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Bericht Fassungsuntersuchung

1 Vorwort

Der vorliegende Bericht stellt die erste Untersuchung des historischen Fassungs- und Wandmalereibestandes des ehemaligen Rittergutes in Oberzetzscha dar.
Die Untersuchung wurde vom Besitzer des Gebäudes, der Stadt Altenburg beauftragt, und erhielt nach mehrfacher "nderung der Aufgabenstellung folgende Zielstellung (letzter Stand FAX vom 19. 11. 2002 von Herr Kahnt):

1. Sondierung des Fassungs- und Malereibestandes an den Bereichen:

- Keller: K 4, K 5, K6
- Erdgeschoß: 0.1, 0.2, 0.3, 0.4, 0.5
- Obergeschoß: 1.6, 1.7, 1.8, 1.9
- Dachgeschoß: D 5, D 6
- Fassade: Südfassade

2. Beschreibung der Sicherungsleistungen an gefährdeten Putzen und Wandmalereien, dekorativen Gestaltungssystemen, schlichten gliedernden Bemalungen, Holzteilen, Malerei auf Holzteilen etc. durch eine allgemeine Darstellung der Sicherungsaufgabe und Erstellung eines in Teilleistungen gegliederten Leistungsverzeichnisses, einschließlich einer Kostenschätzung der betreffenden Leistungen.

Ursprünglich waren alle Innenräume für eine Sondierung vorgesehen, aber aus Gründen der Kostenreduzierung, wurden die Bereiche ausgewählt, die den größten Bestand an Malereien und bedeutenden Fassungen tragen. Zusätzlich wurde die Südfassade untersucht, da zum Untersuchungszeitraum Sicherungsmaßnahmen am Mauerwerk vorgenommen wurden, welche die Entfernung historischer Putz- und Fassungssubstanz nach sich zogen.
Während der Untersuchung der Innenräume mußte der Untersuchungsbereich erweitert werden. Der vorgegebene Bereich (beauftragte Räume) reichte nicht aus, um genügend Erkenntnisse über die meist in Zusammenhang zu sehenden Raumstrukturen zu gewinnen. Zusätzlich wurden untersucht:

- Raum 0.6, 1.10, D 1, D 4, D 7

Die vorliegende Untersuchung dient als Vorbereitung einer detaillierten restauratorischen Untersuchung im und am Gebäude, und stellt keine vollständige Untersuchung des Objektes dar (beschränkte Beauftragung der Untersuchungsbereiche).
Im Zuge der Zusammenfassung der Sondierungsergebnisse, wurde zwar versucht, eine raumbezogene Zielstellung für die Folgeuntersuchung vorzugeben aber da nicht alle Bereiche erfaßt wurden, kann diese Vorgehensweise nur als Hinweis und nicht als vollständige Aufgabenstellung gewertet werden.


