Antike Möbel - Antiquitäten

Stilkunde und Restaurierung von antiken Möbeln

Wer alte oder antike Möbel restaurieren möchte, sollte sich zuvor bei einem Möbelrestaurator Rat einholen. Dieser kennt die Stilentwicklung von antiken Möbeln und weiß worauf zu achten ist.

 

Die Stilentwicklung bei Möbeln folgt im Großen und Ganzen anderen kulturgeschichtlichen Strömungen, besonders den Entwicklungen in der Architektur: Renaissance, Barock, Biedermeier, Gründerzeit und Jugendstil. In den verschiedenen europäischen Ländern verlief sie meist parallel, dennoch existieren regionale Abweichungen und Sonderformen – etwa die Möbel des englischen Tischlers Thomas Chippendale, die bereits im 18. Jahrhundert Einflüsse asiatischer Möbel aufnahmen und für ihre Zeit bemerkenswert schlicht waren. Auch beim Jugendstil gab es etliche regionale Ausprägungen und je nach Land verschiedene Bezeichnungen. Antike Möbel stellen nicht nur ein historisches Zeitzeugnis von hohem kulturellen Wert dar, sondern haben sogar u.U. ihren ganz konkreten praktischen Nutzen nicht verloren.

Restaurierung von antiken Möbeln

Bei der Restaurierung antiker Stücke muss der Möbelrestaurator sich an den technischen Möglichkeiten der jeweiligen Epoche orientieren – den verwendeten Verbindungstechniken, Materialien und zur Verfügung stehenden Werkzeugen. So existierten Kreissägen erst seit ca. 1840 – vorher wurde von Hand gesägt, was weniger glatte Sägeflächen zum Ergebnis hatte. Statt mit Schrauben oder Dübeln sind rechtwinklig aufeinandertreffende Flächen meist mit Zapfen verbunden. Die Versiegelung erfolgte vor der Erfindung kunstharzbasierter Lacke oft mit speziellen Wachs oder Schellack nach 1800. In Alkohol gelöst, wurde er in dünnen Schichten aufgetragen und machte das Holz bis zu einem gewissen Grad resistent gegen temporäre Feuchtigkeit.

Den jeweiligen technischen Entwicklungsstand, die Stilelemente und Proportionen der Antiquitäten einer Epoche genau zu kennen, kann auch dabei helfen, Fälschungen zu identifizieren – etwa eine später aufgebrachte Bemalung oder ein Stück, das aus mehreren älteren Fragmenten zusammengefügt wurde. Dies verfälscht die Ästhetik wie auch die historischen Informationen, die die Originale bereithalten.

Antike Möbel in der Renaissance und im Barock

Mittelalterliche oder noch ältere antike Möbel existieren heute kaum noch – die überwiegende Mehrzahl befindet sich gut geschützt in Museen, Burgen und Schlössern, einige wenige auch in Privatbesitz. Von einem kohärenten Möbelstil kann man erst ab der Renaissance sprechen, als Tischler erstmals bewusst aus der Architektur antikisierende Formen, Proportionen und Verzierungen übernahmen.

Antike Barockmöbel sind sehr aufwändig gestaltet, mit schwungvollen, bauchigen Formen, überbordenden Schnitzereien an den Beinen, und häufig mit Furnieren aus edlen Hölzern. Typisch sind etwa Wurzelholz oder Nussbaum, deren Maserungen nicht geradlinig sind, sondern an Wolkengebilde, Wellen oder Augen erinnern. Ein kunsthandwerkliches Ideal im Barock bestand darin, Materialien als etwas anderes erscheinen zu lassen, als sie sind – auch dem Holz der Möbel wurden Formen „aufgezwungen“, die handwerklich äußerst schwer herzustellen waren. Außerdem wurde reich verziert – mit Intarsien aus Edelhölzern und Perlmutt, Beschlägen aus Edelmetallen, Vergoldungen und Edelsteinen. Derart aufwändig gestaltete Möbel konnten sich nur Adel und Klerus leisten; sie dienten dazu, den Reichtum ihrer Besitzer zu repräsentieren.

Antike Biedermeier Möbel

Die Schlichtheit der Möbel des Biedermeier dagegen spiegelt den damaligen Anspruch des Bürgertums auf tugendhafte Zurückgezogenheit und Innerlichkeit wider. Schränke und Kommoden zeichnen sich durch große, unverzierte Holzflächen, oft mit verstecktem Scharnier und ohne Metallbeschläge aus; Stühle und Sessel haben erstmals Lehnen aus Bugholz. Die schmucklosen, abgerundeten Formen und zart gemusterten Polsterungen bilden einen bewussten Kontrast zu den überladenen, schwungvollen Möbeln des Barock, die man mit dem Adel assoziierte. Dieser aber war seit der französischen Revolution und spätestens dem Ende der napoleonischen Herrschaft in Deutschland nicht mehr tonangebend in Mode und Architektur.

Als viele Bürger es in der sich anschließenden Gründerzeit zu Wohlstand und Ansehen brachten, wurden die Möbel wieder repräsentativer, der Formensprache der damaligen Gebäude entsprechend. Es dominierten historisierende Stileinflüsse: Neoklassizismus, Neogotik und andere Neo-Ismen wurden teils recht beliebig kombiniert; zum ersten Mal wurden die Stile vergangener Epochen bewusst inventarisiert und katalogisiert. Geeint werden Antiquitäten aus dieser Epoche durch ihr massives, wuchtiges, geradlininges, repräsentatives Erscheinungsbild.

Ab wann werden Möbelstücke, als antike Möbel bezeichnet?

Es gibt derzeitig keine rechtlich verbindliche Aussage in einem Gesetzestext oder einer Verordnung, wann Möbel als "antike Möbel" bezeichnet werden. Unter Möbelrestauratoren, Antik- und Antiquitätenhändlern gibt es jedoch zur allgemeinen Verständigung eine Altersgrenze von etwa 100 Jahren. Somit werden Artikel als Antiquität bezeichnet, wenn Sie tatsächlich 100 Jahre alt oder noch älter sind. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen und viele weitere Faktoren.

Nach der Gründerzeit - Jugendstil Möbel

Der Jugendstil ist wohl die erste Strömung, die ganz bewusst in Kontrast zu Bestehendem geschaffen wurde und die Trennung zwischen „hoher“ Bildender Kunst und Gebrauchskunst aufzuheben suchte. Er kennt etliche regionale Richtungen und Bezeichnungen, etwa Secession (in Österreich) oder Art Nouveau (in Frankreich). Schwungvolle, organische Linienführung und Verzierungen sind kennzeichnend. Die typische Formensprache und Ornamentik findet sich auf Schränken, Lampen, Tischen, aber auch Illustrationen, Plakaten, Geländern und architektonischen Elementen.

Eine Besonderheit stellen Bauernmöbel dar. Sie imitierten oftmals die herrschenden Stile der jeweiligen Epoche – allerdings mit einigen Jahren bis Jahrzehnten Verspätung –, und mussten aus Mangel an Edelhölzern, Perlmutt und Edelmetallen auf preiswertere Formen der Verzierung zurückgreifen: Malereien, Scheinintarsien, Schnitzereien. Daneben weist die Bauernmalerei auf Geschirr und Möbeln aber auch ganz eigene, traditionelle Stilelemente auf – man denke an die typischen Blumenmotive, die in keinem der „offiziellen“ Stile eine Entsprechung finden. Nicht selten findet sich auf einem Bauernmöbel eine Jahreszahl, in der das Stück gefertigt wurde.

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