Schellack und Schellackpolitur

Die Restaurierung von antiken Holzmöbeln mit Schellack

Schellack ist eine Harzart, die hauptsächlich zur Restaurierung und Oberflächenbearbeitung von Möbeln aus Holz genutzt wird.

 

Er entsteht aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus (Kerria lacca). Das ist ein Insekt von der durchschnittlichen Größe eines Apfelkerns. Während seiner Fortpflanzungsphase saugt es Saft aus den Blättern der Bäume. Diese Flüssigkeit wird als bernsteinfarbige harzige Substanz wieder ausgeschieden und bildet einen schützenden Kokon für die Eiablage. Der Kokon ist der Grundstoff für Schellack. Gebräuchliche Bezeichnungen sind auch Tafel- und Plattlack.

Der Naturlack kann glatte Oberflächen hervorragend versiegeln

Mehrere Länder des südöstlichen Asien, speziell Indien und Thailand, gewannen Schellack früher in großen Mengen. Es war das erste industriell eingesetzte Harz weltweit und fand in der Farben- sowie Lackbranche Anwendung. Bekannt wurde Schellack vor allem als Bindemittel in Schallplatten sowie auch bei deren Oberflächenschutz. Darüber hinaus kommt er bis heute in der Nahrungsmittel- und pharmazeutischen Industrie zum Einsatz. Schellack versiegelt gut und ist im Ernährungsbereich unbedenklich.

Die Farbtöne reichen bis zum blutroten Rubinschellack

Nach mehreren Verarbeitungsschritten wird der gelblichbraune Schellack in kleinen, dünnen, tafelartigen Bruchstücken dem Handel angeboten. Sie sind durchscheinend, glänzend und hart. Das Produkt wird auch als Blätterschellack bezeichnet. Davon abweichende Formen heißen Kuchen- und Knopfschellack. Farblich gibt es mehrere Varianten, zum Beispiel den blutroten Rubinschellack. Auch eine Orangefärbung kommt oft vor. Der Lack für die Möbel-Restaurierung kann mit und auch ohne Wachs hergestellt werden. Auf natürlicher Basis liegt der Wachsgehalt bei drei bis sechs Prozent. Gebleicht erreicht der Schellack verschiedene Stufen bis zur Farblosigkeit.

Unter Wärmeeinwirkung wird der Lack weich und gut knetbar

Bei Zimmertemperatur sowie darunter ist Schellack spröde, hart und brüchig. Unter diesen Bedingungen hat er keinen Geruch und Geschmack. Bei 65 bis 85 °C beginnt er zu schmelzen. Dabei entwickelt er einen angenehmen Geruch. Wenn Schellack brennt, hat er eine helle, leuchtende Flamme. In Wasser löst er sich nicht, quillt jedoch auf. Löslich ist Schellack zum Beispiel in Ethanol und Ammoniak. Jedoch bleibt das enthaltene Wachs dabei zurück. Wird er für die Restaurierung geknetet und ausgerollt, bekommt Schellack einen seidenen Glanz. Wegen seiner speziellen Eigenschaften eignet sich Schellack sehr gut als Lacküberzug auf Geigen und anderen Zupfinstrumenten. Bei Holzblasinstrumenten dient er außerdem als Klebstoff für Kork- oder andere Abdeckungen auf Metallteilen.

Bei einer Schellackpolitur wird das Harz mit Ethanol gemischt

Die Oberflächenbehandlung beziehungsweise Restaurierung antiker Möbelstücke erfolgt mit einer Schellackpolitur. Dafür wird der Lack mit Ethanol gemischt. Ihre große Zeit erlebte die Schellackpolitur im 19. Jahrhundert. Die Reparatur oder Restaurierung dieser Möbel kann deshalb nicht mit heute üblicherweise eingesetzten Lacken durchgeführt werden. Selbst eine Pflege schellackpolierter Flächen mit modernen Mitteln ist nicht zu empfehlen, weil sie leicht die Harzschicht und damit den besonderen Oberflächenglanz angreifen können. Allein aus diesen Gründen sollte stets ein gut ausgebildeter Möbelrestaurator solche Arbeiten ausführen. Ein Laie besitzt in der Regel nicht die erforderlichen handwerklichen Fertigkeiten für eine Schellackpolitur und verursacht obendrein irreparable Schäden an dem wertvollen Möbelstück.

Kleine Schäden können mit Schellack ausgebrannt werden

Für eine Schellackpolitur muss zunächst die Holzoberfläche grundiert werden. So schließen sich die Holzporen. Dann wird, besonders bei alten Möbeln, die vorhandene Schellackschicht angelöst. Über diese wird die neue Schicht aufgebracht. Fremde Lacke müssen zuvor sorgfältig aufgeweicht und mit dem Spachtel abgetragen werden. Das betreffende Holz wird anschließend vorsichtig gereinigt, meist unter Zuhilfenahme von Alkohol. Eventuelle Schäden können dabei mit etwas Schellack behutsam ausgebrannt werden. Außerdem sind feine Stahlwolle und geeignete Bronzebürsten praktische Arbeitsmittel für eine Vorbehandlung der Schellackpolitur. Zum schließen von Holzporen wird oft Bimsmehl als Porenfüller verwendet. Nach einer Ruhezeit von etwa 24 Stunden kann die bearbeitete Holzfläche dann auspoliert werden. Bei diesem Vorgang werden gleichzeitig eventuelle Ölreste von der Oberfläche entfernt.

Bei allen Arbeitsschritten werden Polierballen aus Wolle verwendet

Für sämtliche Arbeitsschritte bei einer Schellackpolitur setzt der Möbelrestaurator spezielle Ballen aus reiner Wolle ein. Jedoch unterscheiden sich diese Polierballen je nach ihrem Zweck. Unterschiedliche Ballen sollten auch getrennt gelagert werden. Zum Beispiel könnten verbliebene Reste von Bimsmehl im Ballen für das Grundpolieren spätere Lackschichten beschädigen beziehungsweise zerkratzen. Die Polierballen werden in etwas Öl getränkt und mit kreisenden Bewegungen gleichmäßig über das gesamte Areal geführt. Jeder gute Fachmann findet hier das gesunde Mittelmaß, damit die bereits fertige Lackschicht nicht wieder aufgerissen wird, etwa wenn der Ballen zu trocken ist. Außerdem ist es wichtig, mit dem Polierballen alle Ecken und Kanten exakt zu bearbeiten. Nur so lässt sich am Schluss ein gleichmäßiger Glanz der gesamten Fläche herstellen.

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