Das Schokoladenmädchen - Jean-Étienne Liotard

Berühmte Gemälde von Jean-Étienne Liotard - „Das Schokoladenmädchen“

Als Emblem für barocken Luxus hat sich das Gemälde einer jungen Dienerin, die eine Tasse heiße Schokolade zu ihrer Herrin bringt, fest im kollektiven Gedächtnis verankert.

Zur Entstehungszeit des Pastells um 1743-45 war das Getränk gerade erst in den Palästen Europas in Mode gekommen und nur einer kleinen Schicht überhaupt zugänglich – daher ist das Arrangement auf dem kleinen japanischen Lacktablett sehr kostbar, die Porzellantasse in einer Trembleuse, das zarte Wasserglas heben sich in ihrem verschwenderischen Detailreichtum stark von der mit Kalk geweißelten Wand des Dienstbotenganges ab, durch den das Mädchen gerade geht.

  1. Technische Meisterschaft
  2. Liotard – ein „Spätzünder“ mit ungewöhnlichem Lebensweg
  3. Eine Begegnung in Venedig
  4. Die Verselbständigung als Werbeikone

Technische Meisterschaft

Mit 82,5 x 52,5 cm ist das Bild für ein auf Pergament gemaltes Werk relativ groß. Im Vergleich mit anderen Pastellen seiner Zeit sticht die immense technische Meisterschaft heraus, mit der Liotard die Darstellung noch der kleinsten Details beherrscht – die Knitterfalten der Schürze, die Brechung des Lichts im Wasserglas, das Blumenmuster auf dem Porzellan. Eine derartige beinah fotografische Präzision überrascht bei einem Pastell, das traditionell eher durch weiche Übergänge und im Barock oft durch sanfte, rosige Farben und stilisierte Lichtführung charakterisiert ist. Deshalb und aufgrund des „profanen“, durch keinen Auftraggeber angeregten Motivs argumentieren einige Kunsthistoriker, man müsse dieses Bild schon als eine Vorwegnahme des Realismus verstehen, der eigentlich erst im 19. Jahrhundert zu einer breiteren Strömung werden sollte.

Eine Einordnung des Bildes in das restliche Schaffen Liotards gestaltet sich deshalb schwierig, weil es heute von ihm nur sehr wenige frühe Werke gibt – der größte Teil seiner etwa 300 heute noch bekannten Pastelle, Ölgemälde und Zeichnungen entstanden erst später, in seiner zweiten Lebenshälfte. Allerdings zeugt schon das Porträt seines Zwillingsbruders (vor 1720, also im Alter von 18 Jahren oder noch früher) von großem handwerklichem Können.


Jean-Étienne Liotard - „Das Schokoladenmädchen“

Jean-Étienne Liotard - „Das Schokoladenmädchen“


„Das Schokoladenmädchen“ - Das Tablett mit Trinkschokolade

„Das Schokoladenmädchen“ - Das Tablett mit Trinkschokolade

Liotard – ein „Spätzünder“ mit ungewöhnlichem Lebensweg

Aus dem, was über Liotard bekannt ist, ergibt sich der Eindruck einer ungewöhnlichen Biografie. 1702 als Nachkomme französisch-hugenottischer Flüchtlinge in Gent geboren, zog er für seine künstlerische Ausbildung 1723 nach Paris, wo er bis 1736 blieb. Aus dieser Zeit sind nur sehr wenige Informationen und Werke von ihm erhalten. 1738 folgte er einer englischen Delegation nach Istanbul (das damals noch Konstantinopel hieß) und lebte dort bis 1743. Erst aus dieser Zeit sind allmählich mehr Werke überliefert.

In Wien, wo sich Liotard anschließend auf Wunsch der Kaiserin Maria Theresia aufhielt, entstand das Schokoladenmädchen vermutlich ca. 1744. Über die Motivation des Bildes und die Identität des Modells ist wenig bis nichts bekannt, es existiert aber eine Skizze, aus der der Maler die Komposition weitgehend unverändert übernommen hat. Manche Quellen führen ein Mädchen mit dem Namen Baldauf oder Balthauf an, allerdings mit wechselnden Vornamen, das das Modell gewesen sein soll.

