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Erfurt, Nikolaiturm, Elisabethkapelle

Der Nikolaiturm befindet sich am Rande der heutigen Altstadt Erfurts in der Augustinerstraße. Sein unmittelbares Umfeld wird durch weitere historische Gebäude, wie z.B. den Comthurhof und das Augustinerkloster, geprägt.

Dipl. Restauratorin Antje Döring (Möller)
 
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Nikolaiturm Erfurt
Nikolaiturm Erfurt

Der Nikolaiturm und seine Geschichte

Der Nikolaiturm befindet sich am Rande der heutigen Altstadt Erfurts in der Augustinerstraße. Sein unmittelbares Umfeld wird durch weitere historische Gebäude, wie z.B. den Comthurhof und das Augustinerkloster, geprägt. Seit 2006 erfolgt innerhalb dieses historischen Gebäudeensembles eine Lückenbebauung in Gestalt von mehreren modernen Wohnhäusern.

Errichtet wurde der Nikolaiturm Mitte des 14. Jahrhunderts. Er ist nicht nur der älteste, sondern mit 51 Metern nach dem des Domes der zweithöchste Turm Erfurts. Ursprünglich fungierte er als Kirchturm (Glockenturm) der Nikolaikirche, welche jedoch Mitte des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde.

Der quellengeschichtlich früheste Vermerk bezieht sich auf eine dort befindliche Glocke, die schon 1013 zur Andacht gerufen haben soll. Da die Nikolaikirche selbst erst 1212 urkundlich Erwähnung findet, wird in den literarischen Quellen vereinzelt die Vermutung geäußert, daß am selben Standort schon wesentlich früher eine Basilika St. Nikolai vorhanden war.

Über ein mögliches Stiftertum sind sich die Quellenschreiber nicht einig. Hartung nennt Conrad III., Sohn des Landgrafen Hermann, als Stifter; Tettau dagegen widerlegt diese Aussage anhand folgender Daten: die Erwähnung einer Glocke mit der Umschrift 1013, Conrads Eintreten in den Deutschen Ritterorden um 1234 und dessen Tod um 1241 sowie den Erwerb der Kirche 1284 durch den Deutschritterorden vom Kloster Rheinhardsbrunn.

Als Patronatsherr der Kirche gilt der Probst eines Marienstiftes. 1288 wurde das Patronatsrecht an die Brüder vom Deutschen Orden abgetreten, deren Ordenshaus, der Comthurhof, in unmittelbarer Nähe der Kirche lag.

Ab 1360 erfolgte an der südöstlichen Seite des Kirchenschiffes der Anbau des Nikolaiturmes. Der Kirchenbau stellte in Verbindung mit dem Turm den Typus einer Torkirche bzw. auch Brückenkopfkirche dar, welche die Augustinerstraße überspannte. Dadurch blieb der Zugang zur östlichen Auffahrt der Lehmannsbrücke weiterhin gewährleistet. Eine vergleichbare Situation kann man auch heute noch am Beispiel der "gidienkirche in Erfurt sehen. Sie befindet sich am östlichen Aufgang der Krämerbrücke und ermöglicht den Zugang zwischen dieser und dem Wenigemarkt.

1525 wurde im Zuge der Reformation der Gottesdienst kurzzeitig eingestellt. Mit der Rückgabe der Kirche an die katholische Gemeinde im Jahre 1526 nahm man die gottesdienstliche Nutzung jedoch wieder auf.

1632 sollte ein Vertrag zwischen dem Comthur von Griefstedt und dem Rat der Stadt die Übergabe an das evangelische Ministerium besiegeln. Dieser Vertrag kam allerdings durch die schwedische Besatzung Erfurts 1633 nicht zustande. Daraufhin erfolgte eine Nutzung als Garnisonskirche. Ein teilweiser Neubau der Kirche wurde um 1694 aufgrund starker Schäden am Bauwerk notwendig.
Fünfzig Jahre später mußte die Kirche jedoch wegen Baufälligkeit endgültig geschlossen werden.

Über den genauen Zeitpunkt des Abbruchs der Kirche findet man in den Quellen unterschiedliche Angaben. Tettau datiert den Abbruch in das Jahr 1744; Hartung dagegen beruft sich auf Frieses ,Continuation der Erfurter Kirchengeschichte-Ü (pag. 931) und datiert den Abbruch in das Jahr 1747. Fest steht jedoch, daß sie Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen wurde, einzig der Nikolaiturm blieb bis heute erhalten. Er diente noch bis 1911 als Uhrturm (,Seigerturm-Ü) und später als Lagerraum.

1790 forderte der Kurfürst von Mainz, welcher zu dieser Zeit in Erfurt regierte, einen Neubau der Kirche durch den Deutschen Orden. Dieser tritt darauf hin das Patronatsrecht an den Kurfürsten ab, da ihm für die Finanzierung des Neubaus die entsprechenden Mittel fehlten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Nikolaiturm in den Besitz der Stadt Erfurt über. Seitdem gab es verschiedene Rechtsträger, welche aber nicht vollständig bekannt sind. Festgestellt werden konnten bis etwa 1990 der VEB Kommunaler Wohnungsbau Erfurt, bis ca.1992 die EBS Bausanierung, bis 2006 die Stadt Erfurt. Im November 2006 wurde die Kapelle hinsichtlich des Nutzungsrechtes an das Augustinerkloster übergeben.


Elisabethkapelle
Elisabethkapelle

Die Elisabethkapelle

Die 1360/61 auf quadratischem Grundriß erbaute Elisabethkapelle im Erdgeschoß des Nikolaiturms weist eine kreuzgratgewölbte Decke und leicht spitzbogige Schildbogenwände auf. Architektonisch am stärksten gegliedert ist die Ostwand. Sie wird durch eine große spitzbogige Altarnische mit eingestelltem Altar -bestehend aus Mensa und gemauerter Stipesvorderwand- und einem sich in der Mitte der Nischenrückwand befindenden schmalen Rundbogenfenster charakterisiert. Als weitere Gliederungselemente sind eine Sakramentsnische und eine kleine quadratische Vertiefung, deren ursprüngliche Funktion unbekannt ist, nördlich der Altarnische anzutreffen. Nord- und Südwand weisen jeweils eine mit überhöhtem Stichbogen ausgeführte Türöffnung auf, wobei die der Südwand mittig und die der Nordwand nach Osten versetzt angeordnet ist.

