Glasmalerei, Kirchenfenster und Bleiverglasung

Glasmalerei - Gestaltung und Veredelung von Glas

Glasmalerei dient als Oberbegriff für eine Reihe von Techniken zur Gestaltung und Veredelung von Glas, etwa für Kirchenfenster, Lampenschirme, Glastüren, Spiegel oder rein künstlerische Objekte. Dabei kommt eine Vielzahl von Techniken auch bei der Glasrestaurierung zum Einsatz – auf die wichtigsten soll im Folgenden eingegangen werden.

 

Geschichte der Glasmalerei

Glas wurde möglicherweise bereits vor etwa 7000 Jahren im Mittelmeerraum entwickelt; die ersten belegten Funde stammen aus Mesopotamien aus dem 2. Jahrtausend vor Christi Geburt. Bald bildeten sich erste Bearbeitungstechniken heraus, die die Funktionalität, aber auch ästhetischen Eigenschaften des Glases beeinflussten. So war bereits sehr früh bekannt, dass sich farbloses Glas unter Zugabe bestimmter Metalloxide einfärben lässt.

Die Gestaltung von Glasfenstern wurde vermutlich im antiken Persien entwickelt und in Europa durch die Römer eingeführt; ab dem frühen Mittelalter waren Techniken zum partiellen Einfärben und Bemalen von Glasoberflächen bekannt. Zu einem Höhepunkt gelangte die Glasmalerei in mittelalterlichen Kirchen vom 12. bis zum 15. Jahrhundert sowie später wieder im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss des Historismus. Auch aus dem Art déco und in moderneren Interpretationen des 20. und 21. Jahrhunderts existieren sehr schöne Beispiele.

Ästhetische Besonderheiten

Die Gestaltung einer gläsernen Fläche ist meist so konzipiert, dass eine hinter dem Objekt liegende Lichtquelle – im Fall von Glasfenstern schlicht das außerhalb eines Gebäudes herrschende Tageslicht – das farbig durchscheinende Glas erleuchtet. Glasmalerei erreicht daher eine ungleich höhere Farbbrillanz als jede andere Kunstform; die Bilder scheinen aus sich selbst heraus zu leuchten. Im Inneren eines Gebäudes mit farbigen Glasfenstern herrscht eine besondere, numinose Lichtstimmung vor, weshalb sie sehr oft in Sakralbauten eingesetzt wurden und werden, um die Heiligkeit des Ortes ästhetisch zu unterstreichen. Durch die steinernen und bleiernen Verstrebungen besonders in mittelalterlichen Kirchenbauten, aus technischer Notwendigkeit geboren, entstehen harte Kontraste zwischen den leuchtend bunten Flächen und den sie durchschneidenden harten Konturen, was einen Eindruck von Klarheit und strenger Ordnung erzeugt.

Die wichtigsten Techniken der Glasgestaltung

Bleiverglasung als traditionelles Kunsthandwerk

Da bis in die Neuzeit hinein keine Technik bekannt war, um große Glasflächen etwa für Fenster herzustellen, verband man kleinere, unterschiedlich gefärbte Glasflächen mit Ruten aus Blei, die durch ihre U- oder H-förmigen Querschnitte die einzelnen Stücke an ihrem Platz hielten. Im alten Persien hatte man Stege aus geschnitztem Holz verwendet; die Bleiverglasung setzte sich jedoch in Europa durch, da es leichter zu verarbeiten war. Ein Beispiel sind die Butzenscheiben der Glasfenster mittelalterlicher Wohnhäuser oder an Kirchen.

Bis zum Aufkommen der Emaillefarben zum Auftragen, die erst im späten Mittelalter entwickelt wurden, waren farbige Teile von Bleiglasfenstern in der Regel durchgefärbt, weshalb es nicht möglich war, auf derselben Scheibe in einem Bleiglasfenster verschiedenfarbige Flächen zu haben. Alle blauen, grünen und roten Flächen bestanden aus mit Hilfe von Metalloxiden durchgefärbtem Glas. Ergänzt wurde die Farbpalette durch schwarze und gelbe Malereien – Schwarzlot und Silbergelb –, die auf farbloses Glas aufgetragen und eingebrannt werden konnten.

Silbergelb und Schwarzlot

Schwarzlot, das bereits im 8. Jahrhundert existierte, ist eine Mischung aus Eisen- oder Kupferoxid, zermahlenem Glas, Gummi arabicum und Wasser. Es lassen sich graue, bräunliche und schwarze Schattierungen damit erzielen; häufig wurden Konturen, feine Linien, Schrift und Helldunkel-Effekte damit gearbeitet. Die Mischung wird aufgetragen und anschließend bei 650°C gebrannt.

