Acrylfarbe und Acrylmalerei

Acrylfarben in Kunst und Malerei

Acrylfarbe zählt heute zu den beliebtesten Malmaterialien im Kunst-, Bau- und Hobbybereich – viele Restauratoren sind etwas zurückhaltender.

 

Geschichte

Das erste Acryl-Bindemittel wurde 1930 als „Plextol“ zum Patent angemeldet; 1934 begann BASF mit der industriellen Herstellung. Ab 1946 kam Acrylfarbe auch in den USA auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt dienten noch nicht Wasser, sondern Verbindungen wie Xylol oder Testbenzin als Lösungsmittel; in ihrer heutigen Form existiert die Farbe in den USA seit Ende der 40er, in Europa seit den 60er Jahren. Sie wurde aufgrund ihrer vielen positiven Eigenschaften unter Künstlern und Hobbymalern schnell sehr beliebt, avancierte aber auch im Baugewerbe schnell zur am häufigsten verwendeten Anstrichfarbe sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich.

Bestandteile und Herstellung

Die Farbe ist im offenen Zustand wasserlöslich und kann pastos aufgetragen oder bis hin zu Aquarellkonsistenz mit Wasser verdünnt werden; nach Entweichen des Wassers beim Trocknen (oder Gefrieren) verbinden sich die Polymere des Bindemittels zu einer wasserunlöslichen, sehr widerstandsfähigen Schicht von gummiähnlicher Konsistenz. Die Trocknungszeit beträgt je nach Wasseranteil, Luftfeuchte und Umgebungstemperatur 20 Minuten bis 24 Stunden, wobei die Farbe häufig schon nach kurzer Zeit oberflächentrocken ist.

Je nach enthaltenem Pigment kann die Deckkraft pastoser Acrylfarbe unterschiedlich stark sein; die Zugabe von Leim oder zusätzlichem Acrylbinder kann die Farbe außerdem transparenter, die Zugabe von etwas Titandioxid kann sie opaker machen. Seriöse Anbieter werden bei gebrauchsfertig angebotener Farbe auch immer den Opazitätsgrad und die verwendeten Pigmente angeben. Das Bindemittel selbst ist in feuchtem Zustand milchig, nach dem Trocknen jedoch transparent, was dazu führen kann, dass die Farbe im Trocknungsprozess nachdunkelt.

Pigmente, Bindemittel, Lösungsmittel

Die zwei Hauptbestandteile von Acrylfarbe sind Pigment (das den jeweiligen Farbton verleiht) und Acryl-Bindemittel. Als Lösungsmittel dienen Wasser und mitunter andere Verbindungen, die für einen charakteristischen Geruch der offenen Farbe sorgen – dieser verschwindet nach dem Trocknen.

Häufig werden zudem Füllstoffe beigemengt, die das Volumen vergrößern oder die Eigenschaften der Farbe beeinflussen können: etwa Leim, Marmormehl oder Kreide, Verdickungsmittel, Trocknungsbeschleuniger, Sand oder Strukturpaste. Da der Anteil von Acryl-Bindemittel in handelsüblicher Farbe recht hoch ist, verträgt sie die Zugabe von bis zu 50% ihres Volumens an zusätzlichen Stoffen meist ohne Probleme. Nicht mischen lässt sich Acrylfarbe mit fetthaltigen Substanzen, etwa Ölfarbe, Ei oder Ähnlichem.

Anwendung

Die Farbe haftet auf vielen Untergründen – Metall, Holz, Kunststoff, Glas u.v.m –, wird aber im Bereich der Bildenden Kunst wohl am häufigsten auf Leinwand angewendet. Im Vorfeld müssen die Poren der Leinwand vor einer Grundierung verschlossen werden, etwa mit Knochen- oder Zelluloseleim; anschließend werden eine oder mehrere Grundierungsschichten aufgetragen, häufig Leim-Kreide-Mischungen mit steigendem Anteil an Acryl-Bindemittel. Auch fertig weiß grundierte Leinwand ist im Handel erhältlich. Die Farbe kann anschließend beliebig aufgetragen werden – verdünnt oder pastos, opak oder lasierend. Es ist möglich, Ölfarbe auf einen (komplett durchgetrockneten) Untergrund aus Acryl aufzutragen, nicht jedoch umgekehrt!

Acrylfarbe im Bereich Restaurierung

Da Acrylfarbe erst seit relativ kurzer Zeit existiert, liegen – anders als bei Ölfarbe, Eitempera oder anderen älteren Techniken – keine Informationen über langfristige Änderungen der Eigenschaften, Zerfallsprozesse und restauratorischen Bedürfnisse der Farbe vor. In einigen älteren Werken sind Sprünge und Vergilbungen registriert worden, wobei unklar ist, wie ihnen begegnet werden kann.

Daher ist auch Vorsicht geboten im Umgang mit Acrylfarbe für restauratorische Zwecke. Da sie auch im Baubereich als Anstrichfarbe zum Einsatz kommt, wird sie mitunter in der Denkmalpflege eingesetzt – hierbei können jedoch auf spröden, porösen Untergründen und insbesondere auf Holz, das durch den fehlenden Wasseraustausch Schimmel bilden kann, Schäden entstehen. Im Idealfall sollte statt Acryl immer die entsprechende historische Anstrichfarbe verwendet werden.

Versiegelung

Eine Versiegelung ist aufgrund der großen Beständigkeit der Farbe eigentlich nicht nötig, kann aber zum Beispiel durchgeführt werden, wenn die bemalte Oberfläche vor Stößen und Kratzern geschützt werden soll. Hierbei kommt meist Dispersionslack zum Einsatz, der mit dem Pinsel aufgetragen oder gesprüht wird.

Vorteile und Nachteile

Ein großer Vorteil von Acrylfarbe besteht in der einfachen und äußerst vielseitigen Verarbeitung und langen Haltbarkeit – sie ist weitgehend geruchlos, ungiftig, verdirbt nicht und kann bei Temperaturen ab 8°C bis 35°C und mehr gelagert werden. Der vielleicht größte Nachteil ist der ökologische Aspekt – wie andere polymere Substanzen auf Erdölbasis ist die Farbe nicht ohne Weiteres biologisch abbaubar und kann als Mikroplastik ins Meer und in den Boden gelangen. Zudem sind wie erwähnt die langfristigen Eigenschaften der Farbe noch unbekannt. In einzelnen Fällen kann der Geruch der Farbe im offenen Zustand als störend empfunden werden. In der Verarbeitung kann die schnelle Trocknungszeit insbesondere beim Gestalten großer glatter Flächen und Farbverläufe einen Nachteil darstellen, dem sich aber durch Verdünnen mit Wasser und / oder Leim recht gut begegnen lässt.

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