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Remscheid, Haus Cleff

Das Museum "Haus Cleff" ist ein altbergisches Patrizierhaus aus dem Rokoko in Fachwerkbauweise mit Schieferverblendung, Die Gebrüder Hilger (Kaufleute) ließen es in selbigem Stil 1778/79 erbauen. (siehe Wikipedia unter Haus Cleff)

staatlich geprüfter Restaurator für Möbel und Holz Christoph Tölke
 
 



Dokumentation über restauratorische Arbeiten am Außenholz, Historisches Zentrum, Haus Cleff

Dokumentation über restauratorische Arbeiten am Außenholz,
Historisches Zentrum, Haus Cleff, Cleffstrasse 2-4, 42855 Remscheid


1. Objektidentifikation

Objekt: Historisches Zentrum ,Haus Cleff-Ü östliche Traufseite und nördliche
Giebelseite

Datierung: 1778

Provenienz: Wohn- und Geschäftshaus international operierender Werkzeugkaufleute

Standort: Cleffstrasse 2-4; 42855 Remscheid; Ortsteil Hasten

Eigentümer: Stadt Remscheid

Restaurator: Restaurierungswerkstatt Christoph Tölke
staatlich gepr. Restaurator für Möbel und Holzobjekte
Im Konvent 12-13
47839 Krefeld
Tel.: +49 (2151) 735991
Fax: +49 (2151) 973550
info@classicism-antiques.de
www.classicism-antiques.de

Fachplanung: Büro für Restaurierungsberatung
Gereon Lindlar Dipl.-Rest.(FH)
Am Büchel 31
53173 Bonn
Tel.: +49 (228) 3505803
Fax: +49 (228) 3505804
lindlar@restaurierungsberatung.de
www.restaurierungsberatung.de


Objektbeschreibung, Technologische Untersuchungen

Objektbeschreibung:

Das Museum "Haus Cleff" ist ein altbergisches Patrizierhaus in Fachwerkbauweise mit Schieferverblendung, mit Möblierung aus Barock, Empire u. Biedermeier, Zinnkabinett mit Gebrauchsgegenständen unterschiedlichster Art. Außerdem ist im Museum der stadtgeschichtliche Teil des Archivs der Stadt Remscheid untergebracht.

Materialien:

Die Holzfensteranlagen sind ursprünglich ausschließlich aus massivem Eichenholz gebaut und mit geschmiedeten Eisennägeln und Holznägeln verbunden. Leime (vermutlich Hautleime) wurden nur an den Zapfen- und Schlitzverbindungen der Fensterflügel festgestellt.

Glasscheiben aus mundgeblasenem Material, über 90 % des originalen Glasscheibenbestands sind erhalten.

Leinölkitt für die Glasscheibenverkittung sowie als Verschlussmittel für Fehlstellen und Risse.

Pigmentierter Leinöllack

Für die Blendläden wurden geschmiedete Beschläge verwendet, die mit Holzschrauben auf der Rahmenkonstruktion befestigt sind.

Die Bleiabdeckungen finden sich aus verschiedenen Zeiten.

Sekundär: diverse Lacke und Spachtel aus den verschiedenen Materialkomponenten,
spätere Holzergänzungen wurden aus massiver Pitch-Pine gefertigt. Neueste Ergänzungen bestehen aus Merantiholz.

Konstruktion:

Haus Cleff ist eine auf einem Natursteinsockel aufgesetzte Fachwerkkonstruktion mit umlaufender Sockelpfette und Schieferverblendung. Die Holzfensteranlagen sind zwischen den aufrechten Streben eingesetzt, die Fachwerkzwischenräume mit einer faserverbunden Lehmschicht (Strohhäcksel / Schweineborsten o.ä. auf Weidenflechtwerk verbunden oder teilweise mit Mauerwerk ausgefacht.

Zwei später angebaute Risalite nehmen die Sanitäranlagen auf und sind im Erdgeschoss nur von Außen zu erreichen.

Gestaltende Elemente wie Pilaster, Säulen, Kartuschen, Profile und Gurtgesimse wurden mit Schmiedenägeln auf die Balkenkonstruktion aufgenagelt.

Die Mansardenfenster sind als selbsttragende Rahmenkonstruktion in das Mansardendach eingesetzt. Seiten, Stirnflächen und Dachflächen wurden mit Eichenholzbrettern verblendet und bis auf das Stirnbrett verschiefert.

Die Profile Kapitelle und Applikationen wurden mit geschmiedeten Eisennägeln fixiert.

Im Mansardengeschoss finden sich Fenster mit einfachen Drehflügeln.

Die Fensteranlagen in Erdgeschoss und 1. OG wurden in der regional üblichen Schiebeflügel-bauweise gefertigt. Zwei Fensterflügel liegen in einer Nute in den aufrechten Rahmenhölzern und können vertikal gegeneinander verschoben werden. Die Flügel sind über Drahtseile mit Gegengewichten verbunden. Die Seile werden über Umlenkrollen geführt, die in den oberen aufrechten Rahmenecken gelagert sind. Die Gewichte laufen in verdeckten Fächern rechts und links der inneren seitlichen Futter.

