Romoe Restauratoren Netzwerk
Home > Regionen > Asien > Israel > Jerusalem > Grabeskirche

Jerusalem, Grabeskirche

Ort: Jerusalem, Projekt: Grabeskirche, Objekt: Mosaik im Gewölbe der lateinischen Maria-Magdalena-Kapelle auf Golgotha

Peter Mirgartz
 
 



Objektbeschreibung

Die Lateinische Maria-Magdalena-Kapelle auf Golgotha besteht aus zwei Jochen und ist in der Kreuzfahrerzeit mit einem Kreuzgradgewölbe überspannt worden. Um 1250, offenbar kurz nach der Errichtung der Gewölbe, wurden die Gewölbekappen mit einem Mosaik ausgelegt. Der bis auf die heutige Zeit überkommene Teilbereich des ursprünglichen Mosaiks, mit der Darstellung des Pantokrators, befindet sich axial angeordnet im Joch des Altarbereiches mit der Verehrung der 11. Kreuzwegstation, hier in der Gewölbekappe zum Scheidbogen. Ausgeführt wurde das Mosaik nach den stilistischen Merkmalen von byzantinischen Künstlern, die im Auftrag der Lateiner gearbeitet hatten, was die rechts und links des Christuskopfes angebrachten lateinischen Buchstaben, die auf die Himmelfahrt hinweisen, (Ascesio) belegen.


Aufbau der Mörtelschichten

Das Gewölbe über Golgotha ist mit Kalkstein gemauert aus einem Steinbruch aus der Nähe Jerusalems. Die Schichtenabfolge des Mörtelbettes setzt sich wie folgt zusammen. Zuerst eine Grundschicht (Statumen) von einer Stärke von 1-2,5 cm, hiermit mußten die Unebenheiten des Mauerwerkes ausgeglichen werden. Es folgt die Vorbereitungsschicht (Rudus) von 0,5cm, in der die grobe Zeichnung der Gestaltung eingeritzt wurde. Darauf der Setzmörtel (Nucleus), das ist der Mörtel, in dem die Mosaiksteine (Tesserae) eingedrückt wurden.


Material und Größen der Mosaiksteinchen (Tesserae)

Bei der Herstellung der Mosaiksteinchen wurden verschiedene Materialien verwendet. In der Hauptsache Glas, dann Kalkstein und zuletzt Keramik. Die Farbpalette der aus Glas bestehenden Mosaiksteine besteht aus Blau, Türkis, Schwarz, grau, rot, und Gold, hier allerdings nur als Träger für die Goldfolie. Die hellen Steinchen bestehen aus Kalkstein und weisen durch die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung verschiedene Farbabstufungen auf. Eine Variante in Keramik bilden die braun-roten Steinchen im Gewand des Pantokrators. Die Größe der Mosaiksteinchen beträgt im mittleren Maß allgemein 1.0 x 1,0 x 1,0 cm. Die Steinchen im Inkarnatsbereich sind kleiner und weisen im mittleren Bereich der sichtbaren Oberfläche eine Größe von 0,4 x 0,4 cm auf.


Setztechnik

Besonderes Merkmal für die Ausführung des Mosaiks ist die Technik des direkten Setzverfahrens. Die Steinchen (Tesserae) wurden einzeln in das Mörtelbett gedrückt, ein Verfugen der Zwischenräume ist nicht erfolg. Die dadurch entstehende Schattenbildung in den Fugen bildet eine besondere Lebendigkeit der Oberfläche. Weiterhin sind durch das einzelne Einfügen der Mosaiksteine unterschiedliche Höhen entstanden, im Bereich der Konturen, die zuerst eingefügt wurden stehen die Steine etwas höher als in den Binnenbereichen. Durch diese Profilbildung entsteht bei seitlich einfallendem Licht, wie es auf Golgotha gegeben ist, eine interessante Lichtbrechung die eine Übersteigerung der farblichen Grundtöne hervorruft. Für die Technik des direkten Setzverfahrens spricht unter Anderen auch das Fehlen von Nahtstellen, die nach dem Versetzen von vorbereiteten Mosaiktafeln immer ablesbar sind. Abschließend ist zu sagen, daß die spezielle Versetztechnik, mit den dadurch verbundenen Differenzen im Höhenniveau, typisch ist für die Machart der frühchristlichen Mosaikkunst.