2 Baugeschichte

Das ehemalige Rittergut in Oberzetzscha entstand mit großer Wahrscheinlichkeit um 1567. Zu dieser Erkenntnis kommt ein Gutachten des Büros für historische Bauforschung und Schadensermittlung an Holzkonstruktionen (Scherf-"Bolze-"Ludwig; 07613 Silbitz, Straße der Einheit 14) aus dem Jahre 2000.
In diesem Gutachten wurden Proben der Bohlenwand des Raumes 1. 6 und andere Bereiche der bauzeitlichen Konstruktionen aus Holz dendrochronologisch untersucht und auf 1567 datiert (Ausnahme abgelagertes Bohlenholz in Raum 1.6 aus dem Jahre 1560).
Dieser Datierung spricht zur Zeit nichts entgegen, da alle untersuchten bauzeitlichen Malerei- und Fassungssysteme mit großer Wahrscheinlichkeit dieser Zeit zuzuordnen sind. Im Zuge der vorliegenden Untersuchung war zwar keine Erfassung archivalischer Quellen beauftragt aber eine kurze Recherche ergab, dass scheinbar wenig oder nichts mehr an Primärquellen in den zuständigen Archiven vorhanden ist.
Die im bauhistorischen Gutachten erwähnte Bauherrenschaft der Familie von Werder (Lehfeldt/Baudenkmäler der Provinz Sachsen... ) mag eine Fehlinterpretation Lehfeldts sein aber diese Familie scheint das Haus über einen langen Zeitraum besessen zu haben. Heimatforscher der Umgebung berichten, dass die Akten zur Gerichtsbarkeit des Rittergutes Oberzetzscha um 1592 enden. Nach diesem Jahr ist im Zusammenhang mit dem Rittergut in Oberzetzscha nur noch von der Familie von Werder die Rede.
Somit kann die vermutete Bauherrenschaft der Familie Stange (Hans Stange ,Hofemeister zu Altenburg-Ü im Jahre 1558) wohl als wahrscheinlich angenommen werden. Vermutlich schon nach kurzer Zeit ging das Haus in den Besitz der Familie von Werder über. Eine erste nachweisbare Erwähnung der Familie von Werder aus Oberzetzscha findet sich bei der Heirat der Anna Sibylle von Werder aus Oberzetzscha im Jahre 1651.
Über das von Lehfeldt beschriebene Wappen, mit der Erbauungsdatierung 1622, konnten keine Erkenntnisse erbracht werden.
Das Herrenhaus wurde mehrfach umgebaut. Die genauen Datierungen einiger Umbauphasen lassen sich sicherlich durch dendrochronologische Untersuchungen belegen. Diese sollten bei der Folgeuntersuchung mit eingeplant werden.
Augenscheinlich können raumverändernde Umbauten in der Zeit um 1800 vermutet werden. In dieser Bauphase wurden Fensternischen verschlossen oder verkleinert und Zwischenwände eingebaut. Ob das Treppenhaus, welches ursprünglich im Südbereich der Mittelachse war auch zu diesem Zeitpunkt in den Nordbereich verlegt wurde, konnte nicht genau geklärt werden.
Weitere Umbauten fanden um 1887, mit einer umfänglichen Renovierung aller Innenräume (belegt durch die Zeitungsmakulatur) statt. Hierbei wurden diverse historische Putze und Fassungen entfernt und wiederum einige Trennwände neu errichtet. Vermutlich wurde auch zu diesem Zeitpunkt die Fassade umgestaltet und mit dem heute noch prägenden gegliedertem Putz versehen.



3 Zusammenfassung der Sondierungsergebnisse

Die folgende Zusammenfassung der Sondierungsergebnisse soll einen Überblick auf die vorgefundenen Malerei- und Fassungssysteme geben und die Einschätzung des Umfanges der Folgeuntersuchung erleichtern.
Die Sondierungsuntersuchung hat nicht die Aufgabe und nicht den Anspruch eine vollständige Erfassung des Malerei- und Fassungsbestandes darzustellen. Sie soll vielmehr klären, wie viel Bestand und in welchem Zustand sich historisch bedeutende Fassungen und Malereien im Untersuchungsobjekt ausfindig machen lassen.
Hierzu wurden im Objekt an allen zugänglichen Bereichen Begutachtungen des bereits freiliegenden Bestandes der Fassungsträger und der Fassungssysteme vorgenommen. Einige teilweise einsturzgefährdete Bereiche konnten nicht untersucht werden. Größere Freilegungen waren nur an einfachen monochromen Anstrichen notwendig, da im gesamten Objekt der Zustand der Fassungsträger und der Fassungen schon so offen lag und mit großen Fehlstellen gekennzeichnet ist, dass eine weitere Substanzentfernung nicht nötig war. /ffnungen der Vermauerungen wurden allerdings notwendig, da hinter ihnen die vollständigsten und am wenigsten überarbeiteten Bereiche der älteren Fassungen und Malereien vorhanden sind, welche außerhalb dieser Bereiche meist durch Renovierungen zerstört sind.
Die wichtigsten Befunde wurden fotografisch und schriftlich erfaßt und in Befundprotokollen dokumentiert. In diesen Protokollen sind alle wichtigen im Befundbereich vorgefundenen Malerei -" und Fassungssysteme in Schichtenfolge aufgeführt. Die Fassungsträger wurden, soweit es augenscheinlich möglich war, identifiziert und die Fassungssysteme ebenfalls nach augenscheinlicher Begutachtung einer Technologie zugeordnet. Diese Materialidentifikationen müssen bei der Folgeuntersuchung noch durch eine naturwissenschaftlich abgesicherte Untersuchung überprüft werden.
Materialproben wurden hauptsächlich bei den Fassungsträgern entnommen, sie konnten meist erst bei mikroskopischer Betrachtung mit einander verglichen und unterschieden werden. Diese Proben sind beim Verfasser archiviert und stehen der Folgeuntersuchung zur Verfügung.
Während der Untersuchung mußten zwei Befundbereiche mit einer Sicherung versehen werden. Im Raum 0.2 wurde ein Malereifragment der bauzeitlichen Fassung und im Raum 0.6 ein Fragment einer Marmorierungsfassung an einer Türlaibung mit Japanpapier und Tylose MH 300 (mit Preventol D 2 Zusatz) gesichert.
Im Folgenden sind die Untersuchungsbereiche nach Architekturgliederung geordnet in einzelnen Datenblättern zusammengefaßt. Die den Untersuchungsbereichen zugehörigen Befundprotokolle, sind in der Kopfzeile der Datenblätter aufgeführt und geben detailliert Auskunft über den Be- und Zustand der Einzelbefunde.









