorischen Maßnahme sollten die Fehlstellen in der Malerei sowie die gekitteten Partien retuschiert werden.


Riesensaal
Riesensaal
Werkstatt des Vulkan
Werkstatt des Vulkan

Thematische Darstellungen der Deckengemälde

Perseus mit dem Haupt der Medusa
Apollo tötet Achilles
Ermordung Caesars
Nessos raubt Deinaeira
Gründung Roms (Probeachse Rest. Lange)
Mars und Venus werden von Vulkan überrascht
Herkules dient Omphale
Werkstatt des Vulkan
Apollo und Daphne
Apollo und Cyparissus
Apollo und Marsyas
Apollo tötet den Pyhhon
Merkur und Argus
Perseus mit dem Haupt der Medusa (Probeachse Fa. Coreon)
Cepphalus tötet Procris
Apollo tötet den Achilles
Atalante und Meleager töten den kalyd. Eber
Atalante und Meleager
Aesacus und Hesperie
Aurora und Jupiter
Reiterkampfszene (Ost)
Reiterkampfszene (West)


Riesensaal
Riesensaal
Detailansicht
Detailansicht
Detailansicht
Detailansicht
Detailansicht
Detailansicht

Durchgeführte Maßnahmen

Die durchgeführten Maßnahmen beruhen hinsichtlich der Technologien und Materialien inkl. Rezepturen vorrangig auf den Erkenntnissen der 1991 -" 2003 durchgeführten Untersuchungen und technologischen Proben sowie dem Leistungsverzeichniss zu diesem Auftrag.
Durch die Fa. Coreon wurde bereits 2003 das Gemälde ,Perseus mit dem Haupt der Medusa-Ü und durch die Fa. Lange das Gemälde ,Gründung Roms-Ü als Musterachsen restauriert.

Die Randbereiche der Gemälde wiesen in einer Breite von 5 bis 20 Millimetern eine weiße, leimgebundene Malkante auf. Diese konnte durch Anfeuchten mit Hilfe von Pinseln, Mikroschwämmchen und kleinen Spateln abgenommen werden. Eine erste Reinigung - Abnahme von oberflächig aufliegenden Stäuben und Spinnweben - erfolgte trocken durch vorsichtiges Absaugen und mit Hilfe von weichen Wish-ab Schwämmen.
Geschädigte Malschichtbereiche zeigten vor allem folgende Schadphänomene: schollenartiges Ablösen der Malschichten vom Träger sowie pulverisierte Malschichtpartien. Diese wurden mit der im Leistungsverzeichnis angegeben Festigungsmittel-Rezeptur (2 % -ige Lösung von Klucel E in Ethylalkohol) im Sprühverfahren gefestigt. In stark pulverisierten Malereipartien war die Klebewirkung des Klucels nicht ausreichend, daher wurde hier zusätzlich eine 2 % -ige Lösung von Paraloid B72 in Aceton zur Festigung verwendet, um eine Haftung der Malerei auf dem Untergrund wieder zu gewährleisten.
Im Anschluss daran konnte die Malerei feucht gereinigt werden. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei der Malerei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine ölhaltige Temperamalerei handelt. Auf dieser konnten zwei Retuschephasen festgestellt werden, wobei die erste Retusche ebenfalls eine ölhaltige Bindung aufzuweisen scheint, sie weist einen sehr stabilen Zustand auf. Die zweite Retuschephase wird durch feuchteempfindliche und stark pigmentierte Retuschen gekennzeichnet. Diese verunklärten meist den ursprünglichen Charakter der Malerei. Dagegen beeinflussen Retuschen aus der ersten Überarbeitungsphase -" es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um die datierbare Überarbeitung von 1859 handelt - diesen nur in geringem Maße. Daher wurde in den Partien in denen die Zweitretusche den Charakter der Malerei z.B. durch fehlfarbige und sehr großzügig ausgeführte Retuschen zu stark negativ beeinflussten diese soweit reduziert, dass das Gemälde seinem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder angenähert werden konnte.
Nach der Reinigung führte man die Kittung der Risse und Putzfehlstellen (wie z.B. Löcher in Folge von Putzausbrüchen) aus. Hierzu kam ein Kitt auf der Basis von Sumpfkalk (1RT), Alabastergips (0,5 RT), Quarzmehl (1 RT) und Tylose (3% -ige Lösung) zum Einsatz. Zuvor wurden lose und schadhafte Altkittungen entfernt. Hierbei stellte sich heraus, dass zwei verschiedene Kittphasen anzutreffen sind. In der Ersten (1859) kamen sehr weiche, verschiedenfarbig pigmentierte Kittmassen zum Einsatz, in der Zweiten verwendete man dagegen einen unpigmentierten vermutlichen gipsgebundenen Spachtel bzw. Kitt an.

Abschließend erfolgte die Retusche der Risskittungen und der Kittungen von Putzfehlstellen sowie die Retusche von störenden Altretuschen auf stabilen Altkittungen. Hierzu kamen Gouachefarben zum Einsatz. Lediglich auf großflächigen Kittungen verwendete man aus Gründen der Farbqualität und Beständigkeit (Lichtechtheit unter Einfluss von UV-Bestrahlung etc.) Golden Acrylics der Fa. Kremer. Diese weisen eine zudem sehr gute Reversibilität auf.


Erfurt Predigerkirche St. Johannes Predigerkirche, Marientod
Erfurt
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