Die Blendläden sind sekundär, die ursprüngliche Konstruktion ist nicht bekannt.

Die Türen sind in Rahmen- / Füllungsbauweise gefertigt. Besonderheit ist, dass die Haustüren eine Doppelfüllungskonstruktion aufweisen. Im Sockelrahmen sind drei Querrahmenhölzer eingesetzt.

Oberfläche:

Die untersten ca. 10 Schichten sind weitgehend homogen und schwer voneinander zu unterscheiden, bestehen aus einer Verbindung von trocknenden /len (Leinöl) und Pigmenten verschiedener Ausmischung. Nach Analyse der Schleifstäube mit Schwefelsäure an mehreren Probestellen ist eine Bleiweißpigmentierung nicht nachzuweisen. Die darüber liegenden 4 Farbschichten werden durch eine leicht rosa gefärbte Grundierung vom alten Malgrund getrennt und stellen moderne Pigmentausmischungen auf der Basis von wässrigen Acryl-/Alkydharzsystemen dar.

Die Pigmentierung der vorhandenen Lacke schwankt zwischen einem getönten Weiß über Hellgrau bis hin zu gelblich eingefärbten Lackschichten im Bereich der Profile.

Unter einer Blendleiste an Türe EG 9 fanden sich Reste einer Malerei in Masertechnik. Die Türen sind mit einer dunkelgrünen Lackoberfläche versehen. Darunter befinden sich diverse Lackschichten in unterschiedlicher Pigmentierung. Die Türen hatten vermutlich ursprünglich einen rostroten Lackanstrich.



Zustandsuntersuchungen und Schadensbeschreibung:

Frühere Restaurierungsmaßnahmen:

Konstruktion:

Die Fensterbänke der Mansardenfenster sind bis auf die Nummern MF 6; MF 7 und MF 8 bereits in mehreren Phasen durch Neue in Eichenholz ausgetauscht worden. Dabei wurden die Zapfen der Konstruktionsrahmen abgesägt und die neuen Bänke stumpf unter die Deckrahmen genagelt. Dadurch verstärkte gegeneinender gerichtete Materialbewegungen haben das Eindringen des Wassers zusätzlich gefördert.

Die seitlichen schwingenartig beschnitzten, auskragenden Deckleisten der kleinen Mansardengauben wurden größtenteils in Pitch-Pine ergänzt.

Einige Profilleisten unter den Fensterbänken wurden später ergänzt.

Kleinere Schäden wurden durch eingestemmte Holzergänzungen geschlossen.

Oberfläche:

Auch wenn die diversen Lackschichten dem Erhalt und der Farbgestaltung des Objekts dienen, kann man sie nicht als Restaurierungsmaßnahme bezeichnen.


Schadensbeschreibung:

Konstruktion:

Die Konstruktion der Fenster zeigt besonders an den stark bewitterten Flächen im Bereich der Fensterbänke und daran angrenzenden aufrechten Rahmen zum Teil deutliche Wasserschäden und einen bis in den Materialkern gehenden Holzabbau. Würfelbruch, Braunfäule und schwarze Verfärbungen des Holzes unter den gelösten Lackschichten weisen auf eine kontinuierlich überhöhte Holzfeuchte hin. Auch auf den umliegenden Schieferflächen und dem Steinsockel zeigen sich Algenbewuchs und Flechten.

Die Schiebemechanik der Fenster im Erdgeschoss und im 1. OG wurde stillgelegt. Einzelne Fenster im Erdgeschoss (EG 1 und EG 5) wurden funktionsfähig gemacht.

Die Mansardenprofile sind im Bereich der Voluten stark abgebaut und rissig. Auch die Stirnbretter der Mansarden zeigen große Risse und Materialabbau. Eisennägel haben den Holzverbund durch Korrosion aufgesprengt.

Die Türen der Risalite sind stark geschädigt. Rahmenhölzer und Füllungen weisen starken Holzabbau auf. Besonders im bereich der Verbindungen, der Profile und Füllungskanten ist das Holz bis auf den Kern zerstört. Die Zapfen sind größtenteils abgebrochen, die Rahmen werden nur durch nachträglich montierte Bretter zusammengehalten. Die Haustüre sind weniger betroffen, eine Schädigung der Konstruktion ist dort jedoch ebenfalls festzustellen. Besonders ist, dass der Holzabbau sich punktuell auf die Kopfholzbereiche erstreckt, dort aber schnell fortschreitet.

Die Blendläden sind größtenteils bis auf den Kern durch Braunfäule zerstört. Die Konstruktion nicht mehr zu erhalten. Die Beschläge sind in einem sehr guten Erhaltungszustand.