Schadensbild

Durch die Verschmutzung, die das Mosaik unkenntlich gemacht haben, ist dieses Zeugnis aus der Kreuzfahrerzeit in Vergessenheit graten.
Die starken Schmutzauflagen können zum Einen von den vielen /llämpcher herrühren, die zu hunderten in der Grabeskirche entzündet werden. Zum Anderen aber auch durch den Brand der hölzernen Kuppel über dem Hl. Grabe von 1808, der zu einer starken Verschwärzung des gesamten Innenraumes geführt hatte und wohl auch seine Spuren auf dem Mosaik zurück ließ. Bei dem Erdbeben von 1927 sind offenbar statische Schäden entstanden, die sich auch auf das Mosaik ausgewirkt haben. Nicht zuletzt aus diesem Grunde hatte man sich kurz danach entschlossen, die Gewölbe und später auch die Wände mit neuen Mosaiken auszulegen. Das Mosaik des Pantokrators, welches von den Erneuerungsmaßnahmen nach 1937 verschont blieb, ist der einzige aber zugleich auch großartige Bestand der überlieferten Mosaikkunst in der Grabeskirche aus der Kreuzfahrerzeit. Die auch hier entstandenen Schäden wurden nur notdürftig ausgebessert und dabei größere Partien des Mosaiks mit Mörtelmassen überkittet. Die wenigen Schäden, die im Unterbau des Mosaiks, den Unterputzschichten und des Mörtelbettes entstanden sind, zeugen von der guten handwerklichen Qualität der byzantinischen Handwerker.


Konservatorische Maßnahmen

Vorraussetzung für die Erkennung des genauen Schadensbildes und ebenso für die optische Ablesbarkeit des Bestandes war zuerst eine Reinigung der Oberfläche erforderlich. Die Reinigung wurde mittels chemischen Anlösens der Schmutzschichten und anschließendem mechanischen Abnehmen der angelösten Substanzen durchgeführt. Im nächsten Arbeitsgang wurden die Überkittungen abgenommen, wodurch der genaue Umfang der Fehlstellen sichtbar wurde, der erheblich geringer ist als die Überkittungen vermuten ließen. In einigen Bereichen hatte sich das Mosaik mit dem Mörtelbett vom Untergrund gelöst. Hier wurden im Bereich der Kittungen Löcher gebohrt, die bis in den Steinuntergrund reichen. Durch das Einsetzen von Dübeln und einer vorsichtigen Verschraubung konnten die losen Bereiche stabilisiert werden. Das Auskitten der Fehlstellen brachte aus konservatorischer Sicht eine gute Anbindung loser Mosaiksteinchen im Randbereich der Fehlstelle und war darüber hinaus Voraussetzung und Grundlage für die später auszuführenden Retuschen.


Präsentation

Von Rekonstruktionen in den Fehlbereichen, die sich alle im Randbereich befinden, der segnenden Hand und des Nymbus, wurde aus Respekt vor dem Original verzichtet. Verschiedenste Proben, die diesen Problemkreis lösen konnten, machten deutlich, daß die Schönheit des Mosaiks durch Zutaten nur gestört würde.
Die Fehlstellen innerhalb des Mosaiks, die optisch den Zusammenhang der Gestaltung störten, wurden ohne Ausnahme retuschiert.


Ausblick

Ein Eingriff in eine Substanz, die Jahrhunderte unberührt war, kann problematisch sein. Die Situation in der Grabeskirche scheint allerdings sehr unproblematisch, trotzdem wäre eine Beobachtung von Nutzen.
Für zukünftige Beobachtungen in Art einer Wartung werden wir größere Fotos herstellen, die von Zeit zu Zeit eine Überprüfung des Bestandes erlauben.
Am Rande des Mosaiks konnten drei Hände freigelegt werden. Durch diesen Befund gild es als gesichert, daß die Mandorla ursprünglich von vier Engeln getragen wurde. Diese Entdeckung weist auf die ursprüngliche ganzflächige Ausgestaltung der Gewölbe aus der Kreuzfahrerzeit mit Mosaiken hin. In einigen Bereichen ist es möglich den Fortlauf des Mosaiks unter dem Neuen von 1927 nachzuvollziehen. Inwieweit größere Partien noch unter dem neuen Mosaik liegen kann zur Zeit nicht überprüft werden. Hier wäre vielleicht in der Zukunft durch Thermografie oder ähnlichen Methoden Aufschluß zu gewinnen.


Ausführende Restauratoren

Kölner Restaurierungswerkstatt
Karen Keller, Georg Maul, Peter Mirgartz


Rohr Kloster - Putz und Wandmalerei Kartographie Malerei
Rohr
Kartographie Malerei



Booking.com

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen Schließen