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Bern, Münster - Unterhalt Glasmalereien

Fenstergruppe 20/205/311 von Erlach-Ligerz-Kapelle, Spitzbogenfenster mit Masswerk (Ost + West /Mitte Masswerk-Rosette)

Martin Halter
 
 



Ausgangslage

Unter anderem 16 Wappenscheiben (in glasmal-techn. Ausf.) der Bernburger Gesellschaften aus den Jahren um 1916 bis 1920 (Masswerköffnungen Ost /West bestückt mit Glasmalerei /allegorische Decor-Elemente stilistisch auf die Wappenscheiben in den Geschossen 3 + 4 ausgerichtet) und in der Mitte des Rundfensters /der Rosette ist ein grosser Wappenschild mit dem Emblem des Schutzpatrons des Münsters (St. Vincent /in Gold grüner Palmenwedel) integriert. Im Spitzbogenfenster Ost befinden sich im 'Kopfscheiben-Bereich' (Masswerkanschluss) zwei kleine Wappenschilder für Ulrich und Jonata von Erlach aus der Zeit vor 1470.

Die Besonderheiten der Kapelle (Jahresbericht 2005 /Münsterbauleitung Bern) seienhier nochmals kurz zusam-mengefasst: An der Südseite des Gebäudes ist im unteren Bereich die Stein-Substanz verhältnismässig wenig von Alters- und Verwitterungserscheinungen beeinträchzigt; Setzungen des Fundaments haben jedoch hinsichtlich der Statik zu einem hoch sanierungsbedürtigen Zustand geführt. Das Fenster weist einen reichen Bestand an Scheiben auf, welche mit den Masswerk-Steinprofilen einen statischen Verbund eingegangen ist: ihren Ausbau / Entfernung hätte eine erhöhte Absturzgefährdung für die Masswerke bedeutet. Aufgrund dieses Befundes und in Anbetracht des gutern Zustandes der Glasoberflächen (inkl. guten Haftung der Schwarzlot-Überzüge) wurde beschlossen, die Glasmalereien nicht im Atelier, sondern vor Ort zu restaurieren (Baustelle /Gerüst).
Für das Restaurierungskonzept leistete Herr Dr. St. Trümpler vom Vitromuseum /Centre du Vitrail in Romont wertvolle fachliche Unterstützung. Die Restaurierungsarbeiten waren von einer grossen Kooperationsbereitschaft und einer guten Atmosphäre zwischen dem Glasmaler-Atelier Martin Halter und der Belegschaft der Münsterbauhütte geprägt.


Sanierungsmassnahmen gemäss Beschluss /Münsterbaukollegium 27.01.06

Weder die Masswerk-Einheiten (Füllungen), noch die 16 Wappenscheiben, noch die 16 Rauten-Bleiverglasungen wurden ausgebaut. Aufgrund der Erkenntnisse über den Ist-Zustand, verzichtete man auf eine Umrüstung, alle Fenster-Einheiten mit einem Aussen-VSG-Glas isothermisch zu schützen. Stattdessen projektierte man eine filigrane Metallbau-Rahmenkonstruktion in Verbindung mit einer neuen Schutzgitter-Struktur (Montage aussen-seitig).
Die Überarbeitung des ganzen Glaskörpers orientierte sich auf die Aussage: so wenig wie möglich, soviel wie nötig. Trotzdem war der Aufwand für die Umsetzung der Aufgabenerfüllung relativ gross. Erst während den Arbeiten wurden offensichtlich versteckte technische Mängel aus ehemaliger Zeit entdeckt. Durch die Freilegung von brüchigen Kittaufzügen, wurden z.B. Stellen sichtbar, wo die einstige formale Dimensionierung zu gering od. zu knapp für die entsprechende Füllung berechnet wurde. Nicht selten stand eine Feldeinheit partiell im 'Licht'.
Das heisst die Falzauflage wurde nicht ausgenutzt. An solchen Stellen wurde mit dem Anfügen zusätlicher Bleiprofilen (am Rand), zu erreichen versucht, die Dimensionierung auf diese Weise zu vergrössern, damit man der Feldeinheit für die Zukunft im Falzbereich, einen besseren Auflagenhalt gewähren kann.

Der chronologische Ablauf der Arbeiten :

1. wurden die losen und brüchigen Kittaufzüge entfernt, z.T. mussten zusätliche Stellen für die Steinhauer freigelegt werden, damit an schadhaften Steinstössen (Masswerkteile) örtl. Reparaturen oder Sicheriungsarbeiten ausgeführt werden konnten.
2. die Glasoberflächen (inkl. Bleinetz) wurden enstaubt (Staubsauger mit Feinbürsteneinsatz)
3. die horizontal-geführten WE-Windeisen wurden entrostet, mit Rostumwandler in Verbindung mit Eisenglimmer grundiert.
4. mehrheitlich wurden fast ausnahmslos die horizontal-geführten Deckschienen und Keile durch den Metallbauschlosser ersetzt /ergänzt.
5. alle Glasbruchteile an den Rauten-Bleiverglasungen ausgebaut und jeweils durch farbtongleiche, neue Gläser ersetzt.
6. anschliessend wurden alle Falzaufzüge nachgebessert, ganze Partien mussten komplett neu mit Kitt aufgezogen werden (Steinfälze /Deckschienen).
7. Danach erfolgte eine Detail-Reinigung mit destillat-ausgleichendem Wasser und unmittelbarer Nachtrocknung.
8. Festgestellte Glasbruchschäden an der Original-Substanz wurden lokal mit Silikonpunkten gesichert. Bisweilen wurden Verletzungen an den Glasbruchkanten oder Stellen abgeblätterter Auftragsfarben kalte Retuschen aufgetragen (reversible Kaltretuschen).
9. Aussenseite: Grobreinigung > Glasoberflächen mit Bleinetzstruktur.
10. Kittfälze (Distanzen Steinlicht-Nut zu Glas /Zwischenraum Eisen-Sturmstangen /Zwischenräume zu Glas) mit neuem Kitt aufgefüllt, überschüssiges Material abgezogen (Abschluss).
11. Komplette Nassreinigung mit unmittelbarer Nachtrocknung (inkl. Entfernung kalkähnl. Ablagerungen)
12. Bauseits: Aussengitter zum Schutz (Konzept Münsterbauleitung und Ausführung Metall + Form).

Alle Arbeitsausführungen /Abläufe, bestehende Schäden wurden kontinuierlich und systematisch dokumentiert (Text und Bild 56 Seiten).
Nachweis: mehrheitlich haftet die Schwarzlotkontur / der -Überzug kratzfest auf der Glasoberfläche
Die Original-Dok. ist heute im Besitze der Denkmalpflege /Archiv (inkl. Negative)

Dok.-Erstellung: Atelier Martin Halter CH-3013 Bern


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