Wände und Gewölbe sind verputzt und zeigten zu Beginn der Restaurierungsarbeiten verschiedene Farbfassungen. Die in Sandstein gearbeiteten Bereiche waren z.T. steinsichtig oder Träger von jüngeren Anstrichschichten. Als älteste Farbfassung waren im Bereich der Südwand großflächige Fragmente einer mittelalterlichen Wandmalerei mit szenischen Darstellungen aus dem Leben der Hl. Elisabeth von Thüringen erkennbar.

Die Entstehung der Malerei steht im Zusammenhang mit der bereits im Mittelalter stark ausgeprägten Verehrung der Elisabeth von Thüringen. Ein starker Vertreter dieser Verehrung ist im Deutschen Orden zu sehen. Er erhob neben Maria, Elisabeth zu seiner Hauptheiligen. Durch die Heiligsprechung Elisabeths (geb.1207, gest. 1231) im Jahre 1235 war sowohl das Ansehen als auch die Macht des Deutschen Ordens und der Ludowinger sehr gestiegen. Eine Beeinflussung hinsichtlich der Entstehung und des Bildprogramms durch den Orden könnte somit durchaus möglich sein. Zumal das Geschlecht der Ludowinger, dem Elisabeth durch ihre Ehe mit Ludwig IV. angehörte, mit dem Deutschen Orden seit seinem Bestehen eng verbunden war.
Anhand der jüngsten Forschungsergebnisse wird deutlich, dass ein Zusammenwirken zwischen der Kirchgemeinde der Nikolaikirche und dem Deutschen Orden sowie dem zu dieser Zeit verstärkt aufkommenden Stiftertum durch einzelne wohlhabende Persönlichkeiten als wahrscheinlich angesehen werden kann.
Vor der Übernahme der Nikolaikirche durch den Deutschen Orden 1284 gehörte diese dem Kloster Reinhardsbrunn an, welches kirchliches und geistiges Zentrum sowie Grablege des ludowingischen Geschlechts war.



2.Register, Szene 2
2.Register, Szene 2

Die Entdeckung der Wandmalerei und ihre Restaurierungsgeschichte

Ende der 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde die Malerei der Elisabethkapelle wieder entdeckt. Daraufhin wurden erste Sicherungsmaßnahmen unternommen, welche 1979 durch die Restauratorin Angela Möller ausgeführt wurden. Sie brachte Stoffkaschierungen auf, um eine Selbstfreilegung der Malerei, welche damals noch größtenteils flächig überputzt bzw. durch eine Putzglätte verdeckt war, zu verhindern.
Allerdings konnte diese Kaschierung nur eine begrenzte Zeit ihre Funktion erfüllen. Aus einem Aktenvermerk vom Dezember 1987 geht hervor, dass sich die Kaschierungen großflächig von der Malerei gelöst hätten und abgefallen sind. Über sich daraufhin anschließende Maßnahmen konnten keine Informationen gefunden werden.
In einem Aktenvermerk vom Oktober 1991 stellt Dipl. Restaurator Uwe Wagner die Forderung, die zu diesem Zeitpunkt ,als Abstellraum für nicht mehr genutzte Möbel-Ü umfunktionierte Elisabethkapelle zu beräumen, und Maßnahmen zur Sicherung der Malereien einzuleiten.
1994 erfolgte dann eine zweite Sicherungsmaßnahme. Diese beinhaltete das Aufbringen eines Haftmörtels zur Randsicherung von der Wand gelöster Putzpartien im Bereich der Südwand sowie das Einbringen eines Injektionsmörtels in Putzhohlstellen. Zur Anwendung kam hierbei ein Kalkkaseinmörtel.
1999 erfolgte in einer Praxissemesterarbeit durch die Verfasserin eine Fassungsuntersuchung für die Nord-, Ost- und Westwand.
Im Jahr 2000 schlossen sich im Rahmen der Diplomarbeit der Verfasserin umfangreiche naturwissenschaftliche Analysen, eine detaillierte Untersuchung zur Maltechnik im Bereich der Südwand sowie die Konzepterstellung zur Konservierung und Restaurierung der Wandmalerei und deren Erprobung -"anhand einer Musterfläche- an.
Die über einen Zeitraum von etwa vier Jahren (Ende 2002 bis November 2006) andauernde Konservierung und Restaurierung der Wandmalereien in der Elisabethkapelle wurde durch weitere notwendige Untersuchungen zur Salz- und Feuchtebelastung, endoskopische Untersuchungen zur Beurteilung der hohlliegenden Putzflächen, Untersuchungen mittels UV- Licht und Thermographie sowie einem interdisziplinären Forschungsprojekt zur Entwicklung eines geeigneten Hinterfüllmaterials für die Putzhohlstellen des mittelalterlichen Putzes begleitet.
Die Analysen zur Feuchte- und Salzbelastung erfolgten mit Unterstützung durch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) und wurden durch das Institut für Steinkonservierung (IFS) Mainz durchgeführt. Untersuchungen mittels Thermographie und Endoskopie sowie erweiternde chemische Analysen zu den vorhandenen Putzen wurden durch und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt Fachbereich Bauingenieurwesen (FH-EF-FBB), Prof. Dr. Ing. Christel Nehring und Dipl. Ing. Heike Dreuse durchgeführt.
An der interdisziplinären Forschungsgruppe zur Entwicklung eines Hinterfüllmörtels waren das TLDA, Dipl. Rest. Holger Reinhardt, Dipl. Rest. Uwe Wagner, die Untere Denkmalschutzbehörde (UDSB), Dipl. Ing. Kuno Amberg, die FH-EF-FBB, Prof. Dr. Ing. Christel Nehring und Dipl. Ing. Heike Dreuse, FB Konservierung und Restaurierung Prof. Christoph Merzenich, die Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar, Dr. Hans-Werner Zier, das IFS Mainz, Dr. Michael Auras sowie die Verfasserin beteiligt.