Silbergelb, ab dem 14. Jahrhundert belegt, dient der goldgelben Färbung von farblosem Glas. Es ist die einzige Substanz, die in das Glas diffundiert und nicht nur auf dessen Oberfläche haftet. Eine Mischung aus Antimon, Silbersulfid und Wasser wird mit dem Pinsel auf eine farblose Glasscheibe aufgetragen und ebenfalls anschließend bei 700°C im Ofen gebrannt. Die Silberionen sinken ein und verbinden sich im Glas zu Nanopartikeln. Silbergelb ist daher sehr beständig gegen Glaskorrosion.

Emaille- / Keramikfarben und Überfangglas

Emaille- oder Keramikfarben bestehen aus Eisenoxiden für die Färbung, gemahlenem Glas und Blei sowie einer Bindemittelmischung, die entweder wässerig (Gummi arabicum in Wasser) oder ölig (Essig und Dicköl in Terpentin) sein kann. Ähnlich wie bei den beiden anderen Techniken wird die Mischung mit dem Pinsel aufgetragen und im Ofen bei 600°C bis 700°C geschmolzen. Hier bildet das farbige Glas lediglich eine Schicht auf dem Untergrund, die nachträglich durch Schleifen, Ätzen mit Flusssäure o.ä. teilweise wieder entfernt werden kann. Die Technik kam im 16. Jahrhundert auf und erweiterte die Gestaltungsmöglichkeiten enorm, da sich mehrere Farbflächen nebeneinander auf denselben Untergrund setzen lassen. Ist eine Fläche oder ein ganzes Objekt sehr gleichmäßig mit einer einzelnen Emaillefarbe überzogen, so spricht man von Überfangglas.

Schleifen, Ätzen und Sandstrahlen

Sehr einzigartige Effekte lassen sich durch das Anrauen oder teilweise Abtragen der Oberflächenschicht eines Glasobjektes erzielen. Eine raue Glasoberfläche ist fast genauso transluzent wie eine glatte, jedoch undurchsichtig, weshalb sie oft bei bestimmten Fenstertypen oder Lampenschirmen angetroffen werden kann. Geschliffenes oder geätztes Überfangglas ermöglicht die gezielte Kombination von farbigen und weißen Flächen. Durch Schleifen sehen Gläser mitunter auch natürlichen Kristallen ähnlich.

In Bezug auf Glas-Restaurierung?

Ein Großteil der Restaurationsarbeiten fällt für mittelalterliche Glasfenster an. Hier sind Emaillefarben oft durch Glaskorrosion angegriffen, manche Fenster haben Sprünge oder sogar Löcher. Bei Bruchschäden müssen fehlende Teile nachgebildet und ersetzt werden; bloße Sprünge können fast unsichtbar verleimt werden. Nicht selten geschieht der Austausch durch Nachbildungen auch präventiv für ganze Fenster. Dabei kommen dieselben Fertigungstechniken wie für die Originale zum Einsatz. Häufig wird zum Schutz eine zweite, transparente Fensterschicht außen am Gebäude angebracht und die Luftzusammensetzung überwacht, um weiterer Korrosion entgegenwirken zu können.

Besonderheiten – Vorteile und Nachteile

In Bezug auf die Farbwirkung und Brillanz sind Objekte aus Glas äußerst beständig – anders als bei Kunstwerken aus Pigmenten und Bindemittel gibt es kein Verblassen oder Vergilben. Auch die Korrosion von Emaillefarben führt weniger schnell zum Zerfall der ästhetischen Wirkung als bei herkömmlichen Malereien. Eine Vielzahl von Gefahren, die Kunstwerke mit organischer materieller Grundlage bedrohen – etwa ein Befall mit Parasiten, Feuchteschäden, Verbrennen – kommen nicht vor. Dafür jedoch ist Glas ein gegenüber mechanischen Einflüssen äußerst empfindliches Material, das leicht zerbrechen kann. Der Herstellungsprozess ist hochkomplex und erfordert vergleichsweise viel handwerkliches Fachwissen; zudem ist ein hohes Maß an Planung erforderlich, das Spontaneität und glücklichen Zufällen im Prozess verglichen mit anderen Kunstformen nur sehr wenig Raum lässt.

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