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Glewitz, Wandmalerei und Architekturimitation in der Dorfkirche

Untersuchung, Freilegung, Konservierung, Restaurierung und Rekonstruktion eines Wandmalereibereiches und einer Architekturimitationsfläche

dipl.rest.(fh) stephan keilwerth
 
 



Vorzustand Wandmalerei
Vorzustand Wandmalerei
Vorzustand Masswerk
Vorzustand Masswerk
Zwischenz. Wandmalerei
Zwischenz. Wandmalerei
Endzustand Masswerk
Endzustand Masswerk
Endzustand Wandmalerei
Endzustand Wandmalerei
Wandmalerei Detail
Wandmalerei Detail

Zusammenfassung der Untersuchung und Arbeiten

0. Vorwort
Der folgende Kurzbericht soll die von mir durchgeführten Maßnahmen an einem Teilbereich der Wandmalereien in der Glewitzer Kirche dokumentieren. Die Arbeiten wurden während meiner Ferientätigkeit in der Kirche unter Betreuung des Restaurators Reinhard Labs vorgenommen. Sie dienten dem Zweck an einem repräsentanten Bereich der Wandmalereien mögliche Technologien und Methoden zur Konservierung und Restaurierung der gesamten Malereien zu erproben, um ihre Effizienz und Qualität an einem späteren Zeitpunkt beurteilen zu können. Die Einschätzung der erzielten Ergebnisse und ihrer eventuellen Folgen soll die Grundlage für ein Maßnahmekonzept zur Restaurierung der gesamten Wandmalereien bilden und wird durch den Restaurator Reinhard Labs vorgenommen.

0.1 Lokalisierung

Der bearbeitete Teilbereich befindet sich an der Nordwand im Chor auf dem Brüstungsfeld unter Fenster FN 3(siehe Grundrißzeichnung Anhang). Die Malerei wird rechts und links von den Halbrunddiensten des Chorgewölbes begrenzt. Ihre obere Grenze ist die Sohlbank des Fensters und ihre untere das Chorgestühl.

I. Untersuchungen
I.1. Bildträger
I.1.1. Beschreibung
Die Wandmalerei befindet sich auf einer dünnen Kalkputzschlämme, die ohne Unterputz direkt auf dem Backsteinmauerwerk der Nordwand des Cohres aufgebracht ist. Die Putzfläche hat eine längsrechteckige Form und ist oben in Höhe der Sohlbank des Fensters und unten in Höhe des Chorgestühls begrenzt. Auf den Diensten rechts und links neben der Putzfläche ist nur eine dünne Kalkschlämme zu erkennen, die nicht die Dicke der Putzfläche erreicht. Das Backsteinmauerwerk der Wand ist zweischalig und regelmäßig im Verbund gemauert, die Dienste binden an einigen Stellen im Mauerwerk ein.

I.1.2. Historische Untersuchung
Aus der Auflistung der historischen Daten der Kirche in Glewitz, die von Pfarrer Rolf Kneißl ausgearbeitet wurde geht hervor, daß 1293 das Patronat der Glewitzer Kirche vom Kloster Neuenkamp verliehen wird. Der Chor der Kirche ist mit größter Wahrscheinlichkeit dieser Zeit zuzuordnen. Das heute ersichtliche Schiff wird einer späteren Bauphase im 14. Jhd. zugeordnet. Der Turm soll nach diesen Angaben im 15. Jhd. entstanden sein. 1668 wird die Kirche nach staken Kriegsschäden vollständig repariert. Am 2. Februar 1717 stürzt das Chorgewölbe hinter dem Triumphbogen ein und wird 1719 wieder aufgebaut. 1873 erfolgt eine letzte umfangreiche Renovierung des Innenraumes, deren Farbgebung auch heute noch das Erscheinungsbild prägt.

I.1.3. Technische Untersuchung
Die bemalte Putzschicht hat die Maße; 261 cm Breite, 124 cm Höhe und die Unterkannte ist 140 cm vom Fußboden entfernt. Die Dienste haben einen Durchmesser von 25 cm. Die Putzschlämme schwankt in ihrer Dicke zwischen 2 mm bis 8 mm. Die Oberfläche ist stark wellig und mit einem groben Pinselduktus versehen. Der Putz ist feinkörnig und hat einen sehr geringen Zuschlagstoffanteil, der meist ein feinkörniger gelber Sand ist. Das Bindemittel des Putzes wurde durch Röntgen-Fluoreszensanalyse als Kalk identifiziert (siehe Anhang Probe 2). Das Mauerwerk als konstruktiver Träger der Putzschicht wurde nicht ausführlich untersucht.