Elisabethkapelle
Elisabethkapelle

Erkenntnisse zum Mauerwerk und den Putzen in der Elisabethkapelle

Der annähernd quadratische Grundriß der Kapelle besitzt eine Kantenlänge von etwa fünf Metern, der höchste Wandpunkt liegt bei 4,5 Metern.

Das Mauerwerk der Wandflächen wurde in Kalkbruchstein, die Tür-, Fenster- und Altarnischenlaibungen sowie die Mensa des Altars dagegen mit großformatigen Sandsteinquadern (Buntsandstein) ausgeführt. Alle Sandsteine sind als Werkstein ausgeführt und zeigen Bearbeitungsspuren in Form von Scharrierungen und Punktierungen. Vereinzelt sind Steinmetzzeichen zu sehen. Den Übergang von Türlaibung zu Wandfläche bildet eine Eckverzahnung.

Auf den Wänden der Kapelle wurden verschiedene Putze festgestellt und analysiert. Als originaler Fugenmörtel kam ein kalkhaltiger Mörtel zur Anwendung. Bedingt durch die Auftragsart, übernimmt der Fugenmörtel gleichzeitig die Funktion eines Ausgleichsmörtels und Haftvermittlers zum Oberputz. Er wurde recht großzügig über den Fugenbereich hinaus aufgebracht, vermutlich geschah dies in einem oder zwei Arbeitsschritten.

Träger der ersten Farbfassung bzw. der mittelalterlichen Wandmalerei ist der über dem Fugenmörtel befindliche Fein- beziehungsweise Oberputz. Zur genaueren Untersuchung dieses Putzes wurden sehr aufwendige Analysen durchgeführt, um seine Eigenschaften und mögliche Ursachen für seine Schädigungen einschätzen zu können. Im Ergebnis der Untersuchung kann man sagen, dass es sich um einen mittelalterlichen Gipsputz handelt.

Für das 14. Jahrhundert konnte für Erfurt, trotz eingehender Recherche, bisher kein Hinweis auf einen Gipsputz, der dem der Elisabethkapelle gleichzusetzen wäre, gefunden werden. Die Anwendung von Gipsmörteln ist jedoch für Deutschland bis in die Zeit um 4000 vor Christus belegbar. Laut Steinbrecher erfolgte ab dem 10. Jh. in Mitteldeutschland eine Rückbesinnung auf die Gipsmörteltechnologie. Unter Otto I. (942) herrschte eine rege Bautätigkeit, in deren Folge, aus Gründen der Ressourcenverfügbarkeit, ein Übergang von der Kalkmörteltechnologie zur Gipsmörteltechnologie auffällig sei. Zu den frühesten Anwendungsbeispielen zählen bisher vorallem Mauermörtel, Estichböden und Stukkaturen. Mittelalterliche Gipsputze und Gipsverwendungen sind für den Kyffhäuser (1118/1204), das Thüringer Becken, Raum Mainfranken bzw. Unterfranken, Schleswig-Holstein, das nördliche Niedersachsen sowie den Harz bekannt. Diese sollen ebenfalls hohe Festigkeitswerte aufweisen. Gipsputze, die ein ähnlich festes Gefüge zeigen, sind in Erfurt für folgende Objekte belegt: -ÜHaus zum Kreuz-Ü, Michaelisstraße 9, Putze der ersten beiden Bauphasen, 16. evtl. Anfang 17. Jahrhundert; ,Kleine Alte Waage-Ü, Michaelisstraße 6, Renaissanceputz; ,Haus zum Paradies und Esel-Ü, Fischmarkt 27, Haus 2, südlicher Teil im EG, Gewölbe, Renaissanceputz; im selben Gebäudekomplex: Speicher, Stuckdecke 1633/34; östlicher Seitenflügel, Gefachputz 1563 (Datierungen laut Dendrochronolgie).

Neben seiner recht hohen Festigkeit weist der Gipsputz der Elisabethkapelle ein weiteres besonderes Merkmal auf. Über die gesamte Putzfläche verteilt besitzt er Einschlüsse, die sich in Form von kleinen Punkten abzeichnen. Mittels Infrarotspektroskopie konnten dolomitische Bestandteile in den Putzeinschlüssen nachgewiesen werden. Es könnte sich hierbei also um Dolomitkalk handeln. Da die Farbe der Einschlüsse jedoch von braun über rot bis hin zu grünlich variiert, läßt sich vermuten, dass außerdem verschiedene andere Granulate; beispielsweise aus Ziegeln, Schilfsandsteinen und eventuell tonige Erden, enthalten sind. Diese Gesteinsgranulate könnten z.B. während oder nach Abschluß des Turmbaus als Abfallprodukte der Steinbearbeitung angefallen sein und im Falle einer turmnahen Baustelle, wie zu dieser Zeit recht üblich, den Handwerkern als kostengünstiges Füllmaterial gedient haben. Eine weitere Untersuchung der Einschlüsse mittels Röntgendiffraktometrie ergab, dass es sich bei den Einschlüssen mit großer Wahrscheinlichkeit um Ziegelgranulat aus einem Schwachbrand einer Ziegelherstellung handelt.