Oberfläche:

Die oberste Lackschicht ist sehr hart und spröde, ist vermutlich ein Dickschichtsystem mit der Eigenschaft der raschen Versprödung, dem damit verbundenen Schwund und der Neigung zur Schollen- und Schüsselbildung. Durch diesen Effekt sind in den Bereichen der Holzverbindungen und Brüstungen feine Haarrisse entstanden, welche kapillar Wasser angezogen haben. In der Folge kam es durch die fehlende Möglichkeit zur Ablüftung zu erheblichen Klimaschäden. Ebenso durch die Schollenbildung des Lacks, der die darunter liegenden Farbschichten gleich mit von der Holzoberfläche abgelöst hat. Eindringendes Wasser und die damit verbundene Bildung von Braunfäule hat dann die Struktur zerstört.


Konservierungs- Restaurierungsziel

Substanzerhaltende Maßnahmen:

Zur Sicherung des weitgehend originalen Bestandes der Fensteranlagen sollten die Außenflächen der Fensteranlagen auf der östlichen Traufseite und die nördliche Giebelseite durch einen dem originalen Leinölanstrich entsprechenden Farbaufbau geschützt und dauerhaft gesichert werden.

Die überhöhte Holzfeuchte soll durch konstruktive Maßnahmen herabgesetzt werden, ein weiterer Holzabbau durch einen gut haftenden durchgehenden Lackauftrag verhindert werden. Vorrangig war bei allen Maßnahmen die Gewährleistung eines raschen und vollständigen Wasserablaufs.

Die Kittfalze der Verglasung sollten geschützt und da, wo sie abgebaut sind ergänzt werden.

Die Funktion der Türen sollte gewährleistet, ein weiterer Holzabbau verhindert werden.

"sthetische Maßnahmen:

Der optische Eindruck eines Gebäudes in der Farbgebung des 18. Jahrhundert sollte wieder hergestellt werden. Die originale Farbgebung kann nicht rekonstruiert werden.


Durchgeführte Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen

Zur Sicherung der Konstruktion sind die abgebauten Holzbereiche bis auf das tragfähige Holz entfernt und durch passendes Holz der gleichen Holzart und Struktur ergänzt worden. Stark geschädigte Bauteile wurden entsprechend ersetzt. Die Ergänzungen der früheren Erhaltungsmaßnahme aus Pitch-Pine wurden belassen, da sie sich in einem guten Erhaltungszustand befinden.

Die sekundären Lackschichten wurden mit Hilfe von Infrarotstrahlern der Marke Speedheater und einem Heißluftgebläse der Fa. Leister sowie mit diversen Schleifgeräten der Fa. Festool (Rotex 125, Rotex 125) unter Verwendung von verschiedenen Schleifkörnungen (60/80/120) entfernt. Um auf einen tragfähigen Untergrund zu kommen war es notwendig, den Lack in den regelmäßig bewitterten Bereichen bis auf das Grundholz zu reduzieren.

Als neuer Farbaufbau wurde eine Grundierung mit kaltgepresstem Leinöl gewählt, die direkt auf den tragfähigen Lackgrund oder das rohe Holz aufgetragen wurde. Anschließend erfolgte nach zweitägiger Trockenzeit eine Grundierung mit pigmentierter Leinölfarbe der Fa. Ottosun Farbton nach NCS-Standard ( NCS II s0502g50y Weiß) mit anschließendem dreimaligen Lackauftrag nach jeweils zwei bis vier Tagen Trockenzeit je nach Witterung und Außentemperatur. Die Fensterbänke erhielten abschließend noch einen weiteren dünnen Farbanstrich, da bei Dachdeckerarbeiten durch Schleifstaub und Schiefermehl und durch das Betreten bei der Montage der Verbleiungen die Lackschicht während der Trocknung Einschlüsse erhielt, die nicht zu entfernen waren.

Da die originale Farbgestaltung nicht zu rekonstruieren war, wurde die für die Region typische Farbpalette gewählt.


Verwendete Materialien

1. Kaltgepresstes Leinöl der Fa. Ottosun Schweden

2. Leinölfarbe der Fa. Ottosun Farbton nach NCS-Standard ( NCS II s0502g50y Weiß)

3. Leinölfarbe der Fa. Ottosun Farbton nach NCS-Standard ( NCS II s7020b50g blaugrün)

4. Leinölfarbe der Fa. Ottosun Farbton nach NCS-Standard ( NCS II s4040g10y hellgrün)

5. Epoxidharz 2K der Fa. West-System zur Verklebung der Ergänzungen und Anschäftungen

6. Edelstahlschrauben der Fa. SPAX Form D selbstschneidend und selbstsenkend mit Torxaufsatz

7. Leinölkitt der Fa. KAWO


Glewitz Wandmalerei und Architekturimitation in der Dorfkirche Endzustand Masswerk
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