Blaues Pferd I - Franz Marc

Berühmte Gemälde von Franz Marc - „Blaues Pferd I“

Frontal steht in diesem hochformatigen Werk ein in Blau gehaltenes junges Pferd vor dem Betrachter, den Kopf zur Seite geneigt, rechts neben sich eine dunkelgrüne Pflanze, die spitz aus der kahlen Erde sprießt.

Hinter ihm sind schematisch in Primärfarben gemalte Hügel zu erkennen; die Farben sind an manchen Stellen klar abgesetzt, an anderen gehen sie ineinander über.

  1. Symbolische Bedeutung der Farben
  2. Expressionismus und die Entstehung des Bildes
  3. Franz Marc und seine Werke
  4. Künstler und Freunde

Symbolische Bedeutung der Farben

Das 112 x 84,5 cm große, in Öl gemalte Bild des Expressionisten Franz Marc ist das erste, in dem dieser sein Konzept der „Wesenfarbe“ umsetzte.

Marc entwickelte eine eigene Farbsymbolik, innerhalb derer Blau das männliche Prinzip und den Geist verkörpert, Gelb das Weibliche, Rot die Erde und die Materie. Seine Bilder sind demzufolge nicht in der Erscheinungsfarbe gemalt, also dem tatsächlichen Farbton der abgebildeten Dinge, sondern in einer sogenannten Wesensfarbe, also ihrer – in Marcs System – symbolischen Bedeutung entsprechend.

Derartige Versuche einer Strukturierung und Systematisierung künstlerischen Ausdrucks sind typisch für die Zeit um 1900 und häufig dem Versuch geschuldet, die Kunst zu einer ähnlich akkuraten, deterministischen Disziplin wie die Wissenschaft zu machen.

Ähnliche Farbsysteme, oft unter Berufung auf Goethes Farbenlehre, entwickelten zum Beispiel auch Paul Klee und Wassily Kandinsky, beides waren enge Freunde von Franz Marc. Gleichzeitig war die Befreiung der Farbe von ihrer Aufgabe, Gegenstände in ihrer farblichen Erscheinung abzubilden, ein wichtiger Schritt hin zur Abstraktion.


Blaues Pferd I von Franz Marc - 1911

Blaues Pferd I von Franz Marc - 1911

(Gemeinfrei)


Blaues Pferd I von Franz Marc - Detailansicht

Blaues Pferd I von Franz Marc - Detailansicht

(Gemeinfrei)

Expressionismus und die Entstehung des Bildes

Das „Blaue Pferd“ entstand 1911, in demselben Jahr, in dem Wassily Kandinsky das erste abstrakte Bild der europäischen Moderne überhaupt malte. Es wurde außerdem namensgebend für den Blauen Reiter, einer Vereinigung expressionistischer Künstler, die sich ebenfalls 1911 in München als Abspaltung von der Neuen Künstlervereinigung München gründete. Schon vorher hatte Marc in vielen seiner Bilder Tiere dargestellt, die er in einer zunehmend geometrisch-kristallinen Formensprache abstrahierte.

Für lange Zeit symbolisierten sie für ihn, als Repräsentanten natürlicher Kreatürlichkeit, Reinheit und Unschuld – wie viele Europäer um die Jahrhundertwende sehnte sich Marc nach diesen Werten, da sie einer als überkünstelt, entfremdet und einschränkend empfundenen Zivilisation entgegenstanden. Den zahlreichen Reformbewegungen der damaligen Zeit, inklusive der künstlerischen Strömungen, ist fast vollständig gemein, dass sie durch Veränderung des Lebensstils, häufig im Sinne einer Rückkehr zur Natur, diese zivilisatorische Entfremdung zu überwinden versuchten.

Franz Marc und seine Werke

Marc wurde 1880 in München geboren und führte bis zum Beginn seines Studiums an der Kunstakademie München ein recht bürgerlich-behütetes Leben. 1906, als Lehrbeauftragter an der sogenannten Damenakademie in München, begann er ein Verhältnis sowohl mit seiner Kollegin Marie Schnür als auch bei der Schülerin Maria Franck.

Offiziell um Schnür zu ermöglichen, ihr Anfang 1906 unehelich geborenes Kind zu sich holen zu können, heiratete er sie 1907 und ließ sich 1908 wieder von ihr scheiden. Dadurch verzögerte sich die geplante Hochzeit mit Maria Franck bis zum Jahr 1913.

Erst ab 1910/1911, nachdem Marc die Werke der Impressionen, van Goghs, der Fauves und weiterer zeitgenössischer Strömungen studiert hatte, bildete er eine eigene Sprache aus, den individuellen, expressionistischen Stil, der ihn später bekannt machen sollte.

Etwa um diese Zeit wurden auch die ersten Sammler und Mäzene auf ihn aufmerksam, namentlich Bernhard Koehler Senior und Junior.


Blaues Pferd I von Franz Marc - Ausschnitt

Blaues Pferd I von Franz Marc - Ausschnitt

(Gemeinfrei)


August Macke: Bildnis Franz Marc, 1910, Neue Nationalgalerie Berlin

August Macke: Bildnis Franz Marc, 1910, Neue Nationalgalerie Berlin

(Gemeinfrei)

Künstler und Freunde

Besonders tiefe Freundschaften verbanden ihn neben August Macke, Kandinsky und Klee außerdem mit Else Lasker-Schüler und Marianne von Werefkin. Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßte er wie viele Deutsche enthusiastisch; auch der Tod August Mackes kurz nach Kriegsbeginn änderte daran nichts. Marc selbst starb 1916 bei Verdun im Alter von 36 Jahren.

Marcs Spätwerk deutet darauf hin, dass die Darstellung von Tieren zugunsten einer reinen, geometrisch-kristallinen Abstraktion für ihn an Bedeutung verlor. Möglicherweise wären sie, ohne den frühen Tod, nur ein Zwischenschritt gewesen, ähnlich wie bei Kandinsky oder Klee – auf den letzten größeren Werken, 1914 entstanden, sind die noch im Titel genannten Tiere kaum noch zu erkennen, und es existieren auch rein abstrakte Gemälde.

Hätte er länger gelebt, würde er heute vielleicht ähnlich wie seine Kollegen als abstrakter Maler rezipiert und die expressionistische Phase nur als ein Zwischenschritt wahrgenommen.


Merkmale

Abmessungen112 cm x 84,5 cm
Datierung1911
GenresSymbolisches Gemälde
MaterialLeinwand, Öl
OrtStädtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
StilrichtungExpressionismus
Websitewww.lenbachhaus.de/entdecken/sammlung-online/detail/blaues-pferd-i-30019621
Wikipediade.wikipedia.org/wiki/Blaues_Pferd_I
Franz Marc: Bild 'Turm der blauen Pferde' (1913), gerahmt
Franz Marc: Bild 'Turm der blauen Pferde' (1913), gerahmt

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Franz Marc: Bild 'Blaues Pferd I' (1911), gerahmt
Franz Marc: Bild 'Blaues Pferd I' (1911), gerahmt

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Franz Marc: Bild 'Die großen blauen Pferde' (1911), gerahmt
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Franz Marc: Bild 'Rotes und blaues Pferd' (1912), gerahmt
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