Die festgestellte Gipsbindung des ersten Putzes konnte anhand der in der Dünnschliffuntersuchung nachweisbaren Gefügestruktur bestätigt werden. Es handelt sich um einen sehr dichten feinkristallinen Putz mit sehr geringem Porenraum. Eine Schichtung, die auf einen zweilagigen Putzauftrag deuten würde, konnte nicht festgestellt werden.
Ursprünglich war der erste Putz auf allen Wänden flächendeckend vorhanden, ausgenommen der Sandsteinbereiche. Dort liegt er über der Fuge, wobei unterschiedlich breite Bereiche des Sandsteines mit überlappt werden. Diese Art der plastischen Fugengestaltung bezeichnet man als Bandfugen. Durch das Aussparen der Sandsteine entsteht der Eindruck einer Verzahnung zwischen Wand- und Laibungsflächen. Die Oberfläche ist sehr glatt gearbeitet; Kellenspuren sind nicht erkennbar. Feststellbar sind dagegen mehrere Putzkanten, sie kennzeichnen anhand ihrer Überlappungsrichtung einen von oben nach unten ausgeführten Putzauftrag im Bereich der Wände als auch des Gewölbes. Der hier beschriebene Putz wurde auch für den gesamten Gewölbebereich festgestellt, d.h. der originale mittelalterliche Putz, welcher in die Zeit um 1360/61 datiert wird, ist hier flächendeckend erhalten.

Ein zweiter ebenfalls sehr fester Putz ließ sich im oberen linken Wandbereich der Südwand, vollflächig auf der West- und Nordwand (ausgenommen der Sockelzone) sowie relativ flächendeckend auf der Ostwand lokalisieren. Im Rahmen der Freilegung stellte sich heraus, dass er nicht nur direkt an den mittelalterlichen Putz angrenzend ausgeführt wurde, sondern im Sinne einer Egalisierung der Wandflächen auch den mittelalterlichen Putz überlappend zur Ausführung kam. Die Überlappungen wurden, soweit dies für die gesamten Wandflächen rekonstruierbar ist, vollflächig als eine Art Gipsglätte mit einer Schichtenstärke von 2-5 Millimeter Stärke ausgeführt. Als Bindemittel enthält dieser Putz ausschließlich Gips. Zeitlich kann er nicht eindeutig datiert werden, jedoch ist eine Zuordnung in die Barockzeit unter verschiedenen Gesichtspunkten vorstellbar (nachfolgend wird er daher als Barockputz bezeichnet).

Auf den Sockelzonen aller vier Wände befanden sich verschiedene Putzausbesserungen aus jüngerer Zeit. Mörtel, die ausschließlich eine sichernde Funktion übernehmen, wurden im oberen rechten Wandbereich der Südwand als Haft- und Injektionsmörtel vorgefunden. Der Haftmörtel folgt dem bogenförmigen Verlauf der Putzkante des ersten Putzes im rechten Wandbereich. Anhand einer endoskopischen Untersuchung konnte eine punktuelle Verteilung des Injektionsmörtels festgestellt werden. Mittels stegartiger Haftbrücken verbindet er das Mauerwerk mit dem ersten Putz.


1.Register, Szene 1
1.Register, Szene 1
1.Register, Szene 2 und 3
1.Register, Szene 2 und 3
Kalvarienberg um 1350
Kalvarienberg um 1350
1. Register Szene 3
1. Register Szene 3
1.Register, Szene 4
1.Register, Szene 4
2.Register, Szene 1
2.Register, Szene 1
2.Register, Szene 2
2.Register, Szene 2
3. Register, Szene 1
3. Register, Szene 1

Beschreibung der mittelalterlichen Malerei

Im Bereich der Südwand war zu Beginn der Restaurierungsarbeiten ein Teil des größten noch erhaltenen Fragments des mittelalterlichen Malereizyklus mit szenischen Darstellungen zum Leben der Hl. Elisabeth erkennbar. Im Ergebnis der im Jahr 2000 durchgeführten Diplomarbeit konnte nachgewiesen werden, dass unter dem barocken Putz weitere Malereifragmente erhalten waren.
Das genaue Ausmaß und der Erhaltungszustand ließen sich erst im Rahmen der Restaurierungsarbeiten genauer lokalisieren und bewerten.

Ursprünglich waren alle Wände der Kapelle außer der Ostwand bemalt und zeigten im Vergleich mit anderen Elisabethdarstellungen einen sehr umfangreichen Zyklus zur Vita der Hl. Elisabeth von Thüringen. Der Wandmalereizyklus ist durch einzelne Szenen gegliedert, die Anordnung der Szenen erfolgte in Registern.

Im Folgenden werden die einzelnen Szenen näher beschrieben, in Kurzform wird auf mögliche ikonographische Interpretationen eingegangen. Eine ausführliche Ausarbeitung zur Ikonographie der erhaltenen Malereiszenen sowie ihrer Stilistik erfolgte in der Magisterarbeit von Beatrix Leisner.

Im Sinne der Leserichtung werden die einzelnen Malereiszenen jeweils von links oben nach rechts unten, beginnend mit der Südwand, wiedergegeben. Die ursprüngliche Leserichtung der einzelnen Szenen entsprach mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls dieser Reihenfolge.

Südwand
Auf der Südwand sind sechs Malereiszenen erhalten, das obere Register besteht aus vier und das darunterliegende aus zwei Szenen. In der Scheitelzone der Wand und im unteren Bereich sind die Szenen durch Arkadenbögen eingefasst. Horizontal werden sie durch ein Schriftband voneinander getrennt und vertikal durch gemalte Säulen. Vor einem orangeroten Hintergrund werden weibliche und männliche Personen in verschiedenen Handlungen gezeigt.

1. Szene
In der 1. Szene sind zwei Türme erkennbar, welche vermutlich zu einer Burg- bzw. Festungsanlage gehörten. Oberhalb dieser Türme zeichnet sich eine große blaue Wolke mit Sternen ab. Infolge von Verlusten des mittelalterlichen Putzes ist der ursprüngliche Umfang dieser ersten Szene leider nicht mehr vollständig erhalten. Daher lassen sich bei der Interpretation des Dargestellten nur Vermutungen anstellen.
Unter dem Gesichtspunkt, dass diese Szene den Beginn des Erfurter Elisabethzyklus darstellt, stellt sich die Frage, inwieweit anhand anderer umfangreicher Elisabethzyklen, die neben zahlreichen Einzeldarstellungen und verkürzten Zyklen zum Leben der Heiligen existieren, eine typische Einleitungsszene herleitbar sein könnte.