4 Allgemeine Beschreibung der Sicherungsmaßnahmen an den historisch bedeutenden Malerei- und Fassungssystemen

Im Vordergrund der Sicherungsmaßnahmen steht der Erhalt der Wandmalereien in den Räumen 1.6 und 1.7, sowie der Malerei- und Fassungsfragmente in den Räumen 0.1, 0.2 und 0.6 (siehe Bestandskartierung).
Die Bergung historisch bedeutender Tapeten in den Räumen 1.7, 1.8 und 0.5 kann man während der Folgeuntersuchung durchführen, da der Bestand in ungefährdeten Bereichen liegt und auch über einen längeren Zeitpunkt keinen Schaden nehmen wird. Eine Ausnahme bilden die in der vermauerten Fensternische in Raum 0.5 befindlichen Tapeten des 18. und 19. Jh.. Hier sollten wenigsten drei /ffnungen am Sockel und zwei im Oberbereich der Vermauerung vorgenommen werden, um eine Entfeuchtung des Fassungsträgers zu ermöglichen und somit das Risiko einer Beschädigung durch Mirkroorganismen zu minimieren. Besser wäre natürlich eine sofortige Bergung aber der finanzielle Aufwand wird im Moment wohl eher nicht zu bewältigen sein, so dass ein kontrollierter Verbleib im Gebäude wohl als günstiger zu bewerten ist.
Um die Sicherungsmaßnahmen, die wohl in Anbetracht der momentanen Situation für längere Zeit die letzten Maßnahmen am historischen Malerei- und Fassungsbestand sein werden, langzeitig erfolgreich aufrecht erhalten zu können, ist es notwendig, einige flankierende Maßnahmen durchzuführen. Hierzu ist es in erster Linie unumgänglich, die Zugänglichkeit aller Räume noch weiter einzuschränken. Die nicht mehr verschließbaren und undichten Fenster müssen arretiert und mit einer wetterbeständigen Folie versehen werden. Versuche in Raum 1.6 zeigten, dass mit einer erheblichen Bewitterung zu rechnen ist. Eine vom Autor während der Untersuchungszeit angebrachte 0,3 mm dicke Folie, war in kurzer Zeit durch Windlast und Frost vollkommen unbrauchbar. Bei dieser Maßnahme muß beachtet werden, dass in die Räume noch genügend Sonnenlicht gelangen kann. Eine Verdunklung der Räume durch lichtundurchlässige Folie ist somit zu verhindern, da durch die Einschränkung der UV- Strahlung die Gefahr des Befalls durch Mikroorganismen erheblich erhöht wird.
Im Raum 1.6 ist es ratsam, auch die Türöffnungen luftdurchlässig zu verschließen, da die Einnistung von Kleintieren erheblichen Schaden nach sich ziehen kann und durch diesen Türverschluß verhindert werden kann.
Die Holzbauteile im Raum 1.6, 1.7, 0.1 und 0.2 müssen regelmäßig begutachtet werden (mindestens zweimal im Jahr), um rechtzeitig ein Fortschreiten der Naßfäule oder ein Übergreifen des Echten Hausschwammes aus den Nachbarräumen zu erkennen und dem entgegenzuwirken. Hierzu muß gegebenenfalls ein Gutachten erstellt werden, dass den Erhalt der historisch bedeutenden Holzbauteile und nicht deren Entfernung verfolgt. Hierzu muß ein Fachrestaurator für Holzobjekte und kein Holzschutzgutachter beauftragt werden!
Des Weiteren muß der Trocknungsprozeß der Wände im Raum 0.2 noch effektiviert werden. Hierzu ist es wie in Raum 0.5 notwendig, die Fensternischenvermauerung im Sockel- und im Oberbereich partiell zu öffnen, um einen Luftaustausch und damit den Austrag der Feuchtigkeit zu ermöglichen.
