Bestandserhaltung in Archiven, Museen und Bibliotheken

Bestandserhaltung - Definition und Aufgaben

Maßnahmen zur Bewahrung und Wiederherstellung von Dokumenten und Artefakten in Archiven, Museen und Bibliotheken.

 

In Archiven, Museen und Bibliotheken lagern Dokumente und Artefakte, die das kulturelle und historische Gedächtnis des Ortes bilden, an dem sie sich befinden: Stadtchroniken, Taufregister, Gerichtsakten, archäologische Funde, historische Zeitschriften, Originalmanuskripte von Musikstücken und literarischen Werken, künstlerische Skizzen und Drucke, Fotografien und Filmrollen stellen nur einige Beispiele schützenswerten Archiv- und Depotguts dar. Um es zu bewahren, muss den natürlichen Zerfallsprozessen entgegengewirkt werden, dem alle Materialien unterliegen. Die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Bewahrung und Wiederherstellung dieser Stücke heißt Bestandserhaltung.

Schadenerfassung, Schadensbilder und Schadensprävention

Die eingelagerten Objekte sind je nach Typ einer Vielzahl unterschiedlichster Zerfallsprozesse ausgesetzt – hier unterscheidet man endogene (durch die chemische Zusammensetzung des Objektes hervorgerufene) und exogene (durch äußere Faktoren hervorgerufene) Schäden. Zu Letzterem zählen nicht nur unvorhersehbare Katastrophen, sondern auch durch falsche Lagerung und Behandlung verursachte Prozesse.

In Archiven und Bibliotheken, in denen die meisten Dokumente aus Papier bestehen, ist das häufigste Schadensbild der sogenannte Papierfraß oder Säurefraß, der durch im Papier enthaltene Säuren verursachte Zerfall von Dokumenten. Er betrifft die meisten zwischen 1800 und 2000 hergestelleten Papiere, da deren Zellulose häufig aus Holz gewonnen und sie unter Hinzugabe von Alaun produziert wurden. Tintenfraß wird von aus Galläpfeln hergestellter Tinte hervorgerufen, deren hoher Gerbstoffgehalt das Papier schädigt – dies betrifft häufig Papier aus dem 18. Jahrhundert oder früher.

Schäden durch falsche Lagerung und falsche Behandlung umfassen etwa: den Bruch von Buchrücken, Schäden durch Aufkleber, Stempel, rostende Heftklammern, Klebebänder und Post-its, Schimmel, Verschmutzung wegen fehlenden Staubschutzes, Vergilben oder Zerfall durch starke Lichteinwirkung. Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann Rost oder Schimmel begünstigen und Schädlingen günstige Lebensbedingungen bieten.

Seltenere, aber dafür umso verheerendere Gefahren stellen Katastrophen wie Brände (inklusive Wasserschäden durch Löschwasser) und mechanische Schäden – wie etwa beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs – dar.

Die Depots von Museen haben ähnliche Herausforderungen zu bewältigen. Auch hier bestehen viele Stücke aus organischem Material und sind anfällig für Schädlinge, UV-Strahlung, starke Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit – und damit für Spannungsrisse, Schimmel und Verschmutzung.

Präventive Bestandserhaltung

Zur präventiven Bestandserhaltung zählen alle Maßnahmen, die den Zerfall und die Notwendigkeit einer Restaurierung von Dokumenten – auch aus Kostengründen – so weit wie möglich hinauszögern sollen. Dazu zählen die sachgerechte Lagerung und Nutzung, die Kontrolle des Raumklimas, der Schutz vor Schädlingen, Feuer und Diebstahl. Einen besonderen Stellenwert nimmt die präventive Entsäuerung von ligninhaltigen Papieren ein. Da das Problem so viele Dokumente betrifft, wurden verschiedene Techniken zur individuellen sowie zur Massenentsäuerung entwickelt:

Die idealen Lagerbedingungen in Depots und Archiven variieren je nach Material, tendieren aber meist zu kühler, dunkler, trockener und sauberer Lagerung. Geeignete Klimatechnik kann helfen, die Bedingungen wirksam zu regulieren und Temperatur und Feuchtegrad annähernd konstant zu halten. Eine Verpackung schützt vor Staub und Schädlingen, muss aber selbst über die Zeit ausreichend stabil bleiben – Kunststoff etwa darf keinen Weichmacher enthalten, der austreten und das Stück beschädigen könnte.

Der Zugang zu empfindlichen Stücken muss reguliert werden, und empfindliche Exponate in Museen sollten nur für begrenzte Zeiträume ausgestellt werden. Ältere Bücher sollten nur noch bis maximal 90° geöffnet werden, um den Bruch des Buchrückens zu vermeiden, und nur noch mit Handschuhen berührt werden. Das Fachpersonal des entsprechenden Archivs oder Depots muss Besucher über die sachgerechte Nutzung der Dokumente informieren, gegebenenfalls auch beaufsichtigen oder selbst die Handhabung übernehmen.

Konservierung und Restaurierung

Konservierung bedeutet, den Verfallsprozess eines Objektes zu stoppen, Restaurierung dagegen, seinen Zustand zu verbessern. Eine Restaurierung kommt dann in Frage, wenn das entsprechende Dokument sehr wertvoll oder bereits stark beschädigt ist, zu Präsentationszwecken hergerichtet oder stabilisiert werden soll. Sie ist bedeutend kostenintensiver als die bloße Prävention. Art und Umfang der Restaurierung richten sich hierbei nach einer Vielzahl von Faktoren – dem betroffenen Material, dem Umfang der Schäden, dem gewünschten Endzustand. Objekte aus Papier werden je nach Bedarf beispielsweise gefriergetrocknet, auf stützendes Trägermaterial aufgebracht, von Schmutz und Schimmel gereinigt. Als seltene, teure und invasive, dafür aber sehr wirkungsvolle Methode wird mitunter das Papierspaltverfahren genutzt.

Digitale Bestandserhaltung

Immer häufiger werden Dokumente digital konserviert, etwa wenn die darin enthaltenen Informationen wertvoller oder historisch bedeutsamer sind als der materielle Träger selbst und dessen Konservierung zu kostenintensiv wäre, oder wenn sich abzeichnet, dass sein Verfall sich nicht mehr abwenden lässt. Die digitale Speicherung hat den Vorteil, dass sie den Zugriff weitaus größerer Personengruppen auf die im Dokument enthaltenen Informationen ermöglichen, ohne das Original zu gefährden; Digitalisate können zudem zur besseren Lesbarkeit nachbearbeitet werden.



Restaurierung und Konservierung - Referenz




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