Als wichtige Zyklen sind z.B. bekannt :
- um 1250 acht Reliefs des Elisabethschreins, Marburg, Elisabethkirche
- um 1250 Glasgemälde Marburg, Elisabethkirche mit 12 Darstellungen zum Leben der Hl. Elisabeth
- um 1320 Fresken von Pietro Cavallini, Neapel, S.M. Donna Regina (25 Szenen)
- um 1358 Zeichnungen, /sterreichische Nationalbibliothek, Codex 370 85v-94r: Krumauer
Bildercodex mit 80 Darstellungen zur Hl. Elisabeth von Thüringen
- um 1420 Tafelmalerei der Sängerempore, Lübeck, Heilig-Geist-Hospital, (nach Dietrich von Apolda) mit 23 Szenen auf den Brüstungstafeln
- um 1450 Elisabethteppich, Kloster St. Marienberg, Helmstedt, 19 Szenen (nach Legenda aurea)
- um 1475 Altar, Kaschau
- um 1480 Elisabethteppich, Zisterzienserkloster Wienhausen, 18 erhaltene Szenen von ursprünglich 27 oder 36 Szenen
- um 1486 Altar, B¡rtfa
- 2. Drittel des 14. Jahrhunderts, Wandmalereizyklus, Nürnberg, Ev. Luth. Pfarrkirche St. Jakob
(ehem. Deutschordenskirche), (nach Dietrich von Apolda)
- Anfang des 16. Jahrhunderts, Gemälde, Frankfurt-Sachsenhausen, Deutschordenskirche
- 1513 Altar von L. Juppe und J. van Leyten, Marburg
- 1520 Holzschnitte, ,Cronica sant Elisabeth ztu Deutsch...-Ü (nach Dietrich von Apolda), gedruckt
v. Matthes Maler, Erfurt
- um 1520 Wandmalereien in der Liboriuskapelle, Creuzburg, 18 Szenen
- um 1855 Fresken des Moritz von Schwind, Wartburg

Umfangreiche Elisabethzyklen beginnen beispielsweise mit der Weissagung des Magiers Klingsor über die Geburt der Hl. Elisabeth und deren zukünftige Vermählung mit dem ältesten Landgrafensohn, der Geburt Elisabeths, der Aussendung Elisabeths nach Thüringen bzw. dem Brautzug oder aber der Ankunft Elisabeths in Eisenach. Anhand der erhaltenen Malereifragmente, die Teile einer Festungsanlage und eine Wolke zeigen, ist es daher durchaus möglich, dass in der ersten Szene die Prophezeiung der Geburt Elisabeths durch Klingsor dargestellt wurde. Dies wird vor allem in Hinsicht auf die nachfolgenden Szenen und deren zeitlichen Bezug zur Vita der Hl. Elisabeth deutlich.

2. Szene
In einem diagonal in die Bildebene ragenden Bett sind in der 2. Szene vorn im Bett eine weibliche Person und dahinter eine männliche liegend dargestellt. Der über dem Kopf des Mannes festgestellte Schriftzug ,LAnTGREVE-Ü in gotischen Minuskeln und Majuskeln kennzeichnet diesen als einen Landgrafen. Beide tragen rote Gewänder und werden durch eine in Grün gehaltene Decke bis zur Höhe der Brust bedeckt. Zwei hinter dem Bett stehende Pagen tragen lange gelbe Gegenstände, mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Kerzen. In ihrer Haltung und Blickrichtung sind sie dem Bett und somit den darin liegenden Personen zugewandt dargestellt. Bekleidet sind sie in der Tracht des 14. Jahrhunderts: Obergewand bestehend aus einer enganliegenden Schecke mit Knöpfung und tiefsitzendem Dupsing sowie Beinlinge und Schnabelschuhe. Nach oben schließt die Schecke jeweils mit einem kinnhohen Kragen ab. Der Dupsing zeigt einen grauen Grundton, der vermutlich Silber oder ein anderes Metall imitieren soll. Auf den einzelnen Segmenten befindet sich jeweils eine weiße Verzierung in Gestalt einer vierblättrigen Blüte.
Bei den im Bett Liegenden könnte es sich einerseits um Ludwig IV. und die Hl. Elisabeth handeln, wobei man sich auf ein mittelalterliches Ritual der Verlobung beziehen würde. Als wahrscheinlicher kann jedoch eine zweite Interpretation angesehen werden. Bei dieser geht man davon aus, dass es sich um den Landgrafen Hermann I. mit Ehefrau Sophie von Bayern, die Eltern Ludwigs IV., handelt, wobei dem mit geöffneten Augen im Bett liegenden Landgrafen noch in der Nacht der Prophezeiung Klingsors die Nachricht durch die kerzentragenden Pagen überbracht wird.

