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Befund und Schadensanalyse von 1993

Gemeinsam mit Denkmalpflegern und weiterem Fachpersonal wurde entschieden, dass eine umfassende, aussagekräftige Schadensanalyse nur nach vollständiger Entfernung aller aufgebrachten Oberflächenbehandlungen möglich sei. Es wurde sich für ein Abstrahlen der Gussteile mit Korund entschieden.

Die Befundung der Farbschichten ergab einen 10fachen Anstrich unterschiedlichster Substanzen und Farben. Bauzeitlich war der Turm unbehandelt, evtl. aber auch tiefschwarz oder dunkelgrau gefasst und in den Bereichen der Zunftzeichen und Wappen teilvergoldet. Wie es übliche Praxis der Konservierung gegossener Teile zur Bauzeit war, wurde wahrscheinlich auch direkt nach dem Guss Leinöl eingebrannt.
Nach dem Abstrahlen wurden verschiedene Schadbilder offenbar. Zum einen solche, die aus dem Herstellungsprozess, bzw. aus der ursprünglichen Materialqualität herrührten. So hatten viele Gussteile so genannte Lunker, d.h. Hohlräume, die durch Lufteinschluss während des Giessvorgangs entstehen. Großformatige Platten wiesen Risse auf. was ebenfalls auf Materialschwäche schließen lässt.
Das Fundament wurde bis in 1,50 Meter Tiefe freigelegt. Die Untersuchung des Granitfundamentes mitsamt den Ankern der Gründung bestätigte statische Sicherheit, obwohl auch Risse im Fundament festgestellt werden konnten.
Es stellte sich heraus, dass letztlich durch statisch mangelhafte Dimensionierung und Ausführung der Turm unbedingt Korrekturen, bzw. Ertüchtigungen erforderlich waren. Die ursprüngliche Konstruktion war z. B. den anfallenden Windkräften nicht ausreichend gewachsen, was zu schädigenden Bewegungen geführt hatte. So waren u.a. alle Säulen im unteren Bereich gerissen. Grund hierfür war u.a. die nicht ausreichend starr gestaltete Verbindung zwischen äußerem Achteck und der Konstruktion der Treppenspindel. Es sollten neue Verbindungselemente hinzukommen, die nun sowohl innen als auch- wie vorher nicht der Fall, außen verschraubt wurden.
Die Verbindungselemente waren z. T. gebrochen und gerissen. Treppenstufen und Geländer wiesen ebenfalls Risse auf. Auf den Turmebenen gab es starke Rostbildungen an den Verbindungselementen, welche nicht aus Guss gefertigt waren.
Die Reliefplatten, die eigentlich als Windschutz gedacht waren, stellten natürlich optimale Aufnahmeflächen für Windkräfte dar und leiteten diese über in die innen liegende Konstruktion. Der Befundsituation und Schadensanalyse folgend wurde die Erneuerung aller tragenden und statisch wichtigen Teile empfohlen.
Quelle:
Semesterarbeit, FH Anhalt - Der gusseiserne Turm in Löbau
Wilma Rambow, Leipzig, Masterstudiengang Denkmalpflege, Semester: 2
Betreuender Hochschullehrer: Prof. K. Kozel

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