Grundsatzpapiere, Chartas und Konventionen

Übersicht von Konventionen im Bereich Denkmalschutz, Denkmalpflege und Restaurierung

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es Überlegungen, wie die Denkmalpflege und der Kulturgüterschutz international geregelt werden könnten. Der konkrete historische Hintergrund war, dass sich durch die einsetzende Industrialisierung und somit Modernisierung das Städtebild änderte. Durch den strukturellen Wandel gingen viele Denkmäler verloren und auch der Zahn der Zeit nagte sichtbar an vielen historischen Gebäuden.

 

Prägend bzw. auslösend für heutige Bemühungen in den Bereichen Denkmalpflege und Restaurierung waren vor allem die Weltkriege im 20. Jahrhundert - die Zerstörung von historische Bauten und Denkmälern, was in vielen Ländern als schmerzhafter Verlust von kultureller Identität gesehen wurde. Aus den Erfahrungen entstand international der Wunsch, Kulturgüter künftig stärker zu schützen und sie für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Geltungsbereiche und Aktualität

Bei vielen Chartas und Konventionen handelt es sich heute um international anerkannte und praktizierte Standards, wobei die Gesetze in den jeweiligen Ländern genau regeln, welche Formen die Denkmalpflege bzw. Maßnahmen zur Restaurierung anzunehmen haben. Gerade beim Denkmalschutz kann es insofern auf nationaler Ebene zu Unterschieden kommen, sodass ein Blick auf aktuell geltendes Recht geworfen werden muss. Was den Grad der Verbindlichkeit der Umsetzung angeht, so kommt es darauf an, ob ein Land eine Charta unterzeichnet hat. Erfahrene Restauratoren kennen sich nicht nur mit nationalem Recht, sondern auch mit den spezifischen Vorgaben von Konventionen und Chartas aus. Die wichtigsten dieser Dokumente für die Denkmalpflege sollen im Folgenden kompakt zusammengefasst werden. Viele der genannten Dokumente sind trotz ihres Alters immer noch aktuell und angesehen. Das zeigt im Kern, dass die Konservierung von wertvollen Kulturgütern auch in der digitalisierten Moderne einen wichtigen gesellschaftlichen Wert behält. Besonders hervorzuheben sind die Chartas von ICOMOS, die internationale Standards für den Umgang mit kulturellem Erbe festschreiben. Diese Konventionen haben auf fachlicher Ebene eine sehr große Bedeutung, obwohl sie rein rechtlich nicht bindend sind. Insofern haben Chartas und Normen für die Denkmalpflege oft einen normativen Charakter, ohne dabei nationales Gesetz zu sein.

Charta bis zum Jahr 2000

Charta von Athen (1931)

Diese Charta wird auch als städtebauliches Manifest bezeichnet. Hintergrund war, dass der Städtebau zu dieser Zeit anderen Anforderungen mit deutlich mehr Mobilität gerecht werden musste. Gleichzeitig wurde festgelegt, wie historische Denkmäler als Teil der kulturellen Identität zu bewahren sind.

Charta von Venedig (1964)

Diese internationale Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles gilt bis heute als eine der wichtigsten ihrer Art. Immer noch arbeiten viele Restauratoren und Denkmalpfleger nach den Inhalten dieser Charta.
Erfahren Sie hier mehr über diese bedeutende Charta.

Charta von Florenz (1981)

Hierbei handelt es sich um eine Charta der historischen Gärten bzw. eine internationale Übereinkunft von Denkmalpflegern. In diesem Papier werden Grundsätze für die Restaurierung und Konservierung von Gartendenkmälern festgelegt. Bis heute handelt es sich dabei um international anerkannte Richtlinien.

Charta von Washington (1987)

Hierbei handelt es sich um eine internationale Charta für die Denkmalpflege in historischen Städten.

Charta von Lausanne (1990)

Mit dieser Charta wurde das spezifische Ziel festgehalten, bedeutsames archäologisches Erbe zu schützen und zu bewahren.

Nara Dokument über Authentizität (1994)

In diesem international anerkannten Dokument geht es um die Werte und insbesondere die Echtheit von Kulturdenkmälern. Festgehalten werden Verfahren, um Authentizität gewährleisten zu können.

Charta von Krakau (2000)

In dieser Charta geht es um die Restaurierung bzw. Konservierung von Bauerbe. Entstanden ist der Gedanke dieser Charta vor dem Hintergrund der europäischen Wiedervereinigung und des zusammenwachsenden Kontinentes.

Weitere Chartas nach 2000

In der Charta von Barcelona (2003) geht es um die Konservierung und Restaurierung von historischen Wasserfahrzeugen.

Die Charta von Riga (2005) befasst sich mit Konservierungsrichtlinien für Eisenbahnmuseen.

Die Charta von Turin (2013) befasst sich mit dem Thema der Erhaltung historischer Fahrzeuge.

Die Braunschweig Charta 'on aviation heritage' aus dem Jahr 2015 besagt, dass Kulturgüter weiter betrieben werden sollten, um in der Gesellschaft das Verständnis für ältere Errungenschaften aufrecht zu erhalten.

Haager Konvention

Hierbei handelt es sich um ein international anerkanntes und praktiziertes Abkommen für den Fall von bewaffneten Konflikten. Es wird beschrieben, mit welchen Mitteln Kulturgüter verschiedenster Art geschützt werden können.
Lesen sie hier mehr zum Thema Haager Konvention.

E.C.C.O.-Berufsrichtlinien

Die E.C.C.O. (European Confederation of Conservator-Restorers´ Organizations) hat in den Jahren 2002 und 2003 Berufsrichtlinien formuliert, die konkrete Anforderungen für die Ausbildung als Restaurator beschreiben. Definiert werden u.a. Grundsätze, die Restauratoren bei ihrer konservatorischen Arbeit zu berücksichtigen haben.
Mehr Details zu den Richtlinien erhalten Sie hier.

ICOMOS Monumentas I-III

Die ICOMOS Monumentas Reihen I bis III verfolgen das Ziel, den wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg in Bezug auf denkmalpflegerische Aspekte zu verstärken. Lesen Sie mehr zu der Monumenta Reihe, den internationalen Grundsätzen und Richtlinien der Denkmalpflege auf dt. Website des ICOMOS-Nationalkomitees.

ICOM-Deutschland "Standards für Museen"

Hierbei handelt es sich um detaillierte Vorgaben aus dem Jahr 2006 für die qualitätsorientierte Arbeit in Museen. Diese Standards sollen Museen dabei helfen, Leistungen kontinuierlich zu verbessern, um sich für Besucher so attraktiv wie möglich zu machen. Lesen Sie mehr zu den ethischen Richtlinien für Museen auf der Website von ICOM Deutschland e.V..

Berufsrechtliche Regelungen und Gesetze

Im Sinne eines Verbraucherschutzes versucht der VDR (Verband der Restauratoren - Deutschland), eine bundesweit geschützte Berufsbezeichnung durchzusetzen. Rechtliche Regelungen und aktuelle Gesetzestexte finden Sie somit auf der Website vom VDR: Berufspolitik und Schutz der Berufsbezeichnung.



Restaurierung und Konservierung - Referenz




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