Da die Dachabdichtung und die Wasserabführung erst im Untersuchungszeitraum installiert wurde, kann aus jetziger Sicht noch keine Aussage über deren Erfolg gemacht werden. Dies gilt es in Kürze zu kontrollieren und Mängel sofort abzustellen.
Der Trocknungsprozeß der durchfeuchteten, mineralischen Fassungsträger in Raum 0.2 und 1.7 muß regelmäßig begutachtet werden (mindestens zweimal im Jahr aber immer in Witterungsperioden mit geringer relativer Luftfeuchte), um rechtzeitig zu erkennen, ob derzeitig gelöste und damit nicht wahrnehmbare Salze schädigende Auswirkungen anzeigen.
Falls es zu Kristallisationserscheinungen kommt, ist eine Analyse der Salze erforderlich, um deren Herkunft zu klären und gegebenenfalls die Ursache abzustellen bzw. abzumindern. Hierfür muß ein gesondertes Gutachten eine wirksame und angebrachte Methode erarbeiten und deren Umsetzung vorantreiben.
Im momentanen Zustand und nach Abschluß der flankierenden Maßnahmen, sind die zu sichernden Bereiche der Wandmalereien in Raum 0.1/0.2 und 1.6/1.7 in einem relativ ungefährdetem Zustand.
Es müssen einige Sicherungen an gelockerten Putzen vorgenommen werden und an einigen Bereichen empfiehlt es sich, überdeckende Tapete zu entfernen, um den darunter befindlichen Malereibestand wirksam konservieren zu können. Nicht an allen Bereichen ist diese Entfernung von Tapeten empfehlenswert. So sollte die Tapete auf der Bohlenwand in Raum 1.6 und der Sockelzone der Räume 1.6/1.7 und 0.2 so lange verbleiben, bis eine Restaurierung ansteht. Die wenigen Tapetenfassungen haben bisher keine fortschreitend schädigende Wirkung auf die bauzeitlichen Malereien gezeigt und werden, falls keine Mikroorganismen die Tapete als Nahrungsquelle entdecken, auch über längere Zeit kein Gefahrenpotential für die Malerei darstellen. Die /ffnungen in der Tapete sind groß genug, um den Malereibestand zu erkennen und im Falle eines unbefugten Eindringens schützt die Tapete die Malerei vor Graffiti.
Die Sicherung der Malerei- und Fassungsfragmente in den Räumen 0.1/0.2 und 0.6 ist teilweise wegen akutem Handlungsbedarf schon während der Untersuchung erfolgt. Sie sollte aber in einigen Bereichen noch fortgeführt und auf ihre Dauerhaftigkeit überprüft werden.
Zur Sicherung der gefährdeten Bereiche wurde ein Leistungsverzeichnis erstellt, welches separat dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt wurde. Hierin sind alle Leistungen enthalten, die im Moment als notwendig erscheinen.
Weiterführende Leistungen, hängen von der Existenz bisher nicht feststellbarer Schadprozesse bzw. deren Fortschreiten (evtl. Salzkontaminierung) ab und können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden.
Die Sicherung von Fassungsbefunden währe zwar wünschenswert aber da die meisten Bereiche sind so stark überformt und geschädigt, dass ein Erhalt dieser Befunde nur Rahmen einer Belassung der Situation zu empfehlen ist. Vielmehr sollte die geplante Folgeuntersuchung recht bald durchgeführt werden. Sie kann alle für das Objekt bedeutenden Befunde im ausreichenden Maße dokumentieren und so eine Planungsgrundlage für die Rekonstruktion einiger Bereiche dieser Fassungsbefunde bilden.



Erfurt Predigerkirche St. Johannes Predigerkirche, Marientod
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