IPM - Integrated Pest Management

Integrated Pest Management - Integriertes Schädlingsmanagement

Der Begriff „Integrated Pest Management“, deutsch „Integrierte Schädlingskontrolle“ oder „Integriertes Schädlingsmanagement“, steht für eine minimalinvasive Strategie des Umgangs mit Schädlingsbefall, das den Fokus auf Prävention und Populationskontrolle statt - wie bei konventioneller Schädlingsbekämpfung - auf Ausrottung legt.

 

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die ledigliche Eindämmung von Populationen für die Vermeidung von Schäden ausreichend, zudem kostengünstiger, nachhaltiger und mit weniger Gefahren für Mensch und Umwelt verbunden ist.

Im Kontext von Archiven und Museen besteht der größte Teil der Aufgabe darin, Bedingungen zu schaffen, die der Entwicklung von Schädlingspopulationen abträglich sind, den Zugang zu gefährdeten Stücken so weit wie möglich zu erschweren, und erst bei Ausbreitung einer Population zu Eindämmungsmaßnahmen zu greifen.

Als Schädling bezeichnet man im Kontext von Archiven und Museen alle biologischen Lebensformen, die den Zerfall eines schützenswerten Objektes beschleunigen – also nicht nur Tiere (wie Nager, Milben, Insekten und Vögel), sondern auch Flechten, Pilze, Schimmel und Moos, sofern es etwa die Bausubstanz eines Denkmals angreift. Meist handelt es sich um die Destabilisierung des betroffenen Objektes durch Fraßschäden, aber auch die Verunreinigung mit Kot und anderen Stoffwechselprodukten (was ein saures oder basisches Milieu schaffen kann) oder – im Fall von Moos und anderen Pflanzen auf Baudenkmälern – die Zersetzung von Mörtel.

Je nach Schädlingsart sind verschiedene Materialien gefährdet. Manche Lebewesen – etwa Nager, Milben und viele Käferarten – haben ein sehr breites Nahrungsspektrum, andere sind auf bestimmte Materialien spezialisiert: Kleidermotten befallen hauptsächlich tierische Fasern, also Fell, Filz, Seide und Wolle; Holzwürmer sorgen für die charakteristischen Löcher in Möbeln und Balken; Papierfischchen breiten sich in Archiven aus. Vögel, Flechten und Pflanzen sind aufgrund ihres Lebensraumes im Außenbereich eher für Baudenkmäler relevant.

Schädlingsvermeidung - Vorbeugen

Vorbeugung geschieht vorrangig durch zwei Strategien: zum Einen, den Schädlingen den Zugang zu den zu schützenden Objekten durch mechanische Barrieren so weit wie möglich zu erschweren, und zum Anderen, Umweltbedingungen zu schaffen, die das Überleben und die Vermehrung der Schädlinge unterbinden.

Im Außenbereich werden als Schutz vor Taubenkot an Baudenkmälern Netze und Spikes angebracht, die die Vögel daran hindern, sich auf Simsen und Vorsprüngen niederzulassen. In Depots und Archiven werden vor allem organische Materialien, etwa Textilien, Papier, Holz etc. – besonders, wenn sie sehr wertvoll und anfällig für Fraßschäden sind – an unzugänglichen Stellen aufbewahrt, etwa in luftdicht abgeschlossenen Behältnissen.

Viele Schädlinge kommen in kühlen, trockenen Umgebungen schlechter zurecht als in warmen, feuchten. Die Raumtemperatur sollte daher stets bei ca. 18° C, in Magazinen und Lagern u.U. noch kühler gehalten werden. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch entsprechende Klimatechnik bei ca. 50% halten. Eine Ausnahme bildet das Papierfischchen, ein Insekt, das bei diesem Wert sogar besser gedeiht und daher durch andere Maßnahmen in Schach gehalten werden muss.

Auch strenge Hygiene ist eine wirkungsvolle Maßnahme, da Staub und andere Schmutzpartikel den Schädlingen selbst oder ihren Beutetieren als erste Nahrungsgrundlage dienen können.

Schädlingsfrüherkennung - Monitoring

Mindestens zweimal im Jahr, idealerweise jedoch noch öfter, sollten alle in Frage kommenden Räumlichkeiten einer gründlichen Prüfung unterzogen werden, inklusive aller Behälter, Aufbewahrungsmöbel und besonders Zwischenräume zwischen diesen und den angrenzenden Wänden/Fußböden - mitunter entstehen dort Mikroklimata, die nicht mit den im Rest des Raumes gemessenen Bedingungen übereinstimmen und so unentdeckt die Entstehung von Nestern und Herden begünstigen. Anzeichen für einen Befall mit Schädlingen können Fraßschäden (etwa die charakteristischen Löcher bei Holzwurmbefall), das Vorhandensein von Eiern, Larven, abgeworfenen Häuten, Haaren und erwachsenen Tieren, bei Schimmel ein entsprechender Geruch und Flecken auf den Objekten sein. Zur regelmäßigen Erfassung von Insektenbefall eignen sich Klebefallen, sofern sie in festgelegten Zeiträumen ausgetauscht werden; Nager können durch Lebendfallen aufgespürt werden.

Nach der Identifikation eines Befalls besteht der zweite Schritt darin, die Population genau zu lokalisieren, damit gezielte Maßnahmen ergriffen werden können.

Schädlingsbekämpfung

Der Einsatz von Giften o.ä. ist nach Maßgabe des IPM so weit wie möglich zu vermeiden. Befallene Einzelstücke können starken Temperaturwechseln (durch Einfrieren oder kurzzeitiges Erhitzen) ausgesetzt werden – dies ist nicht nur bei kleinen Objekten wie Schaukästen, sondern sogar bei mittelgroßen Gebäuden durch temporäre Isolation durch Planen und den Einsatz von Heißgebläsen möglich. Soweit möglich, sollten die Tiere und ihre Nester, an Denkmälern Planzen mitsamt Wurzeln mechanisch entfernt werden. Mitunter lassen sich Schädlinge auch durch andere, harmlose Tiere bekämpfen: Schlupfwespenpopulationen haben sich als wirkungsvoll gegen Kleidermotten bewiesen, richten selbst aber keinen Schaden an. Erst als letzte Maßnahme wird zur Tötung geraten.

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