I.1.4. Schäden

Als Hauptschadensbild am Putz sind Abplatzungen zu nennen, die unterschiedlich große Dimensionen aufweisen. Auch Risse und gelockerte Putzschollen können als häufig vorkommend beschrieben werden. An den Ziegelsteinen des Mauerwerks ist ein vereinzelt vorkommender Bröckelzerfall mit unterschiedlich großen Dimensionen zu beobachten, der jedoch keiner genauen Lokalisierung unterzogen werden kann. An Grenzflächen des teilweise schalenartigen Bröckelzerfalls sind weiße kristallartige Oberflächen zu verzeichnen. Weiterhin sind an einigen Rissen und Abbruchstellen im Mauerwerk Mörtelergänzungen einer späteren Bauphase zu erkennen.

I.2. Malerei / Fassung
I.2.1. Beschreibung
Bei dem bearbeiteten Wandmalereiabschnitt handelt es sich um das Fragment einer Passions- und einer Märtyrerdarstellung, die im oberen und unteren Ende durch ein deutsches Band abgeschlossen und in der Mitte durch einen Strich geteilt wird. An den vertikalen Grenzen, den Diensten des Gewölbes ist jeweils ein Weihekreuz in Höhe des deutschen Bandes gemalt.
In der linken Bildhälfte ist kein deutlicher Bildzusammenhang erkenntlich, jedoch muß es sich zumindest im oberen Bereich um eine Passionsszene handeln, weil deren Fortlauf zumindest in Richtung Chor schon nachgewiesen ist. In der unteren linken Bildhälfte konnten keine Hinweise auf eine künstlerische Gestaltung gefunden werden.

I.2.2. Historische Untersuchung
1995 wurden bei Fensterreparaturarbeiten Wandmalereien entdeckt, die sich als Zyklusumlauf an allen Wänden im Innenraum der Kirche darstellten. Der bearbeitet Bereich ist gestalterischer Bestandteil einer Passionsdarstellung und hat in der rechten noch erkennbaren Bildhälfte die Darstellung des gebunden Christus auf dem Weg zur Kreuzigung zum Inhalt. Unter der Passionsdarstellung ist eine Märtyrerszene des Hl. Erasmus dargestellt. Nach Begutachtung der teilweise freigelegten Malereien kam der Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Badstübner zu der Erkenntnis, daß es sich bei den Wandmalereien um Darstellungen handelt, die stilistisch in den Zeitraum 1370 einzuordnen sind.

I.2.3. Technische Untersuchung
Bei der Malerei handelt es sich um eine Kalkmalereitechnologie, bei der die Farben mit Kalk angerührt und auf eine dünne Kalkschlämme, die vermutlich noch nicht ganz trocken war auf-gebracht wurden. Dies wird besonders beim Rot der Figurkonturen deutlich, das eine freskale Bindung mit der Putzschlämme eingegangen ist. Ebenfalls ist das helle Grün am Sarkophag des Erasmus freskal gebunden. Das Grün an den Beinen des Erasmus, den Helmen der Wächter, ihrer Beine und dem Gewand der Figur hinter dem Kreuztragenden ist jedoch seccogebunden was durch ein leichtes abkreiden deutlich wird. Ebenso verhält es sich mit dem Weiß am Kreuz und den Gewändern der Wächter.
Als Pigmente konnten durch Röntgen-Fluoreszensanalyse folgende Zuordnungen festgelegt werden:
- helles Grün = mit größter Wahrscheinlichkeit Malachit
- dunkles Grün = grüne Erde
- Rot = Eisenoxidrot
- Weiß = Kalk
Für die seccogebundenen Farben konnte kein Bindemittel analysiert werden, weil die Probemenge nicht ausreichte, dies sollte noch nachgeholt werden.

I.2.4. Schäden

Das Hauptschadensbild ist wie beim Putz die Abplatzung von größeren und kleineren Bereichen der Malerei, meist mit Putz aber auch ohne Verlust des Trägers. Im linken Bildbereich kommt noch eine großflächige Vergipsung der Malereioberfläche hinzu, die stark auf deren Oberfläche haftet. Die gesamte Malerei ist von mehreren Farbschichten späterer Gestaltungsphasen überzogen. Die seccogebundenen Farbschichten kreiden leicht ab aber auch die freskalgebunden zeigen Lockerungserscheinungen zum Träger.


II. Schadursachenanalyse
II.1. Chemische/physikalische Probenanalyse

An einigen repräsentativen Bereichen wurden Materialproben, an den vermutlich am stärksten betroffen Bereichen des Objektes entnommen. Diese Proben wurden im Labor der FH Erfurt des FB Restaurierung untersucht.

