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London, Sudanesische Beset- Figur

Eine Sudanesisches Keramikobjekt musste innerhalb kurzer Zeit konserviert und ausstellungsreif gemacht werden. Arbeit ausgeführt am British Museum, London.

Rainer Geschke
 
 



Konservierung und Präsentierung einer Sudanesischen Beset-Figur

Für eine Ausstellung am British Museum in London musste eine archäologische Keramik- Figur konserviert und stabilisiert werden. Zudem musste eingeplant werden, dass das Objekt anschliessend zurückkehrt in den Sudan, dem Besitzer der Figur. Die Wahl der Restaurierungsmaterialien hatten den dann veränderten klimatischen Bedingungen Rechnung zu tragen.
Zunächst wurden die Fragmente mittels Pinsel, Schwämmchen, und auch Pinzette, Holzstäbchen und Skalpell vorsichtig gereinigt. Dies war ein langwieriger Prozess, da die Oberfläche mit farbigen Tonschlickern kalt bemalt ist und auch die Keramik selbst relativ grobporig und weich ist. Gefährdete Schlicker- und Keramikbereiche wurden stabilisiert mit Acrylharzlösungen unterschiedlicher Konzentrationen. Das Objekt wurde dann mit Acrylharz geklebt.
Aufgrund der Fragilität des Objektes wurde entschieden, dieses auf eine tragende Unterkonstruktion zu montieren. Entscheidend war hier zu allererst die Sicherheit des Objektes (Reversibilität der Methode, Unversehrtheit der empfindlichen Oberfläche etc), aber auch die didaktischen Kriterien der Kuratoren. So war sicherzustellen, dass das Objekt während der Ausstellung in etwa in seiner ursprünglichen vertikalen Position aufgestellt würde. Auch musste der Keil im rückwärtigen Fussbereich der Figur unbedingt sichtbar bleiben. Aufgrund des späteren Verbleibs im Sudan mussten z.B. Klebstoffe verwendet werden, die den höheren Temperaturen standhalten würden. Und nicht zuletzt musste eine sichere und langfristig stabile Konservierung und Montage gefunden werden, da im Sudan nicht unbedingt damit zu rechnen ist, dass genug Geld und ausgebildetes Personal für weitere Konservierungen zur Verfügung steht.
Daher war die Methode der Wahl die Herstellung eines Epoxidschaumkissens, auf dem die Figur montiert werden und verbleiben sollte.
Eine Gussform wurde hergestellt in die das Objekt mit der Rückseite nach oben gelegt und mit mehreren Lagen PE-Folie sicher abgedeckt und isoliert wurde. Auf das Objekt in der Gussform wurde dann Epoxidharz gegossen, dem ein Aufschäummittel zugegeben wurde.
Nach Aushärtung des Gusses wurde dieser aus der Form genommen, ebenso wie die Figur. Das Epoxidkissen wurde nachbearbeitet und dann das Objekt darauf in der folgenden Weise befestigt: Eine offen gewebte Baumwollmatte mit den Umrissen der Figur wurde zugeschnitten und auf das Epoxidkissen gelegt. Darauf und darunter wurde Zellulosenitratkleber gestrichen und dann das Objekt obenaufgelegt. Falls irgendwann einmal die Klebung rückgängig gemacht werden muss, kann man dies dann relativ einfach bewerkstelligen, indem Azeton zugeführt wird. Dieses wird dann von der in der Klebung sitzenden Baumwollmatte aufgesogen und in das Zentrum der Klebung geleitet.
Die Wahl des Klebstoffes hat mit den klimatischen Bedingungen im Sudan zu tun; der üblicherweise verwendete Acrylklebstoff besitzt einen Erweichungspunkt von etwa 40 Grad C, während der von Zellulosenitrat sich oberhalb 70 Grad C befindet.
Das Epoxidkissen wurde beschichtet mit einem Gemisch von Quarzsand, Acrylharz und Azeton und später nach den Wünschen der Kuratoren farblich gestaltet.
Während der Ausstellung war das Objekt annähernd vertikal, aber leicht rückwärts gekippt aufgestellt. Dieser Aufstellungswinkel stellte einen Kompromiss zwischen den Erwartungen der Kuratoren und den Empfehlungen von konservatorischer Seite dar.


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