3. Szene
In der 3. Szene sind wiederum vier Personen dargestellt, drei davon befinden sich einem jungen Schriftführenden gegenüber. Dieser sitzt mit dem Rücken zur linken Säule. Auf seinem das linke Knie überschlagenden rechten Bein hält er mit der linken Hand eine Schriftrolle, während die rechte einen Schreibgriffel führt. Die zentral im Vordergrund, leicht seitlich auf der großen Fläche, sitzende Person wird durch den über ihrem Kopf angeordneten weißen Schriftzug ,LAnTGREVE-Ü als Landgraf gekennzeichnet. Durch seinen erhobenen rechten Arm nimmt er einen diktierenden Gestus ein. Hinter ihm angeordnet befinden sich eine weibliche Person und ein kleiner Junge. Die mit Krone und Kruseler dargestellte Frau hat ihre Hand in fürsorglicher Geste auf den Arm des Knaben gelegt, hierdurch wird eine vertraute Verbindung der beiden zueinander vermittelt. Der mit einem Gabelbart dargestellte Landgraf trägt als Gewandung eine fast knielange Schecke. Im Bereich des Oberarms hängen helle fahnenartige Bänder an den "rmeln herab. Die "rmelenden weiten sich glockenförmig und verdecken einen Teil der Hand, dieser Gewandschnitt entsprach der aktuellen herrschaftlichen Mode. Quer über den Schoß trug der Landgraf vermutlich einen Dupsing, welcher sich nur noch als hellgelber Streifen abzeichnet. Als Kopfbedeckung trägt er eine Kappe mit Pelzbesatz und Federschmuck. Die drei weißen Verzierungen auf dem blauen Teil der Kappe können als Pelzbesatz interpretiert werden. Eine identische Kappe konnte auf dem Chorschrankenretabel (Kalvarienberg) der Predigerkirche in Erfurt festgestellt werden. Der Reiter, der diese Kappe trägt, ist zudem mit einem pelzgefütterten Mantel bekleidet, der die gleichen weißen Details zeigt. Die Mutter des Knaben trägt ein braunes Kleid und einen roten Mantel. Es ist anzunehmen, dass die hier Dargestellten den Landgrafen Hermann I., den Vater von Ludwig IV. sowie hinter ihm stehend bzw. sitzend seine Gemahlin Sophie und Sohn Ludwig kennzeichnen. Vermutlich wird das Verfassen des Schreibens an das ungarische Königshaus mit der Bitte um Verlobung von Ludwig und Elisabeth verbildlicht.

4. Szene
Die 4. Szene des ersten Registers zeigt eine am linken Szenenrand stehende Figur. Diese hält ein mit einem Siegel versehenes Schriftstück, welches sie an den zweiten Reiter einer dreiköpfigen Reitergruppe reicht. Durch die gestaffelt hintereinander stehenden Pferde und deren nach rechts gewendete Köpfe kann man davon ausgehen, dass die Reiter im Begriff sind, sich von der links im Bild stehenden Person zu entfernen. Der Reiter auf dem vordersten Pferd und der Reiter des dritten Pferdes blicken in die vom ersten Reiter mit erhobenem rechten Arm angezeigte Reitrichtung. Jedes der Pferde ist in einem anderen Farbton gemalt das Vorderste in Weiß, das Zweite in Blau und das Dritte in Violett. Die Farbtöne werden somit zum Bildhintergrund hin dunkler, so dass an eine Umsetzung der Farbperspektive gedacht werden könnte.
Als Deutung dieser Szene ist im Kontext des zeitlichen Ablaufes die Darstellung der Brautgesandten, die 1210/11 an den ungarischen Hof ritten und König Andreas II. das Schreiben zur Brautwerbung um Elisabeth überbrachten, anzunehmen.

5. Szene
Die 5. Szene befindet sich links im zweiten Register. Sie konnte ebenso wie die erste Szene sowie weitere Teilbereiche im Rahmen der Restaurierungsarbeiten freigelegt werden. Dargestellt ist eine weibliche Person mit Kruseler, neben ihr befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mann, der eine Kopfbedeckung mit Federschmuck trug. Aufgrund größerer Putzverluste ist die ursprüngliche Aussage dieser Szene nicht mehr nachvollziehbar. Daher sollte der Deutungsversuch als reine Hypothese angesehen werden. Inhaltlich wäre die Überbringung Elisabeths an den thüringischen Landgrafenhof, ihre Ankunft in Eisenach oder ein Hochzeitsritual, bei dem die zu Vermählenden sich an die Hand gegeben werden, denkbar. Auch das nur fragmentarisch erhaltene Schriftband oberhalb dieser Szene kann keinen weiteren Aufschluss über den Inhalt geben. Erhalten sind lediglich die Buchstaben ,HI-Ü , welche man mit ,Hier-Ü übersetzen kann.
Die zu Beginn erwähnte waagerechte Trennung des oberen vom unteren Register durch ein weißes Schriftband mit schwarzen gotischen Minuskeln und Majuskeln zeigt oberhalb der sechsten Szene folgenden Text , ·hI ·hBEn ·SY ·dY ·WEYRTSChAFT ·ZU ·dER ·hOC-Ü und kann folgendermaßen interpretiert werden: ,Hier haben sie die Wirtschaft zu der Hoc[hzeit]", d.h. im übersetzten Sinne: ,Hier feiern sie die Hochzeit bzw. halten das Hochzeitsmahl ab-Ü.

6. Szene
Da die 6. Szene eine Tafelszene zeigt, liegt die Vermutung nahe, dass sich der erwähnte Schriftzug direkt auf diese bezieht. Die mit einem weißen Tuch bedeckte Tafel nimmt fast die gesamte Fläche der Szene ein. An ihr sitzend werden fünf Personen -zwei Männer und drei Frauen- gezeigt. Eine Interpretation der hier dargestellten Personen kann nicht eindeutig erfolgen, da verschiedene Konstellationen möglich sind. Als gesichert kann die Darstellung der in der Mitte der Tafel sitzenden Frau, welche durch den Schriftzug: , ·ELIZABET ·-Ü als die Hl. Elisabeth gekennzeichnet wird, angesehen werden. Die links von ihr sitzende Frau trägt ebenfalls eine Krone, allerdings auf dem Kruseler, hierbei könnte es sich um die Schwiegermutter Elisabeths -Landgräfin und Witwe Sophie -" handeln, bei dem rechts von ihr sitzenden Mann um ihren Gemahl Ludwig IV. sowie an den Außenseiten eine Schwester Ludwigs IV. und einen seiner Getreuen wie z.B. Walther von Vargula oder aber Begleiter Elisabeths wie z.B. Bertha von Bendeleben, Dienerin Guda oder die verheiratete Isentrud von Höselgau.

