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Salzburg, Hohensalzburg, Fürstenzimmer

Kunsthistorische Bauforschung, Restaurier- und Veränderungsgeschichte der Fürstenzimmer, Befunduntersuchung, Restaurierungsplanung, Fachbauaufsicht

Mag. Ingrid Rathner
 
 



Zur Geschichte der Fürstenzimmer

Die Fürstenzimmer entstanden um 1500 unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach und dienten vermutlich als Wohnung fürstlicher Gäste und zu Repräsentationszwecken. Das Prunkappartement, bestehend aus einem großen Festsaal, einer Stube, einer kleinen Bibliothek und einer Schlafkammer, wurden aufwendig und kostbar in Material und Technik ausgestattet und vereint in sich den Anspruch Keutschachs als Reichsfürst und geistlicher Würdenträger. Dies Doppelfunktion tritt sowohl im Typus der Ausstattungselemente wie auch in der Vielzahl von narrativen und ikonografischen Darstellungen zutage, die programmatisch auf den Machtanspruch des Fürsterzbischofs verweisen. In den Räumen vereint sich in einzigartiger Weise der Typus des Stube-Appartements mit Elementen sakraler spätgotischer Ausstattungen.



Historische Objektforschung

Da die bereits zuvor durchgeführte Quellenforschung zu den Fürstenzimmern ein unbearbeitetes Konvolut von Unterlagen zu zwei wesentlichen Restaurierungsphasen zum Vorschein brachte, standen am Beginn der Arbeiten umfangreiche Forschungen zur Aufarbeitung und Klärung der Restaurier- und Veränderungsgeschichte der wandgebundenen Ausstattung. Mittels kunst- und kulturhistorischer Auswertung sämtlicher Quellen konnte eine kritische Analyse des ästhetischen und historischen Dimension des Objektes erfolgen. Dem folgten eine befundorientierte Interpretation und eine kunsthistorische Bestandsanalyse. Dabei wurde jedem einzelnen Ausstattungselement die, für dieses Element relevante, Bearbeitungs- und Veränderungsgeschichte zugewiesen und in Beziehung zueinander gesetzt. So konnten teilweise erhebliche Veränderungen im Bezug auf Überarbeitungen und Positionierung im Raum diagnostiziert werden. Die Forschungsergebnisse und sie sich daraus ergebenden Fragestellungen ermöglichten zielgerichtete und fundierte konservierungswissenschaftliche Befunduntersuchungen.


Restauratorische Befundung

Auf die Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der komplexen Restauriergeschichte aufbauend erfolgte die konservierungs- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Dazu gehören neben der Bestands- und Schadensanalyse sowohl makroskopische wie auch mikroskopische Schichten- und Pigmentanalysen der Fassungen. Diese Analysen unterstützen unter anderem die Identifizierung der verschiedenen Zeit- und Überarbeitungsphasen und geben Auskunft über die materialtechnischen Zusammenhänge. Ergänzend wurden dendrochronologische und bauphysikalische Untersuchungen durchgeführt. Dabei galt es vor allem eine eventuelle Gefährdung der Substanz durch negative Klimaeinflüsse oder schädlichen Sonnenlichteintrag festzustellen. Ziel der Untersuchungen war ein umfassendes Konservierungs- und Restaurierungskonzept.


Restaurierungskonzept

Die wandgebundene Ausstattung der Fürstenzimmer war vor allem auf Grund der zwei großen Restaurierungsphasen teilweise erheblichen Veränderungen unterworfen und befindet sich heute, vor allem die Fassungen, in einem Art Mischzustand. Da jedoch die Lesbarkeit und Authentizität der Räume in ihrer potentiellen Einheit erhalten blieben, wurde auf mögliche rückführende Maßnahmen verzichtet. Das auf uns gekommene Erscheinungsbild wird als historische gewachsener Zustand respektiert. Die farblichen Veränderungen an den Wandflächen, die auf die wechselnde Positionierung von Knöpfen und Ornamenten zurückzuführen sind, werden als historisches Dokument belassen. Auf Grund der raschen, ungenauen und materialtechnisch problematischen Ausführung der letzten umfassenden Restaurierung müssen vor allem konservierende und die Qualität der letzten Arbeiten verbessernde Maßnahmen getroffen werden. Alle Fehlstellen an Farbflächen und Metallauflagen werden mittels, für den Betrachter aus der Entfernung nicht sichtbaren, klar zu identifizierenden Retuschen geschlossen.

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