Um die Schadmechanismen der materialschädigenden Salze nachvollziehen zu können, sind Untersuchungen über die Konzentration der Sulfat-und Nitratbestandteile von vermutlich belasteten Bereichen durchgeführt worden. Eine genaue Identifizierung der Salze in den Proben konnte nicht vorgenommen werden. Chloridbestandteile konnten nicht untersucht werden, da die Reagenzien im Labor fehlten.

Probe 1: weißer Überzug auf der linken Bildhälfte
Probe 2: Putzrobe aus dem Randbereich eines vom Bröckelzerfall betroffenen
Ziegelsteins
Probe 3: Ziegelprobe eines vom Bröckelzerfall betroffenen Steines

Diese Proben wurden mittels UV-VIS Spectrographie untersucht, um den Konzentrations-gehalt der vorkommenden Sulfate und Nitrate zu bestimmen. Eine Bestimmung des Konzentrationsgehaltes von Chloriden war nicht möglich, da die benötigten Reagenzien im Labor noch nicht vorhanden waren.

Untersuchungsergebnisse:Probe 1; -Sulfatanteil der Probe 522,05 mg/l der Probe-
menge (0,4 g Probematerial in 100 ml destil-
lierten Wasser)
-Nitratanteil der Probe 15,85 mg/l der Probe-
menge (0,4 g Probematerial in 100 ml destil-
lierten Wasser)

Probe 2; -Sulfatanteil der Probe 40,8 mg/l der Probemenge
(0,2 g Probematerial in 100 ml destillierten Was- ser)
-Nitratanteil der Probe 19,5 mg/l der Probemenge
(0,2 g Probematerial in 100 ml destillierten Was- ser)

Probe 3; -Sulfatanteil der Probe 82,7 mg/l der Probemenge
(1,1 g Probematerial in 500 ml destillierten Was- ser)
-Nitratanteil der Probe 19,0 mg/l der Probemenge
(1,1g Probematerial in 500 ml destillierten Was- ser)

Es kann davon ausgegangen werden, daß es sich bei allen untersuchten Proben bei den vorkommenden Salzen um Calciumsulfat handelt. Diese Vermutung wird von den Ergebnissen der Röntgen-Fluoreszenzanalyse und der UV-VIS Analyse unterstützt (siehe Anlagen). Bei diesen Untersuchungen wurde bei den meisten Proben ein Schwefel- und Calciumanteil festgestellt, andere Salzbildner, wie z.B. Magnesium wurden nicht nachgewiesen.
Bei der Ziegelprobe (Probe 3 Röntgen-Fluoreszensanalyse) konnte allerdings ein geringer Chlor- und Aluminiumanteil zusätzlich festgestellt werden, welcher durchaus schadursachenrelevant seien könnte, dies sollte man gegebenenfalls noch einmal mit einer genauen Untersuchung der Salze im Ziegel überprüfen.
Aufgrund der aufgeführten Ergebnisse kann man von einer geringen Belastung durch Nitrate ausgehen. Das Ergebnis der Probe 1 (weißer Überzug) und 3 (Ziegelprobe) ist zumindest in der Sulfatbelastung als schadursachenrelevant anzusehen, die Nitratbelastung dieser Probe ist eher in den Bereich einer geringen Konzentration einzustufen.
Da der Konzentrationsgehalt des Nitrats aber sehr gering ist, kann man davon ausgehen, daß keine schadursachenrelevante Einwirkung des Calciumnitrats an den betroffenen Bereiche existiert.


II.2. Schadeinordnung in Ursachengruppen

So wie sich die Schäden als komplexe Erscheinungen zeigen, sind auch deren Ursachen als Komplex zu betrachten. Um eine Differenzierung der Schadmechanismen zu ermitteln, bedarf es unterschiedlicher Betrachtungsweisen der Ursachen und deren Einteilung in Ursachengruppen.
Fast alle Ursachengruppen greifen ineinander !

II.2.1. Mechanische Einwirkungen

An dieser Stelle werden lediglich Schäden charakterisiert, die sich infolge direkter mecha-nischer Beeinflussung von außen ergeben. Hierzu zählen die erfolgten Reparaturen an Rissen und Putzabplatzungen, die vermutlich einen Verlust von originaler Substanz nach sich zog. Dies ist in der Tatsache begründet, daß bei Ausbesserungen dieser Art lockere Bereiche weitgehend zurückgearbeitet wurden. Weiterhin ist ein versehentlicher Verlust durch Bauarbeiten am Chorgestühl möglich aber nicht konkret nachweisbar.