Eine Begegnung in Venedig

Liotard nahm das Bild 1745 auf eine Reise nach Venedig mit, wo es von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern gesehen und schließlich von Graf Algarotti für die Sammlung August des III. von Sachsen in Dresden angekauft wurde. Der berühmten venezianischen Pastellmalerin Rosalba Carriera wird der Satz „Das schönste Pastell, das die Welt je gesehen hat“ zugeschrieben, der in der heutigen Vermarktung des Bildes sehr häufig zitiert wird. August III. sammelte zeitgenössische Werke; aus seiner Sammlung sollte später die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister hervorgehen, in der sich das Bild heute noch befindet.

Denkbar ist auch, dass erst der Aufenthalt bei Maria Theresia, wo er Porträtzeichnungen von ihren Kindern anfertigte, vielleicht in Kombination mit der Bekanntheit des Schokoladenmädchens den Ruhm Liotards in einer Weise beförderte, dass er nun zu mehr Aufträgen und Ankäufen gelangte. Ab dieser Zeit jedenfalls scheint er ein komfortables Leben geführt zu haben. 1756, im Alter von 54 Jahren, heiratete er die 26 Jahre jüngere Marie Fargues und hatte fünf Kinder mit ihr, von denen eines das Patenkind von Maria Theresia wurde. Seine Selbstporträts zeigen einen mal fröhlichen, mal nachdenklichen, zufrieden wirkenden Mann mit freundlichem Blick. Für einen Maler des 18. Jahrhunderts wurde er ungewöhnlich alt: Liotard starb 1789, kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution.


„Das Schokoladenmädchen“ - Eine junge Kammerzofe

„Das Schokoladenmädchen“ - Eine junge Kammerzofe


Pergament­streifen auf der Stoßfuge der beiden Pergamente

Pergament­streifen auf der Stoßfuge der beiden Pergamente

Die Verselbständigung als Werbeikone

Ab dem 20. Jahrhundert vollzog sich die Ikonisierung seines berühmtesten Pastells. Ein amerikanischer Magnat, der das Bild um 1881 sah, druckte ein ähnliches Motiv auf seine Kakaodosen, wodurch es über die Grenzen Europas hinaus Berühmtheit erlangte. Das Motiv verselbständigte sich, Reproduktionen des Bildes und Abwandlungen davon wurden zum Motiv von Postkarten, Plakaten und Werbedarstellungen.


Merkmale

Abmessungen82,5 × 52,5 cm
Datierung1743 - 1745
GenresGenremalerei, Portrait
MaterialPastellmalerei auf Pergament
OriginaltitelLa Belle Chocolatière de Vienne
OrtGemäldegalerie Alte Meister in Dresden
StilrichtungRokoko
Websitegemaeldegalerie.skd.museum/ausstellungen/schokoladenmaedchen
Wikipediade.wikipedia.org/wiki/Das_Schokoladenmädchen
Jean-Étienne Liotard: Bild 'Schokoladenmädchen' (1743-45), gerahmt
Jean-Étienne Liotard: Bild 'Schokoladenmädchen' (1743-45), gerahmt

Das adrett gekleidete Schokoladenmädchen besticht durch ihre grazile Anmut. Ihr jugendliches Gesicht...
Jean-Étienne Liotard: Miniatur-Porzellanbild 'Schokolade trinkende Dame' (um 1744), gerahmt
Jean-Étienne Liotard: Miniatur-Porzellanbild 'Schokolade trinkende Dame' (um 1744), gerahmt

Miniaturbilder aus feinem Porzellan wurden jahrhundertelang für zumeist adelige Sammler angefertigt....
Jean-Étienne Liotard: Miniatur-Porzellanbild 'Schokoladenmädchen' (1743-45), gerahmt
Jean-Étienne Liotard: Miniatur-Porzellanbild 'Schokoladenmädchen' (1743-45), gerahmt

Miniaturbilder aus feinem Porzellan wurden jahrhundertelang für zumeist adelige Sammler angefertigt....

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