Ölfarben und Ölmalerei

Geschichte, Herstellung und Anwendung von Ölfarbe

Ölfarbe zählt zu den in der abendländischen Malerei am häufigsten verwendeten Techniken – dies liegt an ihrer Brillanz, ihrer Beständigkeit und vielseitigen Anwendbarkeit.

 

Geschichte der Ölmalerei

Vor der Verwendung reiner Ölfarbe kamen pflanzliche Öle im Mittelalter häufig in Temperafarben zum Einsatz, die durch emulgierende Bestandteile wie Ei oder Kasein fetthaltige und wässerige Anteile in der Farbe miteinander verbinden. Der Nachteil dieser Farben war die leichte Verderblichkeit und die kurzen Trocknungszeiten, denen mit Weglassen der nicht fetthaltigen Bestandteile begegnet wurde – übrig blieben Pigment, Öl und ggf. Harze.

Als Erfinder der Ölfarbe gilt laut Giorgio Vasari der niederländische Maler Jan van Eyck, wobei es wahrscheinlicher ist, dass die Technik von mehreren Personen oder in mehreren Werkstätten Ende des vierzehnten Jahrhunderts in den Niederlanden entwickelt wurde. Durch den italienischen Maler Antonello da Messina wurde die Technik dann südlich der Alpen eingeführt.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieb die Technik der Herstellung und Anwendung von Ölfarbe weitgehend unverändert. Jede Werkstatt mischte die Farbe nach eigenem Rezept selbst an. Die so hergestellten Farben konnten allerdings schlecht über längere Zeit aufbewahrt oder transportiert werden. Der amerikanische Maler John G. Rand erfand schließlich Tuben aus Blei (mit Zinn plattierte) – diese ließ er, zusammen mit einer Maschinerie zum Befüllen der Tuben, 1841 in London patentieren.

Bestandteile und Herstellung

Ölfarbe besteht aus Pigment und einem pflanzlichen Öl als Bindemittel, das bei Kontakt mit der Luft durch chemische Prozesse aushärtet. Durch Zugabe von Lösungsmitteln, meist Terpentinöl, Testbenzin oder Spiritus, wird die Farbe verdünnt und die Trocknung verzögert; die Hinzugabe von Sikkativen beschleunigt den Prozess. Die am häufigsten verwendeten Öle sind Leinöl, Mohnöl und Walnussöl – letztere wegen ihrer hellen Farbe, wohingegen Leinöl zwar preiswerter und leichter verfügbar, dafür aber leicht gelbstichig ist. Durch Kochen können die Öle vor der Verwendung entschleimt, durch direktes Sonnenlicht etwas gebleicht werden. Andere verwendete Öle, etwa Chiaöl, Tungöl oder Hanföl, haben eher regionale Bedeutung.

In den Werkstätten des Mittelalters und späterer Epochen bis zum 19. Jahrhundert wurde die Ölfarbe meist mit einem Glasläufer auf einer Glasplatte angerieben, was die homogenste Verteilung der Pigmente gewährleistet.

Eigenschaften und Deckkraft

Die Deckkraft variiert je nach verwendetem Pigment, dem Grad der Verdünnung durch Lösungsmittel und dem Anteil von deckenden Füllstoffen (Kreide, Marmormehl etc.). Stark verdünnte Farbe kann sehr lasierend-transparent aufgetragen werden, dick pastose Farbe ist opak.

Die Trocknung kann sehr lange dauern – von einigen Stunden bis hin zu Wochen oder gar Jahren –, was etwa bei Nass-in-nass-Techniken von Vorteil ist: Große, glatte Farbflächen oder äußerst zarte Farbübergänge lassen sich signifikant leichter erzielen als mit anderen Techniken. Nachteilig daran ist, dass die Entstehung eines Bildes dadurch, besonders bei einem Bildaufbau mit mehreren Farbschichten, sehr lange dauern kann.

Streng genommen „trocknet“ die Farbe nicht, sondern das Öl oxidiert an der Luft; die enthaltenen Fettsäuremoleküle verbinden sich, was eine Polymerisierung und damit Verfestigung bewirkt. Restlos ist der chemische Prozess jedoch bis heute nicht erschlossen.

Anwendung der Ölfarben

Der erste Maluntergrund für Ölfarbe war Holz, wie bei der zuvor schon jahrhundertelang angewendeten Temperamalerei. Dies begrenzte die Fläche für ein Gemälde, da Bretter aus Holz zum einen nur in einer bestimmten Maximalgröße angefertigt werden konnten, zum anderen extrem schwer waren. In der Renaissance wurden dann Rahmen erfunden, auf die man Leinwand spannte und mit Nägeln befestigte – dies vergrößerte die zum Bemalen zur Verfügung stehende Fläche enorm. Da Ölfarbe sehr elastisch ist, vertrug sie die Bewegungen dieses flexiblen Malgrundes leichter als andere Farben.

Besonders in den ersten Jahrhunderten wendete man sehr oft Techniken an, bei denen die Farbe in lasierenden Schichten aufgetragen wurde – Ölfarbe bildete hier oft die letzten, leuchtendsten Schichten auf einer Grundierung und Untermalung aus magereren Farben, etwa auf Leimbasis, Tempera oder Gouache. Später trugen Maler die Farbe auch alla prima auf eine vorgrundierte Leinwand auf, so zum Beispiel die französischen Impressionisten, die oft im Freien arbeiteten und wenig Zeit für die Fertigstellung eines Bildes hatten.

Restaurierung von Ölmalerei

Anstriche mit Farbe auf Leinölbasis ergeben sowohl auf Holz (zum Beispiel bei traditionellen Fachwerkhäusern) als auch auf Stahl einen guten Feuchtigkeitsschutz, da sie atmungsaktiv und relativ witterungsbeständig sind. Im Denkmalschutz spielt Ölfarbe also nicht nur als Objekt, sondern auch als aktiv angewendete Technik eine Rolle.

Ölfarbe zählt zu den beständigsten Farbarten; viele vor 500 oder 600 Jahren entstandenen Werke sind noch in relativ gutem Zustand. Für Restauratoren stellt eine Herausforderung dar, dass sie zu Rissbildungen neigt (den so genannten Krakeluren) und mitunter stark nachdunkelt. Dem kann teils durch Abtragen der vergilbten Firnisschicht bei der Restaurierung von Gemälden begegnet werden. Müssen abgeplatze Teile ersetzt werden, sollte das nach Möglichkeit immer unter Verwendung desselben Pigmentes und derselben Art von Öl geschehen.

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