II.2.2. Physikalische Einwirkungen

Die durch physikalische Einflüsse entstehenden Schäden ziehen eine Sprengung und Lockerung des Materialgefüges nach sich und werden hauptsächlich durch die Schadbilder Abbrüche, Abplatzungen, Abblätterungen und Bröckelzerfall angezeigt. Die wichtigsten Schadursachen sind Salzsprengungen.

Voraussetzung für Salzschäden ist das Vorhandensein von Wasser im Materialgefüge. Die Feuchteaufnahme bis in die tieferen Regionen des Materials ist durch die Kapillarkräfte der Porenräume im Stein (oder Putz) und die hygroskopische Wirkung vorhandener Salze begründet. Wie die Luft transportiert Wasser Schadstoffe (Cox , So x , Nox , Ruß, Staub ) aus der Umgebung an. Es werden kleinere Poren der Steine verstopft, die Oberfläche abgedichtet oder die Gesteinsoberflächen aufgelöst. Die Auflagerungen besitzen infolge einer Verdichtung der eigentlichen Gesteinsoberfläche schadauslösenden Charakter. Es kommt zur Herabsetzung der Dampfdiffusion (Dampdiffusionswiderstandserhöhung) und somit zu Stauungen von Wasser oder andern Lösungen unter den betreffenden Stellen. Bei Austrocknung und Temperaturschwankungen (Frost) werden die obersten Schichten geschädigt, sie werden mit der obersten Kornlage abgesprengt. Die Schäden an den nun schon beanspruchten Partien potenzieren sich.
Salze im Mauerwerk führen ebenfalls zu physikalisch bedingten Schäden, sie werden durch Wasseraufnahme aus dem Erdreich oder dem angrenzenden Baukörper aufgenommen. Eine Aufnahme durch die Luft ist ebenfalls möglich. Es können aber auch Salzbildungen im Mauerwerk stattfinden, so z.B. durch chemische Umwandlung der Bindemittel (siehe II.2.3 chemische Einwirkungen).
Die häufigste Schadensursache im Zusammenhang mit gesteinsschädigenden Salzen ist auf die Volumenvergrößerung zurückzuführen, die sich beim Kristallisationvorgang ergibt. Der Sprengdruck hängt wesentlich von der Temperatur und der Konzentration der Salzlösung ab. Es ergeben sich dabei Drücke, die in einer Größenordnung des Druckes liegen, der beim Gefrieren vorkommt.
Die Reaktionsfähigkeit der Salze mit Wasser ist ebenfalls eine mögliche Schadursache, sie ist durch den Vorgang der Hydration begründet. Besonders gefährlich sind dabei Salze, deren Hydrationstemperatur niedrig liegt. Unter Hydrationstemperatur versteht man den Temperaturwert, bei dem die Wasseranlagerung oder Wasserabgabe erfolgt. Durch Verunreinigungen wird die Temperatur noch weiter erniedrigt. Durch die Anlagerung von Wasser entsteht wie bei der Kristallisation eine Volumenvergrößerung, es entstehen etwa gleich große Drücke.

II.2.3. Chemische Einwirkungen

Die Hauptschädigung des Mauerwerks durch chemische Einwirkung erfolgt im Zusammenhang mit Wasser und Schadstoffen aus der Luft. Als Ursache ist der Antrag von kohlendioxidreicher Luft und sauren Abgasen.
Als saure Abgase müssen dabei besonders die Oxide des Schwefels angesprochen werden. Sie werden durch die Verbrennung von /l und Kohle, die Schwefel als Verunreinigung enthalten, gebildet. Das SO3 wird vom Wasser gelöst und die entstandene verdünnte Schwefelsäure
(H2 SO4) gelangt mit der Luftfeuchtigkeit in das Kapillarsystem des Mauerwerks. Dort werden die Bindemittel angegriffen und in Sulfate umgewandelt. Die Umwandlungs-reaktionen verlaufen zum Teil unter erheblicher Volumenvergrößerung. Dies führt wieder zu den schon erwähnten Sprengwirkungen. Die chemischen Einflüsse überlagern sich mit den physikalischen Einflüssen.
Auch für die Fassung spielt diese Umwandlung eine bedeutende Rolle. Der Putz sowie die Bindung der meisten Farben bestehen aus Calciumcarbonat und könnten dem chemischen Prozeß der Umwandlung von Kalk zu Gips (und den damit verbundenen Volumen-vergrößerungen) unterzogen worden sein. Hierfür spricht auch das Vorhandensein von Gipsanteilen in den untersuchten Proben ( siehe Probe 1 Ergebnisse der Röntgen-Fluoreszensanalyse). Bei der erwähnten Volumenvergrößerung kommt es zu Spannungen in den Fassungsschichten und dadurch zur Lockerung des Schichtengefüges. Dieser Vorgang in Zusammenhang mit der Volumenvergrößerung des Trägerwerkstoffes kann zum großflächigen Ablösen der Fassungsschichten führen.