Westwand
Auf der Westwand haben sich aufgrund früherer Schädigungen und Renovierungen nur kleinflächige Fragmente der Malerei erhalten, so dass lediglich entlang der Ränder der Bogenflächen, also in dem Bereich, wo der Putz am stärksten auf dem Mauerwerk haftete und gleichzeitig den geringsten Beanspruchungen ausgesetzt war, ein schmaler unregelmäßiger Streifen des mittelalterlichen Putzes und seiner Malerei freilegbar waren.
Anhand der Malerei- und Schriftfragmente kann man auf das ursprüngliche Vorhandensein von etwa acht bis zehn Szenen, die auf drei Register aufgeteilt waren, schließen. Als einzig deutlich erkennbare Darstellung kann eine im linken unteren Wandbereich erhaltene weibliche Figur in blauem Kleid genannt werden. Eine Interpretation des Bildinhaltes ist aufgrund des hohen Verlustes nicht möglich.

Nordwand
Für die Nordwand gilt hinsichtlich des erhaltenen Umfangs an Wandmalerei Vergleichbares wie für die Westwand. Auch hier haben sich vorrangig entlang der Wandbogenfläche Putz und Malerei aus dem Mittelalter erhalten können. Im linken unteren sowie im oberen rechten Wandbereich konnten jedoch noch etwas größere Malereifragmente freigelegt werden.

Die Aufteilung der Wandmalerei in Szenen erfolgte auch hier, ähnlich der Westwand, in drei Registern, wobei das zweite Register durch den Laibungsbogen der Türöffnung geschnitten wird und somit wiederum eine von der Süd- und Westwand verschiedene Szenenaufteilung vorhanden gewesen sein muß. Die erhaltenen Malerei- und Schriftbefunde lassen eine Aufteilung in etwa fünf bis sechs Szenen möglich erscheinen. Im obersten Wandbereich, welcher ursprünglich die erste Szene dieser Wandfläche beinhaltete, befand sich vermutlich eine wenig figürliche Darstellung. Hier ist, so weit dies noch erkennbar ist, auf einem orangeroten Hintergrund eine schwarze Linie von winkelartiger Gestalt erhalten. Über deren inhaltliche Aussage sind leider nur Spekulationen möglich. Vorstellbar wären z.B. eine Inschrifttafel oder ein Wappen. Auf der Westwand ist im obersten Wandbereich ein vergleichbares Malereidetail erhalten, jedoch weist es einen schlechteren Erhaltungszustand bzw. geringeren Umfang auf.

Das zweite Register der Nordwand wird von der obersten Wandzone im linken Wandbereich durch ein Schriftband getrennt. Aufgrund der Verluste ist hier nur noch folgender Inschriftansatz lesbar: ,HI A...-Ü. Eine Deutung ist daher lediglich für das erste Wort möglich, es bedeutet ,Hier-Ü. Die sich direkt darunter befindliche zweite Szene dieser Wand zeigte ursprünglich vermutlich mehrere Personen. Eindeutig erkennbar ist von diesen nur noch eine Frauengestalt mit blondem Haar und grünem Gewand im linken äußeren Bildbereich. Doch auch sie ist nur noch teilweise erhalten, so dass über die ursprüngliche Personenzahl und die dargestellte Handlung keine Interpretationen möglich sind. Auch die in Weiß ausgeführte Inschrift innerhalb der Szene und über den Köpfen der ursprünglich Dargestellten ist so stark geschädigt, dass sie nicht mehr eindeutig lesbar ist. Da auf der Südwand mit solchen Inschriften nur der Landgraf (,LAnTGREVE-Ü) und Elisabeth (,ELIZABET-Ü) gekennzeichnet wurden, kann man annehmen, dass auch hier einer der beiden gemeint war.
Im gleichen Register, jedoch im rechten Wandbereich ist ein Teilstück einer weiteren Szene erhalten. Dargestellt ist ein nach oben hin z.T. in den Bereich der ersten Szene ragendes Gebäude mit Turm, welches vermutlich einen Sakralbau oder aber ein Hospital kennzeichnet. Durch das malerische ,Weglassen-Ü der vorderen Fassadenfläche wird der Blick in das Innere des Gebäudes und auf die dortige Handlung ermöglicht. Ursprünglich wurde hier Elisabeth mit Krone und eine männliche Person gezeigt. Dass es sich um Elisabeth handelte, kann anhand der diagonal verlaufenden weißen Inschrift ,.LIZABE.-Ü nachgewiesen werden, obwohl von Elisabeth selbst nur noch die Krone erhalten ist. Weiterhin erwähnenswert sind die ursprünglich vorhandenen Strahlen, die sich etwa auf Brusthöhe Elisabeths und vor dem Kopf des ihr gegenüber dargestellten Mannes befanden. Die Strahlen sind in Folge von Fassungsverlusten nur noch schemenhaft erkennbar, vergleichbar mit einem Negativabdruck. Über den genauen Inhalt der Darstellung können somit nur Vermutungen angestellt werden. Da der Mann im Größenverhältnis zu Elisabeth eine kleinere Position einnimmt, könnte man schlußfolgern, dass er vor ihr gekniet hat. Im Zusammenspiel mit dem Gebäude, welches eine kirchenähnliche Architektur (die auch für eine Hospitalsdarstellung durchaus verwendet worden sein kann) aufweist, könnte es sich um eine Szene des karitativen Handelns Elisabeths oder ihre Stiftung des Marburger Hospitals handeln.
Die nächstfolgende Szene befindet sich im dritten Register, im linken unteren Bereich der Nordwand.

Mittels eines Schriftbandes wurden das zweite und dritte Register visuell voneinander getrennt. Die noch erhaltenen schwarzen Buchstaben ,HI VIN....-Ü lassen aufgrund der Unvollständigkeit keine nähere Deutung der ursprünglichen Aussage zu. Als wahrscheinlich kann dagegen der direkte Bezug auf die darunter befindliche Malerei angesehen werden.

