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Brandenburg, Villa E.P. Lehmann

Konservierung und Restaurierung der Jugendstilausmalung im Erker der Villa Ernst Paul Lehmann in Brandenburg.

Dipl. Restauratorin Antje Döring (Möller)
 
GEO



Villa Lehmann
Villa Lehmann
Villa Lehmann
Villa Lehmann

Geschichte und Beschreibung des Objektes

Die Villa in der Plauer Straße 6, in Brandenburg, stellt das ehemalige Wohnhaus des Ernst Paul Lehmann dar und ist integriert in den Gebäudekomplex der ehemaligen Spielwarenfabrik des Besitzers.

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Bau mit kontrastreicher, sorgfältig ausbalancierter Jugendstilfassade. Entworfen und errichtet wurde das Gebäude 1901/02, nach Entwürfen des Architekten B. Möhring, unter Einbeziehung eines älteren Wohnhauses.

Die flach abgesetzten Seitenrisalite und der Sockel sind laut Dehio in einem dunklen scharrierten Putz gestaltet, welcher im Kontrast zu dem hellen Glattputz des Mittelteils der Fassade steht. Gegliedert wird die Fassade weiterhin durch einen zentral angeordneten, zweigeschossigen, vorschwingenden Erker und eine rundbogige Traufe. Die großzügig wirkende Fassade wird durch floral-ornamentale Zierelemente belebt und schließt durch eine Gestaltung in Kupferblech ab. Die in Kupferblech gearbeitete Bekrönung des zentralen Erkers zeigt vegetabile Formen und stilisierte Akroterien, welche kunstvoll miteinander verflochten sind.

Die rechts in der Fassade angeordnete Tordurchfahrt ist weitestgehend im originalen Zustand erhalten. Vestibül, Treppenhaus und mehrere Zimmer weisen noch wesentliche Teile der ebenfalls von Möhring entworfenenen Ausstattung auf.1

1) Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. Bearb. von Gehard Vinken u. a. Berlin 2000, S. 145


Villa Lehmann Vorzustand
Villa Lehmann Vorzustand

Vorzustand

Der Erker der Villa weist im Innenraum eine reich gegliederte Lambris mit Sitznische auf. Oberhalb des Lambris konnte durch den betreuenden Restaurator L. Thürmer die ursprüngliche Bemalung der Wand- und Kuppelfläche lokalisiert werden. Die von ihm angelegte Musterfläche zur Freilegung ist links des schmalen Fensters erkennbar.

Der Zustand der Malerei war durch eine mehrschichtige Überfassung in verschiedenen Anstrichtechniken gekennzeichnet. Die Überfassungen zeigen einen sehr schadhaften Zustand, wie anhand der nebenstehenden Abbildungen deutlich wird.

Ziel der Konservierung und Restaurierung war die Präsentation der historischen Bemalung.


Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand

Erkenntnisse zu den Farbfassungen

Bei den aufliegenden Anstrichschichten handelte es sich (von oben nach unten) um eine mehrschichtige Dispersionsfarbe (mind. 2 Anstriche) nachfolgend eine hellgelbe Leimfarbe, sowie deren Grundierung. Letztere stellte vermutlich eine gemagerte Leim-Dispersions-Farbe dar und wurde als Haftvermittler zwischen Malerei und erster Überfassung aufgebracht, da eine Haftung auf der historischen Malerei sich mit großer Wahrscheinlichkeit als relativ schwierig darstellte. Der Grund hierfür liegt in der Charakteristik der Malerei.

Die Ausführung und der Aufbau der Jugendstilmalerei zeugen von einer sehr hohen Qualität, künstlerischem Können, sowie umfassenden technologischen Kenntnissen.
Auf einer die gesamte Wand- und Kuppelfläche einnehmenden /lvergoldung legte man die aus floral-ornamentalen Elementen komponierte Malerei an. Als Bindemittelkomponente weist die Malerei mit großer Wahrscheinlichkeit einen hohen /lanteil auf. Für die Übertragung der Ornamente führte man nachweislich teilweise Ritzungen mit einem nadelähnlichen Gegenstand aus. Diese kamen vorallem für die kleinteiligen Ornamente zur Anwendung. Allerdings ist die zusätzliche Verwendung von Pausen für die Aufteilung und Konzeption der Flächengestaltung als sehr wahrscheinlich anzunehmen. Die Anpassungen an die gewölbten Flächen führte der Künstler jedoch frei Hand aus.

Daß zu Beginn der Ausführung der Malerei die Technologie noch nicht endgültig feststand, kann anhand eines bemerkenswerten Befundes im rechten äußeren Wandbereich belegt werden. Hier konnten auf der schwarz- türkis-goldenen Rahmung Ritzungen festgestellt werden, die nicht wie im übrigen Malereibereich üblich, nur die Goldschicht anritzten, sondern bis in den Putz graviert waren. Hierdurch wollte man eine höhere Plastizität und Kontrastwirkung erzielen. Jedoch wurde diese Technik verworfen, da sie vermutlich technische Schwierigkeiten mit sich brachte. Eine gewisse Plastizität der Malerei ist bei genauer Betrachtung trotzallem vorhanden. Hervorgerufen wird sie durch einen recht pastosen Farbauftrag einzelner Malereipartien. So sind die blaugrünen girlandenartigen Bänder der Rahmengestaltung so pastos aufgetragen, daß man auf ihnen Gravuren ausführen konnte. Diese reichen bis zum Goldgrund und erzielen somit eine gestalterische Wirkung, welche einer Textilimitation ähnlich ist. Durch diese Art der Bearbeitung erhält die Malerei unter anderem ihre filigrane Gesamterscheinung.


Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Vorzustand
Villa Lehmann Vorzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand
Villa Lehmann Endzustand

Durchgeführte Maßnahmen

Die Freilegung der Jugendstilmalerei erfolgte durch eine schichtenweise Reduzierung und Abnahme der aufliegenden, schadhaften, jüngeren Anstriche. Der zu oberst aufliegende Dispersionsfarbenanstrich konnte mit Hilfe von Skalpellen und Spateln mechanisch abgetragen werden. Der darunter liegende Leimfarbenanstrich erfüllte hierbei die Funktion einer Trennschicht, so daß die Malerei in keiner Weise gefährdet wurde. Nachfolgend konnte durch Vernebeln von destilliertem Wasser der Leimfarbenanstrich angequollen und vorsichtig reduziert werden. Verbleibende Reste ließen sich mittels eines Mikroschwamms abnehmen.
Die direkt auf der Malerei aufliegende Grundierung wurde anschließend mit einem, in einer Lösung aus destilliertem Wasser und Isopropanol getränkten, Mikroschwamm abgenommen. Durch die Verwendung von Mikroschwämmen ließ sich die Feuchtebelastung auf ein äußerst geringes Maß reduzieren. Weiterhin erzielte man auf diese Weise eine sehr schonene Reinigung der Malerei ohne die empfindliche Goldoberfläche durch mechanische Werkzeuge zu gefährden.

Im oberen rechten Laibungsbereich des Haupt- bzw. Mittelfensters befand sich eine relativ große Putzfehlstelle. Als Ursache für diese Schädigung sind Wassereinbrüche verantwortlich. Hervorgerufen wurden diese durch defekte Rohrleitungen, welche sich im Wandinnern befinden. Im Rahmen der Bearbeitung mußte festgestellt werden, daß die betroffene Partie bereits zu einem früheren Zeitpunkt geschädigt und repariert worden war.
Folgende Beobachtungen lassen diesen Rückschluß zu: im Schädigungsbereich war ein nachträglich eingebrachtes Drahtgeflecht zur Armierung der Putzergänzung, sowie ein Gipsmörtel, welchem Korkstücke zugesetzt waren diagnostizierbar. Das Einbringen von Kork in den Gipsmörtel sollte die Funktion einer Wärmeisolierung der Heizungsrohre und gleichzeitig einer Reduzierung von Kältebrücken in der Wand vorbeugen, als auch den Effekt einer Gewichtsreduzierung erfüllen.

Im Rahmen der durchgeführten Maßnahmen wurde das schadhafte Mörtelmaterial entfernt und die Putzfehlstelle von losen Granulaten u.ä. gesäubert, um einen tragfähigen Untergrund für die Putzergänzung zu erzielen. Anschließend wurden stark poröse und sandende Putzpartien mittels einer 2-4 %-igen Lösung Paraloid B72 gefestigt. Zum Aufbau des Fassungsträgers erfolgte dann ein mehrmaliger Auftrag eines Kalk-Gipsmörtels. Dieser wurde im oberflächennahen Bereich mittels eines Feinspachtels an die Umgebungsstruktur angepasst und bis auf das Malschichtniveau ausgeführt.

Im Anschluß an den Aufbau und die Ausformulierung des Untergrundes wurde dieser mittels Schellack grundiert bzw. abgesperrt. Nachfolgend wurden die ergänzten Flächen mit einer Vergoldung (Reines Dukatendoppelgold) belegt, um so den Fond für die zu rekonstruierenden Malereipartien zu erhalten.

Neben der oben beschriebenen Putzfehlstelle waren zahlreiche kleinformatige Putzaussprengungen und Malschichtabplatzungen vorhanden. Weiterhin wurden einige Partien mit Malschichtablösungen festgestellt. Ihr Ausmaß kann jedoch als gering bezeichnet werden. Im weiteren Verlauf der Konservierung wurden die kleinteiligen Putzfehlstellen mit einem Feinkitt bis auf das Malschichtniveau geschlossen. Die Partien mit sich ablösenden Malschichten bzw. abplatzender Goldauflage wurden mit Hilfe einer 2-3 %-igen Lösung Plextol B 500 gefestigt. Der Auftrag des Festigungsmittels erfolgte mittels eines kleinen Haarpinsels direkt an den aufstehenden Malschichträndern, so daß das Klebemittel unter die Farbschollen gesogen wurde. Anschließend wurden die so behandelten Malschichtpartien mit einem folierten Wattebausch vorsichtig angedrückt, so daß die Malschichten wieder eine stabile Haftung zum Untergrund aufweisen.

Nach dem Abschluß der konservierenden Maßnahmen (Festigung, Kittung, etc.) wurden sämtliche Fehlstellen im Goldbereich mit Pudergold ergänzt und an den sie umgebenden Goldton eingetönt. Anschließend erfolgte die Retusche der Malerei. Ziel war es hierbei den Formenverlauf der Ornamentik wieder klar ablesbar werden zu lassen, ohne den Charakter der Malerei zu beeinflussen. Das bedeutet, daß die Fehlstellen soweit geschlossen wurden, daß ein beruhigter Gesamteindruck entstand und die Malerei in sich geschlossen wirkt. Kleinste Verluste der Malerei wurden, wenn sie die Gesamterscheinung nicht störten, belassen so, daß der gealterte Zustand der Raumfassung nicht verfälscht wird. Als Retuschefarbe kamen sehr hochwertige Acrylfarben der Marke Golden Acrylics zum Einsatz, da sie alle Anforderungen an das Retuschematerial hinsichtlich der Beständigkeit erfüllen, eine gute Haftung auf dem Goldgrund aufweisen und reversibel sind.


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