Der Kuss - Gustav Klimt

Berühmte Gemälde von Gustav Klimt - „Der Kuss“

Bei Gustav Klimt, dem berühmtesten Vertreter des Wiener Jugendstils, irritiert und fasziniert oft die Spannung zwischen plastisch ausformulierten Figuren und flächig-geometrisch angelegter Ornamentik. Auch in „Der Kuss“, einem seiner berühmtesten Gemälde, ist dieser Kontrast besonders ausgeprägt.

  1. Das Paar auf der Blumenwiese
  2. Symbolik von Gold und der Ornamente
  3. Jugendstil in Österreich
  4. Porträts und Frauendarstellungen
  5. „Der Kuss“ im Schloss Belvedere in Wien

Das Paar auf der Blumenwiese

Ein Paar kniet auf einer Blumenwiese, die Köpfe berühren fast den oberen Bildrand; der Mann hält den zur Seite gedrehten Kopf der Frau in den Händen und küsst sie auf die Wange. Ihre Augen sind geschlossen, sein Gesicht vom Betrachter abgewandt; die ornamental verzierte Kleidung verschluckt die Körperformen fast vollständig. Die Figuren im Bild wirken seltsam statisch, wie eingefroren, die Blumen ornamental, fast abstrakt. Den Hintergrund bildet eine goldene Fläche ohne jegliche Raumtiefe.

Das Bild, 1908-09 entstanden, ist 180 x 180 cm groß und mit Öl und Blattgold auf Leinwand gemalt. Es gehört zu Klimts von der byzantinischen Kunst beeinflussten goldenen Periode. Bereits vor seiner Fertigstellung wurde es vom Schloss Schönbrunn angekauft, wo es bis heute hängt.


Der Kuss - Gustav Klimt (1908/09)

Der Kuss - Gustav Klimt (1908/09)

Ursprünglicher Titel "Das Liebespaar".


Der Kuss - Die Ornamente

Der Kuss - Die Ornamente

Symbolik von Gold und der Ornamente

Eine Interpretation der Darstellungsweise muss weitgehend spekulativ bleiben. Das Gold verweist auf Ewigkeit, auf Kostbarkeit und Luxus, gleichzeitig hat es in vielen Kulturen eine religiöse Konnotation. Durch seinen Glanz ist es von den Eigenschaften der anderen Farben gewissermaßen abgehoben. Es ist bekannt, dass Klimt nicht allzu lang vor der Entstehung des Bildes in Ravenna byzantinische Mosaiken sah; vermutlich ist der flächig goldene Hintergrund dieses und vieler weiterer Bilder davon beeinflusst.

Viel ist über die Symbolik der Ornamente in Klimts Werken spekuliert worden; als denkbar gilt, dass sie von bronzezeitlicher Kunst wie auch von japanischen Holzschnitten und nicht zuletzt den modischen Entwürfen seiner Lebensgefährtin Emilie Flöge beeinflusst waren. Einige Theorien lesen in die Form der Ornamente eine Symbolik des Männlichen und Weiblichen sowie sexuelle Konnotationen.

Jugendstil in Österreich

Gustav Klimt war Mitbegründer und Leiter der Wiener Sezession der österreichischen Version des Jugendstils. Er wurde 1862 in Wien als Sohn eines Goldschmieds geboren und lernte zunächst an der Wiener Kunstgewerbeschule. Dort lernte er auch die Grundlagen der Mosaiktechnik, was sich möglicherweise auf seinen späteren Stil ausgewirkt hat. Zunächst arbeitete er im akademischen, historisierenden Stil der damaligen Zeit, bevor seine Gemälde flächiger und dekorativer wurden. Nach einer durch den Impressionismus beeinflussten Phase nahm er Elemente des Pariser Jugendstils auf; ab Mitte der 1890er Jahre bildete sich sein eigener Stil endgültig heraus. 1897 gründete Klimt mit anderen Künstlern zusammen die Wiener Secession, die er jedoch einige Jahre später aufgrund innerer Spannungen wieder verlassen würde.

Nachdem ein Konflikt um eine durch die Universität Wien in Auftrag gegebene Bilderserie (die „Fakultäten“) massive Kritik nach sich gezogen hatte, nahm Klimt keine öffentlichen Aufträge mehr an; seine Motive beschränken sich seit dieser Zeit hauptsächlich auf Porträts und Landschaften. Er pflegte intensive Kontakte zum gehobenen Wiener Bürgertum, das fortan zu seinen hauptsächlichen Auftraggebern gehörte.


Der Kuss - Die Blumenwiese

Der Kuss - Die Blumenwiese


Der Kuss - Gustav Klimt

Der Kuss - Gustav Klimt

Porträts und Frauendarstellungen

Die überwiegende Mehrheit der von ihm abgebildeten Personen sind Frauen, meist eingebettet in flächig-ornamental dargestellte Kleidung und oft stark abstrahierte Raumsituationen – sie erscheinen zum Beispiel in Porträts oder in symbolistisch generalisierenden, erotischen Frauendarstellungen. Einige Gartenstücke und Landschaftsbilder sind zudem erhalten geblieben, die besonders durch tapisserieartige Flächigkeit faszinieren; Klimt selbst sah diese jedoch eher als bloße Studien an.

Allen Bildern ist ihre ornamentale Flächigkeit und spannungsvolle Komposition eigen, die bereits vieles von der Abstraktion eines Kandinsky oder gar des Abstrakten Expressionismus amerikanischer Künstler vorwegnehmen, ohne jedoch selbst diesen Schritt explizit zu gehen.

Obwohl Klimt nie verheiratet war, wird vermutet, dass er sieben Kinder mit vier verschiedenen Frauen zeugte. Die Tochter von Serena Lederer, einer Industriellengattin, ließ sich während der Zeit der Besatzung Österreichs durch Nazideutschland zur unehelichen Tochter Klimts erklären, um ein nichtjüdisches Elternteil nachweisen zu können.

„Der Kuss“ im Schloss Belvedere in Wien

Ob das abgebildete Paar tatsächlich existierende Personen darstellt, ist unklar - manche Theorien vermuten ein Doppel-Selbstporträt Klimts entweder mit seiner Lebensgefährtin oder einer anderen Geliebten, unter anderem deshalb, weil die Motivwahl für den Maler, der viel häufiger Frauen als Männer darstellte, ungewöhnlich ist. Da er jedoch auch viele allegorische Darstellungen gemalt hat, denen „Der Kuss“ in der konzeptuellen Herangehensweise sehr ähnelt, ist die genaue Identität der Modelle vermutlich weniger entscheidend.

Gustav Klimt starb 1918 im Alter von nur 56 Jahren nach den Folgen eines Schlaganfalls. Das Schicksal vieler seiner Bilder im Zuge der Besetzung Österreichs und des Kunstraubs durch die Nazis ist zum Teil sehr abenteuerlich – einige Bilder wurden 1945 sogar von abziehenden SS-Truppen verbrannt. Für andere konnten durch die Erben der enteigneten Besitzer die Besitzrechte eingeklagt werden, teils erst in jüngerer Zeit.

„Der Kuss“ hat die wechselvolle Geschichte Österreichs zum Glück unbeschadet überstanden und ist bis heute im Schloss Belvedere der Öffentlichkeit zugänglich.


Gustav Klimt - Signatur

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