Hier ist in einem schlichten grünen Gewand eine Frau in trauerndem Gestus dargestellt. Sie kann anhand der über ihrem Kopf festgestellten weißen Inschrift ,.LIZAB..-Ü eindeutig als Elisabeth identifiziert werden. Unklar bleibt dennoch, welche Station des Lebens Elisabeths diese Szene zeigte, da der vor ihr befindliche Gegenstand zwar vermutlich als Lagerstatt gemalt wurde, aber der, die oder das von ihr Betrauerte aufgrund von Substanzverlusten verloren ist. Lediglich im Bereich der linken Türlaibung hat sich auf einem der Laibungssteine ein separat stehendes Malereifragment erhalten. Doch auch hieraus können keine Rückschlüsse gezogen werden, da es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den unteren Abschluss einer Szene handelt, bei der einzig Faltenwürfe eines grau-weißen Tuches erkennbar sind.

Als möglicher Inhalt kämen unter anderem die Trauer über den Tod ihres Gemahls und die Beisetzung seiner Gebeine, der sie nachweislich beiwohnte, in Frage. Allerdings stellen sich hierbei folgende Fragen: Wieviel Raum nahm diese Szene auf der verbleibenden Wandfläche ein? Wenn sich eine weitere Szene anschloss, was als wahrscheinlich angesehen werden kann, welchen Inhalt hatte dann diese bzw. mit welcher Aussage wollte der Erfurter Elisabethzyklus enden?

Als Abschlussszene ausführlicher Elisabethzyklen werden häufig Elisabeths Tod, die Translation ihrer Gebeine oder durch sie bewirkte Wunder genannt. Unter diesem Gesichtspunkt sowie den vorangestellten Fragen ist zu erwägen, ob somit der Tod Ludwigs bzw. die Beisetzung seiner Gebeine und der Tod Elisabeths bzw. die Translation ihrer Gebeine nebeneinander dargestellt wurden.

Zusammenfassend kann man annehmen, dass auf der Kapellensüdwand vorrangig das höfische Leben und die mit der Eheschließung Elisabeths und Ludwigs einhergehenden Ereignisse gezeigt wurden. Auf der Westwand schlossen sich dann mit großer Wahrscheinlichkeit wichtige Begebenheiten aus dem ehelichen Leben der beiden an sowie vermutlich erste mildtätige Bemühungen Elisabeths. Dem karitativen Wirken und geistlichen Bestreben Elisabeths, den ihr zugeschriebenen Wundern sowie dem Tod ihres Gemahls als auch ihr eigener wird dann wohl auf der Nordwand in szenischen Darstellungen Raum gegeben worden sein.


1.Register, Szene 2 und 3
1.Register, Szene 2 und 3
UV-Aufnahme
UV-Aufnahme
UV-Aufnahme
UV-Aufnahme

Jüngere Farbfassungen

Als erste Übermalung der mittelalterlichen Malerei erfolgte ein Kalkanstrich. Darauf aufliegend wurden, unmittelbar oberhalb des Scheitelpunktes der südlichen Türnische, geringste Reste einer sehr fetten und festen Farbfassung festgestellt. Anhand des Schichtenaufbaus und Untersuchungen mit ultraviolettem Licht stellte sich heraus, dass diese zur zweiten polychromen Fassung zählen. Bestandteil dieser waren zwei Medaillons mit jeweils einem Kopf, wovon sich das eine im Bereich über dem Scheitelbogen der Türlaibung und das andere im westlichen Wandbereich, auf der Höhe der Tafel der mittelalterlichen Malerei, befand.

Auf dem barocken Gipsputz wurde ein zweischichtiger, weißer Kalkanstrich festgestellt, dieser kann als dritte vorgefundene Fassung definiert werden.
Eine ursprünglich polychrome Gestaltung im Bereich der östlichen Fensterlaibung sowie auf der Altarnischenrückwand konnte nur fragmentarisch in ihrem Formenverlauf nachvollzogen werden, da sie extreme Schädigungen und Verluste aufwies. Aus den wenigen schlecht erhaltenen Partien konnte nach intensiver visueller Untersuchung auf eine vermutlich über Eck gespiegelte Dekoration geschlossen werden. Ausgeführt war diese in einem roten Grundton auf dem sich diagonal angeordnet eine ockerfarbene Blütenranke (?), die mit braun und schwarz akzentuiert wurde, befand. Die hier beschriebene Farbgebung sowie die in den anderen Wandbefunden festgestellten weißen Kalktünchen können unter Vorbehalt als vierte Fassung gesehen werden.

Der fünften und jüngsten Fassung (19./20. Jh.) wurde der sichtbare graugrüne Anstrich der Wände mit dem sie einrahmenden ultramarinblauen Begleitstrich, die rote Sockelgestaltung , eine den Fensterbereich umgebende Schablonengestaltung sowie der orangefarbene Deckenton mit den hellblauen Bändern der Gewölbegrate zugeordnet. Im Scheitelpunkt des Gewölbes gehen die Bänder in ein Medaillon über, auf hellblauem Grund ist ein Lamm Gottes mit Siegesfahne dargestellt.
Die Wand- und die Laibungsfläche der spitzbogigen Altarnische besaß einen hellblauen Anstrich, auf der Wandfläche konnten zudem Reste einer Schablonierung mit oxidroten Lilien und ein dünner abschließender Begleitstrich lokalisiert werden. Der Laibungsbereich des Fensters zeigte eine sehr aufwendige Schablonengestaltung, die zum Teil bis auf die Rückwand der Altarnische überging. Auf der Fase der spitzbogigen Altarnische konnte auf dem graugrünen Farbton der Wände eine ockerfarbe Schablonierung mit palmettenartigen Ornamenten festgestellt werden. Auch diese Gestaltung wurde der fünften Fassung zugeordnet.



Anmerkung

Sollten Sie Interesse an einer vollständigen Version (PDF-Datei) der Dokumentation haben, wenden Sie sich bitte an das romoe -Team.


Schmalkalden Hessenhof - Raum- und Malereikopie / Iwein-Zyklus Malerei Original
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