II.2.4. Feuchtigkeitseinwirkungen

Wie schon aus den Punkten II.2.2. und II.2.3. hervorgegangen ist, muß die Feuchtigkeit im Stein als eine der Hauptursachen der vorliegenden Schadprozesse gelten.
Durch den Standort des Mauerwerks, auf dem Erdreich ist eine Durchfeuchtung begründet.
Die Feuchtigkeitsaufnahme ist durch Schlagregen, Luftfeuchte, nicht mehr funktionierender Wasserableitungsanbauten (abgebrochene Gesimse, fehlende Horizontalsperre), und hygroskopischer Wasseraufnahme durch Salzgehalt im Mauerwerk gewährleistet.

III. Maßnahmekonzeption / Maßnahmen
III.1. Bildträger
Den Maßnahmen an der Malerei gingen Festigungen des gelockerten Ziegelsteingefüges voraus, die mittels Kieselsäureesther (Silex OH, ohne Hydrophobierung) vorgenommen wurden. Der Wirkstoff wurde unverdünnt mittels Injektion dreifach bis zur Sättigung appliziert. An stark gelockerten Bereichen des Steins und des Putzes wurde eine Festigung mit Paraloid B 72 (Methacrylat-Polymer) vorgenommen, welches mit Aceton und Toluen verdünnt wurde. Das Mischungsverhältnis ist wie folgt zu beschreiben: 4 Teile Toluen : 1 Teil Aceton, der Wirkstoffgehalt des B 72 in der Lösung liegt bei 5 %. Auch diese Festigung wurde mehrfach durchgeführt. An den Bereichen des Mauerwerks, an denen ein Bröckelzerfall oder eine weiße kristalline Salzschicht ersichtlich war, wurde eine mehrfache Behandlung mit Murofluat ( Muro Bauchemie) durchgeführt.
Stark gelockerte Bereiche des Ziegelsteins an denen kein Putz mehr vorhanden war wurden bis zur festen Steinzone zurückgearbeitet. Alte Putz- oder Rissreparaturen wurden entfernt. Gelockerte Putzschollen oder Putzblasen wurden mit der B 72 Lösung hinterspritzt und nach Aushärtung der Festigung mit Ledan TC 1 plus hinterfüllt und gegebenenfalls angepreßt. Zur Annetzung für die Ledanhinterfüllung wurde destilliertes Wasser benutzt.
Nach der Konsolidierung des Trägers /der Malschicht und der Freilegung der Malerei wurden die Fehlstellen in der Putzschlämme geschlossen. Dies erfolgte mit einem einschichtigen Kalkputz, der 1 Teil holzkohlegebrannten Kalk und 3 Teile feingesiebten gelben Sand enthielt. Die Fehlstellenergänzungen wurden so angelegt, daß sie leicht unter dem Niveau der originalen Schlämme liegen. Die Oberfläche wurde mittels Pinsel an die Struktur der originalen Oberfläche angepaßt.

III.2. Malerei / Fassung
Nach der Konsolidierung des Trägers wurde die gesamte Malerei von den über ihr liegenden Farbschichten befreit, hierbei konnten keine späteren Gestaltungsphasen nachgewiesen werden. Die Freilegung erfolgte mechanisch mittels Skalpell. Während und nach der Freilegung wurde die Fassung je nach Erfordernis gefestigt. Dies erfolgte mit der oben schon erwähnten Paraloid B72 Lösung und 10 % in einem Alkohol / Wassergemisch gelöstem Klucel E. Die Festigung mit Paraloid beschränkte sich hauptsächlich auf die Bereiche der freskalgebundenen Malerei und ihres Trägers, mit Klucel E wurden die seccogebundenen Farbschichten gefestigt. Bei der Festigung konnte nur nach mehrfacher Behandlung ein Erfolg herbeigeführt werden.
Nach Festigung der gelockerten Bereiche erfolgte eine Reinigung der gesamten Oberfläche mit Wishab Schwämmen (Hart). Als abschließende Maßnahme wurden die ergänzten Putzflächen mit einer ockergetönten Kalklasur eingefärbt. Es erfolgte keine Retusche der Malereifehlstellen, dies kann erst nach einer Gesamtkonzeption für die Malereien der ganzen Kirche erfolgen.


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